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Das letzte Auto ist ein Sportwagen.

Dompteur der Maschinen.

Autos waren früher Maschinen, die man auf Räder setzte. Maschinen, die aus komprimierten Kraftstoffen kontrollierte Explosionen erzeugten. Zündungen, die blitzartig schwere Eisenkolben in fließende Bewegungen versetzten. Über eine Mechanik, ähnlich einem Uhrwerk, konnte man solche Fahrzeuge antreiben, bremsen und steuern. Wer dies verstand, konnte Auto fahren. Das Fahren mit dem Automobil verlangte Können, Geschick und ein Verständnis des Technischen. Wer Auto fuhr, war ein Dompteur der Maschinen – ein ganzer Kerl.

Man fährt nicht – man gondelt.

Seit über 130 Jahren arbeiten Menschen daran, das Auto schneller, sicherer und komfortabler zu machen. Und sie sind bereits erfolgreich. Doch je mehr sie die Maschine domestizieren, desto mehr entfernen sie sich vom Auto. In der Zukunft werden Autos Computer sein, die man auf Räder setzt. Maschinen, die aus magnetischen Feldern und elektrisierten Spulen Antrieb erzeugen. Wer mit solch einem Fahrzeug befördert werden will, drückt den Start-Knopf und überlässt dem Computer das Steuer. Solche Autos sind eher Kabinen voller Chips und Sensoren, in deren Schaltkreisen mathematisch ausgebuffte Algorithmen das Sagen haben. Man fährt nicht mehr – man gondelt.

Autofahren ist Sport.

Wer Auto fährt, will selbst die Kontrolle behalten, will spüren, wie der Wagen über den Asphalt gleitet, wie dieser das Terrain erobert. Man fühlt jede noch so kleine Vibration, hört in sein Auto hinein und kann wie bei einem nahestehenden Menschen schon allein durch die Nuancen sich verändernder Geräusche verstehen wie zu handeln ist – ob geschaltet werden muss, wie sehr das Gaspedal gekitzelt werden kann oder ob ein beherztes Bremsen die richtige Entscheidung ist. Ein Fahrer entscheidet über jeden Bruchteil seiner Fahrt. Das Fahren geht ihm durch Mark und Bein. Es erfordert einen klaren Geist und kontrollierte, punktgenaue Körperreaktionen. Autofahren ist Sport.

Zwischen Motorstart und Parken liegt ein Kosmos von Emotionen. Es ist ein Reich individueller Freiheiten. Und der direkte Weg zu diesem einmaligen Rausch an Gefühlen ist in einen Sportwagen zu steigen und diesen in seiner ganzen Vollkommenheit zu erfahren.

Die Jagd nach der Freiheit.

Wenn unsere Metropolen an Menschen und Häusern überquellen, dann wird kein Platz mehr für Autos sein. Niemand wird Verständnis für dessen Abgase, Geräusche oder das rasante Beschleunigungsmoment haben. Das Auto wird stören. Autos werden außerhalb der Städte gefahren - auf vergessenen Asphalt-Routen. Es wird eine nostalgische Art des Vergnügens sein, wenn man sich in ein Auto setzt, um damit durch die Landschaft zu fahren. Es wird eine Nischenmode für echte Liebhaber sein - vergleichbar mit der Schallplatte in Zeiten des Musik-Streamings. Und so, wie das Streaming seine Existenz dem Vinyl und den Radios verdankt, so verdankt auch die Mobilität der Zukunft dem Auto seine Perfektionierung. Grundsätzlich werden Fortbewegungsmittel immer noch an das Auto erinnern, aber sie werden die Einzigartigkeit des Fahrens nur nachahmen und nicht ersetzen können.

Stattdessen wird es Enthusiasten geben, die sich der Pflege der lebendigen Motorenkultur verschreiben. Sie werden Rennen fahren oder offroad durch die Landschaft peitschen. Sie werden aufbrechen, um nach einem echten Gefühl der Freiheit zu jagen, das ihnen das Adrenalin durch die Blutbahnen pumpt, das ihnen zu einem einzigartigen Kribbeln in der Magengrube verhilft. Ein Gefühl der Freiheit, das sich direkt aus der Bewegung speist und den Fahrenden mit dieser besonderen Zufriedenheit erfüllt. Diese Menschen brechen auf, um Experimente zu wagen, um zu erfahren, was sie wirklich können. Autofahren ist nun ein Schlüssel zu individueller Kreativität.

Autokult.

Die Pflege dieses Kultes wird viele Amourösitäten nach sich ziehen: die Hingabe zum Motorensound, die Passion für den Geruch von Reifen, das Wissen um die Qualität von Stahl, die Fertigkeit selbst einen Motor zu tunen, das Gedenken an Design, die Liebe zur selbst zusammengestellten Car-Hifi – kurzum, das Maßschneidern des eigenen Automobils wird außergewöhnliche Züge annehmen. Voller Demut wird man in die Autoradios selbstgemachte Mix-Tapes schieben oder dem Klang von Radiostationen lauschen, die die Zeit besingen, als Fahren noch alles war.

Was würdet Ihr hören? Was wären eure ultimativen Top 10 für die Straße? Teile uns Deine Songs mit (david.menzel@daimler.com), die das Autofahren für Dich zu einem echten Erlebnis machen.

Autoren: Christian Geiss, David Menzel und Jean-Paul Olivier