Auf der Überholspur: Stirling Moss und sein Beifahrer Denis Jenkinson gewinnen 1955 einer bis heute unangefochtenen Rekordzeit auf.

60 Jahre Rekordsieg bei der Mille Miglia.

1955 knackt der Mercedes-Benz Newcomer Stirling Moss im 300 SLR den Rekord der Mille Miglia – bis heute war niemand schneller.

  • 60 Jahre Rekordsieg bei der Mille Miglia.

  • Stirling Moss und Copilot Denis Jenkinson bei der Mille Miglia 1955.

    Ein Mann, ein Wort.

    Es gibt nicht viele Dinge, vor denen Stirling Moss, ein kühner Rennfahrer von 25 Jahren, sich wirklich fürchtet. Doch eines flößt ihm zumindest Respekt ein, wie er viele Jahrzehnte später gestehen wird: die Mille Miglia, das seinerzeit populärste Straßenrennen der Welt. 1.600 Kilometer von Brescia bis nach Rom und zurück sind für Mensch und Maschine eine enorme Herausforderung. Der Profi weiß das. Doch am 1. Mai 1955 lässt sich der Engländer von Selbstzweifeln nichts anmerken. „I’ll win!“ ruft er – schließlich weiß er, in welchem Fahrzeug er antritt. Und als britischer Gentleman wird er Wort halten.

    Startnummer 722.

    Stirling Moss und sein Beifahrer Denis Jenkinson starten im Mercedes-Benz 300 SLR (W 196 S). Das Fahrzeug mit der Startnummer 722 ist im Prinzip ein Formel 1-Rennwagen des Typs W 196 R – mit einer Zweisitzer-Sportwagen-Karosserie und einem ganz besonders mächtigen Motor. Der Bolide wird von einer Dreiliter-Version des Formel 1-Reihenachtzylinders angetrieben.

    Die späteren Sieger Stirling Moss und Denis Jenkinson mit dem Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen auf der Startrampe der Mille Miglia 1955.

    Im Gegensatz zu der 2,5-Liter-Grand-Prix-Variante verfügt er über Zylinderblöcke aus Leichtmetall und wird nicht mit speziellem Rennkraftstoff auf Methanol-Basis, sondern mit regulärem Superbenzin betrieben.

    Weltpremiere im Quartett.

    Mercedes-Benz präsentiert einmal mehr ein Wunderwerk der Technik, das seiner Zeit weit voraus ist. Neben Stirling Moss gehen auch Juan Manuel Fangio, Karl Kling und Hans Hermann in einem 300 SLR an den Start. Dass dieses Fahrzeug mit bis zu 228 kW (310 PS) seinen Konkurrenten überlegen ist, davon sind alle vier überzeugt.

    Die Startnummer 722 von Stirling Moss und Denis Jenkinson ist nur einer von vier 300 SLR, die in Brescia erstmals an den Start gehen.

    Doch der noch ahnungslosen Weltöffentlichkeit, die den neuen Silberpfeil an diesem Tag zum ersten Mal erleben kann, soll sich ein Spektakel bieten, das sie so schnell nicht mehr vergisst.

    Doppelsieg: Stirling Moss und Fangio trumpfen auf.

    „Der großartigste Rennwagen aller Zeiten“.

    Stirling Moss und Denis Jenkinson rauben der Rennsportwelt darin den Atem: Die 157,65 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, die sie bei dem legendären Rennen dem Publikum bieten, ist ein Rekord, der noch 60 Jahre später unübertroffen ist. Den zweiten Platz bei diesem Rennen belegt Juan Manuel Fangio – ebenfalls im 300 SLR. Und auch in den Monaten danach trägt der W 196 S bei jedem einzelnen Rennen, das er beendet, einen Sieg davon. Nicht umsonst wird Stirling Moss, 2000 von Prince Charles in den Adelstand erhoben, ihn auch Jahrzehnte später noch den „großartigsten Rennwagen aller Zeiten“ nennen.

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