Eine außergewöhnliche Rallye in einer atemberaubenden Kulisse: die Colorado Grand®.

Colorado Grand® 2014.

Vier Tage, tausend Meilen und unvergessliche Erlebnisse: die Colorado Grand®. Ein Gastbeitrag von Royce Rumsey.
Fotos & Text: Royce Rumsey
  • Colorado Grand® 2014.

  • Gelegenheit macht Liebe.

    An einem Donnerstag im Herbst versetzt mich ein unerwarteter Anruf in helle Begeisterung: eine Einladung zur Colorado Grand®! Als eingefleischter Automobilliebhaber weiß ich, dass man so eine Gelegenheit auf keinen Fall versäumen darf.

    Denn die Grand gilt unter Eingeweihten als „Amerikas Mille Miglia“. Sie ist mittlerweile einer der wichtigsten Autoevents – und Anziehungspunkt für die berühmtesten historischen Automobile und deren Eigentümer aus der ganzen Welt.

    Auch ein Mercedes-Benz Open 500 K Open Tourer nimmt dieses Jahr an der Colorado Grand® teil.

    Volle Kraft voraus.

    In einer Woche werden an vier Tagen etwa 400 Kilometer pro Tag vor der spektakulären Frühherbstkulisse der Landschaft Colorados zurückgelegt. Viele der Automobile, die zur 26. Colorado Grand® an den Start gehen, habe ich zuvor nur auf dem Fairway von Pebble Beach gesehen.

    Dort haben sie allerdings nur herrschaftlich auf dem Golfplatz gestanden. Und nun werde ich Zeuge, wie diese Autos mit den Geschwindigkeiten gefahren werden, für die man sie einst gebaut hat. Ich freue mich auf eine herrliche Zeit!

    Bei der Colorado Grand® werden Fahrzeuge mit den Geschwindigkeiten gefahren, für die sie gebaut wurden.

    Nicht nur Nebensitzer.

    Mercedes-Benz spielt bei dem Event – als Sponsor und Teilnehmer gleichermaßen – eine wichtige Rolle. Zwölf Mercedes Klassiker treten dieses Jahr an. Darunter zwei ganz besondere Prachtstücke: Das Mercedes-Benz Classic Center USA schickt diesmal nicht nur den alljährlich teilnehmenden 300 SL Rallye Roadster von 1962 ins Rennen, sondern auch einen ehrwürdigen 500 K Offener Tourenwagen von 1935.

    Der Mercedes-Benz 500 K Open Tourer – eine fahrende Legende.

    Bei meiner Ankunft am Veranstaltungszentrum in Vail stelle ich zu meinem Erstaunen fest, dass mein Name beim 500 K als Co-Pilot eingetragen ist! Zuerst halte ich das einfach nur für eine nette Geste – ich habe ja noch keine Ahnung, wie zutreffend die Bezeichnung als Co-Pilot ist.

    Der Regenmeister.

    Der erste Tag ist der schwierigste. Ich fungiere als Navigator für Mike Kunz, der den 500 K virtuos lenkt. Doch schon etwa 80 Kilometer nach Vail geraten wir in Schneeregen – zum Glück haben wir wetterfeste Kleidung dabei! Nun erfordert das Fahren dieses Juwels ja schon unter besten Bedingungen Erfahrung und Geschick.

    Bei herbstlichem Wechselwetter sind „Regenmeister“-Qualitäten gefragt.

    Jetzt aber sind Mikes berühmte Fähigkeiten als „Regenmeister“ gefragt – besonders, da die Frühverstellung der Zündung beständig angepasst werden musste, um aus dem Kompressormotor auf den Passhöhen von über 2.400 Metern die maximale Leistung abzurufen.

    Pause in Leadville.

    Während ich also das Kursbuch lese, die nächsten Kurven ankündige und gleichzeitig den Frühverstellungshebel betätige, konzentriert Mike sich darauf, das Auto zu steuern und das unsynchronisierte Getriebe zu schalten. Und gleichzeitig durch eine von Nebel und Regen beschlagene Windschutzscheibe die Straße im Auge zu behalten.

    Ein weiterer Teilnehmer der Colorado Grand®: der Mercedes-Benz 300 SL.

    Die Kaffeepause in der früheren Silberstadt Leadville ist uns schließlich sehr willkommen – und bietet mir die Chance, einige wunderschöne 300 SL zu fotografieren.

    Am Steuer des 500 K.

    Der zweite Tag begrüßt uns mit Sonnenschein. Wir genießen die beeindruckende Landschaft Colorados bei der Fahrt durch den Skiort Breckenridge und entlang des Arkansas River. Nach einem Nachmittagsstopp in der historischen Eisenbahnstadt Salida überrascht mich Mike mit der Aufforderung, nun das Fahren zu übernehmen. Am Steuer eines so wertvollen historischen Automobils zu sitzen, ist gelinde gesagt einschüchternd.

    Eine Herausforderung der Extra-Klasse: das Steuern des Mercedes-Benz 500 K.

    Mit Mikes geduldigen Anweisungen gelingt es mir jedoch, den 500 K ohne Abwürgen zu fahren und die Gänge des unsynchronisierten Getriebes – meist ohne Rucken – einzulegen.

    Passgenau zu fahren ist eine Kunst für sich.

    Glückliches Manöver.

    Die Ansage einer Linkskurve in letzter Sekunde bringt mich sogar dazu, den Mercedes-Benz 500 K ein bisschen durch die Kurve driften zu lassen. Nate im Support-Van scheint beeindruckt – obwohl ich ihm versichere, dass es sich bei diesem Manöver mehr um Glück, als um Können handelt. Nachdem ich den 500 K bis zur Passhöhe des Independence Pass von 3.687 Metern gefahren habe, übernimmt Mike wieder das Steuer.

    Gebietet Respekt vor den Größen der Rennszene: der Mercedes-Benz 500 K.

    Souveräne Leistung.

    Neben ihm zu sitzen und zu beobachten, wie er das Fahrzeug ganz selbstverständlich und souverän bergab nach Aspen fährt, ist aufrichtig beeindruckend.

    Sobald man hinter dem Steuer eines solchen Klassikers sitzt, hegt man noch größeren Respekt für Fahrer wie Caracciola, Lang, Rosenberger, Seaman und Kunz.

    Die Colorado Grand® gilt als „Amerikas Mille Miglia“.

    Das Röhren des Roadsters.

    An den Tagen drei und vier der Tour erlebe ich neben Constantin von Kageneck den 300 SL Rallye Roadster von 1962: entfernte Stoßstangen, getunter Motor, Überrollbügel – ergänzt durch ungedämpfte kurze Auspuffrohre. Kurz: Dieser Wagen ist auf Performance ausgelegt. Constantins passioniertes Schalten lässt den Roadster geradezu röhren – die Felswände des Colorado Canyon quittieren das jedes Mal mit einem imposanten Echo, wir hingegen mit einem herzlichen Lachen.

    Ein Stopp in Dexter Meadows.

    Malerische Zwischenstationen.

    Dank der Performance des 300 SL können wir schließlich einen guten Vorsprung vor den restlichen der hundert Rallye-Teilnehmer herausfahren. So kann ich beim Überholen den 500 K in Aktion fotografieren und habe sogar noch Zeit für weitere Aufnahmen der anderen Fahrzeuge auf den Highways Colorados.

    Zwei besonders malerische Stopps sind die Dexter Meadows der C-Lazy-U Ranch und die Carpenter Ranch. Dort entstehen die Bilder der stattlichen, mit Straßenstaub bedeckten 300 SL und 500 K.

    Unvergessliche Tage.

    Die Grand gipfelt zum Ende der Woche nicht nur in einem Charity-Bankett, sondern im „Concours d’Non-Elegance“ in Vail Village. Dort stellen die teilnehmenden Fahrzeuge anstatt ihrer polierten Pracht den angesammelten Straßenschmutz zur Schau. So oft ich bisher das Vergnügen hatte, an Auto-Events teilzunehmen – Pebble Beach mit eingeschlossen – die Erlebnisse der Colorado Grand® waren unvergleichlich.

    Spektakuläre Fahrzeuge vor atemberaubenden Kulissen verschaffen jedem Teilnehmer einzigartige Erlebnisse.

    Noch jetzt beim Schreiben ertappe ich mich bei einem Lächeln, sobald ich mich daran erinnere. Ich danke Mercedes-Benz für die Einladung – und kann es kaum erwarten, nächstes Jahr wieder teilzunehmen.

    Bildergalerie.

    Bildergalerie.

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