• Diriyah 2022: Highlights und gemischte Gefühle

Zum zweiten Mal in der Geschichte der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft begann die Saison mit einem Flutlicht-Spektakel auf dem Diriyah Circuit in Saudi-Arabien. Ähnlich wie im Vorjahr erlebte Mercedes-EQ nach einem erfolgreichen ersten Renntag einen fordernden zweiten Tag.

Rennen 1:
Fast perfekter Saisonstart

Saison 8 begann direkt mit einer neuen Herausforderung - einem neuen Qualifying-Format, bei dem die Fahrer nach einer Gruppenphase in Kopf-an-Kopf-Duellen gegeneinander antreten. Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries kamen mit dem neuen Format auf Anhieb gut zurecht.

Beide überstanden die Gruppen-Phase, gewannen ihre jeweiligen Viertelfinal-Duelle und trafen dann im Halbfinale direkt aufeinander. Dabei setzte sich Stoffel gegen Nyck durch und zog ins Finale ein, das er gegen Jake Dennis gewann. Somit ging Stoffel von der Pole ins Rennen und Nyck von Startplatz drei.

the trophies of the firsst raceday standing in front of the mercedes-eq silver arrow 02

Am Start verteidigte Stoffel seine Führung, während Nyck an Dennis vorbeizog und sich auf Rang zwei schob. Diese Positionen hielten die beiden Fahrer bis Stoffel beim Versuch zum zweiten Mal den Attack Mode zu aktivieren, die Aktivierungsschleife verpasste und hinter Nyck auf P2 zurückfiel.

"Nach meiner Pole bin ich von Platz zwei natürlich ein bisschen enttäuscht, aber ich denke, es ist nicht schlecht, wenn man sich in einer Position befindet, über einen zweiten Rang enttäuscht zu sein", sagte Stoffel. "Ich habe das Rennen vom Start weg angeführt, hatte alles unter Kontrolle und das Auto hatte heute eine starke Pace. Dann habe ich eine Schleife bei der Aktivierung meines zweiten Attack Mode verpasst und dadurch die Führung an Nyck abgegeben."

Für Nyck war es ein Rennen genau nach seinem Geschmack. "Ein starkes Rennen mit einer starken Punkteausbeute. Nach meinem Fehler gestern im 1. Freien Training ist dieses Ergebnis eine enorme Erleichterung für mich", betonte er. "Wir haben das 2. Freie Training dazu genutzt, um uns bestmöglich vorzubereiten. Danach hatten wir ein gutes Qualifying und es ist ein fantastisches Gefühl, erneut das Auftaktrennen hier in Diriyah zu gewinnen - noch dazu mit einem Doppelsieg."

team celebrating after their first victory in diriyah

Rennen 2:
Lehrreicher Tag für das Team

Auch der zweite Saisonsieg sollte am Samstag an den Mercedes-EQ Silver Arrow 02 gehen - allerdings saß diesmal weder Nyck noch Stoffel am Steuer. Aber der Reihe nach...

Im Qualifying machte Nyck zunächst dort weiter, wo er am Vorabend aufgehört hatte: Bestzeit in Gruppe A, Einzug ins Finale und Pole Position. In einem extrem spannenden Duell setzte sich Nyck am Ende mit fünf Tausendsteln Vorsprung gegen Edoardo Mortara (Venturi Racing) durch. Richtig gelesen: Fünf Tausendstelsekunden!

traffic on the track at the second eprix in diriyah

Stoffel erwischte hingegen kein perfektes Qualifying. "Ich konnte die Reifen beim zweiten Versuch nicht optimal aufwärmen und dadurch nicht das Beste aus der Runde herausholen, als es darauf ankam." Das brachte ihm Platz sechs in seiner Gruppe und Startplatz zwölf für den zweiten Saisonlauf ein.

Während Nyck seine Position an der Spitze nach dem Start zunächst verteidigen konnte, begann Stoffel direkt damit, sich durch das Feld nach vorne zu kämpfen. Er machte bereits in der Anfangsphase mehrere Positionen gut und fand sich schnell in den Top-10 wieder.

"Ich konnte eine gute Aufholjagd bis auf Platz sieben zeigen und zudem die schnellste Rennrunde erzielen", freute er sich nach dem Rennen. "Heute war es mit Blick auf die Rennpace für uns vielleicht etwas schwieriger als gestern, aber alles in allem war es für mich und meine Crew ein gutes Rennen. Das war das Beste, was wir unter diesen Umständen herausholen konnten. Heute ging es um Schadensbegrenzung."

stoffel-vandoorne-looking-at-his-cockpit

Bei Nyck verlief das Rennen nicht ganz so rund. Zunächst verlor er die Führung in Runde 15 an Lucas di Grassi, danach überholte ihn auch Edoardo Mortara und schlussendlich fiel er durch die zweite Aktivierung des Attack Mode aus den Top-3 heraus. Dennoch befand er sich in der Schlussphase des Rennens noch immer in der Spitzengruppe. Doch dann kam es zu einer Berührung mit Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) und Nyck fiel bis auf P10 zurück, auf dem er auch über die Ziellinie fuhr.

"Alles in allem waren wir heute nicht konkurrenzfähig genug", sagte er hinterher. "Zudem waren wir bei der Aktivierung des Attack Mode vielleicht ein wenig zu spät dran und sind deswegen etwas zurückgefallen. Wenn man dann nicht die Pace hat, ist es schwierig. Hinzukam, dass ich nach einer Berührung vier oder fünf Positionen verloren habe. Das war schade. Schlussendlich lag es aber an uns, da ich glaube, dass wir heute einfach nicht schnell genug waren."

Für Nyck ist das ein weiterer Beleg dafür, dass es in der Formel E selbst an einem bis dahin starken Wochenende immer noch Grund zur Vorsicht gibt. In einer so hart umkämpften Rennserie, in der Details über Sieg oder Niederlage entscheiden, darf man nichts als selbstverständlich ansehen.

Zuversichtlich für den Rest von Saison 8

Nach dem Doppelsieg des Teams im Auftaktrennen am Freitag gab es aber auch am Samstag einen Erfolg für Mercedes-EQ zu bejubeln: Edoardo Mortara siegte im von Venturi Racing eingesetzten Mercedes-EQ Silber Arrow 02, sein Teamkollege Lucas di Grassi fuhr als Dritter ebenfalls aufs Podium.

"Die Stärke des Mercedes-EQ Antriebsstrangs an diesem Wochenende lässt uns zuversichtlich auf den Rest der Saison blicken", sagte Teamchef Ian James. "Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Venturi Team!"

nyck de vries jumping out of his mercedes-eq silver arrow 02

Für das Werksteam brachten die beiden Rennen in Diriyah, ähnlich wie im Vorjahr, zwei unterschiedliche Erfahrungen mit sich. "Heute war ein Tag voller gemischter Emotionen", betonte Teamchef Ian James, der dennoch ein versöhnliches Fazit für das erste Rennwochenende der Saison ziehen konnte: "Zusammenfassend ist es schön, dass wir die Heimreise nach den ersten beiden Saisonrennen in Diriyah mit einer guten Punkteausbeute im Gepäck antreten können."

Weiter geht es am 12. Februar 2022 mit dem Mexiko-Stadt E-Prix. Bis dahin gibt es für das Team noch viel zu tun. "Jetzt werden wir uns darauf konzentrieren, die Daten zu analysieren und sicherzustellen, dass wir uns weiter verbessern", so James. "Dieses Team weiß, wie man sich zurückmeldet und ich freue mich bereits auf das nächste Rennen in zwei Wochen in Mexiko."

sticker on the ground at the diriyah e-prix

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