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Guten Freunden gibt man ein Auto.

Jetzt ein Auto.

Privatautos wie ein car2go vermieten? Ja, das geht. Technisch betrachtet ist es ganz einfach. Man installiert im Innern des Autos ein internetfähiges Modul für die GPS-Ortung und die Kommunikation mit dem Smartphone. Ab dem Moment der Freischaltung des Moduls kann die Vermietung beginnen. Das geht kinderleicht, im Prinzip genauso wie bei Airbnb. Als Vermieter legt man die Vermietungszeiträume fest und veröffentlicht diese Termine mitsamt Fotos und Daten des Autos auf einer sozialen Plattform. Hier wird der Wagen auf einer Karte lokalisiert und mit einem eigenen Profil dargestellt. Ein potenzieller Mieter surft durch die Profile und fragt eine Buchung an. Wurde die Nutzung bestätigt, lässt sich das Fahrzeug innerhalb des Nutzungszeitraums vom Mieter per Smartphone-App öffnen. Dieses Prinzip ist so einfach, dass man sich wundert, warum sich Airbnb-Wohnungen noch nicht per App öffnen lassen.

Adé, Verkaufsargument.

Das Öffnen und Verriegeln per App ist eine absolute Erleichterung sowohl für den Mieter des Wagens als auch für den Vermieter. Und es ist eine Kampfansage. Rund 10 Jahre nach der Einführung von Free-Floating-CarSharing schmilzt einer seiner wesentlichen Wettbewerbsvorteile dahin. Drivy Open, Anbieter von Auto-Vermietungs-Technologie, verzeichnete innerhalb eines Jahres mehr als 10.000 Anmietungen per App. Eine Zahl, die zeigt, dass das schlüssellose Peer-to-Peer-CarSharing noch in den Kinderschuhen steckt. Jedoch wird diese Technologie in Zukunft genauso zu jedem Auto dazugehören wie das ABS oder der Airbag, denn die Vorteile liegen klar auf der Hand. Der Vermieter kann einen Teil seiner Kosten reduzieren, er spart Zeit, weil die Vermietung online geregelt wird und das Auto zu jeder Zeit der Vermietung versichert ist. Und der Mieter findet nicht nur leicht ein Auto, sondern auch eine abwechslungsreiche Palette an fahrbaren Untersätzen – Autos mit ganz eigenem Charakter statt immer den gleichen Mietwagen.

Mobility made by Daimler.

Die Daimler AG hat das Potenzial des CarSharings frühzeitig erkannt. Bereits 2008 brachte man den Free-Floating-CarSharing-Service car2go auf den Markt; 2013 kooperierte CAR2SHARE mit Autonetzer. Gemeinsam mit dem Start-up brachte der Konzern private Fahrzeugbesitzer und potenzielle Mieter auf einer CarSharing-Plattform zusammen – Autonetzer übernahm dabei den Betrieb und die Vermarktung der Online-Plattform CAR2SHARE.
Im Sommer dieses Jahres übernahm die Daimler AG dann das Start-up flightcar und kündigte überdies auf dem Pariser Autosalon die Kooperation dem Start-up Getaround an – hier gelangt ihr zur brandneuen Mercedes-Benz Seite bei Getaround. Am 14. November wurde in München ein weiterer neuer Pilot gestartet: Croove. Die Plattform ist offen für alle Marken. Der eigentliche Clou aber ist, dass die Fahrzeuge über einen Hol- und Bringdienst verfügen.

Teile und herrsche.

In Deutschland ist das Interesse an CarSharing ungebrochen: Aktuell nutzen rund 730.000 Deutsche CarSharing – 8,15 Millionen Menschen haben Interesse daran, ein Auto zu teilen. Seit der Einführung des stationslosen CarSharings konnten sich zwei Marktführer etablieren: car2go (Daimler) und DriveNow (BMW) mit in Summe ca. 6.500 Fahrzeugen.


Diesen Free-Floating-Angeboten stehen Peer-to-Peer-Anbieter gegenüber. Die neuen großen Player sind das Rocket Internet Start-up Ridelink, die von Opel ins Leben gerufene Plattform Carunity, das Aachener Start-up tamyca und das französische Start-up Drivy. Drivy hatte 2015 den deutschen Marktführer Autonetzer übernommen. Wenn man bedenkt, dass allein Drivy 2015 bereits 11.000 registrierte Autos vorweisen konnte und nun den technologischen Schulterschluss zu den Marktführern geschafft hat, kann man davon ausgehen, dass wieder Bewegung in den CarSharing-Markt kommt.
Noch hat Free-Floating-CarSharing einen entscheidenden Vorteil: Die minutengenaue Abrechnung ist gerade bei kurzen Stadtfahrten von weniger als 30 Minuten eine günstige Alternative. Ein Problem bleibt die Parkplatzsuche und auch die Ridesharing-Konkurrenz à la Uber oder Waze schläft nicht. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis das, was sich in San Francisco schon längst etabliert hat, auch in den europäischen Metropolen zum Standard wird.

Free-Floating vs. Peer-to-Peer.

Bei längeren Fahrzeuganmietungen und in Gebieten ohne Free-Floating-CarSharing wird sich allerdings vermutlich das private Peer-to-Peer-CarSharing durchsetzen. Schließlich ist eine Langzeitmiete hier deutlich günstiger und man ist nicht auf das Geschäftsgebiet des Anbieters begrenzt.

Doch einmal Hand aufs Herz: Es gibt Dinge, wie die eigene Zahnbürste, die man einfach nicht verleihen würde. Und wäre euer eigener Wagen nicht ebenso solch ein privater Besitz? Tesla verbietet seinen Kunden beispielsweise, ihre Autos via Uber oder Lyft zu verleihen. Stattdessen arbeiten sie an der Entwicklung eines eigenen Tesla-CarSharing-Netzwerks. Würdet ihr euer Auto also bei einem Peer-to-Peer-CarSharing-Service verleihen?

Guten Freunden gibt man eben ein Auto.