DTM 2018: Brands Hatch – Analyse

Als sich das Team zum Auftakt der zweiten Saisonhälfte auf den Weg nach Brands Hatch machte, schwebte über dem britischen Traditionskurs ein kleines Fragezeichen. Zum ersten Mal traten die DTM-Piloten in diesem Jahr auf dem längeren Grand-Prix-Kurs an, zudem stand die Strecke erstmals seit 2013 wieder im DTM-Rennkalender - und das mit einem veränderten Zeitplan, der kein Freitagstraining vorsah.

Entsprechend warnte Ulrich Fritz vor dem sechsten Rennwochenende der Saison zurecht: 'Mit Brands Hatch erwartet uns am Wochenende die erste wirkliche Unbekannte in diesem Jahr.' So etwas bietet Chancen, aber auch Gefahren, etwa sich beim Setup zu vergreifen. Zum Glück meisterte unsere Truppe bei der Rückkehr auf die Insel nahezu alle Herausforderungen mit Bravour. Aber der Reihe nach...

Erster Streich: Premierensieg für den 'Mann aus Titan'

Zweite Saison-Pole, erster DTM-Sieg: Daniel Juncadella war am Samstag ganz klar der Mann des Tages in Brands Hatch. Der Spanier hatte sich schon vor dem Wochenende gute Chancen auf dem Traditionskurs ausgerechnet, den er bereits im GT3-Auto kennengelernt hatte. Am Samstag setzte er diese Erfahrung direkt in seine zweite DTM-Pole Position um!

Im Rennen eilte Daniel dann zu seinem Debütsieg in der Tourenwagenserie. 'Heute ist ein großer Tag für mich', sagte der überglückliche Daniel, der am Start zunächst zwei Plätze verlor. Danach schlichen sich schon erste Zweifel ein, ob er - wie bei seiner ersten DTM-Pole auf dem Norisring vor wenigen Wochen - vielleicht erneut das große Ziel nicht erreichen würde. 'Aber dann waren die Jungs beim Boxenstopp absolut mega', lobte er. 'So kam ich wieder nach vorne und hatte danach auch eine sehr gute Pace.'

Daniel fuhr eine Qualifying-Runde nach der anderen, bis er kurz vor der Zielflagge besonders vorsichtig wurde, um seinen ersten DTM-Sieg nicht unnötig zu gefährden. 'Auf dem letzten Umlauf bin ich dann ganz ruhig gefahren, von den Kerbs weggeblieben und wollte das Auto nur noch nach Hause bringen', verriet er. 'Mein erster DTM-Sieg ist etwas ganz Besonderes für mich. Mein Auto war absolut klasse und ich werde heute mit meinen Jungs feiern - sie haben einen riesigen Anteil an diesem Sieg.'

Gemeinsam mit ihm durfte sein Teamkollege Lucas Auer als Dritter auf dem Treppchen feiern. 'Herzlichen Glückwunsch an Dani zum ersten DTM-Sieg', sagte Teamchef Ulrich Fritz. 'Den hat er sich absolut verdient. Er hat den ganzen Tag über eine fantastische Leistung gezeigt.'

Daniels Leistung in dieser Saison ist umso beeindruckender, da er sich vor Saisonbeginn beim Training das Schlüsselbein angebrochen hat. Kurz darauf saß er bei den Testfahrten in Hockenheim Anfang April bereits wieder im Cockpit seines Mercedes-AMG C 63 DTM und spulte fleißig Runden ab. Sein Team verlieh ihn deshalb den liebevollen Spitznamen 'Mann aus Titan'. Rund vier Monate danach zählt der 'Mann aus Titan' nun zum erlesenen Kreis der DTM-Rennsieger!

Dritter Streich: Paul als König von Brands Hatch

Paul Di Resta zeigte sich vor seinem Heimrennen in Brands Hatch guter Dinge. Vier Mal war er vorher auf dem Indy-Kurs angetreten, drei Mal hat er dabei auf dem Podium gestanden, bei seinen letzten beiden Auftritten 2009 und 2010 sogar als Sieger.

Umso ernüchternder war für ihn das erste Rennen am Samstag, als er von Platz zwölf gestartet nur auf Rang 16 ins Ziel kam. 'Wir sind mit der Strategie und dem frühen Stopp ein gewisses Risiko eingegangen und haben gehofft, dass wir dadurch weiter nach vorne kommen könnten', erklärte Paul. 'Leider haben die Reifen im Verlauf des Rennens abgebaut und es war nicht mehr drin. Jetzt hoffe ich morgen auf ein besseres Qualifying und einen versöhnlichen Abschluss für mein Heimrennen.'

Gesagt, getan: Nachdem ihn sein Teamkollege Gary Paffett im zweiten Qualifying knapp geschlagen hatte, schnappte sich Paul direkt am Start die Führung. 'Der Start war heute entscheidend', betonte er hinterher. 'Es war wichtig, vor Gary zu kommen. Auf dieser Strecke ist es immer schwierig, von der Pole Position loszufahren, weil es den Berg hinaufgeht.'

Die Verbesserungen über Nacht zahlten sich aus: 'Heute war ein perfekter Tag, obwohl es insgesamt kein perfektes Wochenende für mich gewesen ist', betonte Paul, der mit seinem dritten Sieg beim Heimrennen sowie seinem zweiten Saisonsieg den Abstand auf Spitzenreiter Gary ein wenig verkleinern konnte. 'Ich bin mir sicher, dass wir bis zum Saisonende weiter so schöne Kämpfe miteinander haben werden. Gestern habe ich wichtige Punkte verloren, aber mit ein bisschen Glück kann sich das Blatt auch schnell wieder wenden.'

Siebter Streich: Gary behält die Führung

Wie Paul stand natürlich auch Gary bei seinem Heimrennen besonders im Mittelpunkt des Interesses. An beiden Tagen sollte das Qualifying eine entscheidende Rolle einnehmen. Am Samstag hatte Gary Glück im Unglück: Er kam auf seinem ersten Versuch von der Strecke ab und beschädigte sich dabei sein Auto. Am Ende stand Startplatz sechs: 'Das ist ein gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass ich durch das Kiesbett gefahren bin und die Reifenstapel berührt habe.'

Im Rennen lag Gary relativ komfortabel hinter der Führungsgruppe, deren Tempo er in der Schlussphase aber nicht mehr ganz mitgehen konnte. So beendete er das Rennen auf dem Platz, auf dem er es begonnen hatte: Platz sechs.

Am Sonntag sollte es für ihn viel besser laufen. Gleich im Qualifying zeigte Gary mit seiner vierten Saison-Pole, wie stark er aufgelegt war. Doch die Hoffnungen auf seinen zweiten Heimsieg erhielten direkt am Start einen kleinen Dämpfer: 'Paul hatte einen besseren Start und wir wissen alle, wie schwierig es hier ist, ein anderes Auto zu überholen', verriet Gary. 'Auf der Pole Position scheint hier eine Art Fluch zu liegen, aber ehrlich gesagt, bin ich auch nicht besonders gut weggekommen.'

So konnte ihn Paul in der ersten Kurve außenherum überholen. 'Ich habe ihm aber auch den Raum dafür gelassen', betonte Gary, der seinen Teamkollegen danach das gesamte Rennen über unter Druck setzte. Das setzte seinen Reifen in der Schlussphase hart zu, aber Gary hatte stets das Gefühl, etwas schneller zu sein, da er immer innerhalb einer Sekunde an Paul dranbleiben konnte. 'Ich habe darauf gewartet, dass er einen Fehler machen würde, aber er war sehr konstant und hat das Rennen gewonnen', fasste Gary zusammen, der in Brands Hatch seinen siebten Podestplatz in diesem Jahr einfuhr. 'Glückwunsch an ihn und vielen Dank an das Team für die starke Arbeit an diesem Wochenende.'

Achter Streich: Starker Start in die zweite Saisonhälfte

Das Lob an die Mannschaft ist dabei mehr als angebracht. Das Team setzte auch an diesem Wochenende in Brands Hatch seine Siegesserie fort und hat damit auf jeder der sechs Rennstrecken in dieser Saison bislang mindestens ein Rennen gewonnen - in Brands Hatch waren es sogar beide.

Damit stehen für die Marke mit dem Stern aus den ersten zwölf Saisonrennen zehn Pole Positions, acht Siege, fünf Doppelsiege und 21 Podestplätze zu Buche. Am Sonntagvormittag stellte die Mannschaft sogar einen neuen DTM-Rekord auf: noch nie zuvor ist es einem Hersteller in der DTM gelungen, acht Pole Positions in Folge einzufahren.

'Gestern der Sieg und Platz drei, heute ein Doppelsieg - das war erneut ein starkes Wochenende für uns', sprach Teamchef Ulrich Fritz ein großes Lob an seine Truppe aus. Schon am Samstag lobte er den Umgang mit den vielen Herausforderungen und Unbekannten an diesem Wochenende: 'Heute Vormittag gab es viele Fragezeichen, was die Strecke und die Abstimmung betraf. Dank des Einsatzes der Mannschaft konnten wir aus diesen Fragezeichen Ausrufezeichen machen und die Führung in der Meisterschaft ausbauen.'

So führt Mercedes-AMG Motorsport nach dem sechsten von zehn Rennwochenenden weiterhin die Fahrer-, die Team- und die Herstellerwertung an. In der Fahrerwertung führt Gary (177 Punkte) mit 29 Zählern Vorsprung auf Paul (148 Punkte), der durch seinen Sieg ein paar Punkte gutmachen konnte.

In der Teamwertung belegen die drei Mercedes-Mannschaften die ersten drei Plätze: Mercedes-AMG Motorsport PETRONAS (261 Punkte) führt vor SILBERPFEIL Energy Mercedes-AMG Motorsport (211 Punkte) und Mercedes-AMG Motorsport REMUS (205 Punkte). In der Herstellerwertung hat Mercedes-AMG (677 Punkte) 273 Zähler Vorsprung auf BMW (404 Punkte).

Noch ist die Saison aber nicht vorbei. Bis zum Ende der 30-jährigen Jubiläumssaison von Mercedes-AMG Motorsport stehen noch vier weitere Rennwochenenden auf dem Programm. Das nächste findet in zwei Wochen vom 24. bis 26. August auf dem 'Misano World Circuit Marco Simoncelli' statt. Und als Nachtrennen bringt es erneut seine eigenen Herausforderungen und Unbekannten mit sich...

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