• Puebla E-Prix: Ungenutztes Potenzial

In der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft erwarten die Fahrer und Teams an jedem Rennwochenende zahlreiche Herausforderungen. Beim Debüt der vollelektrischen Rennserie auf dem Autodromo Miguel E. Abed in Puebla kamen zu den bereits bekannten noch einige neue hinzu - etwa die Höhenluft, die Steilkurve des Ovals und eine erweiterte Zone für den Attack Mode. Am Ende waren es jedoch das einzigartige Qualifying-Format der Serie sowie einige unvorhersehbare Rennzwischenfälle, die das Team vor die schwierigsten Aufgaben an diesem Wochenende stellten.

Herausforderung I:
Erfolgreiche Aufholjagd im ersten Rennen

stoffel vandoorne sitting in his mercedes-eq silver arrow 02

Vor dem ersten Rennen am Samstag blieben den Fahrern und Ingenieuren zwei Freie Trainings, um sich auf die unbekannte Strecke und deren Charakteristiken sowie Eigenheiten einzustellen. Nyck und Stoffel gingen in der ersten Qualifying-Gruppe an den Start, wurden dabei allerdings auf ihrer jeweiligen Runde im Verkehr aufgehalten und qualifizierten sich mit ihren Rundenzeiten für die Plätze 16 und 23. Aufgrund von Zurückversetzungen anderer Fahrer gingen sie von P14 (!) respektive P21 in den E-Prix.

"Heute war von Anfang an ein herausfordernder Tag", sagte Teamchef Ian James. "Das Team musste die Strecke bei kniffligen Bedingungen kennenlernen, die sich in jeder Session verändert haben. Nach einem chaotischen Qualifying, in dem es nahezu unmöglich war, eine saubere Runde zu fahren, gingen Nyck und Stoffel von extrem schwierigen Ausgangspositionen ins Rennen."

Die beiden Fahrer nahmen diese Herausforderung jedoch an und versuchten, ihre Chance im Rennen zu nutzen. Diese Mentalität zahlte sich aus. Stoffel verbesserte sich im Laufe der 28 Rennrunden um 14 Positionen und beendete das Rennen auf P7.

"Vom 21. Startplatz aus ist P7 ein gutes Ergebnis, gerade angesichts der Ereignisse im Qualifying", sagte Stoffel. "Es ist klasse, von dieser Position in die Punkte gefahren zu sein. Wir hatten eine gute Strategie, waren schnell, als es darauf ankam, verbrauchten die Energie, als wir es mussten, und am Ende ging es nur noch darum, das Auto ins Ziel zu bringen."

Nyck lag bis kurz vor der Rennmitte in Reichweite der Top-10, als es zu einem Kontakt mit einem anderen Fahrer kam, durch den Nyck weit zurückfiel. Danach konnte er sich wieder nach vorne kämpfen und überquerte die Ziellinie als Neunter.

"Wir hatten eine großartige Pace, sind ruhig geblieben und haben nach einem Rückschlag, als ich in einer sehr guten Position lag, nicht aufgegeben und zurückgeschlagen", fügte Nyck an. "Rückblickend kann man natürlich immer sagen, was wäre gewesen, wenn es nicht passiert wäre... Ich denke, dann wäre heute eine viel bessere Platzierung realistisch gewesen. Aber leider ist es passiert, so etwas gehört im Rennsport eben dazu."

Herausforderung II:
Unbelohnte Mühen im zweiten Rennen

Stoffel Vandoorne racing at the puebla e-prix

Die starken Aufholjagden aus dem ersten Rennen und die Gewissheit, dass sogar Potenzial zu mehr vorhanden gewesen ist, stimmten das Team für das zweite Rennen am Sonntag optimistisch. Doch die Ausgangslage sollte nach dem Qualifying nicht viel besser aussehen am Tag zuvor.

Beide Fahrer mussten erneut in der ersten Qualifying-Gruppe antreten, als die schwierigsten Streckenbedingungen herrschten. Das wurde in Mexiko noch zusätzlich erschwert, weil es vor dem Wochenende viel geregnet hatte und nun Wasser durch den Asphalt nach oben drückte. Das machte die Streckenverhältnisse in Gruppe 1 noch unvorhersehbarer und führte dazu, dass alle Fahrer so spät wie möglich auf ihre Runde gehen wollten.

Stoffel Vandoorne checking the track before the race

Das Ergebnis waren die Plätze eins und drei in Gruppe 1, die in der Startaufstellung jedoch zu den Startplätzen 17 und 19 wurden. "Dadurch fanden wir uns in einer ähnlichen Situation wieder wie gestern, als wir durch den Aufbau des Qualifying-Formats sowie die Herangehensweise der Fahrer in unserer Qualifikations-Gruppe auch schon leicht im Hintertreffen waren", so Ian James. "Auf Basis der Erfahrungen von gestern wussten wir jedoch, dass wir noch immer das Potenzial hatten, um im Rennen wertvolle Punkte einzufahren."

Dieser Plan sollte jedoch nicht aufgehen. Die Rennen beider Fahrer wurden durch Berührungen mit anderen Autos beeinträchtigt und im Fall von Nyck sogar vorzeitig beendet.

"Wenn man in der ersten Qualifying-Gruppe an den Start geht, hat man immer damit zu kämpfen, sich an der Spitze zu qualifizieren", zog Nyck sein Fazit. "Dadurch ist man am Start des Rennens direkt im Hintertreffen und steckt mitten in den Mittelfeldkämpfen. Aber das ist Teil des Formats und ich glaube wirklich, dass wir als Team großartige Arbeit geleistet haben. Es war nur Pech, dass wir zweimal von hinten getroffen wurden."

Während Nyck sein Auto abstellen musste, kämpfte sich Stoffel mit einem beschädigten Frontflügel bis ins Ziel, das er auf P13 erreichte. Der Schaden an seinem Auto bremste seinen Speed jedoch für den Rest des Rennens aus.

"Schon als sich das Feld durch die erste Kurve quetschte, hatte ich eine Berührung mit einem anderen Fahrer und verlor ein Teil meines Autos", verriet Stoffel. "Danach war mein Rennen praktisch von der ersten Runde an beeinträchtigt. Die Fahrzeugbalance war recht knifflig und es war ehrlich gesagt schwierig, es auf der Strecke zu halten. Gestern konnten wir uns im Rennen noch nach vorne kämpfen, aber heute haben wir das nicht hinbekommen."

Ausblick:
Volle Konzentration auf New York

Ian James during the track walk, speaking on the phone

Acht Punkte am Samstag, keine Zähler am Sonntag: Die Punkteausbeute des Teams hätte in Puebla wahrlich ergiebiger ausfallen können. Das weiß auch Teamchef Ian James: "Dies war ein schmerzhaftes Wochenende, denn wir wissen, dass wir das Potenzial besitzen, um bessere Ergebnisse zu erzielen."

"Das haben wir bereits bewiesen und ich sehe es, wenn ich mit den Menschen zusammenarbeite, von denen ich an der Strecke und in den Fabriken umgeben bin", so James weiter.

Dabei weiß das Team genau, dass im Titelkampf jeder einzelne Punkt entscheidend sein wird. "Noch stehen wir an der Spitze, aber unsere Konkurrenten holen auf", betont James.

Nyck and Stoffel speaking in the box

Ein Blick auf die Teamwertung bestätigt: Das Mercedes-EQ Formel E Team führt nach dem neunten Saisonlauf die Meisterschaft weiterhin an. Allerdings ist der Vorsprung auf den Zweitplatzierten DS Techeetah auf drei Punkte geschmolzen. In der Fahrerwertung liegen Nyck und Stoffel auf den Plätzen sechs und sieben.

"Jetzt blicke ich nach vorne und konzentriere mich gemeinsam mit dem Team auf unsere nächste Herausforderung", sagt James. Dieser wird sich das Team in drei Wochen in New York (10. und 11. Juli) stellen.

Stoffel und Nyck sind sich dabei einig: Jetzt gilt es, sich zu sammeln und dann in New York gestärkt zurückzuschlagen. "Es gibt immer noch viel Positives, das wir als Team von diesem Wochenende mitnehmen können", betont Nyck, "um uns auf New York vorzubereiten und uns dort an der Spitze zurückzumelden."

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