DTM 2018: Budapest – Analyse

Auf dem Hungaroring zeigten sich am dritten Rennwochenende der DTM-Saison 2018 die unterschiedlichen Seiten des Motorsports. Herrschte nach dem zweiten Doppelsieg des Teams in diesem Jahr am Samstag noch Freude pur vor, rückten im zweiten Rennen am Sonntag wichtigere Dinge als der sportliche Erfolg in den Vordergrund.

Rennen 2: Die wichtigste Nachricht des Tages

Die DTM erlebte kurz nach dem Start des sechsten Saisonlaufs bange Momente. Schon nach einer Viertelstunde Rennzeit wurde das zweite Rennen in Budapest wegen mehrerer Zwischenfälle in der Boxengasse unterbrochen. Grund hierfür waren mehrere voneinander unabhängige Unfälle in der regennassen Boxenstraße, in die auch die Autos von Lucas Auer und Edoardo Mortara verwickelt waren.

Nach den Vorfällen wurde ein ungarischer Sportwart mit schweren Beinverletzungen ins Krankenhaus geflogen, zwei weitere Feuerwehrmänner aus Ungarn werden ebenfalls stationär behandelt. Drei Mechaniker des Teams erlitten leichte Verletzungen. 'Nach Ereignissen wie heute steht das sportliche Ergebnis natürlich im Hintergrund', betonte Teamchef Ulrich Fritz. 'Wir wünschen allen verletzten Personen eine schnellstmögliche Besserung.'

Kurz nach dem Start des zweiten Rennens setzte Regen über dem Hungaroring ein, der im Laufe der ersten Runden immer stärker wurde und dazu führte, dass immer mehr Fahrer zum Wechsel von Trocken- auf Regenreifen an die Box kamen. Dabei konnten mehrere Piloten ihre mit Slicks bestückten Autos auf der nassen Streckenoberfläche in der Boxengasse nicht mehr kontrollieren und für den Stopp abbremsen.

'Es gibt zwei verschiedene Asphalttypen in der Boxengasse und ich bin schon so langsam wie möglich reingefahren', erklärte Lucas. 'Aber ich konnte nirgends mehr hin und bin einfach geradeaus gerutscht und eingeschlagen. Ich war nur noch Passagier im Auto.' Danach spielte das sportliche Geschehen auf der Strecke für ihn keine Rolle mehr. 'Nach dem Zwischenfall beim Boxenstopp war es für mich leider kein Rennen mehr', so Lucas weiter. 'Ich bin zwar noch zu Ende gefahren, aber mir ging es nur darum, zu erfahren, wie es den beiden Streckenposten geht. Alles andere war mir egal.'

Ähnlich erging es Edoardo, der sein Auto auf dem nassen Belag ebenfalls nicht mehr rechtzeitig stoppen konnte. 'Ich habe gerade zu meinen Mechanikern gesagt, dass ich in diesem Moment beim Boxenstopp echt riesiges Glück im Unglück hatte', sagte Edoardo. 'Ich habe die Boxenstoppanlage mit vielleicht 40 oder 50 km/h getroffen und zum Glück wurde dabei niemand verletzt. Darüber bin ich froh, denn das hätte heute sehr böse enden können und ich hätte nichts dagegen unternehmen können.'

Als Edoardo in die Box kam, stand die Boxengasse unter Wasser und es waren ein Krankenwagen und Streckenposten unterwegs. 'Sobald ich nur ganz leicht auf das Bremspedal gestiegen bin, haben die Räder blockiert und ich fuhr einfach geradeaus in die Mechaniker und die Boxenanlage', sagte er weiter. 'Nach so einem Vorfall spielt das Rennergebnis heute absolut keine Rolle. Ich bin nur froh, dass meinen Mechanikern bei dem Zwischenfall nichts passiert ist und es tut mir sehr leid, dass es bei dem Streckenposten mit dem gebrochenen Bein nicht so gut ausgegangen ist. Ich wünsche ihm eine schnelle Genesung.'

Rennen 2: Der nebensächliche Rest

Das Rennergebnis wurde durch die turbulente Anfangsphase mit frühen Boxenstopps, dem einsetzenden Regen sowie der zwischenzeitlichen Unterbrechung nach den Boxenzwischenfällen und dem folgenden Re-Start stark durcheinandergewürfelt. So lagen zu Rennbeginn alle sechs Mercedes-AMG Motorsport DTM-Fahrer noch auf den ersten sechs Plätzen.

Im Endergebnis kam jedoch nur einer von ihnen in die Top-10: Paul Di Resta belegte am Ende Position fünf. Lucas und Edoardo fuhren zwar ebenfalls in die Punkteränge, wurden nach Rennende jedoch als Folge ihrer Boxenunfälle disqualifiziert. 'Zu Beginn des Rennens sah es noch so aus, als könnten wir heute ein Fabel-Ergebnis einfahren', sagte Ulrich Fritz. 'Alle sechs Mercedes waren auf den ersten Positionen. Dann kam es zu den Unfällen in der Boxengasse. Dadurch wurde das Feld komplett auf den Kopf gestellt. Wir haben uns vor dem Rennen entschieden, dass wir keinen Fahrer früh stoppen werden, um allen die gleiche Chance zu geben, um den Sieg zu fahren.'

So führten Daniel Juncadella und Pascal Wehrlein nach dem Re-Start das Rennen zwar für einige Runden an, aber nach ihren Pflichtboxenstopps fielen sie auf die Plätze 11 und 12 zurück. Noch schwerer traf es Gary Paffett, der das Rennen als 15. beendete. 'Da wir vor dem Re-Start nicht gestoppt hatten, blieb uns im weiteren Rennverlauf keine Chance mehr auf Punkte', so der Champion von 2015. 'Deshalb versuchten wir es mit Regenreifen, falls es irgendwo noch eine nasse Stelle geben sollte. Dann hätten wir dort etwas aufholen können, aber leider war das nicht der Fall.'

Rennen 1: Mission Budapest erfolgreich abgeschlossen

Vor dem dritten Rennwochenende der Saison hing ein großes Fragezeichen über dem Hungaroring, der dem Team in den vergangenen Jahren nicht immer gelegen hatte. Abgesehen von Pauls Sieg im Vorjahr gab es seit der Rückkehr der DTM nach Ungarn im Jahr 2014 nur wenige starke Ergebnisse zu bejubeln. Das sollte sich am Samstag ändern.

Paul und Lucas schlossen die Mission Budapest mit dem zweiten Doppelsieg der Saison und dem 106. in der Geschichte der Marke erfolgreich ab und das Team eroberte mit fünf Fahrern in den Top-10 endlich den Hungaroring.

'Das war erneut eine ganz, ganz starke Mannschaftsleistung', sagte Fritz. 'Dass wir dies auch noch auf einer Strecke geschafft haben, auf der wir in der Vergangenheit nicht unbedingt erfolgreich waren, ist umso wichtiger. Das zeigt, dass wir ein Auto haben, das momentan eine hervorragende Balance hat.

Tatsächlich war es bereits der vierte Sieg des Teams im fünften Saisonrennen. Eine ähnlich beeindruckende Bilanz weist auch Paul auf, der am Samstag zum achten Mal in seiner DTM-Karriere von der Pole Position ins Rennen ging. Von diesen acht Rennen gewann Paul sechs, die anderen beiden beendete er jeweils als Zweiter.

'Nach dem Sieg bin ich natürlich überglücklich', sagte der Schotte nach dem Rennen. 'Wir hatten nicht den besten Boxenstopp, da hatte Nico Müller wohl einen besseren, aber insgesamt haben wir heute den ganzen Tag vom Training über das Qualifying bis zum Rennen sehr gute Arbeit abgeliefert und schlussendlich das bestmögliche Ergebnis herausgeholt.'

Norisring: Blick nach vorne

Das Rennwochenende in Ungarn zeigte dem Team auf, wie nah die Höhen und Tiefen im Rennsport zusammenliegen können. Das gilt auch für die sportliche Entwicklung: Am Samstag übernahm Gary mit sieben Punkten Vorsprung die Führung in der Fahrer-Wertung, nur um diese am Sonntag mit einem punktelosen Tag wieder an BMW-Pilot Timo Glock abzugeben. Es geht hin und her. Nach sechs Saisonrennen liegt Gary nun elf Zähler hinter dem ehemaligen Formel-1-Piloten. In der Herstellerwertung liegt Mercedes-AMG (294 Punkte) mit 58 Punkten Vorsprung auf BMW (236 Punkte) weiterhin an der Spitze.

'Wir haben das Beste daraus gemacht, aber als Hersteller bist du natürlich enttäuscht, wenn du daraus kein Kapital schlagen kannst', betonte Paul Di Resta. 'Aber so ist der Rennsport. Es gibt Höhen und Tiefen. Wir hatten an den letzten drei Rennwochenenden ein super Auto und das gibt uns den nötigen Kampfgeist, um nach vorne zu blicken und ein Wörtchen im Titelkampf mitzusprechen. Hoffentlich können wir diesen Schwung mitnehmen.'

Die nächste Gelegenheit dazu erhält das Team vom 22. bis 24. Juni auf dem legendären Norisring in Nürnberg. 'Nach so einer Performance wie wir sie am gesamten Wochenende gezeigt haben, nun mit fast leeren Händen dazustehen, ist natürlich extrem bitter', bilanzierte Ulrich Fritz. 'Aber auch das gehört zum Motorsport. Was bleibt, ist das starke Ergebnis von gestern und die Erkenntnis, dass wir ein tolles Auto und eine starke Mannschaft haben. Am Norisring wollen wir dann zurückschlagen.'

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