• Auftakt mit Höhen und Tiefen.

Willkommen im Kreis der Sieger, Nyck de Vries!

Nyck de vries celebrating with his team

Für Nyck de Vries hätte der Start in seine zweite Saison in der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft fast nicht besser verlaufen können. Der 26-Jährige war unter dem Flutlicht der 2,494 km langen Strecke in Diriyah vom ersten Tag an kaum zu bremsen. Egal ob im 1. Training, 2. Training, seiner Qualifying-Gruppe oder der Super-Pole: Am Ende stand neben seinem Namen immer P1.

Damit sicherte er sich die beste Ausgangsposition für den 70. E-Prix in der Geschichte der vollelektrischen Rennserie am Freitagabend in Diriyah. "Nyck hat hier ab dem ersten Freien Training eine bärenstarke Leistung vollbracht", fand sein Teamchef Ian James lobende Worte für Nyck, dem auch im Rennen kein Gegner die erste Position streitig machen konnte. "Wir konnten sein Potenzial bereits im Laufe der vergangenen Saison erkennen und es ist klasse, dass er dies nun mit seinem ersten Sieg in der Formel E umsetzen konnte", fügte Ian an. "Ich finde es fantastisch, dass er hier unter Beweis stellen konnte, was er draufhat."

Nyck de vries celebrating with his team

Nach 32 Rennrunden überquerte Nyck die Ziellinie mit gut vier Sekunden Vorsprung vor Edoardo Mortara. "Mein erster Sieg in der Formel E ist ein fantastisches Ergebnis und ein perfekter Start in unsere zweite Saison", sagte Nyck nach der Zieldurchfahrt. "Ich weiß nicht warum, aber ich war trotz der Freude über den Sieg nach dem Rennen ganz entspannt."

Dabei war es kein einfaches Rennen für den Niederländer. Gleich mehrere Safety-Car-Phasen und der richtige Umgang mit dem Energiemanagement machten ihm das Leben schwer und erforderten eine perfekte Abstimmung und Kommunikation mit seinen Ingenieuren. "Ich weiß, das klingt wie ein Klischee, aber jeder in unserer Mannschaft hat über den Winter sehr hart gearbeitet, damit wir heute hier stehen können", so Nyck. "Deshalb noch einmal ein riesiges Dankeschön an die gesamte Truppe für die unermüdliche Arbeit. Ihr habt diesen Sieg verdient."

Starke Aufholjagd von Stoffel Vandoorne

Stoffel Vandoorne sitting in his Silver Arrow 02

Stoffel Vandoorne rundete das Mannschaftsergebnis mit einer starken Aufholjagd ab. Stoffel ging als WM-Zweiter des Vorjahres in der ersten Qualifying-Gruppe an den Start - als die Streckenbedingungen am schlechtesten waren. Im Rennen zeigte er jedoch eine starke kämpferische Leistung und verbesserte sich bis auf Platz acht.

"Alles in allem war es ein gutes Rennen mit einer schönen Aufholjagd", bilanzierte Stoffel. "Die Pace des Autos war gut und ich konnte mich bis auf P8 verbessern, obwohl das Überholen auf dieser Strecke sehr schwierig ist." Damit sammelte er seine ersten vier Punkte in dieser Saison. In 1:09.583 Minuten fuhr Stoffel nach 30 von 32 Runden auch die schnellste Runde des Rennens, da er die Rundenzeit aber unter Einsatz des Fanboosts erzielte, erhielt er dafür keinen Zusatzzähler.

Mercedes-EQ silver arrow 02 stoffel vandoorne

Mit zwei Punkteplatzierungen, darunter der erste Saisonsieg, erlebte das Team ein erfolgreiches Saisonauftaktrennen. Trotz der Freude über das Ergebnis betonte Ian James nach dem Rennen: "Wir sind uns bewusst, wie stark die Konkurrenz ist und wie verschieden Performance und Rennverlauf sein können. Insgesamt ein guter Start, aber morgen stehen wir vor einem neuen Rennen." Und dieses sollte ganz neue, zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte Herausforderungen mit sich bringen.

Samstag voller Herausforderungen:
Kein Qualifying & Strafe

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Auf den Höhepunkt am Freitagabend sollte am Samstag der Tiefpunkt des Wochenendes folgen: Nach einem Unfall von Edoardo Mortara (Venturi Racing) bei den Startübungen nach dem Ende des 3. Freien Trainings erteilte die FIA sowohl dem Mercedes-EQ Kundenteam Venturi Racing als auch den beiden Werks-Fahrzeugen aus Sicherheitsgründen keine Startfreigabe für das Qualifying.

Das Bremssystem eines Formel-E-Autos ist so designt, dass die Hinterradbremsen als Sicherheitsmaßnahme aktiviert werden, falls die Vorderradbremsen versagen sollten. In diesem Fall führte ein inkorrekter Software-Parameter dazu, dass das hintere Bremssystem nicht eingriff.

Nach einer gründlichen Analyse konnte das Team den Vorfall verstehen und Änderungen an der Software vornehmen, mit denen das Problem behoben und ein sicherer Einsatz aller Autos sichergestellt wurde. Entsprechend durften alle vier Mercedes-EQ Fahrzeuge am E-Prix teilnehmen.

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"Zum Glück ist Edo nichts passiert", sagte Ian James. "Das ist das Wichtigste dabei. Die Nicht-Teilnahme an der Qualifikation hat unseren gesamten Tag beeinträchtigt, da wir dadurch vom Ende des Feldes in ein unheimlich ereignisreiches Rennen gehen mussten."

Bei Stoffel kam noch eine weitere Herausforderung hinzu: Nach einem Power Unit-Wechsel erhielt er eine 10-Sekunden Stop-and-Go-Strafe, weil er die eigentlich dafür vorgesehene Strafe (eine Zurückversetzung um 20 Plätze in der Startaufstellung) aufgrund seiner Startposition nicht antreten konnte.

"Bei Stoffel haben wir angesichts der Startposition strategisch gehandelt und bewusst eine Strafe in Kauf genommen, um mit Blick auf die Power Units für die nächsten Rennen gut aufgestellt zu sein", erklärte Ian. "Im Gegenzug hatte er es dafür heute durch die Stop-and-Go-Strafe umso schwerer, Plätze gutzumachen."

Positiver Blick in die Zukunft

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Von den Startplätzen 20 und 22 sollte es von Anfang an ein schwieriger E-Prix für Nyck und Stoffel werden. Nach einer Reihe von Strafen für andere Fahrer beendeten die beiden Mercedes-EQ Piloten das zweite Nachtrennen in der Geschichte der Formel E auf den Plätzen neun und 13. Nyck fuhr zudem die schnellste Rennrunde und erhielt dafür einen zusätzlichen Zähler.

"Auf meinen ersten Sieg von gestern folgte heute ein frustrierendes Rennen", räumte Nyck ein. "Alle waren auf einer ähnlichen Strategie unterwegs und so kamen wir nicht weit nach vorne. Aber solche Tage gehören zum Rennsport dazu. Es war dennoch ein positives Wochenende für uns. Natürlich war es schade, dass wir im Qualifying nicht starten durften, aber wir waren hier von Anfang an schnell und hatten auch heute eine starke Pace. Darauf können wir aufbauen."

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Stoffel verließ die Strecke nach einem schwierigen Tag mit gemischten Gefühlen. "Im Rennen war es sehr schwierig, weiter nach vorne zu kommen und so gingen wir leider leer aus", sagte er. "Alles in allem blicke ich aber zuversichtlich in die Zukunft. Wir haben ein gutes Paket und ein starkes Auto - darauf kommt es an. Jetzt gilt es, beim nächsten Rennen in Rom zurückzuschlagen."

Ian zog nach den ersten beiden Saisonläufen ein bittersüßes Fazit: "Es ist schwierig, einen Rückblick in Diriyah nicht mit einem Klischee zu beginnen, denn es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Wochenende voller Höhen und Tiefen."

"Nach Nycks Sieg gestern hatten wir uns den heutigen Tag natürlich anders vorgestellt", fügte Ian an. "Aber wir sind uns immer bewusst gewesen, dass es auch schwierige Tage geben würde, aus denen wir lernen müssen. Hoffentlich bleibt dies der einzige Tag dieser Art für uns und wir können ab dem nächsten Rennen wieder an die gestern gezeigte Performance anknüpfen." Die nächste Gelegenheit dazu erhält das Team am 10. April beim dritten Saisonrennen in Rom.

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