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Beam Me Up Scotty.

Teleportation – die ultimative Art der Beförderung?

Wer hat sich in seiner Fantasie noch nicht vorgestellt, teleportieren zu können? Der Gedanke des „Instant-Reisens“, also des Reisens ohne Zeitverzögerung, ist faszinierend und fällt in dieselbe Superkategorie der Kräfte wie das Fliegen oder die Unsichtbarkeit. Und nach Aussage führender Wissenschaftler könnte die Teleportation innerhalb weniger Jahrzehnte Realität werden.

Einst für unmöglich erachtet, haben Forscher auf der ganzen Welt mittlerweile grundlegende Fortschritte in Richtung Teleportation gemacht. Aber um das Konzept ringen sich eine Menge schwieriger Fragen praktischer und philosophischer Art. Zum Beispiel: Könnte man die Teleportation sogar als Beförderungsart betrachten, so wie Überland- oder Flugreisen? Und wäre die Person, die aus dem Teleporter aussteigt noch dieselbe Person, die in ihn eingestiegen ist?

Need for Speed.

Über Kulturen hinweg streben Menschen seit jeher danach, sich immer schneller fortzubewegen. Genauso wie der Drang, immer höher zu bauen und die Welt immer weiter zu erforschen, war die Geschwindigkeit stets der Antrieb für Zivilisation und ein zuverlässiger Maßstab für Fortschritt. Wenn aber das oberste Ziel der Beförderung darin besteht, Menschen schneller zu transportieren, wäre das endgültige Ziel dann nicht „Instant-Reisen“?

Unsere Fixierung auf Geschwindigkeit hat während des letzten Jahrhunderts zu großen Innovationen geführt. Der aktuelle Landgeschwindigkeitsrekord liegt bei etwa 1.220 km/h, aufgestellt im Jahr 1997 mit einem düsengetriebenen Fahrzeug – wobei ‘Fahrzeug’ hier ein vager Begriff ist. Das sogenannte Fahrzeug sah aus wie eine lange Nadel, eingequetscht zwischen zwei gewaltigen Flugzeugmotoren. Außerdem war es – außer für kurze Hochgeschwindigkeitsspurts – zu nichts zu gebrauchen. Dennoch hat die Automobilindustrie kontinuierlich in die Forschung investiert, sodass Serienfahrzeuge heute sicherer und schneller als je zuvor sind. Ein aufschlussreiches Beispiel: Die neuen Modelle des Honda Civic erreichen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 270 km/h. Damit sind sie schneller als fast alle Supersportwagen der 70er Jahre.

Technologien der Zukunft.

Einige Unternehmen arbeiten bereits an der Idee des ultraschnellen Reisens der Zukunft. So zum Beispiel HyperLoop One, eine gemeinsame Anlage von Tesla und SpaceX. Ihr Konzept beruht auf einem Netzwerk von Röhren, durch das eine Passagierkapsel „geschossen“ wird. Aufgrund der geringeren Reibung und des deutlich geringeren Luftwiderstands dürften sich mit diesem Beförderungsmittel Geschwindigkeiten von rund 1.100 km/h erzielen lassen. Zur Veranschaulichung: Eine 4,5-stündige Zugfahrt von New York nach Boston würde sich auf weniger als 1 Stunde verkürzen.

Teleportation ist das Ergebnis der aufstrebenden Quantenforschung.

Die Idee eines Instant-Transports ist in den Medien ein regelmäßiges Thema. Und es ist nicht nur die Domäne von Raumschiffen, auch nicht von Science Fiction – die Idee, sich von A nach B zu bewegen, ohne den Raum dazwischen zu durchqueren, taucht in den unterschiedlichsten Formen auf. Zum Beispiel in Form von Apparieren bei Harry Potter oder in Form der Transmat-Ausrüstung bei Doctor Who.

Teleportation wird als Unmöglichkeit der „Kategorie I“ eingestuft. Nach Aussage des weltweit führenden Physikers Michio Kaku sind darunter „Technologien“ zu verstehen, „die heute unmöglich sind, aber nicht die bekannten Gesetze der Physik verletzten“. Er führt weiter aus: „Sie kennen den Ausspruch „Beam mich hoch, Scotty“? Wir haben darüber gelacht. Wir haben gelacht, wenn jemand über Teleportation gesprochen hat – jetzt lachen wir nicht mehr. Die Quantenteleportation existiert bereits `{`und`}` ich glaube, dass wir innerhalb eines Jahrzehnts das erste Molekül teleportieren werden.”

Wäre es möglich die Teleportation zu realisieren, würde sie wahrscheinlich über ein Phänomen erfolgen, das als Quantenverschränkung bezeichnet wird. Das Konzept ist kompliziert und verträgt sich nicht gut mit der gängigen Lehre. Es beschreibt einen Zustand, bei dem zwei verschiedene Atome im Raum verknüpft sind und miteinander kommunizieren können, selbst wenn sie durch eine große Distanz voneinander getrennt sind. Durch die Anordnung mehrerer verschränkter Teilchen lassen sich Informationen augenblicklich von einem Teilchen auf das andere übertragen.

Seit der Entdeckung der Quantenverschränkung haben Wissenschaftler Experimente über immer größere Entfernungen durchgeführt. Ein Durchbruch aber wurde diesen Sommer erzielt, als chinesische Wissenschaftler bestätigten, ein Lichtphoton in den Weltraum gesendet zu haben, das von ihrem Zielsatelliten empfangen wurde. Zwar wird es noch Jahrzehnte dauern, bis größere und komplexere Objekte teleportiert werden können, aber die moderne Quantentheorie hat uns zumindest den richtigen Weg gewiesen.

Ist die Furcht vor Teleportation berechtigt?

Es ist ganz natürlich, sich vor neuen Technologien zu fürchten, und diese Angst hat es auch schon immer gegeben. Ein berühmtes Beispiel ist der Kurzfilm „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“ aus dem Jahr 1895, indem gezeigt wird, wie ein Dampfzug fast direkt in die Kamera hineinrollt. Es wird erzählt, dass diese Perspektive die Zuschauer bei den ersten Vorführungen derart in Schrecken versetzt hat, dass sie von ihren Sitzen geflüchtet sind. Und diese Abwehr ist kein Vorrecht gottesfürchtiger Viktorianer – sie existiert auch im Zeitalter der Digitalisierung. Mehr als die Hälfte der 8.000 Teilnehmer einer diesen Monat von UBS durchgeführten Umfrage sagte, sie würden nicht mit einem führerlosen Flugzeug fliegen. Und dies trotz der Tatsache, dass laut Boeing 80 Prozent der Unfälle auf Pilotenfehler zurückgehen. Es kann also zu Recht gesagt werden: Man sollte nicht darauf vertrauen, dass Menschen logische Entscheidungen treffen.

Aber wäre die Furcht vor Teleportation irrational? Man sollte philosophisch unterscheiden zwischen der Beförderung des Körpers und der Teleportation. Erstere dient dazu, ein Objekt – mit Ihnen als Insassen – auf einer linearen Strecke von A nach B zu bringen. Die Teleportation jedoch läuft in einer Weise ab, die weitaus beängstigender ist: durch Auflösung Ihrer atomaren Struktur an Punkt A und der Wiederzusammensetzung an Punkt B. Aber würde dabei auch Ihr Bewusstsein übertragen? Und wie würde sich die Erfahrung der „Abreise“ anfühlen? Diese Fragen führen in den Bereich, in dem sich Wissenschaft und Philosophie überschneiden – und der vielleicht nicht erfassbar ist.

Lassen Sie uns diesen letzten gruseligen Gedanken betrachten. Sollten Sie während der Teleportation sterben und am anderen Ende Ihr Körper, Geist und Gedächtnis als Kopie auftauchen, würde das nie jemand erfahren. Hunderte von freiwilligen Testteilnehmern würden ein positives Ergebnis bezeugen und eine entsprechende Menge vergessener Toter hinter sich lassen. Schnellere Autos und bahnbrechende Technologien wie der HyperLoop bergen ihre eigenen Risiken. Diese sind jedoch unerheblich, verglichen mit den immensen Risiken der Teleportation. Ob aus Sicht des Menschen das Ergebnis die Gefahr wert ist, ist ein Thema für die Zukunft.

Weitreichende Konsequenzen.

Es liegt in unserer Natur, uns immer schneller fortbewegen zu wollen, und die Wissenschaft bringt Technologien hervor, die einst nur in unserer Vorstellung existierten. Die Teleportation wäre das endgültige Ziel in puncto Beförderung und wird jetzt als möglich erklärt, ist aber mit tiefgründigen Fragen behaftet. Vielleicht wird die Teleportation des Menschen, falls sie je gelingt, streng sanktioniert, wie beim Klonen – etwas, das möglich ist, aber ethische Konsequenzen hätte, die für unsere Zivilisation zu gefährlich wären, um es am Menschen auszuprobieren.

Autoren: Christian Geiss und Neelesh Vasistha