DTM 2017: Nürburgring – Analyse

Was für ein Wochenende! Der Nürburgring sah in seiner 90-jährigen Geschichte viele legendäre Rennen, darunter einige der verrücktesten Regenrennen in der Geschichte des Rennsports. Am vergangenen Wochenende fügte die DTM zwei weitere megaspannende Rennen auf dem Ring hinzu, die für zwei neue, besonders denkwürdige Kapitel in den Geschichtsbüchern des Mercedes-AMG Motorsport DTM Teams gesorgt haben: Einen Vierfach-Sieg am Samstag sowie einen Doppelsieg am Sonntag. Nicht umsonst ist die Marke mit dem Stern mit nunmehr 32 Siegen weiterhin die erfolgreichste auf dem Nürburgring.

Rennen 1: Vierfach-Sieg im Regenchaos

Wie es sich für ein Rennwochenende auf dem Nürburgring gehört, herrschte an den ersten beiden Tagen typisches Eifelwetter, das während des ersten Rennens am Samstag sein ganzes Repertoire bot. 'Das war ein brutales Rennen: Regen, abtrocknende Strecke, dann wieder Regen. Der ganze Tag war sehr schwierig', analysierte der spätere Sieger Lucas Auer.

Der Nürburgring-Spezialist war das Rennen von der Pole Position angegangen und kämpfte sich nach seinem Boxenstopp Stück für Stück wieder nach vorne. 'Zwischendurch war ich ein bisschen verwirrt, weil ich auf P4 oder P5 aus der Box gekommen bin', erklärte Lucas. 'Da wusste ich nicht ganz, was los war. Aber das war in der Hitze des Gefechts. Auf dem zweiten Satz Regenreifen habe ich am Ende noch einmal einen guten Speed gefunden.' Diese brachte ihm seinen dritten Saisonsieg und Rang zwei in der Fahrerwertung ein, in der er nach dem Samstagsrennen nur noch einen Punkt hinter dem Führenden Mattias Ekström lag.

Das nahezu perfekte Ergebnis komplettierten Auers Teamkollegen, die allesamt ebenfalls in die Top-10 fuhren und für einen Vierfach-Sieg auf dem verregneten Nürburgring sorgten. 'Ich bin extrem glücklich', sagte Paul Di Resta, der hinter Lucas Platz zwei belegte. 'Dieses Ergebnis wird allen einen Schub geben. Ein Vierfachsieg ist ein fantastisches Resultat für das gesamte Team.'

Für Paul war es der zweite Podestplatz nach seinem Sieg in Ungarn in dieser Saison. Mit ihm stand Robert Wickens bei der Siegerehrung auf dem Treppchen. Der Kanadier sicherte sich bereits seinen bis zu diesem Zeitpunkt dritten Podestplatz 2017. 'Das war ein verwirrendes Rennen, in dem ich mir definitiv Boxenfunk gewünscht hätte', sagte Robert. 'Ich wusste nie genau, wo ich war und ich hatte Glück.' Robert befand sich gerade auf seiner In Lap, um auf Slicks zu wechseln, als es wieder anfing zu regnen. 'Also entschied ich mich dazu, draußen zu bleiben und zu hoffen, dass es aufgeht.'

Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig, wie auch bei den anderen Fahrern. 'Die Strategie war hervorragend', lobte Teamchef Ulrich Fritz. 'Wir haben in den entscheidenden Situationen die Ruhe bewahrt und die richtigen Entscheidungen getroffen. Das war nach dem Wochenende in Zandvoort genau die richtige Antwort.'

Rennen 2: Doppelsieg in der Eifel

Am Sonntag bestätigte das Team dann bei veränderten Bedingungen die starke Mannschafts-Form des ersten Laufs. Diesmal war es Robert Wickens, der in seinem schwarzen Mercedes-AMG C 63 DTM Mercedes me auf trockener Strecke zum Sieg eilte. Der Kanadier, der 2013 an Ort und Stelle auf dem Nürburgring seinen ersten DTM-Sieg eingefahren hatte, erzielte in seinem 80. DTM-Rennen seinen sechsten Sieg.

'Das war ein verrücktes Rennen', sagte Rob. 'Leider hat sich Luggi vor mir gedreht - das war Glück für mich, aber Pech für ihn. Danach hatten wir eine gute Strategie und konnten einige Fahrer mit einem Undercut überholen. Ich musste aber richtig hart dafür arbeiten und etliche Autos nach dem Stopp passieren.'

In diesem Zuge lieferte sich Robert auch einen harten Zweikampf mit BMW-Pilot Marco Wittmann um den Sieg. 'Es gab einige Berührungen, aber alles in allem war es ein richtig gutes Duell', erzählte Robert nach dem Rennen. Bei ihrem Duell zogen sich beide Fahrer Beschädigungen an ihren Autos zu. 'Nach der Berührung in Kurve eins stand mein Lenkrad nicht mehr gerade und einige Flicks fehlten', erklärte Robert. 'Aber ich hatte Glück, dass das Rennen nicht noch eine Runde länger ging - denn Paul pushte von hinten wie verrückt. Ich war wirklich glücklich, als das Rennen vorbei war.'

Besagter Paul Di Resta stand zum zweiten Mal an diesem Wochenende auf dem Podium. 'Zur Rennmitte lag ich in Führung, aber leider hatten wir keinen guten Boxenstopp - das hat uns einige Sekunden gekostet', beschrieb er. 'Gleichzeitig bin ich mit zwei zweiten Plätzen an diesem Wochenende zufrieden. Wenn mir jemand vor dem Wochenende zwei zweite Plätze angeboten hätte, hätte ich sie sicherlich genommen.'

Dahinter erreichte Maro Engel seine zweite Top-5-Platzierung innerhalb von 24 Stunden. Dabei wäre für den Sieger des Sonntagsrennens von Moskau sogar noch mehr drin gewesen: 'Leider habe ich heute Vormittag im Qualifying einen fetten Patzer drin gehabt. Das hat uns einen Top-6-Startplatz gekostet', gestand Maro ein. 'Dafür muss ich mich beim Team entschuldigen. Umso glücklicher kann ich damit sein, dass ich von P14 auf P5 vorgefahren bin. Mit zwei Top-5-Ergebnissen war es für mich ein sehr gutes Wochenende.'

In der Schlussphase des Rennens sah es zunächst danach aus, als ob auch Gary Paffett seinen zehnten Platz vom Vortag würde wiederholen können. Bis zur letzten Runde lag der Brite auf dem zehnten Platz, verlor diesen dann jedoch, als er von Maxime Martin (BMW) umgedreht wurde. Dadurch fiel Gary bis auf Platz 14 zurück. 'Am Ende des Rennens holte ich einige Autos ein, darunter Timo Glock, der zu kämpfen hatte', verriet Gary. 'Ich versuchte, vorbeizukommen, aber die BMW-Fahrer schienen heute alle in mich reinzufahren. Das war wirklich frustrierend.'

Teamchef Ulrich Fritz bestätigte die Worte des DTM-Champions von 2005. 'Man hat heute gemerkt, dass die Saison in die heiße Phase geht', sagte er. 'Es war ein sehr hartes Rennen mit ganz breiten Ellenbogen.' Insgesamt war er mit dem Wochenende aber natürlich zufrieden: 'Nach dem Vierfach-Erfolg gestern, heute ein Doppelsieg - so ein starkes Ergebnis hat das Team absolut verdient.'

Titelkampf: Auf und ab für Lucas Auer

Lucas Auer und der Nürburgring pflegen eine ganz besondere Beziehung. Auf dieser Strecke fuhr der Österreicher seine erste DTM-Pole Position ein, hier fügte er im ersten Lauf seinen ersten Sieg in der Eifel hinzu. Schon vor dem Wochenende gab Lucas zu: 'Es scheint so, als würden die Kurven in der Eifel und ich sehr gut zusammenpassen.'

Der Samstag war mit seiner dritten Nürburgring-Pole und dem Sieg ein klarer Beweis dafür. Dennoch lief für ihn in der Eifel nicht alles nach Plan. Das zweite Rennen begann viel versprechend: Lucas verbesserte sich am Start um eine Position auf Platz drei und lag hinter Paul Di Resta und Marco Wittmann auf dem dritten Platz. Doch dann der Schock: Lucas drehte sich und fiel weit zurück.

'Leider ist mir in einem kritischen Moment ein Fehler unterlaufen - das geht klar auf meine Kappe', sagte Lucas nach dem Rennen, das er auf Rang 13 ohne Punkte beendete. 'Es tut mir sehr leid, denn die Jungs arbeiten sehr hart und haben das nicht verdient. So schlimm es in diesem Moment klingt, aber Fehler sind menschlich und gehören leider dazu.'

Teamchef Ulrich Fritz stärkte seinem Fahrer den Rücken. 'Schade natürlich für Luggi, aber Fehler passieren nun mal auch im Sport', sagte er. 'Ich bin sicher, er wird sich ärgern, aber den Vorfall auch schnell abhaken.' In der Meisterschaft hat Lucas weiterhin alle Chancen. Vor den letzten beiden Rennwochenenden bei seinem Heimrennen in Spielberg sowie dem Finale in Hockenheim liegt Lucas als Gesamtzweiter nur neun Punkte hinter dem Führenden Mattias Ekström (Audi).

Aus der Eifel geht es für das vorletzte Rennwochenende der DTM-Saison 2017 in die Steiermark. Dort finden vom 22. bis 24. September in Spielberg (Österreich) die Saisonläufe 15 und 16 statt.

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