Heute vor 50 Jahren wurde der Mercedes Stern auf dem Dach des Berliner Europa-Centers offiziell in Betrieb genommen. Mittlerweile ist das Wahrzeichen nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken.

50 Jahre Mercedes Stern in Berlin.

Der drehbare Mercedes Stern auf dem Europa-Center feiert sein 50-jähriges Jubiläum.

Text: Rainer Brenner
  • 50 Jahre Mercedes Stern in Berlin.

  • Ein Stück Stadtgeschichte.

    Egal, ob in klaren oder wolkigen Nächten: Seit 50 Jahren wirft der Mercedes Stern auf dem Dach des Europa-Centers sein Licht auf die Stadt. An sonnigen Tagen reicht der Blick bis nach Potsdam und man kann nur erahnen, welchen geschichtsträchtigen Ereignissen der drehbare Koloss von hier oben aus beigewohnt hat. Inmitten der heutigen City West gelegen, galten Gebäude und Stern lange als schillerndes Symbol West-Berlins. Nach dem Mauerfall strömten tausende Ost-Berliner ins darin beherbergte Einkaufscenter.

    Der Leuchtstern hat ein halbes Jahrhundert Berliner Stadtgeschichte miterlebt.

    Und bei der jährlichen Loveparade tanzten kurz vor der Jahrtausendwende eineinhalb Millionen Menschen unter dem Stern vorbei.

    Vom Literatencafé zum Hochhaus: Die Baugeschichte des Europa-Centers.

    Hoch hinaus.

    Der Auftrag zum Bau des Europa-Centers erfolgte anfangs der Sechzigerjahre durch den Berliner Geschäftsmann Karl-Heinz Pepper. Dort, wo einst das Romanische Café gestanden hatte, sollte gleich neben der neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ein Hochhaus aus Glas und Aluminium entstehen. Im November 1963 hatte man den Grundstein für den Gebäudekomplex gelegt, eineinhalb Jahre später wurde er vom damaligen Berliner Bürgermeister Willy Brandt feierlich eröffnet. Mit seinen 103 Metern war der 22-geschossige Büroturm das höchste Gebäude der Stadt. Das damit verbundene Einkaufs-Center mit seinen rund 70 Ladenlokalen und Attraktionen zählte seit seiner Eröffnung über eine halbe Milliarde Besucher. Mittlerweile steht das 80.000 Quadratmeter umfassende Center unter Denkmalschutz.

    Eine rekordverdächtige Anlage.

    Auf dem Dach des Hauptgebäudes dreht sich seit 1965 der leuchtende Mercedes Stern. Die zehn Meter hohe Konstruktion ist auf einem vier Meter hohen Sockel platziert und wird von einem Drehantrieb betrieben, der dafür sorgt, dass sich das 3.000 Kilo schwere Logo knapp zweimal pro Minute um die eigene Achse dreht. Insgesamt bringt die Konstruktion etwa 18 Tonnen auf die Waage. Im Guinness-Buch ist die Anlage als „größte drehbare und hydraulisch kippbare Neonanlage der Welt“ verzeichnet. Und auch das Innenleben des Leuchtstern ist rekordverdächtig: Insgesamt 681 Leuchtstoffröhren sorgen hier allabendlich zuverlässig für Sternenschein.

    681 Leuchtröhren und 18 Tonnen Gesamtgewicht – diese Hydraulikanlage hat es in sich.

    2007 wurde der 41-jährige Original-Stern schließlich in den wohlverdienten Ruhestand geschickt und in einem spektakulären Helikopter-Einsatz durch seinen Nachfolger ersetzt.

    Der Mercedes Stern glänzt auf Dächern, zu Boden und sogar über Wasser.

    Auf dem Boden geblieben.

    Zwar handelt es sich beim Mercedes Stern auf dem Europa-Center vielleicht um den bekanntesten, mitnichten aber um den einzigen seiner Art. Weitere Sterne finden sich beispielsweise in Stuttgart, München, Saarbrücken, Essen und in diversen Städten außerhalb Europas: Seit fünf Jahren glänzt in China ein ebenfalls 10 Meter hoher Stern auf dem Dach der Daimler-Towers im Norden Pekings. Wer allerdings auf der Suche nach dem größten Stern ist, findet diesen nicht in luftiger Höhe, sondern fest im Boden verankert in Form einer sternförmigen Brücke von 27 Metern Durchmesser im österreichischen Bad Ausee.

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