Zunächst werden in der Daimler Motor Company in New York Stationär- und Schiffsmotoren hergestellt, später folgen Personenwagen.

Ein amerikanischer Traum.

Vor 125 Jahren gründen Gottlieb Daimler und William Steinway die Daimler Motor Company in New York.
  • Ein amerikanischer Traum.

  • William Steinway, Mitbegründer der Daimler Motor Company.

    „Had a long talk with Daimler.“

    22. August 1888: Gottlieb Daimler und William Steinway erörtern ausführlich die Möglichkeit einer Lizenzproduktion der Cannstatter Motoren in den Vereinigten Staaten. „Hatte ein langes Gespräch mit Daimler“ („Had a long talk with Daimler“), notiert Steinway anschließend in seinem Reisetagebuch. Am 29. September 1888 gründet der Klavierfabrikant Steinway schließlich die Daimler Motor Company auf Long Island, New York. So beginnt vor 125 Jahren – nur zwei Jahre nach der Geburt des Automobils – Daimlers nordamerikanische Vertriebsgeschichte. Ziel ist die Produktion von Stationär- und Schiffsmotoren. Schnelllaufende Verbrennungsmotoren sind die innovativen Herzstücke der Automobile, die Gottlieb Daimler und Carl Benz im Jahr 1886 unabhängig voneinander erfinden. Doch die neuartigen Maschinen vermögen mehr zu leisten, als ein vierrädriges (Daimlers Motorkutsche) oder dreirädriges (der Patent-Motorwagen von Benz) Straßenfahrzeug anzutreiben.

    Vielfältig einsetzbar.

    Was die neuartigen Maschinen leisten können, zeigt Gottlieb Daimler durch den Einsatz seines Einzylinderaggregats, wegen des charakteristischen Aussehens „Standuhr“ genannt, als Stationärmotor und als Antrieb in verschiedenen Fahrzeugen – vom zweirädrigen Reitwagen (1885) über das Motorboot „Marie“, die viersitzige „Motor-Draisine“ und die Schmalspur-Straßenbahn „Motor-Waggonet“ (alle 1887) bis zum Wölfertschen Motor-Luftschiff (1888). Die Verwendung des Daimler-Motors als stationäre Kraftmaschine und als Antrieb von Schiffen interessiert den Klavierfabrikanten William Steinway. Der 1835 in Seesen bei Braunschweig als Wilhelm Steinweg geborene und 1850 nach Nordamerika ausgewanderte Instrumentenhersteller trifft Gottlieb Daimler während eines Deutschlandbesuchs 1888. Den Kontakt hat wahrscheinlich Wilhelm Maybach hergestellt, der Steinway schon seit 1876 kennt.

    Wegen seines charakteristischen Aussehens wurde das Einzylinderaggregat von Gottlieb Daimler auch

    Das erste betriebsfähige Automobil in den USA.

    Im August 1890 liefert Daimler den ersten von Wilhelm Maybach konstruierten Vierzylindermotor nach New York aus. Das 451 Kilogramm schwere Aggregat hat 6 Liter Hubraum und leistet 12,3 PS (9 kW) bei 390/min. Zehn Tage später erfolgt die Lieferung einer parallel entwickelten Variante mit 2,4 Liter Hubraum, die 153 Kilogramm wiegt und 5,9 PS (4 kW) bei 620/min leistet. Beide Ausführungen sind für den Einbau in Boote bestimmt. Im folgenden Jahr lässt William Steinway dann in Hartford (Connecticut) den ersten betriebsfähigen Fahrzeugmotor Amerikas nach Originalplänen Gottlieb Daimlers in Lizenzproduktion für die Daimler Motor Company herstellen. Gefördert wird der Verkauf der amerikanischen Daimler-Motoren durch die Teilnahme der DMG an der Weltausstellung in Chicago 1893.

    Die Daimler Motor Company ist der erste europäische Autohersteller in den vereinigten Staaten.

    Hier zeigt das Cannstatter Unternehmen eine modifizierte Version des „Stahlradwagens“ und damit das erste betriebsfähige Automobil öffentlich in den USA. Gottlieb Daimler persönlich besucht die Weltausstellung während der Hochzeitsreise mit seiner zweiten Frau Lina.

    Ambitionierte Pläne.

    William Steinway hat ambitionierte Pläne für die Motorisierung Amerikas, wie er 1895 in einem Interview sagt: „Die Wagen, die wir für den amerikanischen Markt herzustellen beabsichtigen, werden 2 – 4 Personen befördern können und von einem Motor von 2 ½ – 3 ½ PS angetrieben werden. Jeder Wagen wird vier verschiedene Geschwindigkeitsgänge aufweisen: 3 ½, 6, 9 und 14 Meilen pro Stunde. Der Treibstoff, nämlich Petroleum, kostet etwa einen Cent pro PS und Stunde, was erheblich billiger als Pferdekraft ist.“ Daimlers Stahlradwagen hält er „für das hiesige Kopfsteinpflaster und die unebenen Straßen zu leicht gebaut“, weshalb die Daimler Motor Company ein Modell entwickeln und bauen wolle, das „den amerikanischen Verhältnissen angepasst ist“.

    Doch Steinway stirbt im November 1896, seine Erben verkaufen ihren Anteil der Daimler Motor Company an die General Electric Company; von 1898 an heißt der Fertigungsbetrieb Manufacturing Company. Im Jahr 1905 wird der erste „American Mercedes“ hergestellt.

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