• Valencia 2021: Spanien-Debüt voller Überraschungen.

Am vergangenen Wochenende machte die ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft auf dem Circuit Ricardo Tormo vor den Toren Valencias zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Spanien Station - und was für eine spektakuläre Rennpremiere das Mercedes-EQ Formel E Team auf spanischem Boden erlebte!

"Wir haben vor diesem Rennwochenende ein actiongeladenes Event erwartet", sagte Teamchef Ian James am Ende eines verrückten Samstagnachmittags. "Aber wenn mir irgendjemand im Team gesagt hätte, dass es so verlaufen würde, hätte ich es sicher nicht geglaubt." Aber beginnen wir von vorne…

 

Perfektes Energie-Management bringt Nyck de Vries zweiten Saisonsieg

Nyck de vries celebrating after winning in valencia

Bereits im Vorfeld des dritten Rennwochenendes der Saison sagte Stoffel Vandoorne voraus, dass das Energie-Management auf der permanenten Rennstrecke in Valencia mit ihren schnellen und langen Kurven eine große Herausforderung werden dürfte. Damit sollte Stoffel Recht behalten.

Doch bis sich das perfekte Energie-Management des Teams auszahlen sollte, galt es zunächst gleiche mehrere andere Herausforderungen zu meistern. So beendeten Stoffel und Nyck die Super-Pole Session zwar auf den Positionen eins und drei, doch aufgrund einer Zurückversetzung aus Rom im Falle von Nyck und der Streichung aller Rundenzeiten von Stoffel in Folge eines kleinen administrativen Fehlers starteten die beiden Fahrer des Teams von den Plätzen 7 und 24.

Von dort ging es in einem ebenso chaotischen wie spannenden Rennen rasant nach vorne. Nyck kämpfte sich bei schwierigen Wetterbedingungen rasch bis auf den zweiten Platz nach vorne. Dank seines sehr guten Energie-Managements übernahm er kurz vor Rennende die Führung und fuhr seinen zweiten Saisonsieg ein.

"Was für ein Rennen", fehlten Nyck die Worte. "Ehrlich gesagt bin ich heute noch glücklicher als bei meinem ersten Sieg in Diriyah, vor allem, da der Sieg so überraschend kam. Nach dem schwierigen Rennwochenende in Rom und der Strafversetzung um fünf Plätze für dieses Rennen hatte ich damit definitiv nicht gerechnet. Aber es ist ein fantastischer Weg, um mich zurückzumelden. Heute ist ein großartiger Tag für unser Team."

Teamchef Ian James gab das Lob an Nyck zurück: "Er erwischte einen fantastischen Start ins Rennen, verbesserte sich rasch bis in die Top-4 und zeigte sein Talent, indem er jede Chance nutzte, die sich ihm bot. Das war eine der beeindruckendsten Leistungen, die ich bislang von Nyck für unser Team gesehen habe."

Auf diesen Höhepunkt am Samstag folgte, der Achterbahnfahrt dieser Saison folgend, am Sonntag wieder ein kleines Tief. Sowohl Nyck als auch Stoffel mussten auf abtrocknender Strecke bereits in der ersten Qualifying-Gruppe antreten und kamen so nicht über die Startplätze 17 und 18 hinaus.

Ian James standing in the box in Valencia

"Leider hat es vor dem Qualifying aufgehört zu regnen, sodass die Strecke stetig weiter abtrocknete, wodurch die erste Gruppe besonders stark beeinträchtigt wurde", bestätigte Nyck. "Schlussendlich kam die gesamte vierte Gruppe in die Super-Pole. Vom Ende des Feldes war es für uns von Anfang an nicht einfach."

In der ersten Rennhälfte konnte sich Nyck zunächst durch das extrem eng zusammenliegende Feld bis in die Nähe der Punkte vorkämpfen, am Ende überquerte er die Ziellinie nach 30 Runden schlussendlich auf Position 16. "Wir hatten einen guten Start, aber dann habe ich einen Fehler gemacht und wir haben auch nicht immer die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen", so Nyck. "Alles in allem war es ein hartes Rennen."

Aufholjagd mit überraschendem Ende für Stoffel Vandoorne

team celebrating after winning in valencia

Auch Stoffels Wochenende war von einer Vielzahl an Herausforderungen gekennzeichnet. Nach der Streichung seiner Qualifying-Zeiten musste er am Samstag vom letzten Startplatz ins Rennen gehen. Im Laufe eines von fünf Safety-Car-Phasen (inklusive des SC-Starts) bestimmten Rennens profitierte auch Stoffel von seinem sehr guten Energie-Management. So machte er in den Schlussrunden eine Vielzahl an Positionen gut und beendete das Rennen auf P3 - sein sechster Podestplatz in der Formel E.

"Ich bin wirklich überrascht, das Rennen auf dem Podium beendet zu haben. Irgendwie fühlt es sich fast so an, als ob ich hier falsch wäre", sagte Stoffel nachdem er aus seinem Auto ausgestiegen war. "Das Rennen war unheimlich intensiv und es ist heute so viel passiert. Im Rennen hatte ich einen Kontakt, bin durchs Kiesbett gefahren und am Ende mussten wir auf die Energie achten. Unsere Pace war gut und unsere Strategie hat sich als richtig erwiesen."

Aber das war noch lange nicht alles - in den Schlussrunden überschlugen sich die Ereignisse noch einmal. "Die Runden nach dem letzten Safety-Car-Restart waren verrückt", stimmte Stoffel zu. "Ich habe links und rechts Autos überholt, denen die Energie ausgegangen ist. Aber genau das zeichnet die Formel E aus: Im einen Moment ist man noch niedergeschlagen, im nächsten steht man auf dem Podium. Man darf niemals aufgeben."

Ian James fehlten nach dieser fantastischen Aufholjagd die Worte: "Es ist fast unmöglich, Stoffels Rennen zusammenzufassen", betonte er. "Nach seinem Sieg in Rom hat Stoffel am letzten Rennwochenende das Wort 'Wiedergutmachung' verwendet. Ich glaube, das dürfte für ihn heute erneut zutreffen."

Keine 24 Stunden später sah Stoffels Gefühlswelt komplett anders aus. Von Startplatz 17 erwartete ihn von Anfang an eine schwierige Aufgabe, doch Stoffel zeigte erneut eine starke Aufholjagd. Er setzte schon früh seine beiden Attack-Modes ein und kämpfte sich so bis in die Top-10 nach vorne. Dann kam es zu einem Zweikampf mit Sébastien Buemi in der Schikane, in dessen Folge Stoffel die Streckenbegrenzung streifte und sein Auto mit einem Aufhängungsschaden an der Box abstellen musste.

Stoffel vandoorne standing in the box at the valencia eprix

"Das war heute ein ganz anderer Tag als gestern", sagte Stoffel. "Ich fand mich zurecht, machte viele Plätze gut und lag glaube ich auf P10, als ich einen Zwischenfall mit Buemi hatte. Danach musste ich das Rennen leider aufgeben, weil meine Aufhängung beschädigt war. Es war ein Rennunfall, was frustrierend ist, weil wir heute von Startplatz 17 ein paar Punkte hätten mitnehmen können."

Valencia: Genutzte Chancen und verpasste Gelegenheiten

Obwohl die Leistungen beider Fahrer im Sonntagsrennen unbelohnt blieben, reist das Team nicht nur mit vielen neuen Erkenntnissen aus Valencia ab - sondern auch mit einem Sieg, einem dritten Rang sowie dem Wissen, dass die Pace des Autos und beider Fahrer an beiden Tagen bei unterschiedlichen Bedingungen stark war.

Zudem gelang dem Team und den Fahrern mit dem Doppelpodium am Samstag auch der Sprung an die Spitze beider Wertungen: Nach dem sechsten Saisonrennen der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft führt das Mercedes-EQ Formel E Team (105 Punkte) nun die Teamwertung mit 23 Zählern Vorsprung vor Jaguar Racing (82 Punkte) an. Gleichzeitig liegen Nyck (57 Punkte) und Stoffel (48 Punkte) auf den Plätzen eins und zwei der Fahrerwertung.

Die nächste Herausforderung für das Team liegt aber bereits um die Ecke: In weniger als zwei Wochen (8. Mai) wartet mit dem Monaco E-Prix auf den Straßen des Fürstentums der siebte Saisonlauf auf das Team. Ian James: "Ich glaube, das gesamte Team freut sich schon jetzt darauf, dort eine neue Chance zu erhalten."

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