• Marrakesch 2022: Schadensbegrenzung

Zum ersten Mal seit 2019 gastierte die ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft am vergangenen Wochenende wieder in Marrakesch. Bereits im Vorfeld war klar, dass der 2,971 km lange Circuit International Automobile Moulay El Hassan die Teams vor einige Herausforderungen stellen würde, allen voran die hohen Temperaturen. 

Das Mercedes-EQ Formel E Team sah sich jedoch noch weiteren Herausforderungen gegenüber, die Nyck de Vries und Stoffel Vandoorne aber im Rennen mit zwei starken Leistungen und einer doppelten Punkteankunft überkamen. "Wenn ich dieses Wochenende in einem Wort beschreiben müsste", sagte Teamchef Ian James, "würde ich wahrscheinlich ein Klischee verwenden: Schadensbegrenzung."

Nyck erkämpft wichtiges Ergebnis fürs Team

Danach sah es nach dem Qualifying noch nicht aus. Sowohl Nyck als auch Stoffel schieden bereits in der Gruppen-Phase aus und starteten somit von den Plätzen neun und 20 in den zehnten Saisonlauf. 

Nyck machte bereits im Laufe der Anfangsphase des Rennens mehrere Positionen gut und verbesserte sich bis auf Rang sechs, auf dem er nach 34 Rennrunden auch die Ziellinie überquerte. 

Nyck de Vries  sitting in the cockpit of his mercedes-eq silver arrow 02

"Angesichts unserer Startpositionen ist eine doppelte Punkteankunft ein gutes Ergebnis", fasste Nyck zusammen. "So gesehen war es kein schlechter Tag für uns, aber wir wollen natürlich immer besser abschneiden. Ich glaube, dass wir heute etwas mehr Potenzial gehabt hätten, aber gleichzeitig müssen wir die Punkte mitnehmen, wenn sich uns die Möglichkeit dazu bietet. Wenn man das gesamte Wochenende betrachtet, war dies keineswegs ein schlechtes Ergebnis für das Team."

nyck de vries in discussion with Ian James

Wertvolle Punkte für Stoffel im Titelkampf

Stoffel nahm den Marrakesch E-Prix nach dem vorzeitigen Aus im Qualifying von Startplatz 20 in Angriff. Auch er machte schon früh einige Positionen gut und kämpfte sich mit einer fabelhaften Aufholjagd im Rennverlauf um zwölf Plätze nach vorne. Am Ende sammelte er als Achter wertvolle Zähler für beide Weltmeisterschaften. 

"Ich bin ein bisschen zwiegespalten", gab Stoffel hinterher zu. "Einerseits bin ich frustriert, weil wir ohne die Probleme, die wir im Qualifying hatten, in der Startaufstellung viel weiter vorne hätten stehen müssen. Andererseits ist es wieder ein bisschen Schadensbegrenzung, nachdem wir von ganz hinten starten mussten. Aber ich denke, das Wichtigste ist, dass wir einfach nichts auf dem Tisch liegen lassen dürfen."

Stoffel Vandoorne focussing before the race

Stoffel hatte seit dem ersten Training mit den Bremsen zu kämpfen. Im Qualifying wurden diese Probleme noch stärker, so dass es für ihn unmöglich war, eine gute Runde zu fahren. "So etwas können wir uns einfach nicht erlauben, vor allem nicht in einer Weltmeisterschaft, in der es auf jeden Punkt ankommt", betont er. "Im Rennen ging es nur darum, noch ein, zwei oder wie viele Punkte auch immer mitzunehmen."

Zum Glück war der Marrakesch E-Prix ein Rennen, bei dem genau das möglich war. "Wenn es ein Rennen gab, in dem das möglich war, dann war es dieses, mit der Hitze, den Reifen, dem Powermanagement und allem, was dazugehört", so Stoffel. "Ich denke, mit P8 haben wir von P20 das Maximum herausgeholt."

Stoffel Vandoorne in the cockpit of his silver arrow

Ian James: ein hartes Wochenende, aber kein Grund zur Sorge

Nach den Erfahrungen von Jakarta ging das Team mit der Zielsetzung ins Wochenende, seine Qualifying-Performance der letzten Zeit zu verbessern. "Aber wir haben es nicht geschafft, daraus Kapital zu schlagen", gibt Ian James zu. "Das bedeutete, dass wir uns selbst auf den Schlips getreten sind. Der Zwischenfall im ersten Training war für Nyck natürlich nicht hilfreich."

Bis zum nächsten Rennwochenende wird sich das Team dies genau ansehen, alle Daten analysieren und sicherstellen, dass es das Paket in Zukunft so hinbekommt, dass sich die beiden Fahrer in einer besseren Situation wiederfinden. 

"Alles in allem war es ein hartes Wochenende", fasste Ian zusammen. "Wir reisen mit einigen Punkten im Gepäck aus Marrakesch ab, aber gleichzeitig haben wir uns damit auf dem Weg nach New York vor eine neue Herausforderung gestellt."

Ian James talking on the grid

Denn nach Marrakesch kam es zu einem Wechsel an der Spitze beider Weltmeisterschaften. Edoardo Mortara (139 Punkte) übernahm mit seinem Sieg die Führung in der Fahrer-WM vor Jean-Eric Vergne (128 Punkte) und Stoffel (125 Punkte), der die Wertung seit Monaco angeführt hatte. Nyck (73 Punkte) belegt Platz sieben.

Gleichzeitig fiel das Mercedes-EQ Formel E Team (198 Punkte) auf den dritten Platz der Teamwertung zurück. Diese führt nun Venturi Racing (205 Punkte) vor DS Techeetah (203 Punkte) an. Noch ist jedoch in beiden Wertungen nichts verloren. 

"In den letzten Jahren sind wir als Mannschaft in der Mitte der Saison ein wenig eingebrochen", gestand Ian. "Das ist natürlich keine Situation, in der wir uns gerne wiederfinden. Ich sehe das aber nicht als Grund zur Sorge an. Die Qualität der Mannschaft, das Kaliber der Frauen und Männer, die in unserem Team arbeiten, ist so gut, dass wir uns schnell aus schwierigen Situationen befreien können. Das stimmt mich zuversichtlich für die letzten sechs Rennen der Saison."

Die nächsten beiden Läufe finden bereits in zwei Wochen am 16. und 17. Juli in New York statt. 

silver arrow on track in Marrakesh

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