• Rom 2021: Achterbahnfahrt der Emotionen.

Der Circuito Cittadino dell'EUR ist mit seinen Höhenunterschieden eine kleine Berg- und Talbahn durch das Viertel der Weltausstellung (Esposizione Universale di Roma) in Rom. Das Mercedes-EQ Formel E Team erlebte am zweiten Rennwochenende der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft 2020/21 aber auch sportlich eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit etlichen Höhen, aber auch einigen Tiefen.

Die Mannschaft ließ sich von den Tiefen, wie etwa dem Doppelausfall im ersten Rennen am Samstag, nicht aus der Ruhe bringen - selbst die zusätzliche Arbeit zur Reparatur der beiden Silberpfeile nach dem Unfall in Lauf 1 brachte das Team nicht aus dem Konzept.

Ganz im Gegenteil. Teamchef Ian James sagte schon nach dem ersten Rennen am Samstag: "Das Team ist unverwüstlich und wir haben bewiesen, dass wir unsere Fahrer dorthin bringen können, wo sie im Feld sein müssen. Jetzt liegt es an uns, morgen die Herausforderung anzunehmen. Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere eigenen Erwartungen erfüllen werden und freue mich darauf, das Team wieder auf der Strecke zu sehen."

Genauso sollte es im zweiten Rennen am Sonntag kommen, zumindest im Fall von Stoffel Vandoorne...

Verpasste Gelegenheit in Rennen 1

stoffel vandoorne looking in the sky

Das Rennwochenende von Stoffel ist eine perfekte Veranschaulichung des Aufs und Abs, das das Team in den Straßen von Rom erlebte. Los ging es im ersten Qualifying - und wie! Stoffel sicherte sich in der Super-Pole seine dritte Pole Position in der vollelektrischen Rennserie. Damit machte er seinem Ruf als Rom-Spezialist alle Ehre, schließlich fuhr er hier in Saison 5 sein erstes Podium in der Formel E ein und bezeichnet den Stadtkurs nicht umsonst als eine seiner Lieblingsstrecken.

Dennoch war das Glück im ersten Rennen nicht auf seiner Seite. Schon kurz nach dem Start versuchte André Lotterer ein optimistisches Überholmanöver, in dessen Verlauf er Stoffel berührte, sodass beide weit zurückfielen.

Mercedes-EQ Silver Arrow 02 on the track

"Lotterer ging mit dem Überholmanöver in Kurve 7 aus meiner Sicht ein unnötiges Risiko ein, gerade da die Strecke nach dem Start noch sehr rutschig und nass war", sagte Stoffel nach dem Rennen. "Dadurch fiel ich bis auf P13 zurück, konnte danach aber noch ein gutes Rennen fahren. Ich konnte viele Autos überholen, wir hatten eine gute Strategie mit dem Attack-Mode und die Pace war ebenfalls gut."

So konnte er sich immer weiter durch das Feld nach vorne kämpfen und hatte sogar das Podium schon wieder in Reichweite, als Lucas di Grassi in Kurve 6, der schnellsten Kurve der Strecke, plötzlich langsamer wurde. "Ich versuchte, ihm auszuweichen, aber mein Auto saß auf einer Bodenwelle auf und hob ab. Danach war ich nur noch Passagier."

Stoffel überstand den unverschuldeten Unfall unbeschadet, sein Auto wurde jedoch stark beschädigt. Am meisten ärgerte er sich jedoch über die verpasste Gelegenheit, um eine gute Punkteausbeute mitzunehmen.

Stoffels zweiter Sieg in der Formel E

stoffel vandoorne leaving his mercedes-eq silver arrow 02

Einen Tag später sah die Welt für Stoffel schon wieder ganz anders aus. Im Qualifying erreichte er erneut die Super-Pole und ging von Startplatz vier ins Rennen. In diesem setzte er sich in der Spitzengruppe fest, bis er beim Einsatz seines ersten von drei Attack-Modes in Führung ging - diese sollte er bis zur Zielflagge auch nicht mehr abgeben.

"Was für ein Sieg", sagte Stoffel nach seinem zweiten Erfolg für das Team. "Das war in gewisser Weise die Wiedergutmachung für gestern und es fühlt sich gut an, heute das Rennen gewonnen zu haben. Gestern war eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle. Zunächst die Pole Position und der Speed, den wir gezeigt haben, dann der Zwischenfall auf der ersten Runde, die folgende Aufholjagd durch das Feld und am Ende der Unfall, als ich Lucas ausweichen musste. Das war ziemlich frustrierend und ich hatte das Gefühl, dass wir schon gestern gute Resultate verdient gehabt hätten."

stoffeln vandoorne standing at the podium after his win in rome

Das Wochenende mit so einem Höhepunkt abzuschließen, war die gerechte Belohnung für seine starken Leistungen in Rom. "Ich mag es nicht, eine Leistung als dominant zu beschreiben, denn dadurch würde ich die Performances aller anderen Fahrer und Teams abschwächen, aber Stoffels heutige Leistung darf man getrost als nahezu perfekt bezeichnen", so Teamchef Ian James. "Er hielt sich in der Anfangsphase aus Schwierigkeiten heraus und bahnte sich danach seinen Weg bis an die Spitze. Herzlichen Glückwunsch an ihn und das gesamte Team, das diesen Sieg ermöglich hat."

Ein besonderes Lob richtete Stoffel an seine Mannschaft: "Vielen Dank an das gesamte Team und vor allem meine Mechaniker, die viel Arbeit hatten, um mein Auto nach dem Unfall zu reparieren. Das Auto war heute absolut perfekt, genauso wie die Strategie des Teams."

Enttäuschendes Wochenende für Nyck

nyck de vries talking to another driver

Nyck erlebte bei seinem Debüt in den Straßen von Rom ein schwieriges Wochenende. Nach seinem Auftaktsieg in Diriyah verzeichnete er in den beiden Rennen am zweiten Rennwochenende der Saison zwei Ausfälle für sich. Am Samstag lag er direkt hinter Stoffel, als dieser dem plötzlich langsamer werdenden Lucas di Grassi ausweichen musste. Leider konnte Nyck seinem Teamkollegen nicht mehr rechtzeitig ausweichen, berührte ihn und beide schieden aus. Zu diesem Zeitpunkt lagen beide auf aussichtsreichen Positionen im Rennen.

"Das war leider ein enttäuschendes Ende für ein bis zu diesem Zeitpunkt gutes Rennen", bilanzierte Nyck am Samstag. "Es war ein sehr unglücklicher Zwischenfall, gegen den wir nichts unternehmen konnten. Trotzdem ist es sehr schade, dass es so zu Ende ging, denn wir hätten heute eine gute Punkteausbeute für beide Meisterschaften mitnehmen können."

Mercedes-EQ Silver Arrow 02 on the track

Der Sonntag verlief für Nyck ähnlich unerfreulich. Da er im Qualifying in der ersten Gruppe an den Start gehen musste, hatte er auf abtrocknender Strecke keine Chance, eine Spitzenzeit zu erzielen. "Das Qualifying am Vormittag wurde durch die abtrocknenden Streckenverhältnisse bestimmt. Angesichts dessen haben wir das Beste daraus gemacht", sagte Nyck. "Im Rennen lief es okay und ich konnte mich gut nach vorne arbeiten, aber als ich auf der letzten Runde um P10 kämpfte, kam es zu einem Rennzwischenfall. Rückblickend wollte ich den Punkt wohl zu sehr, dabei wäre es gar nicht nötig gewesen, weil es nach dem Rennen noch einige Strafen gab. Zudem hätten wir noch die schnellste Rennrunde gehabt. Es hat heute einfach nicht sollen sein."

Teamchef Ian James war mit der Leistung seines Schützlings jedoch zufrieden: "Nyck hatte das Glück heute leider nicht auf seiner Seite. Er befand sich für eine lange Zeit im Kampf um die Punktepositionen - und das von Startplatz 17. Es ist schade, dass er an diesem Wochenende keine Punkte einfahren konnte, aber er konnte dennoch unter Beweis stellen, was er drauf hat."

Mercedes-EQ Formula E Team cleberating after victory

Nach dem Achterbahn-Wochenende in den Straßen von Rom reist das Team nun mit einem Sieg und drei Ausfällen im Gepäck wieder zurück nach Hause. "Am zweiten Rennwochenende der Saison den zweiten Saisonsieg einzufahren fühlt sich sehr gut an", fasste Ian zusammen. "Aber wir wissen, dass wir an diesem Wochenende nicht alle Möglichkeiten ausgenutzt haben, die sich uns geboten haben - egal, ob es in unserer Macht gelegen hat oder nicht."

Die nächste Möglichkeit bietet sich dem Team in zwei Wochen, wenn die ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft am 24 und 25. April ihre nächsten beiden Saisonläufe auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia absolviert.

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