• Berlin 2022: Ein ganz besonderer Ort für das Team

Berlin Tempelhof. Der stillgelegte Flughafen im gleichnamigen Stadtteil der deutschen Hauptstadt weist eine lange Geschichte auf. Bereits 1923 nahm einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands den Linienverkehr auf. Gut sechs Jahr nach seiner Schließung fand im Jahr 2015 der erste E-Prix auf dem ehemaligen Flughafengelände statt. Seitdem ist Berlin eine Konstante im Rennkalender der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft. Als einzige Stadt wurde dort in jeder der bislang acht Saisons mindestens ein Rennen ausgetragen. Nur einmal nicht in Tempelhof.

Genauso tief verwurzelt ist die temporäre Rennstrecke mit der Geschichte des Mercedes-EQ Formel E Teams, das 2019 zum ersten Mal in Berlin antrat und beim Saisonfinale sogleich seinen ersten Doppelsieg mit Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries erzielte. Ein Jahr später gewann das Team an gleicher Stelle beide Weltmeister-Titel, sowohl in der Teams- als auch der Fahrer-WM.

"Berlin war von Anfang an ein ganz besonderer Ort für unser Team", erinnert sich Teamchef Ian James zurück. "Berlin wird immer einen besonderen Platz in unseren Herzen einnehmen, und die Tatsache, dass es ein Heimrennen für Mercedes-Benz ist, macht es noch spezieller."

Auch im dritten Jahr in Folge sollte das Team seine beeindruckende Erfolgsserie in Berlin-Tempelhof fortsetzen. Dafür musste die Mannschaft allerdings an beiden Renntagen hart arbeiten...

Nyck de Vries schlägt mit Sieg zurück

Für Nyck begann das Rennwochenende mit einer Enttäuschung. Er schied im Qualifying für das erste Rennen schon in der Gruppen-Phase aus und musste von Startplatz zwölf ins Rennen gehen. Von dort erkämpfte er sich in einem schwierigen Rennen immerhin einen Punkt für P10.

"Mit dem Start und den ersten paar Runden war ich noch zufrieden, aber danach war ich nicht schnell genug", fasste Nyck im Ziel zusammen. "Ich hatte mit einigen Problemen und den Temperaturen zu kämpfen, die ab der ersten Runde hinten rechts sehr hoch waren. Es war also ein gewisses Ungleichgewicht und die Pace war einfach nicht vorhanden."

Am Sonntag sollte sich die Welt für ihn in mehrerlei Hinsicht komplett ins Gegenteil umkehren. Zunächst natürlich, weil der zweite Lauf entgegen der Fahrtrichtung vom Samstag ausgetragen wurde - also im Uhrzeigersinn. Zum anderen, weil das Rennen für Nyck umso besser verlaufen sollte.

nyck de vries and stoffel vandoorne congratulating each other after their success in berlin

Mit einem fantastischen Start katapultierte sich Nyck vom dritten Platz kommend nach vorne und ging mit einem mutigen Manöver in Kurve 1 in Führung. Diese sollte er, abgesehen von einem kurzen Moment nach der Aktivierung seines Attack Mode, bis ins Ziel nicht mehr abgeben.

"Was für ein fantastisches Ergebnis", sagte er nach seinem zweiten Saisonsieg. "Die vergangenen Rennwochenenden waren für uns nicht einfach, deshalb bin ich unheimlich glücklich, dass mir heute dieser Sieg gelungen ist. Das ist wirklich ein emotionaler Moment für mich. Ich hatte in den letzten drei Rennen eine echt schwierige Zeit und freue mich wahnsinnig, dass ich mich nach einem schwierigen Tag wie gestern so zurückmelden konnte."

Damit trug sich Nyck nicht nur zum vierten Mal in seiner Karriere in die Siegerliste der vollelektrischen Rennserie ein, sondern durchbrach nach 34 E-Prix auch die 200 Punkte Schallmauer.

nyck de vries climbing out of his car after the race in berlin

Stoffel Vandoorne erkämpft zwei Podestplätze

Der Start ins erste Rennen verlief für Stoffel weniger spektakulär. Der Belgier ging von P8 ins Rennen und verlor zunächst einige Positionen, sodass er aus den Top-10 herausfiel. Im Laufe des Rennens kämpfte er sich sukzessive wieder nach vorne, bis er in einer spannenden Schlussphase in der Spitzengruppe um den Sieg mitkämpfte.

Am Ende überquerte Stoffel die Ziellinie knapp hinter Jean-Eric Vergne auf dem dritten Platz und übersprang damit die 300 Punkte-Marke in der Formel E. "So wie der E-Prix begonnen hat, bin ich ehrlich gesagt etwas überrascht, dass ich es noch auf das Podium geschafft habe", gab er hinterher zu. "Aber ich bin cool geblieben und habe sofort gespürt, dass im Auto eine gute Pace steckte."

stoffel vandoorne kneeling next to his car after taking the third place in the berlin eprix

Diese Pace konnte er im weiteren Rennverlauf ausnutzen und gepaart mit einigen starken Überholmanövern einen Platz nach dem anderen gutmachen. "Hinzukam die gute Strategie des Teams, die ich im Laufe des Rennens umsetzen konnte", so Stoffel. "So konnte ich mich nach meiner schwachen Startrunde wieder nach vorne kämpfen und noch bis aufs Podium nach vorne fahren."

Es sollte nicht die einzige beeindruckende Aufholjagd an diesem Wochenende bleiben. Im zweiten Rennen am Sonntag ging Stoffel von Position 7 ins Rennen, die er zunächst halten konnte. Danach aktivierte er früh den Attack Mode und kämpfte sich bis kurz vor Rennende bis in Podestreichweite nach vorne. Mit einem starken Überholmanöver gegen Lucas di Grassi sicherte er sich kurz vor Rennende dann seinen zweiten Podestplatz an diesem Wochenende und seinen fünften in dieser Saison.

"Das war ein sehr gutes Rennen für uns", sagte Stoffel. "Für mich war es ein bisschen weniger actiongeladen als gestern, aber nichtsdestotrotz ist es großartig, erneut auf dem Podium zu stehen. Unsere Autos sind heute wieder geflogen. Zwei Podestplätze an diesem Wochenende, damit bin ich auf jeden Fall zufrieden."

ian james hugging stoffel vandoorne after he finished third in the berlin eprix

Mercedes-EQ Formel E Team wächst in jeder Hinsicht

Drei Podiumsplätze für das Team, darunter ein Sieg, mit dieser Ausbeute zeigte sich auch Teamchef Ian James am Sonntagabend zufrieden. "Zudem wurden heute die Top-4 im Rennen von Mercedes-Power angetrieben", betonte James. "Ich bin sehr stolz darauf, wie wir als Team immer stärker zu werden scheinen."

Das schlägt sich nach acht Saisonläufen auch in den Gesamtwertungen nieder. Stoffel (111 Punkte) führt die Fahrer-Weltmeisterschaft mit zwölf Zählern Vorsprung vor Edoardo Mortara (99 Punkte) an. Nyck (65 Punkte) belegt den sechsten Platz. Das Mercedes EQ Formel E Team (176 Punkte) liegt seinerseits vor Venturi Racing (148 Punkte) auf dem ersten Platz der Teammeisterschaft.

stoffel vandoorne and nyck de vries sitting on a wall and showing their trophies

"Wir wachsen in jeder Hinsicht, auch in Bezug auf unser Selbstvertrauen, aber wir stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden – wir alle wissen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben", betont James. "Obwohl wir uns nach diesem Rennwochenende in einer starken Position befinden, müssen wir auf dem Schwung aufbauen, den wir bisher erreicht haben, und sicherstellen, dass wir diesen in die nächsten Rennen mitnehmen."

Weiter geht es in drei Wochen, wenn die ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft beim neunten Saisonlauf am 4. Juni 2022 ihr Debüt auf den Straßen der indonesischen Hauptstadt Jakarta gibt. Vielleicht entwickelt sich ja auch dieser Kurs zu einem ganz besonderen Ort für das Team.

the team celebrating after sundays eprix

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