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Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198)

Auf dem Genfer Automobil-Salon im März 1957 hat der 300 SL Roadster (W 198) seine Weltpremiere. Als Nachfolger des 300 SL Flügeltürers tritt er kein leichtes Erbe an, denn schon damals ist der  Supersportwagen mit den charakteristisch nach oben öffnenden Türen eine Legende. Technisch entspricht der Roadster größtenteils dem Coupé. Einzig die Hinterradaufhängung wird grundlegend überarbeitet: Eine modifizierte Eingelenk-Pendelachse mit tiefgelegtem Drehpunkt verrichtet im 300 SL Roadster ihren Dienst. Gegenüber der ursprünglichen Pendelachse des Flügeltüren-Coupés verbessern sich die Fahreigenschaften deutlich – sehr zum Vorteil für Fahrzeug und Fahrzeuginsassen. Im Verlauf der sechsjährigen Produktionszeit fließen einige technische Änderungen ein, zwei davon sind besonders erwähnenswert: Im März 1961 erhält der 300 SL Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrädern und ab März 1962 wird ein modifizierter Motor mit Leichtmetall-Block eingebaut. Ab Oktober 1958 gibt es als Sonderausstattung ein abnehmbares Coupé-Dach für DM 1.500,–, das auch nachträglich bestellt und montiert werden kann.

Hauptabsatzmarkt für den Roadster sind die USA und auch dieser Roadster geht am 19.08.1960, dem Tag seiner Auslieferung, auf die Reise dorthin. Nach unseren Recherchen ist der Besitzverlauf wie folgt:
1960–1973 Erstbesitz, Marblehead – Massachusetts/USA
1973–1985/86 Zweitbesitz, New York – NY/USA
1985/86 Import nach Deutschland/Bayern
1997 Drittbesitz in Hessen
2012 Viertbesitz in Baden-Württemberg
2015 Ankauf durch Mercedes-Benz Classic

Nach den vorliegenden Unterlagen führt 1987 ein Fachbetrieb eine Restaurierung von Gitterrohrrahmen und Karosserie durch. Es ist möglich, dass der Farbwechsel von schwarz (DB 040) auf silber (DB 180) zu diesem Zeitpunkt erfolgt. Als Mercedes-Benz Classic in 2015 das Auto ankauft, sind Karosserie und Innenraum in einem guten Zustand. Die Karosserie zeigt keine offensichtlichen Schäden oder Beschädigungen. Alle Zier- und Anbauteile sind vorhanden und in gutem Zustand. Das Lackbild ist gleichmäßig und der Lack hat einen hohen Glanzgrad. Der dezent patinierte Innenraum präsentiert sich gepflegt und ohne Fehlteile. Von der technischen Seite zeigt sich der Roadster bis auf Detailmängel unauffällig und ist folglich auch uneingeschränkt fahrbereit. Die Außenlackierung hat den Farbton silber (DB 180) und der Innenraum ist mit rotem Leder und Schlingenteppich ausgeschlagen. Dies entspricht in Teilen dem Auslieferungszustand von 1960, als das Fahrzeug eine Außenlackierung schwarz (040) mit Leder rot (1079) hat. Das Stoffverdeck in der Farbe schwarz (DB 872) entspricht ebenso dem Auslieferungszustand. Auch vorhanden und in einer Holzkiste eingelagert, ist das originale Coupé-Dach. Die Übereinstimmung der Fahrzeugnummern ist größtenteils gegeben. Abweichungen zum Auslieferungszustand weisen Schaltgetriebe sowie Verdeckgestänge auf.

Die Arbeiten der zurückliegenden Fahrzeugrestaurierung scheinen fachgerecht und sorgfältig durchgeführt zu sein, so dass kein Anlass für eine Vollrestaurierung vorliegt. Einzig der Zustand vom Antriebsstrang ist im eingebauten Zustand nur eingeschränkt zu bewerten. Daher konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Spezialisten von Mercedes-Benz Classic auf die gesamte Fahrzeugtechnik. Im ersten Arbeitsdurchgang werden der Antriebsstrang mit Motor, das Getriebe sowie alle Fahrwerkskomponenten ausgebaut und zerlegt. Anschließend erfolgt die Bestandsaufnahme der Komponenten; dazu werden alle Teile gereinigt, visuell begutachtet und vermessen. Dabei ist es das Ziel, die vorhandene Substanz möglichst zu erhalten und die Originalität zu bewahren. Wenn es unumgänglich ist, ein Teil zu ersetzen, wird auf Originalteile von Mercedes-Benz zurückgegriffen.

Die Ergebnisse der Analyse von Motor und Getriebe sind überraschend. Sie ergeben, dass die Maße von Zylinderbüchsen und alle Pleuel innerhalb der strengen Herstellertoleranzen liegen und somit keine Überarbeitung benötigen. Die Kurbelwelle wird geschliffen und feingewuchtet. Ebenso wird der Zylinderkopf nach allen Regeln der Motorenbaukunst überholt. Nach Komplettierung des Aggregats erfolgt ein Test auf dem Prüfstand, um den Motorlauf zu überprüfen. Das Schaltgetriebe und das Hinterachsgetriebe zeigen sich ebenfalls im Bestzustand und erfordern keine aufwendige Instandsetzung. Während des Werkstattaufenthalts werden auch die anderen Fahrzeugbereiche angesehen, bearbeitet und instand gesetzt. Im Wesentlichen sind das alle Fahrwerkskomponenten, die gesamte Bremsanlage, Lenkung mit Lenkgetriebe, Abgasanlage und Kraftstoffversorgung. Der Austausch der Fahrzeugelektrik erfolgt ebenso wie der aller Gummidichtungen.

Daneben werden noch eine Vielzahl an Feinarbeiten und kosmetischen Optimierungen vorgenommen, die den Fahrzeugzustand erheblich verbessern und die Originalität steigern. Alle Arbeiten, von der Zerlegung, Zustandsermittlung und dem Neuaufbau bis hin zu Archivrecherchen und Originalitätsprüfungen durch Mercedes-Benz Classic, sind dokumentiert. Der Kaufpreis unterliegt der Differenzbesteuerung nach § 25a UStG.

Keine Haftung für Druck- und Schreibfehler.
Irrtum und Zwischenverkauf vorbehalten.

 

 

 

Fahrzeugdetails

300 SL Roadster
SL-Klasse
W 198
1960
642 Kilometer
4
16.05.1960
Mercedes-Benz Museum
Collectors Edition
auf Anfrage
auf Anfrage
auf Anfrage
Ja
1.350.000 Euro
Nein, nicht ausweisbar gemäß §25a UStG (Differenzbesteuerung)

Technische Details

Cabrio/Roadster
215 PS
2.996 ccm
6
2
links
Schaltgetriebe
4
Heckantrieb
Trommelbremsen
Trommelbremsen
Benzin
10 s
250 km/h
12.5 l

Individuelle Konfiguration

Silbermetallic (DB 180)
Leder rot (DB 1079)
Leder
Ja
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
Nein
1.858
05.1957 - 02.1963

Ausstattung

Angaben zur Datenkarte und die Nummern am Fahrzeug erhalten Sie sehr gerne auf Anfrage.
Wir bitten um Ihr Verständnis.

Modell Historie

Modell Historie: Mercedes-Benz 300 SL Roadster (W 198)

Das legendäre Flügeltürencoupé war der erste reinrassige Sportwagen, der nach dem Krieg bei Daimler-Benz entwickelt wurde. Initiiert wurde diese Entwicklung von Max Hoffman, einem US-Amerikaner österreichischer Abstammung, der seit September 1952 als offizieller Importeur von Mercedes-Benz Fahrzeugen fungierte. Der Vorstand sah Hoffmans Wunsch, Sportwagen mit dem Mercedes-Stern zu verkaufen, als willkommene Möglichkeit, den US-Markt für Daimler-Benz zu erschließen, und ließ sich überzeugen: Im September 1953 fiel der Startschuß für die Entwicklung zweier Sportwagen-Typen.

Die Serienversion des 300 SL, die als ein Ergebnis dieser Entwicklung im Februar 1954 auf der „International Motor Sports Show“ in New York präsentiert wurde, basierte auf dem Rennsportwagen der Saison 1952. Von diesem stammte das auffälligste Merkmal, die berühmten Flügeltüren, die dem Wagen im angelsächsischen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Gullwing“ einbrachten. Diese ungewöhnliche Lösung war nicht als publicity-trächtiger Design-Gag konzipiert, sondern hatte – wie bereits im Rennsportwagen – zwingende, konstruktiv bedingte Ursachen: Der aus dem Rennsport-SL übernommene Gitterrohr-Rahmen, der bei extremer Belastbarkeit nur 50 kg auf die Waage brachte, hatte den Nachteil, dass seine Bauhöhe keine konventionellen Türen ermöglichte.

Unter der stromlinienförmigen Karosserie verbargen sich weitere Neuerungen: So kam die Benzineinspritzung erstmals bei einem Mercedes-Benz Serienfahrzeug zum Einsatz; sie ermöglichte eine Leistungssteigerung von 40 PS gegenüber der vergaserbestückten Rennsport-Ausführung. Der Motor war zur Seite geneigt eingebaut, so dass ein besonders flacher und strömungsgünstiger Vorbau realisiert werden konnte. Die konsequente Leichtbauweise – das Gewicht des fahrfertigen Wagens mit Reserverad, Werkzeug und Brennstoff betrug 1295 kg – verhalf dem 300 SL auch zu seinen aufsehenerregenden Fahrleistungen: Je nach Hinterachsübersetzung war eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 235 km/h und 260 km/h erzielbar. Das Fahrwerk entsprach im wesentlichen demjenigen der 300er Limousine, verzichtete aber auf die dort vorhandene Zusatzfederung und war sportlicher abgestimmt.

Von August 1954 bis Mai 1957 entstanden in Sindelfingen 1.400 Exemplare, davon 29 mit Leichtmetall-Aufbau und ein Versuchsfahrzeug mit Kunststoff-Karosserie. Das Einzelstück mit GFK-Karosserie ist an zwei Besonderheiten eindeutig zu identifizieren: Es verfügt über zusätzliche, auf den Vorderkotflügeln angeordnete Blinkleuchten, wie sie vom Typ 220 a bekannt sind, und hat Türen mit größeren Spaltmaßen, die nicht ganz bündig schließen.

Auf dem Genfer Automobil-Salon im März 1957 wurde als Nachfolger des Flügeltürers ein Roadster vorgestellt, der wie sein Vorgänger auf die Initiative von Max Hoffman zurückging. Dieser hatte schon seit geraumer Zeit auf eine offene Version des 300 SL gedrängt, für die er auf dem US-Markt gute Absatzchancen sah. Technisch entsprach der Roadster im großen und ganzen dem Coupé; durch Modifikation der Seitenteile des Gitterrohr-Rahmens konnte die Einstiegshöhe so weit reduziert werden, dass sich normale Türen realisieren ließen. Grundlegend verbessert wurde die Hinterrad-Aufhängung: Die bereits vom Typ 220 a bekannte Eingelenk-Pendelachse mit tiefgelegtem Drehpunkt wurde in angepaßter Form nun auch beim 300 SL Roadster eingebaut und war erstmals mit einer Ausgleichfeder versehen. Gegenüber der ursprünglichen Pendelachse des Flügeltüren-Coupés waren deutlich verbesserte Fahreigenschaften zu verzeichnen.

Ab Oktober 1958 gab es als Sonderausstattung ein abnehmbares Coupédach, das zum Preis von 1.500,- DM erhältlich war und auf Wunsch auch nachträglich montiert werden konnte. Bemerkenswert waren das weit herumgezogene Heckfenster und die stilistisch gelungene Gestaltung des Hardtops. Von den technischen Änderungen, die im Laufe von sechs Jahren in die Produktion einflossen, sind zwei besonders erwähnenswert: Im März 1961 erhielt der 300 SL Dunlop-Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrädern, und ab März 1962 wurde ein modifizierter Motor mit Leichtmetall-Block eingebaut.

Eine Sonderausführung des 300 SL Roadster soll nicht unerwähnt bleiben: der zur Teilnahme an der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft in zwei Exemplaren gebaute 300 SLS. Hintergrund dieser Sonderanfertigung war die Tatsache, dass nach erfolgtem Produktionsanlauf des Roadsters publicity-wirksame Renneinsätze in den USA zur Verkaufsförderung vorgesehen waren. Der Verwendung der regulären Serienversion stand die Ablehnung des „Sports Car Club of America“ entgegen, den neuen Typ schon für die Saison 1957 in der „Standard Production“-Kategorie zuzulassen. Um in der einzigen alternativ möglichen Rennsport-Kategorie D nicht chancenlos zu sein, wurde der serienmäßige Roadster nach allen Regeln der Kunst zum SLS abgespeckt. Äußerlich ist der 300 SLS an den fehlenden Stoßstangen, einer speziell geformten Cockpitabdeckung mit Lufteinlaßschlitz, der schmalen Renn-Windschutzscheibe und dem Überrollbügel hinter dem Fahrersitz zu erkennen. Immerhin waren die in der Daimler-Benz Versuchsabteilung durchgeführten Arbeiten erfolgreich: Paul O’Shea gewann die amerikanische Sportwagenmeisterschaft in der Kategorie D mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenz.

Die Produktion des 300 SL – und zeitgleich die des 190 SL – lief am 8. Februar 1963 in Sindelfingen aus. Dieses Datum markierte bei Daimler-Benz das Ende einer Epoche: Nachdem im März 1962 bereits die Produktion des Typ 300 eingestellt worden war, verschwand nun mit dem 300 SL auch das letzte Pkw-Modell mit separatem Rahmen aus dem Produktionsprogramm.

Beide Versionen des 300 SL, Roadster wie Flügeltüren-Coupé, waren von Anfang an ausgesprochene Liebhaberfahrzeuge und haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren; sie gehören seit Jahren zu den gesuchtesten und bestnotierten Klassikern.

 

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Robert Forster

Leiter Fahrzeughandel ALL TIME STARS Einkauf/Verkauf

Einkauf/Verkauf

Tel. +49 176 309 212 81

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