• London E-Prix 2021: Zurück auf dem Podium

Die ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft stellt die Fahrer und Teams immer wieder vor neue Herausforderungen. So auch in dieser Saison, in der Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries vor dem vorletzten Rennwochenende in London eine schwierige Phase mit drei punktlosen Rennen hinter sich hatten.

Doch das Team ließ sich davon nicht entmutigen und arbeitete in den vergangenen Wochen mit vollem Einsatz daran, sich bei einem seiner Heimrennen in London in Bestform zu präsentieren - und das gelang der Mannschaft mit Bravour. Mercedes-EQ meldete sich beim London E-Prix in beiden Läufen auf dem Podium zurück und es wäre beinahe sogar noch mehr drin gewesen.

Zwei Podestplätze für Nyck de Vries

Mercedes-EQ erlebte am Rennwochenende in London die gesamte Bandbreite an Emotionen. Nach einem ordentlichen Auftakt am Freitag musste Nyck in der ersten Qualifying-Gruppe bei nicht optimalen Streckenverhältnissen auf die Bahn gehen. Das brachte ihm Startplatz neun für den ersten Lauf am Samstag ein.

Im Rennen konnte Nyck dann jedoch die starke Pace zeigen, die das gesamte Wochenende über in ihm und seinem Auto steckte. So verbesserte er sich im Verlauf der 33 Runden bis auf den zweiten Rang und fuhr sein bis dahin viertes Podium in der Formel E ein.

nyck de vries hugging cara delevingne

"Es ist klasse, dass wir uns heute mit diesem zweiten Platz auf dem Podium zurückmelden konnten", sagte er hinterher. "Hinter uns liegt eine schwierige Phase in dieser Saison, das lag teils an uns selbst, teilweise lag es aber auch außerhalb unserer Kontrolle. Umso schöner ist es, hier in London aufs Podest gefahren zu sein. Das gilt ganz besonders, wenn man bedenkt, wie uns das mit dieser Aufholjagd vom neunten Startplatz gelungen ist."

Damit konnte Nyck die harte Arbeit des Teams aus den vergangenen Wochen und Monaten belohnen - und genauso ging es am Sonntag weiter. Diesmal fuhr Nyck die schnellste Zeit in der ersten Qualifying-Gruppe, womit ihm der Sprung in die Super Pole Session gelang, in der er sich auf Startplatz vier qualifizierte.

nyck de vries on the track in his mercedes-eq silver arrow 02

Das folgende Rennen beschrieb Ian James wie einen "Wirbelwind", und zwar sowohl mit Blick auf die Action auf der Rennstrecke als auch die Achterbahnfahrt der Gefühle, die das Team dabei erlebte. Während Stoffel zum tragischen Helden wurde, nutzte Nyck seine Chance und fuhr zum zweiten Mal an diesem Wochenende auf den zweiten Rang.

"Das ist mein zweiter Podestplatz an diesem Wochenende, aber schlussendlich bin ich ein wenig enttäuscht darüber, heute nur auf P2 gelandet zu sein", betonte Nyck. "Alles in allem hatten wir ein wenig Pech mit dem Safety Car, da wir gerade den Attack Mode aktiviert hatten, als dieses auf die Strecke ging. Deshalb war ich nach dem Restart anfällig und dann mischte auch noch Lucas di Grassi da vorne mit, worüber ich sehr überrascht war, da er eigentlich gar nicht hätte da sein dürfen. Am Ende haben Alex Lynn und Mahindra Racing den Sieg verdient. Ich habe alles gegeben, aber es war leider nicht möglich, mich neben ihn zu setzen und noch einen Angriff zu starten."

nyck de vries looking at his trophy from london

Verpasste Chance für Pechvogel Stoffel Vandoorne

Stoffel erwischte keinen guten Start in den Samstag. Bereits zu Beginn des zweiten Freien Trainings hatte er bei nassen Streckenverhältnissen Aquaplaning und rutschte von der Strecke. "Damit habe ich mir das Leben selbst schwer gemacht und ich ging quasi blind ins Qualifying", fasste Stoffel selbst zusammen. "Im Rennen konnte ich mich von Startplatz 14 bis in die Punkte nach vorne kämpfen. Das ist angesichts der Startposition ein ordentliches Ergebnis." Am Ende belegte er den siebten Platz.

Der Sonntag ließ sich dann sehr viel besser an. Stoffel fuhr die Bestzeit in der zweiten Qualifying-Gruppe und erzielte danach die schnellste Rundenzeit in der Super Pole Session. Damit sicherte er sich seine vierte Pole Position in der Formel E. Von dieser Ausgangsposition führte er einen actiongeladenen E-Prix bis ungefähr zur Rennmitte an, als er von Oliver Rowland berührt wurde und bis auf Platz 15 zurückfiel.

Stoffel vandoorne speaking to toto wolff

"Ich bin natürlich unheimlich enttäuscht. Das war heute ein harter Nachmittag für mich. Ich bin von der Pole Position gestartet, habe das Rennen lange angeführt und hatte alles unter Kontrolle", beschreibt Stoffel sein Rennen. "Dann ohne Punkte dazustehen, ist sehr frustrierend für mich. Ich habe mit Oliver gesprochen und er übernimmt die volle Verantwortung für den Zwischenfall."

Bis dahin verlief das Rennen genau nach Stoffels Geschmack: "Stoffel behielt die Führung und fuhr im Rennen die Abstände heraus, die er benötigte - sowohl unter normalen Rennbedingungen als auch nach der Safety-Car-Phase", betonte Ian James. "Sobald das Safety Car hereinkam, wurde Stoffel von einer überoptimistischen Attacke von Rowland, der zu diesem Zeitpunkt hinter ihm lag, aus dem Rennen genommen. Dabei wurde Stoffels Auto beschädigt und er fiel bis auf P15 zurück. Das war ein unheimlich frustrierender Zwischenfall, der sich als extrem kostspielig entpuppen sollte und Stoffel einen potenziellen Sieg kostete."

Ian james speaking with stoffel vandoorne after his second race in london

Auch Nyck litt mit seinem Teamkollegen: "Am meisten tut es mir aber für meinen Teamkollegen Stoffel leid, der meiner Meinung nach heute den Sieg verdient gehabt hätte, wenn er nicht von Oliver Rowland getroffen worden wäre."

Stoffel sah zumindest etwas Positives an diesem Tag: "Mein Auto war heute fantastisch, ich kontrollierte die Abstände und konnte einen Vorsprung herausfahren, wenn ich ihn für die Attack Mode Aktivierungen gebraucht habe. Es tut einfach nur weh, dann so viele Punkte und einen weiteren potenziellen Sieg zu verlieren. Diese Punkte sind in dieser Meisterschaft und einer so eng umkämpften Saison wie dieser super wichtig."

stickers on the ground in front of the mercedes-eq silver arrow 02

Bereit für das große Saisonfinale in Berlin

Ian James hoffte vor dem Rennwochenende darauf, dass London für sein Team zu einer Art Wendepunkt in dieser Saison werden könnte - und diese Hoffnungen blieben nicht unberechtigt. Mit zwei zweiten Rängen und einem siebten Platz verbesserte sich Mercedes-EQ in London auf den zweiten Platz der Teamwertung. Dennoch bleibt das Gefühl zurück, dass am Sonntag noch mehr möglich gewesen wäre.

"Nach diesem Tag habe ich widersprüchliche Gefühle, da wir uns einerseits über die Pole Position und einen weiteren Podestplatz an diesem Wochenende freuen. Aber gleichzeitig auch ein gewisses ‚Was wäre wenn'-Gefühl in der Box vorherrscht", verriet Ian James nach dem zweiten Rennen.

"Trotzdem ist uns heute in der Meisterschaft ein weiterer Sprung nach vorne gelungen, was wir natürlich gerne mitnehmen. Das Wichtigste ist, dass wir die Pace weiter umsetzen, die wir an diesem Wochenende gezeigt haben. Das war eine fantastische Mannschaftsleistung."

Vom einen Heimrennen in London geht es nun weiter zum nächsten nach Deutschland: Vor dem abschließenden Double-Header am 14. und 15. August in Berlin führt Virgin Racing mit sieben WM-Punkten Vorsprung die Teamwertung vor Mercedes-EQ an. In der Fahrerwertung liegt Nyck sechs Zähler vor dem Zweiten Robin Frijns. Beim Saisonfinale ist also noch alles möglich.

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