Die Pullman-Limousine: Eine Kulturgeschichte der Eleganz.

Seit ihrer Einführung in den 1920er Jahren stehen Pullman-Limousinen von Mercedes-Benz für einzigartigen Luxus.

  • Die Pullman-Limousine: Eine Kulturgeschichte der Eleganz.

  • Komfortabel reisen im Innenraum des Mercedes-Benz Typ 630: Die Pullman-Limousinen übertragen Raum und Komfort von den Pullman-Schlafwaggons auf die Automobile.

    Die Revolution des Reisens.

    Als George Mortimer Pullman, ehrgeiziger Industrieller und Unternehmer, 1868 den Schlafwaggon „Pioneer“ patentieren lässt, will er in erster Linie das Zugfahren revolutionieren. Bis dato reist man über Nacht in engen Abteilen, ruht auf Strohsäcken, und Decken gibt es nur, wenn der Passagier sie selbst mitbringt. Der umtriebige Entrepreneur und Hotelier erkennt eine Marktlücke: ein Schlafwagen, der durch Platzangebot und Komfort besticht.

    Vom Schlafwagen zur Limousine.

    Sein „Pioneer“ kostet zwar fünf Mal so viel wie ein regulärer Schlafwagen – doch bereits in den 1920er Jahren checken 100.000 Menschen pro Nacht in die Pullman-Waggons ein, die der Volksmund nun auch „the world’s greatest hotel“ nennt – das großartigste Hotel der Welt. Das Konzept von Raum und Luxus überträgt die Pullman Palace Car Company ab dieser Zeit auch in die Automobilindustrie, der sie die Aufbauten liefert.

    Einer der ersten Mercedes-Benz mit Pullman-Karosserie: Der Mercedes-Benz Typ 630, hergestellt von 1926 bis 1930.

    Über 150 Jahre später ist eine Pullman-Karosserie immer noch der Inbegriff von Luxus, Komfort und Einzigartigkeit.

    Der „Große Mercedes“ ist schon seinerzeit ein Mythos.

    Wahre Größe.

    Im Gegensatz zu nachträglich verlängerten Stretch-Limousinen werden Fahrzeuge mit Pullman-Karosserie bereits ursprünglich mit deutlich verlängertem Radstand konzipiert und gefertigt. Mercedes-Benz setzt die majestätische Karosserie mit vier bis sechs Türen und Fenstern bei zwei oder mehr Sitzreihen ein – und sorgt damit für viel Aufsehen in der Branche. Der „Große Mercedes“ etwa ist schon seinerzeit ein Mythos. Auch bekannt als Typ 770 oder als W 07 begeistert er vom japanischen Kaiser Hirohito über die Päpste Pius XI. und XII. bis hin zu Paul von Hindenburg die größten Staatsmänner seiner Epoche. Ihre Staatslimousinen fuhren sie natürlich nicht selbst: Am Steuer saß stets ein Chauffeur. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

    Ein großer Mercedes für große Männer.

    In der Garage des ehemaligen deutschen Kaisers Wilhelm II. stand jedoch nicht nur ein „Großer Mercedes“. Eine weitere Pullman-Preziose befand sich in seinem Besitz: Der 260 D, auch als Mercedes-Benz W 138 bekannt, ist der erste Diesel-Pkw der Welt. Er fasziniert bis heute als Pionier der Automobilhistorie. Als sich in den 1950er Jahren Konrad Adenauer für den Typ 300 entscheidet – auch bekannt als Mercedes-Benz W 186 und als Nachfolgermodell W 189 –, geht eine weitere große Limousine als Fahrzeug großer Männer in die Geschichte ein.

    Der Typ 300 d mit Pullman-Karosserie.

    Diesmal sogar ausdrücklich als „Adenauer-Benz“. Das Fahrzeug wird aber auch von Staatsoberhäuptern anderer Länder geliebt und gekauft.

    Inkarnation der Eleganz: Der Mercedes-Benz 600 Pullman-Landaulet.

    Auch Elvis fuhr auf den Pullman ab.

    Obwohl die Pullman-Karosserie seit Dekaden in zahlreichen faszinierenden Modellen verbaut wird, debütiert der erste Mercedes-Benz, der die Pullman-Karosserie auch im Namen tragen wird, erst auf der IAA 1963. Bei der Baureihe 100, auch bekannt als Mercedes-Benz 600 oder Mercedes-Benz Pullman, handelt es sich um den Ursprung ganzer vier Generationen an Repräsentationslimousinen. Die erste wird von 1964 bis 1981 produziert: Der W 100 Pullman vereint Geister, die sich sonst bisweilen scheiden, und begeistert Hochadel und Prominenz – von John Lennon bis zum Schah von Persien. Auch Elvis Presley kann sich der Magie dieser einzigartigen Limousine mit dem langen Radstand nicht entziehen.

    Neuauflage der Pullman-Limousine.

    Nach dem Produktionsende des „Sechshunderters“ im Jahr 1981 erweitert Mercedes-Benz im Herbst 1995 das Modellprogramm erneut um eine Pullman-Limousine. Die um einen Meter verlängerte Variante der S-Klasse Langlimousine (Baureihe 140) wird ebenfalls in gepanzerter und ungepanzerter Ausführung angeboten. Ende 1999 wird auch von der Nachfolge-Baureihe 220 eine Variante als Pullman-Limousine präsentiert. Von der Sonderschutz-Ausführung, die mit dem Anfang 1999 eingeführten Begriff „Guard“ bezeichnet wird, entstehen allerdings nur wenige Exemplare.

    Im Herbst 1995 erweitert Mercedes-Benz das Modellprogramm erneut um eine Pullman-Limousine. Die um einen Meter verlängerte Variante der S-Klasse Langlimousine.

    2008 präsentiert Mercedes-Benz zum Jubiläum „80 Jahre Sonderschutz“ die Staatslimousine S 600 Pullman Guard. Gegenüber der zugrundeliegenden S-Klasse Langlimousine – es handelt sich um die Baureihe 221 – hat sie einen um 115 Zentimeter verlängerten Radstand. Wie ihre Vorgängermodelle wird sie traditionsgemäß als Staatslimousine und mobiler Konferenzraum genutzt.

    Faszination vergeht nicht.

    2015 wird der Mercedes-Maybach S 600 Pullman der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Die atemberaubenden 6,5 Meter Luxus lassen nicht nur die Herzen von Scheichs, Königen und Pop-Ikonen höher schlagen. Mit geballter Eleganz steht er ganz in der Tradition der Faszination, die Mercedes-Benz seit dem letzten Jahrhundert mit jedem einzelnen Pullman pflegt.

    Die Pullman-Linie überzeugt bis heute: Der Mercedes-Maybach S 600 Pullman.

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