• Die Geburt des Allrad-Alleskönners.

Auf die harte Tour.

In den Wald hinein geht die Fahrt: Dahin, wo das feuchte Herbstlaub dick auf dem Boden liegt und sich die schmalen Reifen tief in den matschigen Boden graben. Hinten drückt schwer ein Holzstapel auf die Ladefläche des kompakten Nutzfahrzeugs. Vorn ragen Kühler und Motor in die Luft – noch ohne schützende Karosserie. Die provisorische Anordnung des Führerstands macht klar: Hier beißt sich der Prototyp eines Fahrzeugs durch den Forst. Und: Er schafft es!

Traktor und Transporter, Geräteträger und Antriebsmaschine: Es ist ein echtes Multitalent, das am kühlen Morgen des 9. Oktober 1946 zu seiner ersten Testfahrt startet. 2021 feiert der Unimog den 75. Geburtstag. Seine Erfinder taufen das Serienfahrzeug deshalb später auch „Universal-Motor-Gerät“. Daraus entsteht die einprägsame Kurzform „Unimog“ für die Allradzugmaschine mit vier gleich großen Rädern, die zum Weltstar wird. Nach dem Wald stehen für die kompakte Maschine als Nächstes steile Hänge der Schwäbischen Alb an. Es ist eine Erprobung auf die harte Tour.

Vom Prototyp zur Serie: Bei Testfahrten im Jahr 1946 sitzt Chefkonstrukteur Heinrich Rößler persönlich am Steuer. Neben dem Vorserienfahrzeug steht Hans Zabel – er erfindet den Namen Unimog.

Vom Prototyp zur Serie: Bei Testfahrten im Jahr 1946 sitzt Chefkonstrukteur Heinrich Rößler persönlich am Steuer. Neben dem Vorserienfahrzeug steht Hans Zabel – er erfindet den Namen Unimog.

Geniestreich für die Landwirtschaft.

Das Konzept einer Universalmaschine für den landwirtschaftlichen Einsatz entsteht direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zunächst losgelöst von der damaligen Daimler-Benz AG, aber mit Mercedes-Benz Motor. Die entsprechende Idee haben zwei ehemalige Ingenieure des Unternehmens, Albert Friedrich und Heinrich Rößler.

Friedrich stößt das Projekt an. Das innovative Fahrzeug soll helfen, die Produktivität des Agrarsektors für die Lebensmittelversorgung zu steigern – dringend notwendig in den Mangeljahren Mitte bis Ende der 1940er-Jahre. Verwirklicht wird das Vorhaben in Schwäbisch Gmünd bei der Metallbaufirma Erhard & Söhne. Dort entwickelt Rößler ab Januar 1946 den späteren Unimog. Den Namen lässt sich im März 1946 der im Team für den Einkauf verantwortliche Ingenieur Hans Zabel einfallen. 

Innovative Lösung für die Landwirtschaft: Der Unimog ist „Schlepper, Arbeitsmaschine und Transporter in einem!“

Innovative Lösung für die Landwirtschaft: Der Unimog ist „Schlepper, Arbeitsmaschine und Transporter in einem!“

Der Chefkonstrukteur am Steuer bei der Testfahrt.

Die technischen Ansprüche sind hoch: Unter anderem verlangt das Konzept Allradantrieb und Differenzialsperren für maximale Geländegängigkeit, auf der Straße die doppelte Geschwindigkeit eines gewöhnlichen Traktors, eine Tonne Zuladung auf der Ladefläche im Heck sowie die Möglichkeit zum Anbau und Antrieb von Nebengeräten vorn, in der Mitte und im Heck. Diese Eckdaten machen den Unimog einzigartig.

Vier Vorserienfahrzeuge entstehen bei Erhard & Söhne für die Erprobung. Diese Tests sind Chefsache, am 9. Oktober 1946 sitzt Heinrich Rößler persönlich am Steuer des ersten Chassis U1. Die Ergebnisse der Versuchsfahrten fallen rundum überzeugend aus – der Unimog erweist sich als Geniestreich. 

In die Serie mit Mercedes-Benz Motor OM 636.

Nach der Entwicklung bei Erhard & Söhne übernimmt das Maschinenbauunternehmen Boehringer aus Göppingen die Produktion. Auch der Bau der beiden letzten Prototypen U5 und U6 beginnt zwar noch in Schwäbisch Gmünd, wird jedoch schon in Göppingen abgeschlossen. Die Vorserienfahrzeuge sind mit dem Mercedes-Benz Ottomotor M 136 aus dem Personenwagen Mercedes-Benz 170 V (W 136) ausgerüstet.

Für die Serie liefert die Marke mit dem Stern aber den neuen, schnelllaufenden Dieselmotor OM 636 (28 kW/38 PS) als Antrieb. Im Unimog wird seine Leistung auf 18 kW (25 PS) und eine Maximaldrehzahl von 2.500/min begrenzt, um die Dauerhaltbarkeit auch bei strapaziösestem Einsatz zu optimieren. 

Unimog-Fahrgestell der Baureihe 70200, die von 1949 bis 1951 bei Boehringer in Göppingen gebaut wird.

Unimog-Fahrgestell der Baureihe 70200, die von 1949 bis 1951 bei Boehringer in Göppingen gebaut wird.

Begeisterte Kunden nicht nur aus der Landwirtschaft.

1948 hat der Unimog auf der ersten DLG-Landwirtschaftsmesse nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt am Main Premiere. Das Universal-Motor-Gerät begeistert die Fachkunden – und das nicht nur aus der Land- und Forstwirtschaft.

Auch Bauwirtschaft, Logistik, Feuerwehr und viele andere Bereiche erkennen umgehend die Vorzüge des Unimog. Er deckt vom Start weg und weit über die Landwirtschaft hinaus ein sehr breites Einsatzspektrum ab. 

Stargast: Auf der Landwirtschaftsmesse der DLG in Frankfurt/Main hat der Unimog Ende August 1948 seine Messepremiere. Die sensationelle Neuheit begeistert unter anderem mit der Vielfalt der Anbaugeräte.

Stargast: Auf der Landwirtschaftsmesse der DLG in Frankfurt/Main hat der Unimog Ende August 1948 seine Messepremiere. Die sensationelle Neuheit begeistert unter anderem mit der Vielfalt der Anbaugeräte.

Ochsenkopf und Mercedes-Stern.

Den Ochsenkopf als Markenzeichen von Boehringer tragen die ersten 600 produzierten Unimog. Dann beschließt die damalige Daimler-Benz AG im Sommer 1950, Herstellung, Vertrieb und Entwicklung des Universal-Motor-Gerätes zu übernehmen.

Ab Juni 1951 wird der Allrad-Alleskönner von Mercedes-Benz im Werk Gaggenau gebaut. Die neue Baureihe 401 trägt ab 1953 auch den Mercedes-Stern im Kühler. Seither entwickelt sich weltweite Erfolgsgeschichte, die über zahlreiche Baureihen bis heute anhält.

Das Fahrzeug geht in Serie: Die Prospektgrafik von 1951 zeigt den serienmäßigen Unimog in seinem Element bei der Feldarbeit.

Das Fahrzeug geht in Serie: Die Prospektgrafik von 1951 zeigt den serienmäßigen Unimog in seinem Element bei der Feldarbeit. 

Vielseitig in die Zukunft.

75 Jahre nach dem Start der Erprobung des ersten Unimog-Chassis ist das Konzept des Universal-Motor-Geräts so aktuell wie 1946.

Dafür sorgt in den vergangenen Jahrzehnten die kontinuierliche Weiterentwicklung in verschiedenen Baureihen – bis zum aktuellen Programm mit dem Unimog Geräteträger und dem Hochgeländegängigen Unimog.

Bunte Geschichte: Unimog verschiedener Baureihen und aus unterschiedlichen Epochen. Foto von der Mercedes-Benz Classic Insight „70 Jahre Unimog“ im September 2016.

Bunte Geschichte: Unimog verschiedener Baureihen und aus unterschiedlichen Epochen. Foto von der Mercedes-Benz Classic Insight „70 Jahre Unimog“ im September 2016.

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