Erster vollelektrischer Doppel-Weltmeister

Die zweite Saison von Mercedes-EQ in der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft begann Ende Februar mit einem Sieg in Diriyah nach Maß. Auf das Erfolgserlebnis zum Auftakt folgte schon im zweiten Lauf am Tag darauf der erste Rückschlag. In diesem Rhythmus sollte es an den folgenden Rennwochenenden weitergehen. Ein enttäuschendes erstes Rennen in Rom, ein Sieg am zweiten Tag in der italienischen Hauptstadt; ein Triumph am Samstag in Valencia, ein schwieriges Rennen am Sonntag.

Die Saison entwickelte sich zu einer regelrechten Achterbahnfahrt der Gefühle und dabei sollte das Finalwochenende in Berlin keine Ausnahme darstellen. Auf einen Rückschlag im Titelkampf im ersten Lauf am Samstag, sollte am Sonntag die Belohnung für all die harte Arbeit des Teams folgen: Mercedes-EQ schloss seine erst zweite Saison in der vollelektrischen Rennserie als Fahrer- und Team-Weltmeister ab.

Nyck de Vries: Jüngster Champion in der Geschichte der Formel E

Dabei verlief das Finalwochenende in Berlin zunächst gar nicht in Nycks Sinne. Er blieb im Qualifying für das erste Rennen am Samstag in der ersten Gruppe im Verkehr hängen und qualifizierte sich nur für Startplatz 19. Im Rennen gelang ihm eine kleine Aufholjagd in Richtung der Punkteplätze, bis er von einem anderen Auto getroffen wurde und mit einem Reifenschaden an die Box kommen musste. Damit war jeder Traum von einer Punkteankunft geplatzt.

nyck de vries standing on the grid in berlin

Der Sonntag begann nur unwesentlich besser. In einem unheimlich engen Qualifying musste Nyck erneut in der ersten Gruppe auf die Strecke gehen. Er verpasste die Bestzeit in seiner Gruppe um gerade einmal 0,079 Sekunden und belegte damit in dieser Platz vier. Am Ende musste er von P13 ins Rennen gehen. In einem actiongeladenen E-Prix verbesserte er sich rasch bis in die Punkteränge und lag später sogar in Reichweite eines Podestplatzes. Nach vielen Zweikämpfen beendete er das letzte Saisonrennen auf Platz acht, was ihm mit sieben Punkten Vorsprung zum Titelgewinn reichte.

"Mir fehlen die Worte. Es war eine unheimlich harte Saison mit Höhen und Tiefen. Am Schluss kam es auf das letzte Rennen an und ich bin überglücklich, dass es für mich zum Titelgewinn gereicht hat", sagte Nyck. "Jetzt kommen in mir die Emotionen hoch. Wir hatten heute auch das Glück auf unserer Seite, wenn man bedenkt, was im Rennen alles passiert ist und ich bin froh, dass alle nach dem Startunfall okay sind. Wir sind ein unglaubliches Rennen gefahren, hatten eine sehr gute Pace und ich freue mich sehr für das Team, das wir nicht nur die Fahrer-, sondern auch die Teamweltmeisterschaft gewonnen haben. Das Team hat in dieser Saison wahnsinnig hart gearbeitet und das ist der verdiente Lohn dafür."

Teamchef Ian James fand nach einem nervenaufreibenden Sonntagnachmittag nur lobende Worte für seinen Schützling: "Für Nyck ist dies der Beleg für seine fahrerischen Leistungen in dieser Saison, für seine Herangehensweise, seine harte Arbeit und die Tatsache, was für ein echter Racer er ist. Er ist heute beharrlich und hartnäckig geblieben und das brachte uns in die Situation, in der wir uns jetzt gerne befinden."

Nyck eröffnete seine zweite Saison in der Formel E gleich im ersten Rennen mit seinem ersten Sieg in der Rennserie. Damit führte er die Fahrer-Wertung nach dem ersten Rennwochenende an. Zwei Rennwochenenden später sollte er in Valencia seinen zweiten Erfolg einfahren und sich damit zwischenzeitlich die Gesamtführung zurückholen, die er nach dem Saisonhighlight auf den Straßen von Monaco wieder abgeben musste. Beim ersten der beiden Heim-Events des Teams in London meldete sich Nyck mit zwei zweiten Plätzen auf dem Podium und damit auch an der Tabellenspitze zurück. Diesmal sollte er sie bis zur schwarz-weiß kartierten Flagge beim Saisonfinale in Berlin nicht mehr abgeben. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle endete für ihn als der erste Weltmeister in der Geschichte der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft. Zugleich krönte er sich nach nur 26 E-Prix Starts im Alter von 26 Jahren und 190 Tagen zum jüngsten Champion, den die Serie bislang gesehen hat. 

Stoffel Vandoorne: Positiver Saisonabschluss auf dem Podium

Wie Nyck erlebte auch sein Teamkollege Stoffel in dieser Saison eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Stoffel gewann das zweite Rennen in Rom und fuhr insgesamt dreimal auf das Podium. Wenn das Glück mehr auf seiner Seite gewesen wäre, hätten in dieser Saison aber noch mehr gute Platzierungen hinzukommen können.

Im letzten Qualifying des Jahres erzielte er am Sonntag in Berlin seine fünfte Pole Position in der Formel E und seine dritte in dieser Saison. Damit hat er mehr Poles als jeder andere Fahrer in diesem Jahr eingefahren. Im Rennen konnte er seine Führung zunächst behalten, verlor diese jedoch, als die Fahrer hinter ihm zuerst auf den Attack-Mode setzten. Doch Stoffel schlug in der Schlussphase des E-Prix mit seinem zweiten Attack-Mode zurück und kämpfte sich wieder bis auf den dritten Platz nach vorne.

stoffel vandoorne and nyck de vries sitting on a wall celebrating the championship in berlin

"Das war ein ereignisreiches Rennen", fasste er zusammen. "Nach dem Start hat mir ein wenig die Pace gefehlt und wir waren nicht so schnell, als es vor dem Attack Mode darauf ankam. Deshalb fand ich mich nach der Safety-Car-Phase in einer schwierigen Situation wieder. Ich musste gegen einige Fahrer kämpfen und bin froh, dass ich noch auf das Podium fahren konnte. Alles in allem ist es ein fantastischer Tag für das Team. Glückwunsch an Nyck zum Gewinn der Fahrer-Weltmeisterschaft und natürlich auch an die gesamte Mannschaft zum Gewinn der Teammeisterschaft. Es war eine großartige Saison, in der es für uns auf und ab ging, aber es ist klasse, sie mit so einem Erfolgserlebnis abzuschließen. Das hat sich jeder im Team mit seinen Leistungen verdient."

the mercedes-eq silver arrow 02 standing in the garage at sundown

Mercedes-EQ: Doppel-Weltmeister in der zweiten Saison

Eine der Neuerungen für die Saison 7 war, dass die Rennserie in diesem Jahr zum ersten Mal den Status einer Weltmeisterschaft erhielt. Nach 15 Saisonläufen sollten also zum ersten Mal ein Fahrer- und ein Team-Weltmeister in der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft gekürt werden. "Es würde sicherlich schön klingen, einmal Formel E-Weltmeister zu sein", sagte Ian James vor der offiziellen Präsentation des Mercedes-EQ Silver Arrow 02. Nichtsahnend, dass sein Team knapp zehn Monate später beim Heimrennen in Berlin gleich beide Titel gewinnen würde.

"Für das Team stellt dies eine Belohnung für die unzähligen Arbeitsstunden und den unermüdlichen Einsatz dar, den sie alle in die Entwicklung dieses Autos und aller anderen Bereiche des Teams gesteckt haben, was schlussendlich zu diesem Weltklasseniveau geführt hat", betonte Ian. "Ich bin stolz darauf, jede Einzelne und jeden Einzelnen von ihnen zu meinen Teamkollegen zu zählen und sie haben diesen Titel absolut verdient."

Für Mercedes-Benz sind es die ersten beiden vollelektrischen Weltmeister-Titel in der mehr als 125-jährigen Geschichte der Marke. "Ich bin sehr stolz darauf, dass unser Team einmal mehr die Kompetenz von Mercedes-Benz bei elektrischen Antrieben demonstrieren konnte", sagte Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG, verantwortlich für Konzernforschung, COO Mercedes-Benz Cars. "Das Team hat der Welt in den vergangenen beiden Saisons gezeigt, wofür Mercedes-Benz steht: Die Grenzen zu verschieben und den Weg in jedem Bereich der Mobilität zu bereiten."

nyck de vries hugging his team mates

"Was für ein Abschluss für diese Saison, in der es viele Höhen, Tiefen, Aufs und Abs gegeben hat - und das letzte Saisonrennen war dabei keine Ausnahme", sagte Mercedes-Benz Motorsportchef Toto Wolff. "Was wir heute gesehen haben, war ein Spiegelbild dessen, wie die Saison verlaufen ist - alles andere als unkompliziert, immer unerwartet, aber am Ende wurde harte Arbeit stets belohnt. Herzlichen Glückwunsch an die gesamte Mannschaft, alle Frauen und Männer in Großbritannien und Deutschland, die das möglich gemacht haben. Diese Weltmeisterschaft ist ihr Erfolg."

Toto Wolff giving an interview to Sat.1

Schon am Tag nach dem WM-Double in Berlin beginnen für Mercedes-EQ jedoch die Arbeiten für die neue Saison, in der das Team neue Herausforderungen erwarten. Ian James: "Jetzt freue ich mich sehr darauf, unsere beiden Titel in der Saison 8 zu verteidigen." Los geht es am 28. und 29. Januar 2022, wie in dieser Saison, mit einem Double-Header in Diriyah.

mercedes-eq silver arrow 02 standing in front of the world championship sign

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