DTM 2018: Hockenheim II – Analyse

30 Jahre lang bildeten Mercedes-AMG und die DTM eine unzertrennliche Einheit. 15 Jahre davon war ein gewisser Brite namens Gary Paffett für die Marke mit dem Stern in der DTM im Einsatz. Nach 436 Rennen schrieben Gary und Mercedes-AMG am vergangenen Wochenende das letzte Kapitel dieser fantastischen Erfolgsgeschichte. Der Weg dorthin war jedoch wieder einmal eine rasante Achterbahnfahrt der Emotionen - wie es sich im Rennsport gehört.

Rennen 1: Pech mit dem Safety Car

Die Anspannung war vor dem Rennwochenende spürbar. Obwohl die Mannschaft den Hersteller- und den Teamtitel bereits seit dem vorletzten Rennwochenende in Spielberg in der Tasche hatte, ging es beim Saisonfinale um alles. Schließlich war es kein gewöhnlicher Saisonabschluss, sondern das letzte Rennwochenende in der 30-jährigen DTM-Geschichte von Mercedes-AMG Motorsport.

Der Vorteil war, dass mit Paul Di Resta und Gary Paffett noch zwei Fahrer aus dem Stern-Sextett eine Chance auf den Titel hatten. Paul und Gary trennten vor dem Finale sogar nur vier Pünktchen. Doch über allem schwebte die Gefahr durch Audi-Pilot René Rast, der in der zweiten Saisonhälfte eine starke Aufholjagd im Titelkampf hingelegt hatte und damit Paul sowie Gary in Hockenheim noch in die Titelsuppe spucken konnte.

Und die Sorgenfalten waren berechtigt: trotz einer Doppel-Pole für Lucas Auer und Gary war Rast auch im ersten Rennen in Hockenheim nicht zu stoppen. Der Vorjahresmeister fuhr vor seinem Teamkollegen Robin Frijns und BMW-Pilot Timo Glock seinen sechsten Saisonsieg ein und verkürzte damit seinen Rückstand auf die beiden führenden Mercedes-Fahrer weiter.

Gary führte das Rennen lange Zeit an, fiel dann in einem spektakulären Duell, bei dem die Führung mehrmals wechselte, hinter Rast zurück und verlor nach einer Safety-Car-Phase kurz vor Rennende noch einmal zwei Positionen an Frijns und Glock.

'Das Ergebnis ist enttäuschend', fasste Gary zusammen. 'Wir hatten im Rennen eine klasse Pace und im ersten Stint auch einen Vorsprung auf René. Er hat beim Boxenstopp viel Boden auf uns gut gemacht und mich auch kurz darauf mit DRS überholt. Danach hatten wir einen Zweikampf und ich habe kein DRS mehr genutzt. Ich war mit meiner Position hinter ihm zufrieden und dachte, dass ich die Pace hatte, um ihn später im Rennen anzugreifen. Ich lag auf P2 und es drohte keine Gefahr von hinten.'

Der Einsatz des Safety Cars zum Rennende kostete Gary die Chance auf einen Podestplatz. 'Dann kam das Safety Car wegen Teilen auf der Strecke heraus und danach war es sehr schwierig, meine alten Reifen aufzuwecken', fuhr Gary fort. 'Beim Re-Start ist jemand neben die Strecke gekommen und hat viel Staub aufgewirbelt. Danach bin ich beinahe zehnmal abgeflogen, da es unmöglich war, die Reifen wieder auf Temperatur zu bekommen.'

Teamchef Ulrich Fritz war mit dem Rennverlauf nicht zufrieden. 'Unsere Pace war im Rennen einfach nicht gut genug. Bis zum Safety Car sah es noch gut aus, aber danach waren die anderen einfach schneller.' Die Ausgangslage für das zweite Rennen war damit klar: Gary führte mit sechs Punkten Vorsprung auf Paul, der das Rennen am Samstag auf Platz acht abgeschlossen hatte. Rast hatte damit 15 Punkte Rückstand auf Gary und sieben Zähler Rückstand auf Paul. Es war also für alle drei Titelrivalen noch alles drin.

Rennen 2: Zweiter DTM-Titel

Umso spannender waren die Vorzeichen für das letzte Saisonrennen am Sonntag: René Rast startete neben Marco Wittmann aus der ersten Reihe. Gary ging direkt dahinter von Platz drei ins Rennen. Für Paul lief es im Qualifying erneut nicht perfekt und er kam nur auf Startplatz elf.

Gary wusste von Beginn an, dass ihm selbst bei einem Sieg von Rast ein vierter Platz zum Titelgewinn reichen würde. Entsprechend verstrickte er sich gar nicht erst in Zweikämpfe mit dem Audi-Fahrer oder BMW-Pilot Marco Wittmann, der seine Führung verlor und danach Jagd auf Rast machte. Gary fuhr stattdessen sein eigenes Rennen und konzentrierte sich darauf, seinen zehnten Podestplatz in dieser Saison ins Ziel zu bringen - denn dieser würde bedeuten, dass er zum zweiten Mal nach 2005 DTM-Champion wäre.

'Ich bin die meiste Zeit des Rennens alleine gefahren und hatte deshalb viel Zeit, um darüber nachzudenken', beschrieb Gary im Ziel die 36 langen Rennrunden. 'Dann dachte ich mir: Jetzt sind es nur noch fünf Runden in meiner DTM-Karriere und dann nur noch 4, 3, 2, 1... Einmal wäre ich sogar beinahe deswegen abgeflogen.' Doch Gary blieb auf der Strecke, holte sich Platz drei und damit den Titel!

'Es ist absolut unglaublich. Das ist der beste Tag in meinem Leben. Der erste Titel kam 2005 so schnell. Auf diesen habe ich 13 Jahre hingearbeitet, um wieder ganz oben zu stehen. Es ist ein fantastisches Gefühl, den Titel gewonnen zu haben', freute sich Gary. 'Hinter mir liegt eine großartige Zeit mit diesem Team. Vielen Dank an jeden Einzelnen in der Mannschaft für die harte Arbeit, die sie alle in das Auto gesteckt haben. Jetzt haben wir es geschafft!'

Teamchef Ulrich Fritz zollte aber nicht nur Gary und dem gesamten Team Tribut. 'Es war ein unglaublicher Kampf am Ende mit einem denkbar engen Ausgang', betonte er. 'Unser größter Respekt für die Leistung von René Rast und Audi in den letzten Rennen.' Mit insgesamt sieben Saisonsiegen, sechs davon in den letzten sechs Rennen, machte Rast den Titelkampf bis zur letzten Runde spannend und kam bis auf vier Punkte an Gary heran. Ein echter Krimi!

Der Weg zum Titel

Garys Weg zum Titel begann an Ort und Stelle in Hockenheim. Gleich im ersten Saisonrennen sicherte sich der Brite seinen ersten Saisonsieg. Mit einem spektakulären Duell gegen Timo Glock und Platz drei am Sonntag rundete er ein nahezu perfektes Auftaktwochenende für sich und das Team ab.

In diesem Tempo ging es weiter. Schon am zweiten Rennwochenende in der Lausitz folgte Garys zweiter Saisonsieg. Im sechsten Saisonlauf auf dem Hungaroring gab es den ersten kleinen Rückschlag für seine Titelambitionen. In einem chaotischen Regenrennen überquerte Gary die Ziellinie auf Position 15. Es war nur eines von insgesamt drei Rennen (Qualifying und Rennen), bei denen er in dieser Saison keine Punkte holte.

Aber schon am Norisring meldete er sich auf dem Podium zurück: mit einem zweiten Platz übernahm er erneut die Führung in der Gesamtwertung von seinem anfänglichen Titelrivalen Timo Glock. Das Halbzeitwochenende in Zandvoort war das erfolgreichste Wochenende in dieser Saison für Gary: Am Samstag führte Gary einen Mercedes-Vierfachsieg an, am Sonntag kam er als Zweiter bei einem Doppel-Podium für das Team zur Siegerehrung.

Bei seinem Heimrennen in Brands Hatch erzielte Gary einen weiteren zweiten Platz sowie Rang sechs im ersten Rennen. Es folgte die Nullrunde von Misano, wo ihn ein Ausfall und ein 14. Platz viel Boden im Titelkampf und zum ersten Mal seit dem Norisring die Führung in der Gesamtwertung kosteten. Diese übernahm nun zum ersten Mal in diesem Jahr Paul von seinem Teamkollegen.

An den kommenden beiden Rennwochenenden auf dem Nürburgring und in Spielberg wechselte die Führung zwischen den beiden Titelkontrahenten hin und her. Gary fuhr vier Mal in die Punkte, darunter zwei Podestplätze. Somit kam er nur vier Punkte hinter Paul zum Finale - und der Rest ist wie es so schön heißt DTM-Geschichte.

'In unserem letzten Jahr in der DTM das Triple nach Stuttgart zu holen ist sensationell', sagte Teamchef Ulrich Fritz. 'Vielen Dank an das gesamte Team für die harte Arbeit und die Leidenschaft, die sie über das ganze Jahr gezeigt haben. Unser Dank geht aber auch an Audi und BMW für die vergangenen Jahre, die tollen Rennen und die gemeinsame Zeit. Wir werden euch vermissen.'

Nach 30 Jahren, 436 Rennen, 190 Siegen, 140 Pole Positions, 193 schnellsten Rennrunden, sieben Hersteller-, elf Fahrer- und 14 Teamtiteln schließt Mercedes-AMG das Kapitel DTM standesgemäß - mit einem Titel-Triple.

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