• New York City 2022: Harte Arbeit wird belohnt

Motorsport ist Mannschaftssport. Dafür könnte es keinen besseren Beweis geben, als den Double-Header der ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft am vergangenen Wochenende in New York City. Die Rennfahrer mögen alleine in ihren Cockpits sitzen, aber hinter ihnen steht eine Schar an Teammitgliedern, die dafür sorgt, dass die Autos, Strategien und Abläufe perfekt umgesetzt werden. Und manchmal vollbringen sie über Nacht sogar wahre Meisterleistungen, so geschehen in den wenigen Stunden, die zwischen dem ersten Rennen auf dem Brooklyn Circuit am Samstag und dem 3. Freien Training am Sonntagvormittag blieben, um den schwer beschädigten Silver Arrow 02 von Stoffel Vandoorne wieder fahrtüchtig zu machen. Aber beginnen wir von vorne...

Stoffel Vandoorne belohnt Kraftakt des Teams

Das drittletzte Rennwochenende der Saison 8 begann für Stoffel Vandoorne vielversprechend. Er qualifizierte sich in seiner Qualifying-Gruppe als Dritter für die Duell-Phase und stieß darin bis ins Finale vor, wo er die Pole Position nur hauchdünn um acht Tausendstelsekunden verpasste.

Und auch im Rennen sah es lange Zeit danach aus, als ob er zumindest einen Podestplatz einfahren würde können. Doch dann setzte rund zehn Minuten vor Rennende immer stärker werdender Regen ein, der die Strecke an einigen Stellen unter Wasser setzte und dazu führte, dass die gesamte Führungsgruppe des E-Prix, inklusive Stoffel, auf regennasser Fahrbahn von der Strecke abkam und geradeaus in die Streckenbegrenzung abflog.  

"Das war leider ein schlechter Abschluss für das Rennen, das mit einem heftigen Crash endete", fasste Stoffel zusammen, der sich zuvor nach einem schlechten Start wieder bis auf Platz zwei vorgearbeitet hatte. "Ich hatte Aquaplaning und habe einfach die Kontrolle verloren. Ein ziemlich dramatisches Ende, um ehrlich zu sein. So wollte ich das Rennen nicht beenden, aber so ist es nun mal."

Stoffel Vandoorne sitting in the cockpit of his mercedes-eq silver arrow 02

Während Stoffel und seine Fahrerkollegen die Unfälle unbeschadet überstanden, nahm sein Auto beträchtlichen Schaden. Entsprechend musste das Team über Nacht unermüdlich daran arbeiten, um den Silver Arrow 02 mit der Startnummer 5 für den Sonntag wieder startklar zu machen, was der Crew mit vereinten Kräften und einer fantastischen Leistung gelang.

"Sie arbeiteten bis zur Sperrstunde durch, um sich auf das Scrutineering um 05:30 Uhr heute Morgen vorzubereiten. Dadurch konnten wir sicherstellen, dass wir im dritten Freien Training an den Start gehen konnten", erklärte Teamchef Ian James. Dabei musste das Team sowohl das Chassis tauschen als auch eine andere Power Unit installieren. Aber damit noch nicht genug der Arbeit. Nach dem dritten Training musste erneut ein Teil von Stoffels Auto zerlegt werden, um einen defekten Kabelbaum zu ersetzen.

silver arrow after crash

Aber die harte Arbeit des Teams sollte sich auszahlen. Im Qualifying gelang Stoffel erneut der Einzug in die Duell-Phase und im Rennen verbesserte er sich mit einem starken Start rasch bis auf Rang drei. Knapp 20 Minuten vor Rennende zeigte er ein starkes Überholmanöver gegen Alexander Sims und verbesserte sich auf P2. Danach lieferte er sich ein großartiges Duell mit Antonio Felix da Costa um den Sieg und sah die Zielflagge nach 39 Rennrunden als Zweiter. Damit fuhr er zum neunten Mal in Folge in dieser Saison in die Punkteränge.

"Der zweite Platz ist ein großartiges Ergebnis. Alles in allem ist das gesamte Wochenende hier in New York City mit Blick auf die Ergebnisse für uns gut verlaufen - gestern P4, heute P2. Und das nach dem heftigen Unfall, den ich im ersten Rennen hatte", zog Stoffel Bilanz. "Das Team musste ein neues Chassis einbauen und über Nacht ein komplett neues Auto aufbauen - aber es hat sehr gut funktioniert. Vielen Dank an die gesamte Mannschaft für diesen Einsatz, dieses Ergebnis ist für sie."

Stoffel Vandoorne ceremony

Nyck de Vries erkämpft zweimal wertvolle Punkte

Für Nyck endete das vorzeitig abgebrochene erste Rennen am Samstag auf dem zehnten Platz. Durch zwei Zeitstrafen für andere Fahrer rückte er nach Rennende aber noch auf P8 nach vorne.

"Das war ein ereignisreiches Rennen, das aufgrund des Regens abrupt und sehr aggressiv endete", sagte Nyck. "Unser Rennen lief ganz gut. Zu Beginn des E-Prix fühlte ich mich ziemlich konkurrenzfähig und schnell, gegen Ende verlor ich aber ein wenig an Wettbewerbsfähigkeit. Als der Regen einsetzte, war ich wahrscheinlich ein wenig zu konservativ. Wenigstens konnten wir aus diesem Rennen ein paar Punkte mitnehmen. Hätten wir eine etwas bessere Qualifying-Position gehabt, hätten wir vielleicht vorne dranbleiben können, aber morgen gibt es eine neue Chance."

Nyck de Vries in the race

Gesagt, getan. Nyck überstand die Gruppen-Phase im Qualifying als Dritter und zog ins Viertelfinale ein. Am Ende startete er von Position sieben ins Rennen, in dem er sich bereits in der Anfangsphase um drei Positionen bis auf P4 verbesserte.

Es folgten ein packender Zweikampf mit Mitch Evans sowie mehrere Angriffe auf Alexander Sims im Kampf um den dritten Podestplatz. Dabei verlor Nyck jedoch bei einem seiner Überholversuche auf einem Gullydeckel die Kontrolle über sein Auto, berührte die Mauer und fiel zurück. Am Ende überquerte er die Ziellinie mit einem beschädigten Auto auf P7.

"Der Zweikampf war gut, aber ich bin natürlich enttäuscht, dass es für mich nicht besser ausgegangen ist", sagte er. "Die Bodenwelle ist ziemlich gefährlich und hat mich überrascht. Ich habe die Kontrolle über das Auto verloren und das war es. Danach war meine Lenkung verbogen und ich konnte nicht mehr so leicht mithalten wie vorher."

Nyck de Vries in pitlane

Abgesehen davon war er mit dem Rennen jedoch zufrieden. "Es war ein gut ausgeführtes Rennen vom Team, und die Pace war ebenfalls stark", fügte Nyck an. "Dennoch bin ich enttäuscht, dass ich nicht mehr Punkte für das Team einfahren konnte, was es definitiv verdient gehabt hätte."

Denn auch bei ihm musste die Mannschaft zwischen dem FP3 und dem Qualifying eine Sonderschicht einlegen, um nach einer Mauerberührung innerhalb kurzer Zeit mehrere Elemente am Auto zu tauschen, einschließlich der Batterie. "Das bedeutete also 2,5 Umbauten in etwas mehr als 12 Stunden", fasste Ian James zusammen. "Eine phänomenale Leistung des Teams!"

Ian James

Mercedes-EQ Formel E Team zurück an der Spitze

Die harte Arbeit hat sich jedoch gelohnt und wurde nicht nur mit drei Punkteplatzierungen und einem Podestplatz an diesem Wochenende belohnt. Stoffel (155 Punkte) führt nach dem zwölften von sechzehn Saisonrennen nun wieder die Fahrer-Weltmeisterschaft an. Er hat elf Zähler Vorsprung vor dem Zweiten Edoardo Mortara (144 Punkte). Nyck (83 Punkte) belegt den achten Platz.

"Wir haben einen guten Lauf, aber die Konkurrenz ist super stark und es kommt auf jedes Detail an", sagt Stoffel. "Deshalb müssen wir weiterhin auf alles achten."

Das Mercedes-EQ Formel E Team (238 Punkte) kämpfte sich in New York City zurück an die Spitze der Teammeisterschaft, die es nun mit zehn Zählern Vorsprung vor Venturi Racing (228 Punkte) anführt.

silver arrow on track in New York

"Diesen Schwung wollen wir nun beibehalten und die nächsten beiden Rennwochenenden in London sowie Seoul mit der gleichen Einstellung und Entschlossenheit angehen, wie wir es bei den vergangenen Veranstaltungen in diesem Jahr getan haben", sagt Ian James. "Es sind nur noch vier Rennen in dieser Saison zu fahren, und darin erwartet uns ein verdammt harter Kampf."

Weiter geht es bereits in zwei Wochen, wenn die nächsten beiden Läufe zur ABB FIA Formel E Weltmeisterschaft 2021/22 am 30. und 31. Juli 2022 in London stattfinden.

Ian James

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