Analyse: Norisring

Die Vorzeichen standen gut: Bestes Rennwetter, 123.500 Zuschauer (am gesamten Wochenende) und in den vergangenen 14 Rennen war stets ein Fahrer mit dem Stern bestplatzierter Pilot auf dem Norisring. So sollte es am vierten Rennwochenende der DTM-Saison 2016 weitergehen. Doch diesmal brachte der Straßenkurs in Nürnberg dem Mercedes-AMG DTM Team kein Glück.

"Das war definitiv nicht das Rennwochenende, das wir uns erhofft haben", bestätigt Mercedes-AMG DTM-Teamchef Ulrich Fritz. Die Erfolgsserie auf dem Norisring ist gerissen, die Meisterschaftsführung von Robert Wickens verloren. Die Chancen in der Fahrermeisterschaft bleiben allerdings weiterhin intakt: Paul Di Resta liegt vor dem Halbzeitrennwochenenden in Zandvoort (15.-17. Juni) nur fünf Punkte hinter dem Führenden Marco Wittmann (BMW).

Rennen 1: Schock für Christian Vietoris & Robert Wickens

Dabei hatte das Rennwochenende so gut begonnen. Christian Vietoris sicherte sich am Samstag die dritte Pole Position in seiner DTM-Karriere. Schon im vergangenen Jahr startete er im ersten Lauf auf dem Norisring von Startplatz eins. Dahinter machte Robert Wickens vom vierten Startplatz zwei Plätze gut. Gemeinsam lagen die beiden Mercedes-AMG DTM-Piloten zur Rennmitte auf Kurs zu einem möglichen Doppelsieg. "Wir waren auf einem sehr guten Weg auf dem Norisring einen weiteren Sieg einzufahren", sagte Ulrich Fritz rückblickend. "Jetzt bleiben uns nur ein dritter Platz und viele verlorene Punkte im Kampf um die Meisterschaft."

Was war passiert? In der 20. Rennrunde griff Audi-Pilot Mattias Ekström das Führungsduo an. Der Schwede versuchte, Wickens in der ersten Kurve innen zu überholen, schoss dabei jedoch zu weit und kollidierte zuerst mit dem zu diesem Zeitpunkt meisterschaftsführenden Kanadier und danach auch noch mit dem Führenden Vietoris. Während Wickens als Folge der Kollision ausschied, fiel Vietoris weit zurück. 

"Ich wurde von Mattias Ekström abgeschossen", sagte Wickens nach dem Rennen. "Er hat in diesem Jahr schon viele Fahrer abgeräumt. Bis zu dem Angriff von Mattias Ekström war alles okay. Wir waren in den Top-3 gut sortiert. Ich sparte mein DRS und dann hat Ekström viel zu spät gebremst und Christian und mich abgeschossen. Das war's."

Vietoris kämpfte mit seinem angeschlagenen Auto bis zuletzt, kam aber über den zehnten Platz nicht hinaus. "Der Punkt ist doch der: Jeder in unserem Team arbeitet sehr hart und macht alles dafür, dass wir Rennen fahren und um Siege kämpfen können", so Vietoris. "Dann durch eine Aktion wie von Ekström den ganzen Lohn für die harte Arbeit zu verlieren, ist für mich nicht akzeptabel. Heute wäre ein Sieg oder zumindest ein Podium möglich gewesen. Jetzt stehe ich mit leeren Händen da. Da helfen auch Entschuldigungen nicht weiter."

Die Folgen der unverschuldeten Kollision waren für beide Fahrer hart: Vietoris verlor die Chance auf seinen zweiten DTM-Sieg, Wickens die Führung in der Meisterschaft. "Ich denke, wir haben heute zu Beginn ein schönes, sauberes Rennen gesehen. Dann kam die Aktion von Ekström, in der er absolut unnötig die beiden auf eins und zwei platzierten Mercedes abgeräumt hat", so Fritz. "Ich glaube, so etwas hat mit fairem Sport nichts zu tun und ich denke auch nicht, dass die Fans so etwas sehen wollen. Nach Spielberg hat er andere Fahrer als Clowns beschimpft. Ich denke, heute hat er eine rote Nase verdient."

Rennen 2: Paul Di Resta & Lucas Auer mit perfektem Teamwork

Etwas Schadensbegrenzung aus Sicht des Mercedes-AMG DTM Teams betrieb Paul Di Resta. Der DTM-Champion von 2010 beendete das erste Rennen als Dritter auf dem Podium. Da seine Startposition (P7) nach einem Fahrfehler im Qualifying nicht optimal war, peilte der Schotte für den Sonntag ein noch besseres Ergebnis an: "Hoffentlich geht es morgen noch ein oder zwei Plätze weiter nach oben."

Nach dem 2. Qualifying sah es noch danach aus, als ob Di Restas Wunsch in Erfüllung gehen könnte. Der Schotte startete als Zweiter aus der ersten Reihe. Doch die Hoffnungen erhielten früh einen Dämpfer, als er in der ersten Runde eine Berührung mit Mattias Ekström hatte. "Danach verlor ich viel Abtrieb am Heck des Autos. Damit hatte ich das gesamte Rennen lang zu kämpfen", verrät Di Resta, der das gesamte Rennen mit einem angeschlagenen Auto bestreiten musste. 

Um den Verfolgern mit unbeschädigten Autos nicht zum Opfer zu fallen, stellte sich Lausitzring-Sieger Lucas Auer in den Dienst der Mannschaft und gab alles, um seinem Teamkollegen zu helfen. "Das hat ihm und Mercedes am Ende wertvolle Punkte eingebracht", sagte Auer. "Lucas hat mir geholfen, mich gegen die anstürmenden Verfolger zu verteidigen. Vielen Dank an ihn dafür", bedankte sich Di Resta bei seinem Teamkollegen aus Österreich. "Solche Momente können Meisterschaften entscheiden." 

Der vierte Platz hält das Titelrennen nach acht Saisonrennen weiter komplett offen. Di Resta liegt nur fünf Punkte hinter dem Tabellenführer und lediglich drei Zähler hinter dem Zweitplatzierten auf Rang drei der Gesamtwertung. "Lucas hat einen super Job gemacht und Paul so gut es ging beschützt, sodass immerhin noch ein vierter und fünfter Platz auf dem Papier stehen", lobte Teamchef Ulrich Fritz. "Ohne die Schützenhilfe von Lucas hätte Paul mit stumpfen Waffen keine Chance gegen die anderen Fahrer gehabt. Mein größter Respekt geht daher an Lucas."

Robert Wickens schien hingegen am Sonntag erneut vom Pech verfolgt zu werden. Der Kanadier qualifizierte sich als Siebter und belegte diese Position auch nach seinem Boxenstopp. "Danach machte Mortara einen Fehler in Kurve eins. Also versuchte ich, innen an ihm vorbeizugehen", schildert Wickens. "Wahrscheinlich hat er mich nicht gesehen. Er kam zurück auf die Linie und wir berührten uns." Daraus resultierte ein Reifenschaden, der Wickens zu einem weiteren Boxenstopp zwang und bis auf Rang 21 zurückwarf. "Dank der Safety Car-Phase kurz vor dem Ende konnte ich mich noch bis auf Platz elf nach vorne kämpfen, aber leider reichte es nicht mehr für Punkte."

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