Schönheit liegt im Auge des Betrachters, heißt es. Und es stimmt natürlich: Was wir schön finden, ist eine individuelle Angelegenheit, die auf persönlichen Erfahrungen beruht, dem eingeschlagenen Lebensweg und natürlich dem kulturellen Umfeld. Schaut man sich Familienfotos aus den 1960ern, 70ern oder 80er Jahren an – die Schlaghosen, die Wollpullover, die überdimensionierten Brillen, Schulterpolster und Föhnfrisuren, dann zeigt sich unmittelbar, in welchem Maß sich unser Verständnis von Ästhetik verändert hat. Und das gilt nicht nur beim Blick ins Fotoalbum. Auch ein Mercedes-Benz sieht heute anders aus als noch vor zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren. Wie verändert sich unser Verständnis von Schönheit? Was beeinflusst das Auge des Betrachters? Eines ist klar: So sehr wir unseren persönlichen Einflüssen folgen, so tun wir das nie im luftleeren Raum. Wir sehen, was uns umgibt, und trainieren damit unsere Sehgewohnheiten immer wieder neu.

Vertraut, aber aufregend anders.

Neue Technologien inspirieren oft einen ästhetischen Wandel. Sie stellen andere Ansprüche an die Gestaltung und eröffnen neue Möglichkeiten. Der Mercedes-Benz Vision One-Eleven, dem wir uns ab Seite 88 ausführlich widmen, ist ein Beispiel dafür. Die aufregende, stromlinienförmige Karosserie und der Loungecharakter des Interieurs, das mit der Möglichkeit des automatisierten Fahrens im Kopf geplant wurde, stehen für die Suche nach der idealen Mobilität der Zukunft. Längst in Serie sind die Baureihen der elektrischen Modelle. Für die erfand das Team um Gorden Wagener, Chief Design Officer bei Mercedes-Benz, einen ganz neuen Look, der sich auch im Vision One-Eleven zeigt: das charakteristische One-Bow-Design. Anstelle der Dreiteilung in Front, Fahrerkabine und Heck streckt sich die Seitenansicht der vollelektrischen Luxus- limousine nahtlos entlang einer geschwungenen Linie – harmonische Flächen verschmelzen zu einer Einheit. Mobilität als Botschafter einer neuen Zeit sollte auch so aussehen: vertraut Mercedes-Benz zwar, aber auch aufregend anders und ungesehen.

Das, was wir heute als gelungenes Design bezeichnen, mag also etwas ganz anderes umfassen als vor 50 Jahren. Das Gleiche gilt für unser Verständnis von Schönheit. In den letzten Jahren – beschleunigt durch den Aufstieg von Instagram und anderen Social-Media-Plattformen – hat sich dies rasanter denn je verändert. Weltweit können Menschen live und mehr oder weniger ungefiltert öffentlich zeigen, wie sie leben, wie sie sich kleiden, wie sie ihren Alltag bestreiten. Die Unmittelbarkeit, auf der die sozialen Netzwerke basieren, hat die Welt zusammenrücken lassen – und dabei alteingesessene Muster dessen erodiert, was einst als schön galt. Dazu haben nicht zuletzt Influencer und Marken­kooperationen beigetragen – Influencer gelten als authentisch, können ihre Communitys beeinflussen, viele ihrer Follower vertrauen ihnen fast blind. Ihre Stilistik prägt den Zeitgeist, fordert die bis dato definierten Grenzen von Schönheit heraus. Was als schön gilt, wurde durch die vielen verschiedenen Influencer immer relativer, immer individueller. Sie leben in Asien, den USA, Südamerika oder Europa. Sie sind Menschen mit einer Leidenschaft für Mode, aber meistens keine Models. Außerdem begannen Influencer von sich aus und im Namen ihrer Follower damit, mehr Diversität einzufordern. Mehr nicht weiße Designer bei großen Modemarken zum Beispiel. Oder Kleidung, die auch denjenigen steht, die keinen perfekten Körper haben. Anders als bei Produkten ist Perfektion bei Menschen natürlich relativ. Und Schönheit individuell.

Die Luxusmode griff den Diversitätstrend früh auf und trieb ihn federführend voran. Die Ansprache auf Augenhöhe und im Ton der jeweiligen kulturellen Gepflogenheiten machte die Marken, die durch den Schritt in Richtung mehr Diversität auch näher an ihren Kunden waren, authentischer, sympathischer und begehrlicher. Ergebnis: Die Körperformen, das Alter und die Herkunft der Protagonisten und Models sind in den Werbekampagnen vieler Marken heute vielfältiger denn je.

Zeitlos und sinnlich.

Dennoch ist Schönheit nicht allein ein Produkt des Zeitgeists. Bis heute gelten Gesetzmäßigkeiten, die über alle Trends erhaben sind: Die Ratio des goldenen Schnitts, die makellos und perfekt wirkenden Marmorstatuen der griechischen Antike, auch die Proportionen in der Architektur haben sich im Detailausdruck weiterentwickelt, befolgen aber dennoch die scheinbar ewigen Gesetze der Harmonie und Proportion. Nicht ohne Grund ist etwa die Ratio der meisten Autos nach dem goldenen Schnitt aufgebaut: Die Fensterlinie trennt die meisten Fahrzeuge in einem Verhältnis von einem Drittel zu zwei Dritteln. Und das Ideal der Makellosigkeit eines Objekts, elegante Oberflächen und edel anmutende Materialien, gilt von den Marmorstatuen der Antike bis zur skulpturalen Form eines EQS.

Denn während das menschliche Schönheits­ideal immer diverser und damit auch „humaner“ geworden ist, orientieren sich Produkte immer stärker an den Prinzipien des Minimalismus. Beispiel dafür ist die minimalistische, den Sinnen schmeichelnde Haptik vieler Smartphones – auch der Hyperscreen von Mercedes-Benz, dessen gläserne Oberfläche nicht nur elegant aussieht, sondern auch eine sinnliche Qualität hat und ein angenehmes Gefühl erzeugt, wenn man ihn berührt. Die Funktionen eines Fahrzeugs von Mercedes-Benz zu steuern soll sich schließlich so angenehm wie möglich anfühlen.

Es ist, was uns alle eint: das Bedürfnis, sich mit schönen Dingen zu umgeben und sich durch ihre Funktionalität und ihr außergewöhnliches Design bereichern zu lassen. Die Mercedes-Benz Designsprache der sinnlichen Klarheit wird überall auf der Welt verstanden. Dafür geht die Marke bei der Entwicklung auf die Bedürfnisse aller weltweiten Märkte ein. Unterschiedliche Kulturen zelebrieren verschiedene Eigenschaften eines Produkts, trotzdem wird es über alle Ländergrenzen hinweg geschätzt. Diesen Sweetspot zu treffen ist die Herausforderung für Mercedes-Benz. Denn letztendlich ist Schönheit ein Dialog – zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Individuum und Gemeinschaft. Auch hier gilt: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und in Kreationen wie dem Vision One-Eleven, der schon heute die automobile Schönheit von morgen zeigt.