Ausschnitt aus Oskar Schlemmer, Entwurf für einen Wandfries im Haus Mendelsohn, Berlin, 1930. Foto: Daimler Art Collection/ Andreas Freytag, Stuttgart.

Aus dem Archiv:

Von der klassischen Moderne bis zur jungen Kunst der afrikanischen Diaspora: Die Mercedes-Benz Art Collection sammelt, um Sie zu inspirieren. Deshalb stellt Leiterin Dr. Renate Wiehager in jeder Ausgabe ein besonderes Highlight der Sammlung vor.

Hochkarätige Kunstsammlung.

Die 1977 gegründete Mercedes-Benz Art Collection zählt international zu den bedeutenden Corporate Collections. Kein anderes Automobilunternehmen verfügt über eine ähnlich hochkarätige Kunstsammlung.

Oskar Schlemmer, Entwurf für einen Wandfries im Haus Mendelsohn, Berlin, 1930. Foto: Daimler Art Collection/ Andreas Freytag, Stuttgart.

Oskar Schlemmer, Entwurf für einen Wandfries im Haus Mendelsohn, Berlin, 1930. Foto: Mercedes-Benz Art Collection/ Andreas Freytag, Stuttgart.

Oskar Schlemmer: Visionär eines neuen Menschenbildes.

Entscheidend für die Erfolge sind die Qualität und Vielfalt der Arbeiten, die mit einem Augenmerk auf zeitgenössische Themen ausgewählt werden. Die Aufgabe von Unternehmenssammlungen liegt darin, für Menschen, die in ihrem Alltag keine oder wenig Berührung mit Kunst und Kultur haben, eine Brücke zu bauen und Zugänge zu einer Welt zu eröffnen, die auf viele zunächst unzugänglich wirken mag, auf den zweiten Blick aber neue Perspektiven und Erkenntnisse ermöglichen kann. Deshalb möchte ich Ihnen aus den rund 3 700 Kunstwerken der Mercedes-Benz Art Collection Highlights aus 100 Jahren vorstellen – in jeder Ausgabe eine kleine Geschichte über die ewige Lust am Neuen in der Kunst. Zum Auftakt soll es um einen echten Stuttgarter Visionär gehen.

Das Multitalent Oskar Schlemmer (1888–1943) gilt als einer der experimentierfreudigsten Kunstschaffenden des frühen 20. Jahrhunderts. Ausgebildet in Stuttgart als Maler und Tänzer, war er drei Jahrzehnte lang auch als Bildhauer, Zeichner, Grafiker und Bühnenbildner tätig. Als Lehrer am 1919 in Weimar eröffneten Bauhaus prägte er eine ganze Generation von jungen Kreativen, die seinen Geist weitertrugen. 

Die Mercedes-Benz Art Collection besitzt eine repräsentative Werkgruppe des Künstlers – darunter zwei Wandbildentwürfe im großen Format von 110 x 326 cm aus dem Jahr 1930, die Schlemmer im Auftrag des Architekten Erich Mendelsohn für dessen Berliner Privathaus gezeichnet hatte. Das Wandbild kam jedoch nie zur Ausführung. Der hier abgebildete Entwurf zeigt in schönster Weise Schlemmers Ideal des „neuen Menschen“. 

In Anlehnung an Vorbilder der griechischen Antike wird der Bildraum von Figuren gegliedert, die mit horizontal oder vertikal weisenden Gesten den Raum ausmessen. „Raum und Mensch“, so formulierte Schlemmer 1930, „das ist das Generalthema, groß genug, um eigentlich im Innersten zu erschauern. Aber am Anfang steht das Gefühl, der Strom des Unbewussten, die freie, ungebundene Schöpfung.“ Bereits 1933 hatte das New Yorker Museum of Modern Art ein Gemälde des Künstlers erworben – es gilt in der Sammlung als eines der herausragenden Werke deutscher Kunst der frühen Moderne.