• Danke! Doppel-Weltmeister zum Abschied

Funken sprühen in den Himmel, Konfetti regnet auf das Podium im Olympiastadion von Seoul herab. Und mittendrin: Ausgelassene Jubelstimmung bei Stoffel Vandoorne, Nyck de Vries und dem gesamten Mercedes-EQ Formel E Team. Das Debüt der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft auf den Straßen der südkoreanischen Hauptstadt hätte für sie nicht viel besser enden können.

Dabei stand bereits vor dem letzten Rennwochenende in Saison 8 fest, dass die vollelektrische Rennserie ein historisches Finale erwarten würde. Zum einen sollte die Formel E am Sonntag das 100. Rennen in ihrer mittlerweile achtjährigen Geschichte absolvieren, zum anderen sollte es auch der letzte E-Prix für das Mercedes-EQ Formel E Team werden, bevor es sich nach drei erfolgreichen Saisons aus der Rennserie zurückzieht. Einen besseren Abschluss hätten sich die Teammitglieder in Brackley, Brixworth und Stuttgart kaum wünschen können.

WM-Entscheidungen im letzten Rennen

Die Rennpremiere auf dem neuen Stadtkurs rund um und teilweise auch durch das Olympiastadion aus dem Jahr 1988 fand am Samstag statt. Stoffel Vandoorne ging als Führender in der Fahrer-Wertung in das vorletzte Saisonrennen, das Team führte die Team-WM an. Die Vorzeichen für Rennen 1 waren allerdings nicht ideal: Stoffel qualifizierte sich bei schwierigen Wetterbedingungen auf P7, Nyck auf P15.

stoffel vandoorne standing in the sun

"Aus Sicht des Teams haben wir uns das Leben heute allerdings schwerer gemacht, als es vielleicht nötig gewesen wäre", fasste Teamchef Ian James zusammen. "Vor allem im Qualifying haben wir die Dinge nicht ganz so hinbekommen, wie wir sie gerne gehabt hätten."

Stoffel holte das Beste aus der Situation heraus. Er hielt seine Position zu Beginn und machte im weiteren Rennverlauf zwei Plätze gut. Am Ende überquerte er die Ziellinie auf P5 und sammelte damit wichtige Punkte für beide Meisterschaften. "Ich denke, dass wir als Team vielleicht nicht ganz perfekt gewesen sind, aber dennoch ist es uns gelungen, uns bei diesen Verhältnissen und all den Zwischenfällen aus Schwierigkeiten herauszuhalten und einige wichtige Punkte einzufahren", sagte Stoffel nach der Zieldurchfahrt.

stoffel vandoorne sitting in his new silver arrow 02 with his helmet on

Nyck kam erst gar nicht so weit. Er war bereits auf der ersten Runde in einen Zwischenfall verwickelt, in den nicht weniger als sieben Autos involviert waren. "Die Bedingungen waren sehr schwierig mit wenig Grip und schlechter Sicht vor den Kurven 20 und 21", verriet er hinterher. Was folgte war der Unfall, der sein Rennen vorzeitig beendete - für alle Beteiligten aber glücklicherweise glimpflich verlief. "Zum Glück gibt es den Halo, der mich bei diesem Unfall geschützt hat", betonte Nyck. "Alles lief wie in Zeitlupe ab. Ich bin okay, aber das war natürlich die schlechteste Art und Weise, um das Rennen zu beenden. Wichtig ist, dass niemandem etwas passiert ist."

nyck de vries sitting ins his silver arrow 02 with his helmet on

Zittern bis zum Schluss

Das Ergebnis vom Samstag bedeutete, dass beide Weltmeisterschaften beim letzten Saisonrennen am Sonntag entschieden werden würden. Diesmal lief das Qualifying für Stoffel etwas besser und er qualifizierte sich auf P4, Nyck startete von P12.

Beide Fahrer konnten ihre Positionen am Start halten. Während Stoffel an der Spitze dran blieb, kämpfte sich Nyck bis in die Punkteränge nach vorne - bevor er sein Auto nach einer Berührung mit einem anderen Fahrzeug beschädigt an der Box abstellen musste. Das kostete ihn die Chance, weitere Punkte für den Gewinn der Teammeisterschaft zu sammeln.

stoffel vandoorne and nyck de vries walking through the pitlane

Stoffel machte derweil eine Position gut und lag bis zur Zielflagge auf einem Podestplatz. Durch eine Zeitstrafe für Jake Dennis rutschte er auf den zweiten Platz nach vorne. Damit sicherte er sich nicht nur seinen 15. Podestplatz in der Formel E, sondern gewann auch zum ersten Mal in seiner Karriere den Fahrer-Weltmeistertitel in der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft!

"Wow, ich bin sprachlos. Das ist fantastisch, die gesamte Saison war einfach nur großartig", sagte Stoffel. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man daran denkt, was wir in diesem Jahr gemeinsam erreicht haben. Vielen Dank an das gesamte Team, das dies möglich gemacht hat! Das Auto war auch heute wieder toll und jeder in der Mannschaft hat diesen Erfolg verdient. Damit ist uns als Team etwas ganz Besonderes gelungen."

Sein Titelrivale Mitch Evans beendete die Saison 33 Punkte hinter Stoffel auf dem zweiten Gesamtrang. "Mitch hat bis zum Ende alles gegeben, er war immer da", lobte Stoffel. "Schlussendlich hat aber die Konstanz den Ausschlag gegeben. Er hat mehr Siege geholt als ich, dafür stand ich öfter auf dem Podium." Insgesamt acht Mal in dieser Saison. Zudem war Stoffel in Saison 8 ein absolutes Muster an Beständigkeit: er fuhr in 15 der 16. Saisonrennen in die Punkteränge. Nur in Mexiko scheiterte er als Elfter knapp daran - und das auch nur, weil er im Kampf um P5 in der Schlussphase umgedreht wurde.

stoffel vandoorne leaving for the track in his mercedes-eq silver arrow 02

"Wir haben als Team eine Konstanz hingelegt, die es in dieser Form bislang noch nicht in der Formel E gegeben hat. Ich bin unglaublich stolz auf meine Truppe und unsere Leistungen in dieser Saison", fasste Stoffel die Saison zusammen. "Es ist der perfekte Saisonabschluss, im letzten Saisonrennen, dem 100. E-Prix in der Geschichte der Rennserie, auf dem Podium zu stehen und beide WM-Titel zu gewinnen."

"Ich freue mich sehr für das gesamte Team", stimmte Nyck zu. "Gratulation an Stoffel, der eine fantastische Saison hatte. Er war sehr konstant und hat den Titel verdient. Das Team hat in den vergangenen Jahren großartige Arbeit abgeliefert und wir hätten uns kein schöneres Ende für unsere gemeinsame Reise wünschen können als dieses Endergebnis. Ich bin super happy, dass wir in den vergangenen beiden Saisons jeweils beide WM-Titel gewinnen konnten. Das ist eine bemerkenswerte Leistung in einer so hart umkämpften Meisterschaft."

DANKE!

Damit endet die Reise des Mercedes-EQ Formel E Teams in der vollelektrischen Rennserie nach drei Saisons mit sieben Siegen und 23 Podestplätzen in 42 Rennen sowie dem Gewinn von zwei aufeinanderfolgenden Doppel-Weltmeisterschaften.

the team celebrating after the race

"Als der Vorstand von Mercedes-Benz vor vier Jahren die Entscheidung traf, in die Formel E einzusteigen, wussten wir nicht, wie es sich entwickeln würde", sagte Teamchef Ian James. "Jetzt sitzen wir hier und haben zum zweiten Mal in Folge beide Weltmeistertitel gewonnen. Dieser Erfolg, den wir gemeinsam in der Formel E haben, ist einfach phänomenal. Herzlichen Glückwunsch an alle Frauen und Männer in Brackley, Brixworth und Stuttgart. Ich muss zugeben, dass dies ein emotionaler Moment für mich ist."

Der Einsatz, die Entschlossenheit und die Arbeitsmoral des Teams haben es zu diesen Erfolgen angetrieben. "So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen, aber das ist es, was zu solchen Ergebnissen führt", betonte James.

ian james hugging a colleague after the victory

Dies sind jedoch nicht die einzigen Erfolge, die Mercedes-EQ in seiner Zeit in der Formel E erzielt hat. "Das ist eine unglaubliche Leistung für ein unglaubliches Team; und obendrein belegen Teams mit Mercedes-Power die Plätze eins und zwei in der Teamwertung", sagt Toto Wolff, Teamchef und Geschäftsführer des Mercedes-AMG PETRONAS F1 Teams. "Das zeigt wirklich, wie stark unsere Rennorganisationen sind."

the season trophies

Tatsächlich geht der zweite Platz in der Team-Meisterschaft in Saison 8 mit 24 Punkten Rückstand an Venturi Racing, die ebenfalls mit Mercedes-Power an den Start gingen und mit Edoardo Mortara auch das Finale in Seoul gewannen. Es war der achte Sieg für den Mercedes-EQ Silver Arrow 02 in dieser Saison - die meisten aller Fahrzeuge. Schon in Saison 7 gewannen das Werksteam und Venturi Racing fünf Rennen mit dem Auto - mehr als alle anderen.

"Mercedes-EQ verlässt die Serie mit einem Erfolgserlebnis und tollen Erinnerungen", sagt Toto Wolff. "Es war definitiv eine schöne Zeit. Formel E - es war toll, dich kennengelernt zu haben!"

the team celebrating after their last race

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