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Aufstieg der Drohnen.

Vom Potenzial fliegender Roboter.

Von wegen faul.

Eine Drohne ist eine männliche Biene. Ein Müßiggänger ohne Stachel, dessen einziger Lebenszweck Erhalt und Fortpflanzung der eigenen Art ist – und der Namensgeber für eine ganze fliegende Robotergattung geworden ist. Die allerersten mechanischen Drohnen konnten nichts anderes als starten, fliegen und abstürzen. In ihren Anfangsjahren diente die Drohne bei militärischen Übungszwecken als motorisierte Tontaube – zum Abschuss freigegeben. Mit den Drohnen, wie wir sie heute kennen, hat das nichts mehr zu tun. Die unbemannten Flugkörper haben gewaltige Evolutionssprünge absolviert: Sie sind schneller, leiser und leichter geworden, können landen und komplexe Flugmanöver absolvieren – und das auch für zivile Zwecke.

Tausendsassa Drohne.

Ihre technologische Anpassungsfähigkeit lässt Drohnen an Orte vordringen, an denen der Homo Sapiens nicht überleben könnte: Sie helfen beim Löschen von Bränden, ohne zu verbrennen, sie entdecken Krankheitserreger, ohne sich anzustecken. Drohnen sind für den Katastropheneinsatz ideal und transportieren Medikamente, Blutkonserven, Defibrillatoren oder andere Hilfsgüter zu schwer erreichbaren Einsatzorten. Andere Drohnen sind so groß und leistungsstark, dass sie mit Privatjets oder sogar Containerschiffen konkurrieren. Die Spezies Drohne besteht inzwischen aus einer Vielzahl von Arten, die nicht nur die Luft bevölkern, sondern die Tiefen des Ozeans ebenso wie die unendlichen Weiten des Alls erobern. Und sogar die Polizei setzt auf Drohnen bei der Verfolgung von Straftätern. Da Drohnen selten eine eigene Intelligenz besitzen, müssen sie gesteuert werden. Der Benutzer operiert per Joystick und erblickt die Welt mittels einer VR-Brille aus der Perspektive der Drohne. Das ist gerade dann nötig, wenn es um schnelle Manöver geht wie beim World Drone Prix in Dubai.

Von der Nische zur Industrie.

Weltweit gibt es mehr als 700 verschiedene Anbieter für Drohnentechnologie. Analysten erwarten, dass der weltweite Markt bis 2020 die 100-Milliarden-US-Dollar-Marke überschreiten wird. Dabei entfallen 70 Milliarden US-Dollar auf den militärischen Sektor, 17 Milliarden auf den Consumer-Sektor und 13 Milliarden auf Industrie und Wirtschaft. Gerade in den USA boomt die Branche, obwohl es mit Intel bislang nur einen ambitionierten amerikanischen Player am Weltmarkt gibt. Daneben buhlen das französische Start-up Parrot SA und der chinesische Hersteller DJI um die Marktführerschaft. Alle drei Unternehmen kaufen beständig Firmen und Technologien dazu.

Immer höher, immer weiter, immer komplexer.

Inzwischen werden immer kompliziertere Messgeräte auf die Drohnen geschraubt, um die Welt genauer zu erfassen. Mit den Fähigkeiten lassen sich beispielsweise riesige Bauwerke wie Windparks und Staudämme mühelos und bis ins letzte Detail untersuchen. Shell nutzt mit Infrarot ausgestattete Drohnen, um seine Produktionsanlagen auf Schäden zu prüfen. So müssen die Raffinerien während einer thermischen Abtastung durch Drohnen nicht heruntergefahren werden. Auch in Lagerhallen riesiger Online-Händler können Drohnen zum Einsatz kommen. Dort sollen sie künftig hindurchgleiten und per RFID-Technologie die Warenbestände auslesen. Natürlich hat die Logistikbranche die Vorteile der Drohne erkannt und stellt sie in ihre Dienste. Populäres Beispiel für die letzte Meile ist Amazon Prime Air. Das Start-up Nautilus hingegen entwickelt zurzeit ein Drohnen-Konzept, das ganze Schiffsladungen über die Ozeane transportieren soll.

Mehr Hirn für Drohnen.

Die Vorteile von Drohnen kämen noch stärker zur Geltung, wenn Drohnen vollkommen selbstständig ihre Arbeit verrichten würden, statt bei jedem Einsatz ein Team inkl. Piloten zu binden. Kurzum: Drohnen brauchen mehr (Schwarm-)Intelligenz. Damit könnten sie eigenständig Öl-Pipelines, Autobahnen oder schwer zugängliche Offshore-Windanlagen kontrollieren, ganz ohne menschliche Supervision. Für all diese Aufgaben ist aber auch ein gut funktionierendes Flottenmanagement gefragt. Während des Super Bowl 2017 schwebten mit LED-ausgestattete Drohnen über dem Stadion und formten zusammen das Bild einer riesigen USA-Flagge. Auch im Disneyland kommt diese Technologie bereits zum Einsatz.

Neben Intel entwickeln Start-ups wie Airobotics Ansätze der künstlichen Drohnen-Intelligenz. Das würde die Aufgabenfelder für Drohnen wesentlich erweitern. Einen Vorgeschmack liefert die aktuelle Ausschreibung des US-Heimatschutzministeriums. Dieses plant, an der Grenze zu Mexiko Drohnen einzusetzen, die mit Systemen zur Gesichtserkennung ausgestattet sind. Sie sollen gleichzeitig eigenständig Risikoeinschätzungen zu Grenzgängern vornehmen. Hierfür ist das Flugobjekt dann in Echtzeit mit einer Datenbank der Behörde verbunden und gleicht biometrische Daten ab. Und vielleicht läuft die Hightech-Drohne irgendwann den fleißigen Partnerinnen ihrer natürlichen Vorbilder den Rang ab: Forscher aus Japan und Großbritannien züchten KI-Drohnen heran, die Blüten von Pflanzen bestäuben sollen – Bionik, die sich umkehrt.

Autos vs. Drohnen.

In der Autoindustrie steckt der Einsatz von intelligenten Drohnen noch in den Anfängen. Das Rote Kreuz und der Fahrzeughersteller Land Rover haben einen Geländewagen gebaut, der Rettungseinheiten im Notfall zu den Opfern lotsen soll. Dazu wird der Geländewagen mit einer Drohne ausgerüstet, die vom Dach aus startet und dort auch wieder landet. Der Mercedes-Benz Vision Van ist schon einen Schritt weiter und nutzt dieses Prinzip für einen logistischen Quantensprung. Er verfügt über einen vollautomatisierten Laderaum mit integrierten Drohnen zur autonomen Luftzustellung.

Auto-Drohnen-Hybride.

Gerade Drohnen mit eigener künstlicher Intelligenz sind der Schlüssel zur individuellen Mobilität in der 3. Dimension. So zeigt etwa das “Pop.up”-Konzept von Airbus, wie die Verbindung aus autonom fahrendem Auto und autonom fliegender Drohne gelingen könnte. Der modulare Auto-Drohnen-Hybrid besteht aus einem selbstfahrenden Chassis und einer selbstfliegenden Drohne, die jeweils die Passagierkapsel transportieren. Die Kapsel soll außerdem auch in andere Mobilitätssysteme wie den Hyperloop integrierbar sein und Platooning ermöglichen. Neben diesem Hybrid-Modell gibt es aber auch Hersteller, die möglicherweise das Auto ganz überflüssig machen wollen. Die chinesische Personendrohne eHang 184 will mit ihren Elektromotoren eine Person durch die Lüfte heben. Zurzeit wird dies in Las Vegas getestet, und man hofft, in Zukunft als eine Art fliegender On-Demand-Taxi-Service zu agieren. Ein Konzept, das mit Uber Elevate bereits vor einem Jahr vorgestellt wurde. Die Passagiere solcher Drohnen brauchen weder Führer- noch Flugschein. Alles, was sie tun müssen, ist, ihr Ziel im Navigationssystem einzugeben – und auf die Abholung durch die Drohne zu warten. Reinsetzen, abheben – der Rest erledigt sich flugs von selbst.

Die hohe Dynamik, mit der Drohnen täglich weiterentwickelt werden, lässt auf viele neue Geschäftsmodelle und spannende Anwendungsbereiche hoffen. Gerade im Bereich des Güter- und Personentransports sind schon in Kürze rapide Sprünge zu erwarten. Wer weitere Informationen zum aktuellen Status quo der Drohnentechnologie sucht, sollte sich auch den lesenswerten Wired-Artikel “10 Fluggeräte, die die Luftfahrt revolutionieren” zu Gemüte führen.

Autoren: Christian Geiss, Jean-Paul Olivier, Leo Burkhardt