Moskau: Analyse

Das Mercedes-AMG DTM Team erlebte in Moskau ein Rennwochenende mit Höhen und Tiefen: Am Samstag dominierte die Mannschaft das erste Rennen überlegen und erzielte einen souveränen Vierfachsieg. Am Sonntag kosteten der Defektteufel und eine Berührung die Chance auf ein besseres Ergebnis. Aber der Reihe nach...

Platz eins bis vier: Der Stern dominiert den Samstag

Die Wetterbedingungen ließen zunächst nichts Gutes erahnen. Schon im 2. Training und 1. Qualifying am Samstagvormittag waren die Piloten auf nasser Strecke unterwegs. Vor dem Rennen schüttete es dann aber noch einmal richtig - sodass der erste Lauf hinter dem Safety Car gestartet werden musste. 'Die Bedingungen zum Rennstart waren sehr schwierig', sagte Robert Wickens. 'Es stand schon sehr viel Wasser auf der Strecke und ich konnte relativ wenig sehen hinter dem Safety Car.' Doch die schwierigen, regnerischen Streckenverhältnisse schienen den Piloten des Mercedes-AMG DTM Teams keine Probleme zu bereiten. Im Gegenteil: Robert Wickens setzte sich nach dem Start an die Spitze und baute seinen Vorsprung sukzessive aus. 'Das Auto war hier im Regen absolut fantastisch', freute sich der Kanadier. 'Als ich an Gary vorbei war, hatte ich aber super viel Grip und ein wahnsinnig schnelles Auto.' Entsprechend flog Wickens zu seinem zweiten Saisonsieg und der Führung in der Meisterschaft. Den Erfolg komplettierten Paul Di Resta und Gary Paffett, die gemeinsam mit Wickens auf dem Podium standen, sowie Maximilian Götz. Ein lupenreiner Vierfach-Sieg 'Das ist einfach super', jubelte Di Resta. 'Heute haben wir die Früchte unserer harten Arbeit in den vergangenen Wochen und Monaten geerntet.' Für Paffett war es der perfekte Start in die Rennen nach der langen Sommerpause. 'Ich habe mich den gesamten Tag über super wohl gefühlt im Auto', sagte der Brite. 'Wir müssen uns aber auch bei Max bedanken. Er hat uns hervorragend vom Rest des Feldes abgeschirmt.' Besagter Max im Mercedes-AMG C 63 DTM mit der Starnummer 84 fuhr mit Platz vier das bislang beste Ergebnis in seiner DTM-Karriere ein. 'Heute ist der Knoten geplatzt und wir wurden endlich für die harte Arbeit belohnt', freute sich Götz. 'Darüber bin ich sehr happy.' Mindestens genauso glücklich war Felix Rosenqvist nach Rennende. Der Schwede absolvierte in Moskau seine ersten beiden DTM-Rennen für den in die Formel 1 gewechselten Esteban Ocon - und fuhr gleich bei seinem Debüt in die Punkteränge! 'Platz zehn ist ein großartiges Ergebnis für mein erstes DTM-Rennen unter so schwierigen Bedingungen', sagte Rosenqvist. 'So gesehen bin ich damit sehr zufrieden.' Insgesamt also ein perfekter Renntag für das Mercedes-AMG DTM Team. 'Platz eins bis vier und dann noch Felix in seinem ersten DTM-Rennen in den Punkten - sozusagen als Kirsche auf der Torte', bilanzierte Teamchef Ulrich Fritz. 'Mehr kann man nicht erwarten. Danke an die ganze Mannschaft. Die Teamleistung heute war herausragend.'

Kampf bis zur Ziellinie: Wickens & Juncadella mit Teamwork im Titelkampf

So erfolgreich das erste Rennen am Samstag verlief, so schwierig gestaltete sich der zweite Lauf am Sonntag. Besonders der Samstagssieger Robert Wickens erlebte eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle auf dem Moscow Raceway. 'Ein bittersüßes Rennen für mich', sagte er nach der Zielankunft. Zunächst sah alles gut aus. Wickens lag auf Kurs zu einem weiteren Podestplatz und hatte Chancen, zumindest Tom Blomqvist auf Platz zwei noch zu überholen. Doch dann schlug das Schicksal das erste Mal zu. 'Ab der achten Runde bekam ich Schwierigkeiten mit der Lenkung', erklärt der zu diesem Zeitpunkt Meisterschaftsführende. 'Sie wurde immer schwergängiger und ich hatte sogar Vibrationen. So ab der zehnten oder zwölften Runde fiel die Servolenkung dann komplett aus. Danach hatte ich richtig zu kämpfen.' Das Handicap der ausgefallenen Servolenkung sollte aber nicht das einzige bleiben. Nach seinem Boxenstopp in Runde 20 fuhr er bald hinter BMW-Pilot Martin Tomczyk. 'Er bremste absichtlich auf der Geraden und an Stellen, an denen man nicht bremsen sollte, um mich aufzuhalten', beschreibt Wickens die Situation. 'Ich versuchte, ihn außen zu überholen, aber er lenkte einfach nicht ein und fuhr geradeaus.' Der daraus resultierende Schaden kostete den Kanadier mehr Rundenzeit als die Probleme mit der Lenkung. 'Ohne Servolenkung und mit weniger Abtrieb war es dann verdammt schwierig, mich vor den anderen Fahrern zu halten', so Wickens weiter. 'Am Ende kann ich aber noch zufrieden sein, da ich teilweise gar nicht glaubte, dass ich es bis ins Ziel schaffen würde.' Auch der hinter ihm fahrende Daniel Juncadella erkannte, dass sein Teamkollege in Schwierigkeiten steckte: 'Ich konnte sehen, dass er sehr mit dem Auto zu kämpfen hatte. Deshalb versuchte ich, ihn zu verteidigen.' Sofort stellte sich der tapfere Spanier in den Dienst der Mannschaft und versuchte, seinen Markenkollegen bestmöglich zu unterstützen. 'Am Ende holte ich dann zwar keine Punkte, aber in einem Team hält man in solchen Situationen im Titelkampf einfach zusammen.' Für diese mannschaftsdienliche Einstellung bekam er ein dickes Lob von seinem kanadischen Teamkollegen. 'Dani ist für mich der Held des Rennens', sagte Robert. 'Ich kann ihm gar nicht genug für seine Unterstützung danken. Ohne ihn wäre ich nicht in die Punkte gekommen.' Leider blieb Juncadellas kämpferischer Einsatz aus seiner persönlichen Sicht unbelohnt: auf der letzten Runde kostete ihn ein Getriebedefekt die verdiente Punkteplatzierung. Für Wickens war die Aufregung damit aber noch nicht vorbei. Nachdem Edoardo Mortara den zurückgefallenen Juncadella überholt hatte, griff der Audi-Pilot auf der letzten Runde des Rennens in der letzten Kurve auch noch einmal Wickens an. 'Mir war klar, dass es richtig eng werden würde', sagte Wickens. 'Aber ich habe großen Respekt vor ihm. Wir sind schon in der Formel 3 gegeneinander gefahren und kennen uns sehr lange. Unsere Zweikämpfe sind schon immer sehr sauber verlaufen.' Wickens wehrte den Angriff auf den letzten Metern bis zur Ziellinie ab und verteidigte so seinen fünften Rang und Platz zwei in der Meisterschaft. 'Ich muss den Hut vor Robert ziehen', sagt Mercedes-AMG DTM-Teamchef Ulrich Fritz. 'Ohne Servolenkung das Rennen zu Ende zu fahren und somit wichtige Punkte mitzunehmen war eine starke Leistung. Wichtig ist, dass wir in der Fahrerwertung den Abstand zur Spitze über das Wochenende verkürzen konnten.' In Zahlen bedeutet dies: Wickens konnte den Abstand auf Spitzenreiter Marco Wittmann (BMW) von 22 auf 12 Punkte Rückstand verkürzen. Die nächste Gelegenheit zum Punktesammeln erhalten die Piloten vom 09.-11. September auf dem Nürburgring.

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