• New York City 2021: Vom Gejagten zum Jäger

New York und die Formel E: Das passt perfekt zusammen. Die bevölkerungsreichste Stadt der Vereinigten Staaten vereint alles in sich, was sich Fahrer, Teams und Fans von einem Ausrichtungsort für die Formel E wünschen und erinnerte alle Beteiligten daran, wofür die Rennserie steht - oder wie Teamchef Ian James es zusammenfasste: "Die Formel E bringt aufregende Events in die größten und wichtigsten Städte der Welt. New York vereint alles, was man sich von einem Austragungsort in der Formel E erwartet."

Exakt 727 Tage nach dem Finale von Saison 5 am 14. Juli 2019 kehrte die ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft in diesem Jahr in den Big Apple zurück. Zum insgesamt vierten Mal gastierte die vollelektrische Rennserie für einen Double-Header im Stadtteil Brooklyn. Für Mercedes-EQ waren es die ersten beiden Rennen auf den Straßen von New York City. Allerdings hätte sich das Team eine deutlich erfolgreichere Premiere auf dem Stadtkurs im Stadtviertel Red Hook gewünscht. Doch dazu sollte es nicht kommen. Dabei sah es zu Beginn des Wochenendes noch ganz gut aus...

Dreimal Pech am Samstag

Die ersten beiden Freien Trainings am Samstag verliefen solide und das Team zeigte in beiden Sessions eine gute Pace. Diese konnten Nyck de Vries und Stoffel Vandoorne jedoch nicht ins Qualifying mitnehmen.

Während Nyck mit den schwierigen Streckenverhältnissen in der ersten Qualifying-Gruppe zurechtkommen musste, sah es für Stoffel bis in den letzten Sektor seiner fliegenden Runde gut aus. Stoffel rechnete sogar damit, eine Chance auf die Super Pole Session zu haben. Doch dann berührte er die Mauer und handelte sich einen Reifenschaden ein. Damit waren seine Hoffnungen auf einen besseren Startplatz zunichte gemacht.

"Für meine Startposition muss ich die volle Verantwortung übernehmen", gestand Stoffel hinterher. "Die Berührung war nicht sehr hart, nur ganz leicht, aber sie hat gereicht, um die Felge zu beschädigen."

mercedes-eq silver arrow 02 on the track in new york city

Von den Startplätzen 18 für Nyck und 21 für Stoffel sollte es von Anfang an ein schwieriger E-Prix für das Team werden. Nycks Ausgangslage verschlechterte sich kurz nach dem Start sogar noch weiter:

"Ich wurde bereits auf der ersten Runde von hinten getroffen. Das ist mir jetzt schon im dritten Rennen hintereinander passiert", verriet er. "Ich versuchte noch, dem Auto vor mir auszuweichen, aber das war unmöglich und ich berührte meinen Vordermann. Dabei verlor ich meinen Kotflügel vorne rechts, was die Fahrzeugbalance ab diesem Zeitpunkt beeinträchtigte. Dadurch ließ sich das Auto nicht mehr so schön fahren."

nyck de vries standing on track in new york with his race engineer

So kam Nyck nicht über P13 hinaus. Stoffel hatte im Rennen ähnliches Pech und schied nach einer Berührung mit einem weiteren Reifenschaden aus. "Wir wollten von hinten kommend viel Energie sparen und dann versuchen, uns nach vorne zu kämpfen", erklärte Stoffel. "Das ist uns ein bisschen gelungen, aber dann blieb ich im Feld stecken und hatte einen weiteren Reifenschaden vorne links. Das war es dann für mich. Zwei Reifenschäden, die mich beide sehr teuer zu stehen kamen. Alles in allem ein Tag zum Vergessen."

Stoffel vandoorne getting in his mercedes-eq silver arrow 02

Hartes Rennen am Sonntag

Die Hoffnungen des Teams ruhten nun auf dem zweiten Rennen am Sonntag. Doch auch diesmal sollten sie nicht erfüllt werden. Nyck und Stoffel gingen diesmal beide in der zweiten Qualifying-Gruppe an den Start, doch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt fing es leicht an zu regnen. Das führte am Ende zu den Startplätzen 20 und 22 für Stoffel und Nyck.

"Das war ein sehr hartes Wochenende", bilanzierte Nyck. "Ich denke, die zugrundeliegende Erkenntnis ist, dass wir an diesem Wochenende nicht so konkurrenzfähig waren. Gleichzeitig hatten wir vielleicht auch ein bisschen Pech mit der ersten Gruppe im Samstags-Qualifying und dem Regen in der zweiten Qualifikation am Sonntag, der unsere Gruppe beeinträchtigt hat."

nyck de vries walking through the pitlane on new york

Stoffel hatte zudem den Nachteil, dass er durch seine beiden Reifenschäden am Samstag mit zwei Pneus ins zweite Rennen gehen musste, die er bereits im ersten Lauf eingesetzt hatte. "Alles in allem fehlte uns ein bisschen der Grip und wenn das Feld so hart umkämpft ist und alle so eng zusammenliegen, ist ein alter Reifen nicht gerade ideal", erklärte Stoffel. "Uns fehlte ein wenig die Pace und ich hatte mit dem rechten Hinterreifen zu kämpfen, der praktisch schon vor dem Start kaum noch Gummi drauf hatte."

Stoffel und Nyck kämpften sich im Laufe der 37 Rennrunden bestmöglich durch das Feld, kamen am Ende aber nicht über die Plätze 12 und 18 hinaus.

Die Meisterschaft bleibt offen

"Es ist mehr als enttäuschend, dass wir die Heimreise morgen ohne einen einzigen Zähler im Gepäck antreten müssen", fasste Ian James die Stimmung im Team nach dem Sonntagsrennen zusammen. "Das Wochenende in New York brachte nicht, was wir uns davon erhofft hatten", so James weiter. "Es war weder das Wochenende, das wir brauchten noch das, was wir hätten abliefern sollen."

Es war nicht die erste schwierige Situation, die das Team in dieser Saison meistern musste. Allerdings war New York die erste Strecke, auf der das Team nicht die Pace fand, von der es weiß, dass sie im Auto steckt.

Ian James stainding in the pitlane with jean todt

"Das ist frustrierend, aber es ist auch eine Gelegenheit und Herausforderung für das Team, um zurückzuschlagen", betont James. "Und wenn es eine Truppe gibt, der ich zutraue, sich davon zurückzumelden, dann ist es dieses Team. Sie besitzt diesen Kampfgeist und das Team sieht sich gerade schon die Daten an und lässt nichts unversucht, um sicherzustellen, dass wir wieder zurückkommen."

Das punktelose Wochenende in New York City hat das Team in der Teamwertung vom Gejagten zum Jäger gemacht. Nachdem die Mannschaft vor den beiden Läufen in Red Hook noch knapp die Wertung anführte, liegt sie nun mit 33 Zählern Rückstand auf Virgin Racing auf dem fünften Platz.

the wet pitlane at the new york city eprix

"Wir sind jedoch fest entschlossen und voll motiviert, um für den Rest der Saison weiter um jeden möglichen Punkt zu kämpfen", sagte James. Viel Zeit bleibt dem Team nicht, bis der nächste Double-Header auf dem Programm steht. Die Saisonrennen zwölf und dreizehn finden bereits in knapp zwei Wochen am 24. und 25. Juli in London statt.

"Es sind nur noch vier Rennen zu fahren", rechnet James vor. "Das sind vier Chancen an zwei Austragungsorten, die uns beide sehr am Herzen liegen: London und Berlin. Und ich bin zuversichtlich, dass wir sie nutzen werden - die Weltmeisterschaft ist noch immer offen."

the nose of the mercedes-eq silver arrow 02

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