• Triumph im sizilianischen Finale 1955.

Mit dem Doppelsieg zur Weltmeisterschaft.

Es ist ein packendes Herzschlagfinale: Stirling Moss und Peter Collins gewinnen am 16. Oktober 1955 auf Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen (W 196 S) das sizilianische Straßenrennen Targa Florio vor ihren Teamkollegen Juan Manuel Fangio und Karl Kling. Der Doppelsieg macht die Sportwagenweltmeisterschaft für die Marke mit dem Stern perfekt. Auf Platz 4 runden Desmond Titterington und John Cooper Fitch den Erfolg vor 65 Jahren ab.

Extrem anspruchsvoll ist dieses Rennen 1955. Warum, das erklärt die britische Fachzeitschrift „Motor Sport“ ihren Lesern: „Die Targa Florio muss als das härteste im internationalen Kalender verbliebene Autorennen gelten. Und in diesem Jahr wurde die Länge des Rennens auch noch fast verdoppelt, um die Regeln der Weltmeisterschaft zu erfüllen – das macht es zur härtesten Targa aller Zeiten.“

Stirling Moss (rechts) und Peter Collins, die Sieger der 39. Targa Florio 1955 auf Sizilien.

Stirling Moss (rechts) und Peter Collins, die Sieger der 39. Targa Florio 1955 auf Sizilien.

Eine besondere Herausforderung.

Für Mercedes-Benz ist die Targa Florio eine besondere Herausforderung. Denn die Marke kommt mit dem festen Willen nach Sizilien, einen Doppelsieg zu erringen. Grund dafür ist der Stand der Weltmeisterschaft der Sportwagen: Trotz des Dreifachsiegs in der International Tourist Trophy in Nordirland am 17. September 1955 liegt Mercedes-Benz vor 65 Jahren in der Tabelle knapp hinter Ferrari. Mit einem Doppelsieg der 300 SLR in dem legendären Straßenrennen auf Sizilien könnte man das Blatt aber noch wenden und die Erfolgssaison perfekt machen. Es wäre die zweite internationale Meisterschaft 1955 neben dem Formel-1-Weltmeistertitel für Juan Manuel Fangio – der ebenfalls für Mercedes-Benz bei der Targa Florio startet. 

Abenteuer in Sizilien: Formel-1-Weltmeister Juan Manuel Fangio am Start im Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen mit der Startnummer 112 bei der Targa Florio 1955.

Abenteuer in Sizilien: Formel-1-Weltmeister Juan Manuel Fangio am Start im 300 SLR Rennsportwagen mit der Startnummer 112 bei der Targa Florio 1955.

Optimale Vorbereitung.

Mercedes-Benz Rennleiter Alfred Neubauer überlässt nichts dem Zufall. Intensiv trainiert er mit seinen Fahrern auf der süditalienischen Insel: „Ich hetze die Jungens von früh bis spät über die Strecke, bis ihnen schwindlig wird, bis sie jede Kurve, jede Steigung im Schlaf herbeten können“, erinnert er sich in seiner Autobiografie „Herr über 1.000 PS“. Und W. F. Bradley beschreibt in seiner Reportage „Sicilian Adventure“ in „Autocar“, wie Neubauer am Tag des Rennens einem Feldherrn gleich schon im Morgengrauen den Platz einnimmt, „von dem aus er seine schlagkräftige Mannschaft leiten wird.“

Stratege der Motorsportsaison 1955: Mercedes-Benz Rennleiter Alfred Neubauer. Aufnahmen vom Großen Preis von Schweden am 7. August 1955.

Stratege der Motorsportsaison 1955: Mercedes-Benz Rennleiter Alfred Neubauer. Aufnahmen vom Großen Preis von Schweden am 7. August 1955.

Drei 300 SLR am Start.

Bei der Targa Florio gehen insgesamt drei 300 SLR jeweils mit Teams aus zwei Fahrern an den Start. Gemeldet ist jeweils ein Haupt- und ein Ersatzfahrer, beide müssen sich nach spätestens fünf Runden abwechseln. Stirling Moss teilt sich ein Cockpit mit Peter Collins (Startnummer 104), Desmond Titterington mit John Cooper Fitch (Startnummer 106) und Juan Manuel Fangio mit Karl Kling (Startnummer 112). Die Startnummern sind ausgelost worden – es werden vom Komitee des Renngründers Vincenzo Florio lediglich gerade Zahlen vergeben. 

Die Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen von Stirling Moss und Peter Collins (Startnummer 104, Sieg), Juan Manuel Fangio und Karl Kling (Startnummer 112, Platz 2) sowie Desmond Titterington und John Cooper Fitch (Startnummer 106, Platz 4) in der Targa Florio 1955.

Die 300 SLR Rennsportwagen von Stirling Moss und Peter Collins (Startnummer 104, Sieg), Juan Manuel Fangio und Karl Kling (Startnummer 112, Platz 2) sowie Desmond Titterington und John Cooper Fitch (Startnummer 106, Platz 4) in der Targa Florio 1955.

Mobile Werkstatt.

Zum Tross der Mercedes-Benz Rennabteilung gehört auch der berühmte Rennwagen-Schnelltransporter „Blaues Wunder“, der unter sizilianischen Palmen schon mal zur mobilen Werkstatt umfunktioniert wird. Und der Rennleiter, selbst kulinarischen Genüssen durchaus zugetan, kümmert sich eigenhändig um die Versorgung seiner Fahrer: „Ich fahre jeden Morgen um 7 Uhr persönlich zum Markt, um Lebensmittel einzukaufen. Ich besorge [...] kiloweise Kaffee, ganze Kisten mit Käse, Salami, Sardinen und Körbe mit Eiern und Tomaten“, schreibt Neubauer im Rückblick.

Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen während der Vorbereitungen zur Targa Florio 1955. Zwischen dem Heck des Rennwagen-Schnelltransporters „Blaues Wunder“ (rechts im Bild) und zwei Fässern haben die Mechaniker mit den Rampen des Transporters eine mobile Werkstatt improvisiert.

300 SLR Rennsportwagen während der Vorbereitungen zur Targa Florio 1955. 

Start ab 7 Uhr.

Die Targa Florio 1955, das sind 13 Runden zu 72 Kilometer auf öffentlichen Straßen durch die Berge der Madonie, so schreibt es der Mercedes-Benz Rennleiter seiner Mannschaft vorab ins detaillierte Briefing. Die Wagen sollen eigentlich ab 9 Uhr im Abstand von einer Minute starten. Doch nach einem Protest der Rennfahrer gegen die zu erwartende lange Abschlussetappe in der Dunkelheit wird der Start auf 7 Uhr vorverlegt. Das soll sich für Stirling Moss noch als Glück erweisen.

Vor dem Start zum Saisonfinale: Mercedes-Benz Rennleiter Alfred Neubauer (sitzend) mit den Rennfahrern Desmond Titterington, Stirling Moss und Peter Collins (von links nach rechts), vor dem Start zur 39. Targa Florio am 16. Oktober 1955.

Vor dem Start zum Saisonfinale: Mercedes-Benz Rennleiter Alfred Neubauer (sitzend) mit den Rennfahrern Desmond Titterington, Stirling Moss und Peter Collins (von links nach rechts), vor dem Start zur 39. Targa Florio am 16. Oktober 1955.

Drei phänomenale Runden.

Der britische Nachwuchsstar Moss legt zu Beginn des Rennens an der Spitze liegend drei phänomenale Runden mit Durchschnittszeiten zwischen 43:07 Minuten und 43:58 Minuten hin. Doch dann kommt er mit den linken Rädern von der Straße ab, schleudert einen Abhang hinunter in ein mit Felsen übersätes Feld und kann nur durch die tatkräftige Hilfe von mehreren Dutzend Zuschauern zurück auf die Strecke gebracht werden. Das Ergebnis: Moss hat die Führung verloren und die Beleuchtung des 300 SLR ist so beschädigt, dass er nicht in der Dunkelheit hätte fahren können. Neubauer schreibt: „Der schöne Mercedes 300 SLR sieht aus, als habe ihn Mister Moss auf irgendeinem Autofriedhof aufgeklaubt und selbst zusammengebastelt. Die Scheinwerfer sind herausgerissen, die Karosserie ist hinten eingedrückt, die ganze Seitenwand ist aufgerissen und zerfetzt, und überall sind Beulen und Kratzer …“ Doch bis auf die Lichtanlage ist der Rennsportwagen nach wie vor fahrtüchtig.

Der Mercedes-Benz 300 SLR von Moss und Collins beim Boxenstopp während der Targa Florio 1955 mit sichtbaren Unfallfolgen.

Der 300 SLR von Moss und Collins beim Boxenstopp während der Targa Florio 1955 mit sichtbaren Unfallfolgen. 

Großartigstes aller europäischen Straßenrennen.

Nun übernimmt Peter Collins das Steuer des malträtierten Rennwagens und startet auf Platz 3 des Feldes ins Rennen. Nach einer vier Runden währenden Aufholjagd übergibt er in Runde 9 – nun wieder in Führung liegend – an Stirling Moss, der schließlich am Ende den Doppelsieg vor Fangio im zweiten 300 SLR anführt. In der Reportage des Magazins „Autocar“ heißt es zum Finale über Moss: „Der junge Brite fuhr zweifellos das feinste Rennen seiner Karriere, wobei er seinen Teamkameraden Fangio schlug, welcher vor dem Start der festen Überzeugung war, dass eine solche Geschwindigkeit [bei der Targa Florio] nicht möglich ist.“ Den Siegern gratuliert Vincenzo Florio, Erfinder der Targa Florio, persönlich. Den Unternehmer und Reeder beschreibt Neubauer freundschaftlich so: „Dieser millionenschwere Herr hatte vor nunmehr 49 Jahren dieses großartigste, aber auch komplizierteste aller europäischen Straßenrennen ins Leben gerufen.“

Der Tag nach dem Rennen: Die Mechaniker der Mercedes-Benz Rennabteilung bereiten die siegreichen 300 SLR Rennsportwagen am 17. Oktober 1955 für den Rücktransport nach Deutschland vor.

Der Tag nach dem Rennen: Die Mechaniker der Mercedes-Benz Rennabteilung bereiten die siegreichen 300 SLR Rennsportwagen am 17. Oktober 1955 für den Rücktransport nach Deutschland vor.

Rückblick und Abschied.

Der Sieg in der Targa Florio 1955 ist für Mercedes-Benz auch Anlass, Rückschau zu halten. Denn in dem legendären Straßenrennen hat die Stuttgarter Marke schon während der 1920er-Jahre Erfolge erzielt. 1922 gewinnt Graf Giulio Masetti als Privatfahrer auf einem 1914 gebauten Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen. 1924 dann siegt Christian Werner auf Mercedes 2-Liter-Rennwagen mit Kompressor und die Mannschaftswertung in der 2-Liter-Klasse geht ebenfalls an Mercedes. Unter den Rennfahrern ist seinerzeit auch ein gewisser Alfred Neubauer. Damals ist der später so stattliche Rennleiter noch fähig, sich (so schreibt W. F. Bradley schmunzelnd im Jahr 1955) „in den Kübelsitz eines Rennwagens zu zwängen.“

Die Freude über den Sieg bei der Targa Florio 1955 und den Gewinn zweier Weltmeisterschaften wird für die erfolgreiche Rennabteilung durch den vorübergehenden Abschied von Mercedes-Benz aus dem Rennsport zum Ende der Saison 1955 getrübt: Die Stuttgarter Marke zieht sich auf der Höhe des Erfolges aus Formel 1 und Sportwagenrennen zurück, um sich mit ganzer Kraft auf die Entwicklung neuer Serienfahrzeuge konzentrieren zu können. Sportliche Erfolge gibt es für Mercedes-Benz in den kommenden Jahren dennoch – nun eben bei Tourenwagenrennen und im Rallyesport.

Kraftstoffverbrauch kombiniert CO₂-Emissionen kombiniert Stromverbrauch im kombinierten Testzyklus

Nach Redaktionsschluss, 02.11.2020, können sich Änderungen am Produkt ergeben haben.

1 Die angegebenen Werte wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren ermittelt. Es handelt sich um die „NEFZ-CO₂-Werte“ i. S. v. Art. 2 Nr. 1 Durchführungsverordnung (EU) 2017/1153. Die Kraftstoffverbrauchswerte wurden auf Basis dieser Werte errechnet. Der Stromverbrauch wurde auf der Grundlage der VO 692/2008/EG ermittelt. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch aller neuen Personenkraftwagenmodelle“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

4 Angaben zu Kraftstoffverbrauch, Stromverbrauch und CO₂-Emissionen sind vorläufig und wurden vom Technischen Dienst für das Zertifizierungsverfahren nach Maßgabe des WLTP-Prüfverfahrens ermittelt und in NEFZ-Werte korreliert. Eine EG-Typgenehmigung und Konformitätsbescheinigung mit amtlichen Werten liegen noch nicht vor. Abweichungen zwischen den Angaben und den amtlichen Werten sind möglich.

6 Stromverbrauch und Reichweite wurden auf der Grundlage der VO 692/2008/EG ermittelt. Stromverbrauch und Reichweite sind abhängig von der Fahrzeugkonfiguration. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch aller neuen Personenkraftwagenmodelle“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.