Beim Concours d’Elegance auf Amelia Island glänzten auf dieses Jahr wieder zahlreiche Fahrzeugklassiker von Mercedes-Benz.

Amelia Island Concours d’Elegance 2015.

Beim Concours d’Elegance auf Amelia Island glänzten auch dieses Jahr wieder zahlreiche Fahrzeugklassiker von Mercedes-Benz.

  • Amelia Island Concours d’Elegance 2015.

  • Rennwagen von Stirling Moss.

    Vieles hat er erlebt in seinem Leben, Höhen und Tiefen. Er war einer der besten Rennfahrer des 20. Jahrhunderts, fuhr stets am Limit, hat nur knapp einen Unfall überlebt und musste viele Rückschläge wegstecken. Der charmante Gentleman im Rennanzug ist ein Liebling des Publikums. Doch selbst für Sir Stirling Moss, der schon oft geehrt und gewürdigt wurde, ist das hier ein besonderes Geschenk. Er fühlt das kühle Metall seines silbernen Rennwagens, auf dem die Nummer 722 prangt, und sagt so leise, dass man es kaum hört: „Ich bin gerührt.“ Denn Stirling Moss, inzwischen 85 Jahre alt, steht vor den Traumfahrzeugen seiner Karriere. Inzwischen sind sie in alle Welt verstreute, heiß begehrte Sammlerstücke.

    Rennwagen von Stirling Moss.

    Doch für dieses Wochenende haben ihre heutigen Besitzer sie alle versammelt, um ihn zu feiern: Zur Erinnerung lässt sich Stirling Moss vor 24 seiner Autos ablichten.

    Silberpfeile auf dem Fairway.

    Unter einem guten Stern.

    Ganz vorne stehen drei Wagen mit Mercedes-Stern: Eine Reminiszenz an das Jahr 1955, das erfolgreichste von Stirling Moss. Aus dem Fellbacher Classic Center ist ein W 196 R Monoposto nach Florida gereist, der in der Formel Eins zum Einsatz kam, dazu ein W 196 R Stromlinienfahrzeug aus der Hall of Fame des Indianapolis Motor Speedway.

    Der wichtigste Wagen ist ein W 196 S mit der Fahrgestellnummer 4, dessen Haube die Nummer 722 ziert. „Das war meine Startnummer bei der Mille Miglia“, erzählt Stirling Moss. „Mit diesem Fahrzeug – dem besten Rennwagen der Welt – habe ich das Rennen gewonnen und den Streckenrekord aufgestellt. Es war der wichtigste Tag meiner Karriere.“

    Erlös für Charity.

    Alljährlich im März kommen im Ritz-Carlton Hotel Amelia Island und auf den Fairways des Golfclubs Oldtimer-Enthusiasten aus aller Welt zusammen. Beim ersten Concours d’Elegance 1996 war Stirling Moss Ehrengast der Veranstaltung. Fast zwei Jahrzehnte später ist er in gleicher Funktion zurückgekehrt. Der Concours in Florida zählt heute zu den Pflichtterminen für Autokäufer, Experten und jene Enthusiasten, die historische Fahrzeuge sehen, riechen, und – mit Erlaubnis der Eigentümer – auch behutsam mit den Fingern erfühlen wollen.

    Fahrzeugklassiker werden auf Amela Island auch für gute Zwecke versteigert.

    Von Beginn an unterstützt Mercedes-Benz die Veranstaltung: Vom Erlös wurden inzwischen mehr als 2,5 Millionen Dollar an Hilfsorganisationen in der Region gespendet.

    Ein langes Wochenende über dreht sich beim Amelia Island Concours d’Elegance alles um edle Karossen.

    Sammler aus aller Welt.

    Ein langes Wochenende über dreht sich beim Amelia Island Concours d’Elegance alles um edle Karossen. Das Niveau der Fahrzeuge erreicht oft das der deutlich bekannteren Veranstaltung in Pebble Beach. Deshalb sind nicht nur amerikanische, sondern auch internationale Sammler unter den rund 20.000 Besuchern. Am Samstag präsentieren sich Oldtimerclubs mit ihren Fahrzeugen, am Sonntag steht dann der eigentliche Concours d’Elegance an.

    Amerikanisch-italienische Preisträger.

    Hier treten dieses Jahr 317 Autos und Motorräder an. Die Jurymitglieder, unter ihnen auch der deutsche Rennfahrer Jochen Mass, küren einen Cord L29 Brooks Stevens Speedster Baujahr 1930 zum „Best of Show“ und einen Alfa Romeo 8C 2300 Zagato Spider aus dem Jahr 1932 zum „Best of Show Concours de Sport“.

    Die Jurymitglieder, unter ihnen auch der deutsche Rennfahrer Jochen Mass, küren einen Cord L29 Brooks Stevens Speedster Baujahr 1930 zum „Best of Show“ und einen Alfa Romeo 8C 2300 Zagato Spider aus dem Jahr 1932 zum „Best of Show Concours de Sport“.
    Die Historic Vehicle Association zeichnet einen frühen 300 SL Flügeltürer Baujahr 1954 als „This Car Matters“ aus.

    Preise für Klassiker von Mercedes-Benz.

    Auch etliche Mercedes-Benz Klassiker räumen Preise ab. Als bestes Fahrzeug in der Kategorie pferdelose Kutschen mit mehr als 40 PS gewinnt ein Mercedes Typ 37/95 PS aus der öffentlich zugänglichen Nethercrutt Collection in Sylmar, Kalifornien. Der 1913 gefertigte und mit einer Karosserie von Henri Labourdette ausgestattete Oberklassewagen wird in der Ausführung als viersitziger Torpedo gezeigt. Die Historic Vehicle Association zeichnet einen frühen 300 SL Flügeltürer Baujahr 1954 als „This Car Matters“ aus – laut Organisator Bill Warner das erste Mal, dass ein europäisches Fahrzeug diesen Preis gewinnt.

    Augenweide von Arturo Keller.

    Der „Mercedes-Benz Star of Excellence Award“ für den elegantesten Wagen mit dem Stern geht an Arturo und Deborah Keller. Aus Kalifornien haben sie einen Typ 680 S Baujahr 1928 mit Armbruster-Aufbau mitgebracht, bei dem jedes Detail stimmt und stimmig ist, von den mit Krokodilleder bezogenen Sitzen bis zu den Chromapplikationen an der Karosserie.

    Der „Mercedes-Benz Star of Excellence Award“ für den Typ 680 S Baujahr 1928 mit Armbruster-Aufbau geht an Arturo und Deborah Keller.

    Seit 1981 besitzen die Kellers die Augenweide, doch sie zeigen das Fahrzeug nur sehr selten, zum Beispiel 2008 beim Concours d’Elegance in Pebble Beach – und jetzt auf Amelia Island.

    Autolegenden – zum Greifen nah.

    Das kann man am Stand von Mercedes-Benz mit eigenen Augen sehen: Hier sind die Spitzenmodelle aus drei entscheidenden Technikepochen ausgestellt. Der Silberpfeil W 154 aus dem Jahr 1939, der zum letzten Mal beim Grand Prix von Jugoslawien zum Einsatz kam, hat nur eine Hälfte der Frontpartie montiert: Der Besitzer, ein Oldtimersammler aus Florida, will auf diese Weise die Technik des Rennwagens sichtbar machen. Ebenfalls aus einer Privatsammlung stammt der 300 SL mit der Chassis-Nummer 3 – es ist einer der ersten beiden Flügeltürer, die 1955 in den USA ausgeliefert wurden.

    Der Silberpfeil W 154 aus dem Jahr 1939, der zum letzten Mal beim Grand Prix von Jugoslawien zum Einsatz kam, hat nur eine Hälfte der Frontpartie montiert.

    In rotem Feueropal strahlt daneben der neue Mercedes-AMG GT S: Seine Formen und seine inneren Werte – die Leistung von 510 PS und die Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer in 3,8 Sekunden – machen den Wagen zu einem Highlight der Show.

    Rekordzahlen melden auch die bei der Amelia Island Concours Classic Car Week präsenten Auktionshäuser.

    Rekorde bei Auktionen.

    Rekordzahlen melden auch die bei der Amelia Island Concours Classic Car Week präsenten Auktionshäuser: Die Erlöse summieren sich auf über 100 Millionen Dollar. Bei Bonhams, zum ersten Mal am Start, sind seltene amerikanische Vorkriegsmodelle gefragt. Ein 1930er Cord Model L-29 Town Car erbringt 1,76 Millionen US-Dollar, mehr als 1,7 Millionen gibt es für den 1908 American Underslung Roadster. 3,3 Millionen erzielt ein 1967er Ferrari 275 GTB/4 bei Gooding & Company, zwei Mercedes-Benz 300 SL Roadster aus den Baujahren 1957 und 1963 jeweils mehr als 1,2 Millionen Dollar.

    Rekorderlöse der Auktionshäuser.

    Die Amelia-Auktion von RM Sotheby’s erlöst über 60 Millionen Dollar, so viel wie noch nie in den letzten 20 Jahren. Ein 1960er Ferrari 400 Superamerica SWB Cabriolet kommt auf knapp 6,4 Millionen Dollar, ein Mercedes-Benz 500 K Cabriolet A, Baujahr 1935, mit 540-K-Motor, erzielt über 3,3 Millionen. Gefragt sind auch andere offene Mercedes-Benz Modelle: Eines der raren 300 Sc Cabriolets wechselt für 1,1 Millionen den Besitzer.

    Medienstar und Concours d’Elegance Organisator Bill Warner bei der Auktion.

    Ein 1952er 220 Cabriolet A bringt 286.000, zwei 190 SL 165.000 und 209.000 Dollar. Auch perfekt restaurierte Pagoden erzielen hohe Preise – geboten werden 132.000 Dollar für einen 280 SL Baujahr 1969.

    Das mit Kuhhörnern und Pistolen geschmückte „Cars of the Cowboys“.

    Schick, edel und skurril.

    Organisator Bill Warner, das Organisationskomitee und die mehr als 600 Freiwilligen, die den Concours Jahr für Jahr auf die Beine stellen, gönnen sich nun eine kleine Pause. Doch bald werden die Planungen für die Veranstaltung im kommenden Jahr beginnen. Was im März 2016 zu sehen sein wird? „Wir haben schon Zusagen für einige sehr spannende Wagen“, sagt Bill Warner, der wieder mit einem spektakulären Aufgebot rechnet. Details verrät er aber noch nicht. Nach dem Publikumserfolg von den mit Kuhhörnern und Pistolen geschmückten „Cars of the Cowboys“ in diesem Jahr soll indes auch im März 2016 wieder eine Kategorie mit witzigen Autos präsentiert werden: skurrile Jagdfahrzeuge. Zusammen mit schicken Sportwagen, edlen Limousinen und seltenen Veteranen aus dann 130 Jahren Automobilgeschichte wird so wieder jene bunte Mischung entstehen, die Amelia Island bekannt gemacht hat: Es ist nicht nur eines der besten, sondern auch eines facettenreichsten Oldtimertreffen der Welt.

    Ein Interview mit Sir Stirling Moss finden sie hier.

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