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Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198)

Auf dem Genfer Automobil-Salon im März 1957 hat der 300 SL Roadster (W 198) seine Weltpremiere. Als Nachfolger des 300 SL Flügeltürers tritt er kein leichtes Erbe an, denn schon damals ist der  Supersportwagen mit den charakteristisch nach oben öffnenden Türen eine Legende. Technisch entspricht der Roadster größtenteils dem Coupé. Einzig die Hinterradaufhängung wird grundlegend überarbeitet: Eine modifizierte Eingelenk-Pendelachse mit tiefgelegtem Drehpunkt verrichtet im 300 SL Roadster ihren Dienst. Gegenüber der ursprünglichen Pendelachse des Flügeltüren-Coupés verbessern sich die Fahreigenschaften deutlich – sehr zum Vorteil für Fahrzeug und Fahrzeuginsassen. Im Verlauf der sechsjährigen Produktionszeit fließen einige technische Änderungen ein, zwei davon sind besonders erwähnenswert: Im März 1961 erhält der 300 SL Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrädern und ab März 1962 wird ein modifizierter Motor mit Leichtmetall-Block eingebaut. Ab Oktober 1958 gibt es als Sonderausstattung ein abnehmbares Coupé-Dach für DM 1.500,–, das auch nachträglich bestellt und montiert werden kann.

Hauptabsatzmarkt für den Roadster sind die USA. So wird auch dieser 300 SL nach Nordamerika verschifft und dort 1960 erstmals registriert. Nach unseren Recherchen gab es bis 1980 zwei Vorbesitzer. Ab 1980 war das Fahrzeug in einer Sammlung im US-Bundesstaat Georgia. Der Eigentümer war in den 1950er und 60er Jahren Mitarbeiter bei Mercedes-Benz, Stuttgart und eröffnete 1967 einen Fachbetrieb für Mercedes-Benz Autos. Seinen schwarzen SL bewegte er oft und gerne. Dazu ging es auch mal auf sportliche Veranstaltungen, wie z. B. dem „The Great Race“ (www.greatrace.com), bei denen das Fahrzeug seine Langstreckenfähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Da ist es natürlich auch von Vorteil, dass die eigenen Mechaniker der Mercedes-Benz Werkstatt das Fahrzeug entsprechend vor- und nachbereiten konnten (Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit).

Mercedes-Benz Classic besichtigt das Fahrzeug 2017. Zu diesem Zeitpunkt präsentiert sich der Roadster in ansprechendem Zustand, d. h. mit sehr guter Substanz, aber mit sichtbaren Gebrauchsspuren und Detailmängeln. Die Nummern von Fahrgestell mit Motor, Schaltgetriebe und Lenkung stimmen mit den originalen Produktionsdaten überein (matching numbers). Alle Zier- und Anbauteile der Karosserie sind vorhanden und am Fahrzeug verbaut. Mit am Auto montiert ist ein Hardtop in der Wagenfarbe schwarz. Das Lackbild (Farbton schwarz) ist gleichmäßig und der Lack hat einen überdurchschnittlichen Glanzgrad. Der Innenraum ist mit Leder (Farbton rot) ausgeschlagen und hat z. T. stärkere Gebrauchs- und Alterungsspuren. Das Verdeck (schwarz) ist in durchschnittlichem Zustand. Vorschäden an Karosserie und Rahmen sind bei der Besichtigung nicht feststellbar. Die Technik ist ebenfalls in gutem Zustand und das Auto ist technisch uneingeschränkt fahrbereit.

Alle wesentlichen Komponenten funktionieren. In der Zusammenfassung ist der Roadster technisch gut, die Karosserie ohne Schäden und Beschädigungen. Aber die zahlreichen und bisweilen sehr starken Gebrauchsspuren ergeben Handlungsbedarf. Daher entscheidet sich Mercedes-Benz Classic, dieses Fahrzeug als Basis für eine Frame-off- Restaurierung zu erwerben. 2017 kommt der Roadster zurück nach Deutschland und wird gegenwärtig unter der Leitung von Mercedes-Benz Classic restauriert. Der geplante Fertigstellungstermin ist 2019/20.

Die Vollrestaurierung bezieht alle Fahrzeugkomponenten mit ein. Im ersten Arbeitsdurchgang werden Chassis und Rahmen getrennt, der Antriebsstrang mit Motor und Getriebe ausgebaut und alle weiteren Fahrzeugteile demontiert. Im zweiten Schritt erfolgt eine Bestandsaufnahme von Zustand, Vollständigkeit und Originalität aller Komponenten. Im dritten und aufwendigsten Abschnitt werden alle Teile des Fahrzeugrahmens, der Fahrzeugkarosserie und der Antriebseinheit gereinigt, aufgearbeitet und/oder erneuert und wieder zusammengefügt. Der Gitterrohrrahmen des W 198 ist eines der wichtigsten Fahrzeugbauteile. Er ist äußerst stabil auf Druck- und Zugkräfte, jedoch können Beschädigungen an der Struktur seine Stabilität beeinträchtigen. Daher erhält dieses Bauteil bei einer Vollrestaurierung besondere Aufmerksamkeit von erfahrenen Experten. Bei dem 300 SL wird der Rahmen freigelegt, gereinigt und gestrahlt. Anschließend erfolgt eine Untersuchung auf Beschädigungen sowie eine Materialanalyse des Stahls. Im Nachgang wird er präzise vermessen und bearbeitet, sodass der Rahmen alle Herstellervorgaben erfüllt. Zum Abschluss der Arbeiten erfolgt die Neulackierung in schwarz – genau wie 1960. Die Antriebseinheit mit Motor und Getriebe wird bei dieser Vollrestaurierung bis in das kleinste Einzelteil zerlegt, geprüft und überarbeitet. Dabei liegt das Hauptaugenmerk bei diesen Arbeiten auf der Bewahrung von vorhandener Substanz. Um die größtmögliche Originalität zu erhalten, werden mechanische Komponenten nur dann ersetzt, wenn es unabdingbar ist.
In diesen Fällen werden, wenn immer möglich, Mercedes-Benz Original-Teile verbaut.

Um die Substanz und damit den Wert dieses Klassikers bestmöglich zu erhalten und weiterzugeben, kommt es auf Details an. So werden die Fahrzeugteile, die im nicht sichtbaren Bereich liegen oder beledert sind, in der Grundierungsfarbe hellbeige lackiert. Im Motorraum dagegen wird das Blech matt schwarz lackiert. So wurde es seinerzeit gemacht und so behalten es die Spezialisten von Mercedes-Benz Classic bis heute bei.

Alle Arbeiten, von der Zerlegung, Zustandsermittlung und dem Neuaufbau bis hin zu Archivrecherchen und Originalitätsprüfungen durch Mercedes-Benz Classic, sind dokumentiert. Eine Herstellerexpertise zur Originalität liegt vor und wird dem Fahrzeugkäufer ausgehändigt. Dieses Zertifikat bestätigt die Originalität dieses Ausnahmefahrzeugs und garantiert dem Käufer die Echtheit seines 300 SL Roadsters. Der Kaufpreis ist inkl. 19 % MwSt.

Keine Haftung für Druck- und Schreibfehler.
Irrtum und Zwischenverkauf vorbehalten.

Fahrzeugdetails

300 SL Roadster
300 SL Roadster
W 198
1960
0 Kilometer
01.07.1960
Mercedes-Benz Museum
Concours Edition
auf Anfrage
auf Anfrage
auf Anfrage
Ja
auf Anfrage
Ja

Technische Details

Cabrio/Roadster
215 PS
2.996 ccm
6
2
links
Schaltgetriebe
4
Heckantrieb
Trommelbremsen
Trommelbremsen
Benzin
10 s
250 km/h
12,5 l

Individuelle Konfiguration

Schwarz (DB 040)
Rot (DB 1079)
Leder
Nein
Ja
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Ja
Ja
1.858
1957-1963

Modell Historie

Modell Historie: Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198)

Das legendäre Flügeltürencoupé war der erste reinrassige Sportwagen, der nach dem Krieg bei Daimler-Benz entwickelt wurde. Initiiert wurde diese Entwicklung von Max Hoffman, einem US-Amerikaner österreichischer Abstammung, der seit September 1952 als offizieller Importeur von Mercedes-Benz Fahrzeugen fungierte. Der Vorstand sah Hoffmans Wunsch, Sportwagen mit dem Mercedes-Stern zu verkaufen, als willkommene Möglichkeit, den US-Markt für Daimler-Benz zu erschließen, und ließ sich überzeugen: Im September 1953 fiel der Startschuß für die Entwicklung zweier Sportwagen-Typen.

Die Serienversion des 300 SL, die als ein Ergebnis dieser Entwicklung im Februar 1954 auf der „International Motor Sports Show“ in New York präsentiert wurde, basierte auf dem Rennsportwagen der Saison 1952. Von diesem stammte das auffälligste Merkmal, die berühmten Flügeltüren, die dem Wagen im angelsächsischen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Gullwing“ einbrachten. Diese ungewöhnliche Lösung war nicht als publicity-trächtiger Design-Gag konzipiert, sondern hatte – wie bereits im Rennsportwagen – zwingende, konstruktiv bedingte Ursachen: Der aus dem Rennsport-SL übernommene Gitterrohr-Rahmen, der bei extremer Belastbarkeit nur 50 kg auf die Waage brachte, hatte den Nachteil, dass seine Bauhöhe keine konventionellen Türen ermöglichte.

Unter der stromlinienförmigen Karosserie verbargen sich weitere Neuerungen: So kam die Benzineinspritzung erstmals bei einem Mercedes-Benz Serienfahrzeug zum Einsatz; sie ermöglichte eine Leistungssteigerung von 40 PS gegenüber der vergaserbestückten Rennsport-Ausführung. Der Motor war zur Seite geneigt eingebaut, so dass ein besonders flacher und strömungsgünstiger Vorbau realisiert werden konnte. Die konsequente Leichtbauweise – das Gewicht des fahrfertigen Wagens mit Reserverad, Werkzeug und Brennstoff betrug 1295 kg – verhalf dem 300 SL auch zu seinen aufsehenerregenden Fahrleistungen: Je nach Hinterachsübersetzung war eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 235 km/h und 260 km/h erzielbar. Das Fahrwerk entsprach im wesentlichen demjenigen der 300er Limousine, verzichtete aber auf die dort vorhandene Zusatzfederung und war sportlicher abgestimmt.

Von August 1954 bis Mai 1957 entstanden in Sindelfingen 1.400 Exemplare, davon 29 mit Leichtmetall-Aufbau und ein Versuchsfahrzeug mit Kunststoff-Karosserie. Das Einzelstück mit GFK-Karosserie ist an zwei Besonderheiten eindeutig zu identifizieren: Es verfügt über zusätzliche, auf den Vorderkotflügeln angeordnete Blinkleuchten, wie sie vom Typ 220 a bekannt sind, und hat Türen mit größeren Spaltmaßen, die nicht ganz bündig schließen.

Auf dem Genfer Automobil-Salon im März 1957 wurde als Nachfolger des Flügeltürers ein Roadster vorgestellt, der wie sein Vorgänger auf die Initiative von Max Hoffman zurückging. Dieser hatte schon seit geraumer Zeit auf eine offene Version des 300 SL gedrängt, für die er auf dem US-Markt gute Absatzchancen sah. Technisch entsprach der Roadster im großen und ganzen dem Coupé; durch Modifikation der Seitenteile des Gitterrohr-Rahmens konnte die Einstiegshöhe so weit reduziert werden, dass sich normale Türen realisieren ließen. Grundlegend verbessert wurde die Hinterrad-Aufhängung: Die bereits vom Typ 220 a bekannte Eingelenk-Pendelachse mit tiefgelegtem Drehpunkt wurde in angepaßter Form nun auch beim 300 SL Roadster eingebaut und war erstmals mit einer Ausgleichfeder versehen. Gegenüber der ursprünglichen Pendelachse des Flügeltüren-Coupés waren deutlich verbesserte Fahreigenschaften zu verzeichnen.

Ab Oktober 1958 gab es als Sonderausstattung ein abnehmbares Coupédach, das zum Preis von 1.500,- DM erhältlich war und auf Wunsch auch nachträglich montiert werden konnte. Bemerkenswert waren das weit herumgezogene Heckfenster und die stilistisch gelungene Gestaltung des Hardtops. Von den technischen Änderungen, die im Laufe von sechs Jahren in die Produktion einflossen, sind zwei besonders erwähnenswert: Im März 1961 erhielt der 300 SL Dunlop-Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrädern, und ab März 1962 wurde ein modifizierter Motor mit Leichtmetall-Block eingebaut.

Eine Sonderausführung des 300 SL Roadster soll nicht unerwähnt bleiben: der zur Teilnahme an der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft in zwei Exemplaren gebaute 300 SLS. Hintergrund dieser Sonderanfertigung war die Tatsache, dass nach erfolgtem Produktionsanlauf des Roadsters publicity-wirksame Renneinsätze in den USA zur Verkaufsförderung vorgesehen waren. Der Verwendung der regulären Serienversion stand die Ablehnung des „Sports Car Club of America“ entgegen, den neuen Typ schon für die Saison 1957 in der „Standard Production“-Kategorie zuzulassen. Um in der einzigen alternativ möglichen Rennsport-Kategorie D nicht chancenlos zu sein, wurde der serienmäßige Roadster nach allen Regeln der Kunst zum SLS abgespeckt. Äußerlich ist der 300 SLS an den fehlenden Stoßstangen, einer speziell geformten Cockpitabdeckung mit Lufteinlaßschlitz, der schmalen Renn-Windschutzscheibe und dem Überrollbügel hinter dem Fahrersitz zu erkennen. Immerhin waren die in der Daimler-Benz Versuchsabteilung durchgeführten Arbeiten erfolgreich: Paul O’Shea gewann die amerikanische Sportwagenmeisterschaft in der Kategorie D mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenz.

Die Produktion des 300 SL – und zeitgleich die des 190 SL – lief am 8. Februar 1963 in Sindelfingen aus. Dieses Datum markierte bei Daimler-Benz das Ende einer Epoche: Nachdem im März 1962 bereits die Produktion des Typ 300 eingestellt worden war, verschwand nun mit dem 300 SL auch das letzte Pkw-Modell mit separatem Rahmen aus dem Produktionsprogramm.

Beide Versionen des 300 SL, Roadster wie Flügeltüren-Coupé, waren von Anfang an ausgesprochene Liebhaberfahrzeuge und haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren; sie gehören seit Jahren zu den gesuchtesten und bestnotierten Klassikern.

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Patrik Gottwick

Leiter Fahrzeughandel ALL TIME STARS Einkauf/Verkauf

Leiter Fahrzeughandel ALL TIME STARS

Tel. +49 176 309 030 62

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