Mohamed El Bacha und sein Mercedes-Benz 240 D, genannt Strich-Acht.

Ein Bund fürs Leben – mit dem Mercedes-Benz Strich-Acht.

Mohamed El Bacha ist Taxifahrer im marokkanischen Städtchen Essaouira. Sein treuer Gefährte: ein mehr als 40 Jahre alter Mercedes-Benz 240 D – nach Millionen von Kilometern immer noch im Dienst.

  • Ein Bund fürs Leben – mit dem Mercedes-Benz Strich-Acht.

  • Mohamed El Bacha am Steuer seines Mercedes-Benz „Strich-Acht“.

    Das Taxi, ein Symbol der Freiheit.

    „Schon als Kind wollte ich immer Taxifahrer werden. Im Auto unterwegs zu sein: Das war für mich ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit“, erzählt Mohamed El Bacha, der aus dem Berberdorf Arbaa Ida Ouguerd stammt. Sein Vater bezahlt ihm schon im Alter von 17 Jahren den Führerschein. Einige Zeit muss er in einer Konditorei arbeiten. Als er dann ein paar Jahre Fahrpraxis nachweisen kann, stellen ihm die Behörden der marokkanischen Hafenstadt Essaouira den ersehnten Taxischein aus. Bald danach ist er stolzer Besitzer eines Mercedes.

    Mindestens 500 Kilometer am Tag unterwegs – seit 25 Jahren.

    „Jeden Tag bin ich über 500 Kilometer unterwegs. Wenn es besondere Aufträge gibt und ich bis nach Agadir oder Marrakesch fahre, sind es auch mal 1.400 Kilometer“, sagt Mohamed El Bacha. Sein über 40 Jahre alter Mercedes-Benz hat ihn dabei noch nie im Stich gelassen.

    Mohamed El Bacha unterwegs in seinem Mercedes-Benz 240 D.

    1991 hat der sympathische Fahrer den Strich-Acht, Baujahr 1974, gekauft und auf Vordermann gebracht: Die salzige Luft am Atlantik hatte die Türen und den Kofferraum rosten lassen. Nun ist er damit an sechs Tagen die Woche unterwegs. Nur der Freitag gehört der Familie.

    Der Mercedes-Benz 240 D unterwegs in Marokko.

    Treu und robust – der ideale Gefährte.

    „Mein Mercedes läuft und läuft und läuft: So robust und solide sind andere Autos nicht gebaut“, sagt der Taxifahrer. Normalerweise fährt er von Essaouira in die Siedlungen der Umgebung. Doch auch in der Hitze der Wüste, wenn andere Wagen mit kochendem Kühler am Straßenrand stehen bleiben, hat sich sein Diesel schon bewährt: Hohe Temperaturen machen ihm nichts aus. Sparsam ist der 240 D obendrein: „Ich brauche oft nur sieben oder acht Liter auf 100 Kilometer, selbst wenn ich beladen bin mit Passagieren und Gepäck.“

    Millionen Kilometer über Schotterwege und Sandpisten.

    25 Jahre sind Mohamed El Bacha und sein Mercedes-Benz bereits Tag für Tag gemeinsam unterwegs. Früher haben sie üble Schotterwege und Sandpisten gemeistert, heute sind die meisten Straßen asphaltiert. Wie viele Kilometer dabei zusammengekommen sind, weiß der gemütliche Fahrer nicht genau. Der Tacho ist nämlich schon vor Jahren stehen geblieben.

    Blick aus dem Innern des Mercedes-Benz „Strich-Acht“ von Mohamed El Bacha auf unbefestigte Straßen.

    Es müssen aber mehrere Millionen Kilometer sein – und der Originalmotor versieht noch immer treu seinen Dienst.

    In guter Gesellschaft.

    Dabei befindet sich der Strich-Acht in guter Gesellschaft. Welches Taxi die Menschen in Marokko benutzen, hängt von der Entfernung ab. Für kurze Strecken steigt man sogar noch in die Pferdekutsche. Mittlere Distanzen legt man in den „petit taxis“ zurück, wie man die modernen Kleinwagen nennt. Für Touren in die Umgebung stehen dagegen die „grands taxis“ bereit. Die Sammeltaxen sind fast nur klassische Mercedes-Benz Fahrzeuge aus den 1970er und 1980er Jahren. Sie bieten Platz für sechs Passagiere und ihr Gepäck.

    Mohamed El Bacha und sein Mercedes-Benz „Strich-Acht“ hinter einer der Pferdekutschen, die in Marokko für kurze Strecken als Taxi benutzt werden.
    Mohamed El Bacha an der geöffneten Motorhaube seines Mercedes-Benz 240 D.

    Zuverlässiger Partner.

    So viel Erfahrung wie Mohamed El Bacha hat kein anderer Fahrer in Essaouira und niemand kennt sich so gut aus wie er. Deshalb fragen ihn viele Kollegen um Rat, wenn bei ihren Fahrzeugen einmal – was selten genug vorkommt – eine Reparatur ansteht. „Die Mechaniker der Stadt haben alle wichtigen Ersatzteile parat. Sie bringen einen Mercedes schnell wieder zum Laufen. Länger als einen halben Tag fällt ein Taxi nicht aus.“ Auf weniger zuverlässige Modelle anderer Hersteller will deswegen kaum ein Taxifahrer umsteigen.

    Hart arbeitender Klassiker vor historischer Kulisse.

    Die klassischen Mercedes-Benz Modelle sind außerordentlich hart im Nehmen. In anderen Ländern gelten gut erhaltene Exemplare der Baureihen W 115 oder W 123 inzwischen als Sammlerfahrzeuge und werden von ihren Besitzern sorgfältig in Schuss gehalten. In Marokko dagegen versehen sie immer noch ihren Dienst als Taxis und sind entsprechend ramponiert. Rund 400 klassische Mercedes-Benz Taxen sind in der Stadt Essaouira im Einsatz, deren imposante Stadtmauer im 16. Jahrhundert von den Portugiesen erbaut wurde.

    Der Mercedes-Benz „Strich-Acht“ von Mohamed El Bacha unterwegs in Hafennähe.

    Früher wurden hier Waren aus der Sahara umgeschlagen. Heute schaukeln nur noch wenige Fischerboote im Hafen, doch die historische Medina zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

    Die Front des Mercedes-Benz „Strich-Acht“ von Mohamed El Bacha.

    „Grand taxi“ mit Stern auf der Kühlerhaube.

    Am Taxistand von Essaouira herrscht den ganzen Tag über Betrieb. Um die Ecke liegen die Werkstätten der Mechaniker. Selbst mit einer defekten Kardanwelle ist eine Fahrt in Marokko noch nicht zu Ende – zumindest, wenn man in einem „grand taxi“ mit Stern auf der Kühlerhaube reist. Die Taxifahrer von Essaouira haben eine Methode entwickelt, um trotzdem zu ihrem Ziel zu kommen, ohne abgeschleppt werden zu müssen: Sie füllen den Kofferraum mit Steinen. Das zusätzliche Gewicht auf der Hinterachse scheint den Wagen so zu stabilisieren, dass man noch einige Dutzend Kilometer weit bis zur Werkstatt fahren kann.

    Ans Steuer darf kein anderer.

    Der Strich-Acht von Mohamed El Bacha funktioniert dagegen bis heute tadellos. Das hat sicher auch damit zu tun, dass niemand anderes den Wagen fahren darf, nur er selbst. „Meine Kollegen leihen ihre Autos gelegentlich an andere Fahrer aus. Ich mache das nicht – dann könnte ich nicht mehr ruhig schlafen.“ Vor jeder Tour prüft der Besitzer Öl und Wasser, schaut bei einem Rundgang nach Bremsen, Fahrwerk und Motor.

    Mohamed El Bacha am Steuer seines Mercedes-Benz 240 D.

    Mohamed El Bacha weiß auch, wie sein Auto klingen muss. „Wenn etwas nicht in Ordnung wäre, würde ich das sofort hören.“

    Glücklich gebunden.

    Mohamed El Bacha ist glücklich verheiratet. „Ich habe aber auch mit meinem Mercedes-Benz einen Bund fürs Leben geschlossen: Das Taxi ist mein erstes Auto – und es bleibt mein einziges Auto“, schmunzelt er. Obwohl es Interessenten gäbe: Den Wagen zu verkaufen, kommt ihm nicht in den Sinn. Im Gegenteil: Einer seiner beiden Söhne soll bald in seine Fußstapfen treten. „Wir werden erst gemeinsam fahren, damit ich ihm alle Kniffe beibringen kann. Dann kann er das Geschäft übernehmen.“ Und natürlich auch den treuen Mercedes-Benz.

    Mohamed El Bacha lächelt in die Kamera.

    Bildergalerie.

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