Das Mercedes-Benz Rallyefahrzeug R107 von 1980 beim Härtetest in der kalifornischen Wüste.

Heißer Ritt: der 500 SL Rallye in der kalifornischen Wüste.

Der 500 SL Rallye von Mercedes-Benz auf Expedition im Joshua-Tree-Nationalpark.
Fotos & Text: Royce Rumsey
  • Heißer Ritt: der 500 SL Rallye in der kalifornischen Wüste.

  • Constantin von Kageneck und das Mercedes-Benz R107 500 SL Rallyefahrzeug aus dem Jahre 1980 in der kalifornischen Wüste.

    Der perfekte Soundtrack für die Wüste.

    Aus dem Soundsystem unseres Begleitfahrzeugs, einem Mercedes-Benz GL 450, tönt Jerry Butlers R&B-Klassiker „Only the Strong Survive“. Eine angemessene Begleitmusik für unser Team, das sich in der frostigen Dunkelheit kurz vor Sonnenaufgang in der kalifornischen Wüste versammelt hat. Die Witterungsverhältnisse dort sind hart: von Temperaturen unter Null bis zu einer sengenden Hitze mit Rekordhöhen von 52 Grad Celsius – und nirgendwo ist Wasser in Sicht. Hier kann nur überleben, wer widerstandsfähig, erfindungsreich und schnell ist. Das Mercedes-Benz Museum hat ein seltenes Rallyefahrzeug mit ebendiesen Eigenschaften an den abgelegenen Ort in der kalifornischen Wüste gebracht: das geniale R107 500 SL Rallyefahrzeug aus dem Jahre 1980.

    Unterwegs auf Staubpisten.

    Constantin von Kageneck vom Mercedes-Benz Classic Center USA wird den R107 durch die engen, von Kakteen gesäumten Staubpisten der Wüste steuern und unserem Foto- und Videoteam die Dynamik des Fahrzeugs eindrucksvoll demonstrieren. Die besonderen Lichtverhältnisse der Wüste versprechen unvergessliche Bilder. Das Rallye-Modell auf Basis des 500 SL Roadster wurde als Nachfolgemodell zu den SLC Coupés mit langem Radstand konzipiert, mit denen Mercedes-Benz Ende der 1970er Jahre im internationalen Rallyesport ins Feld gezogen ist.

    Constantin von Kageneck vom Mercedes-Benz Classic Center USA steuert den R107 durch die engen, von Kakteen gesäumten Staubpisten der Wüste.

    Dieser spezielle R107 ist eines von vier Fahrzeugen, die für die Rallyesaison 1981 optimiert wurden. Sein kürzerer Radstand sollte die Agilität und das Handling gegenüber den Vorgänger-Coupés zusätzlich verbessern. Der berühmte Rennfahrer Walter Röhrl sollte damals am Steuer dieses besonderen Autos sitzen.

    Im spartanisch eingerichteten Interieur dominiert eine große, senkrechte Hydraulik-Handbremse, die bei kräftigem Anziehen das Heck des Fahrzeugs durch Kurven driften lässt.

    Spektakuläre Drifts.

    Für die Rallye-Weltmeisterschaft 1981 wurde der zuverlässige und robuste M117-Motor des R107 auf 320 PS aufgerüstet. Zusätzlich erhielt er eine niedrigere Achsübersetzung, um eine spritzige Beschleunigung zu erreichen. Um die Kraft des Achtzylinders auch auf den Boden zu bringen, wurde der Achsantrieb mit einem 80-prozentigem Sperrdifferenzial ausgestattet. Trotz des eingebauten Überrollkäfigs wurde das Gewicht des Fahrzeugs von 1.586 Kilogramm auf 1.350 verringert. Die Front wurde mit einer Phalanx aus vier großen und leistungsstarken Cibié-Rallye-Scheinwerfern ausgestattet. Im spartanisch eingerichteten Interieur dominiert eine große, senkrechte Hydraulik-Handbremse, die bei kräftigem Anziehen das Heck des Autos durch Kurven driften lässt. All diese Eigenschaften des R107 Rallye-Modells versprechen spektakuläre Bilder und Driftwinkel – zur Freude der Rallye-Fans und Fotografen.

    Das Licht in der Morgendämmerung umspielt den R107, während er leise von der Rampe des Transporters auf den Wüstenboden geschoben wird.

    Die Ruhe vor dem Sturm.

    Das Licht in der Morgendämmerung umspielt den R107, während er leise von der Rampe des Transporters auf den Wüstenboden geschoben wird. Constantin von Kageneck arbeitet eine beachtlich lange Start-Checkliste ab. Die Benzinpumpe brummt. Mit dem Drehen des Zündschlüssels und dem Betätigen des Startknopfes durchbricht der M117-Motor mit seinem herrlich tiefen Bass die frühmorgendliche Stille der Wüste.

    Neugierige Eidechsen flüchten eilig und suchen Schutz unter ein paar herumliegenden Steinen. Die ersten Fahrten des Tages finden in der weitläufigen Wüstenlandschaft von Camp Young statt, die ausreichend Gelegenheit bietet, die Performance des R107 unter Beweis zu stellen und gute Filmaufnahmen aus der Luft zu machen.

    Die Cibié-Rallye-Scheinwerfer beleuchten die morgendliche Wüste, als der R107 den ersten Lauf auf einer unwegsamen Wüstenpiste hinlegt.

    Sand, Staub und Kieselsteine.

    Die Cibié-Rallye-Scheinwerfer beleuchten die morgendliche Wüste, als der R107 den ersten Lauf auf einer unwegsamen Wüstenpiste hinlegt. Die Fulda-Rallyereifen drehen durch, sie krallen sich in Geröll und Sand und der 500 SL Rallye driftet seitwärts durch felsübersäte Unebenheiten der Piste. Der R107 zieht eine Fahne aus Staub, Sand und Kieselsteinen nach sich.

    Wenige Kilometer entfernt scheint sich der Verkehr auf einer Schnellstraße zu verlangsamen: auch dort hat man dieses seltene Schauspiel scheinbar bemerkt. Das alles verbindet sich mit der milden Morgensonne zu einem visuellen Genuss für die Hexacopter-Drohne in der Luft und die Fotografen am Boden.

    Zur Freude aller Versammelten gelingen beeindruckende Aufnahmen des R107, der mit Höchstgeschwindigkeit durch die von Joshua-Bäumen gesäumte Straße schlittert.

    Umgeben von Joshua-Bäumen.

    Behutsam wird der 500 SL Rallye wieder in den Transporter geladen, um zu zwei weiteren Wüstenschauplätzen gebracht zu werden. Am Vormittag haben wir einen idealen Streckenabschnitt erreicht. Er bietet eine abgeschiedene Parkmöglichkeit für den riesigen Transporter und eine relativ glatte Sandstraße, die sich vor einer Kulisse fantastischer Felsformationen an bizarren Joshua-Bäumen vorbeischlängelt. Diese Straße ist viel geradliniger als bei Camp Young, und Constantin erhöht mit jedem Durchlauf die Geschwindigkeit. Selbst bei gleißender Sonne zur Mittagszeit dringt das Quartett aus Cibié-Rallye-Scheinwerfern des R107 durch und überfordert zeitweilig die Kameralinsen, da es deren Mess- und Fokussiersysteme durcheinander bringt. Dennoch gelingen beeindruckende Aufnahmen des R107, der mit Höchstgeschwindigkeit durch die von Joshua-Bäumen gesäumte Straße schlittert.

    Mittlerweile liegen sieben Stunden Fahraufnahmen hinter dem Mercedes-Benz R107.

    Überlegene Performance und Zuverlässigkeit.

    Mittlerweile liegen sieben Stunden Fahraufnahmen hinter uns, in denen der R107 auf einigen sehr anspruchsvollen Strecken mit rutschigen und sandigen Oberflächen keinen einzigen Moment versagt und keinen einzigen Reifenschaden erlitten hat. Das erinnert uns alle an die für Mercedes-Benz charakteristischen Merkmale, wie überlegene Performance und Zuverlässigkeit.

    Wir sind ganz offensichtlich nicht so hart im Nehmen wie der 500 SL Rallye, sondern brauchen eine Pause. In dieser befreien wir uns und unsere Ausrüstung vom Staub und erholen uns von der gleißenden Wüstensonne, bevor wir uns zum nächsten Schauplatz in der Wüste aufmachen.

    Eine neue Begleitmusik.

    Am frühen Nachmittag wird der R107 an unserer dritten Location vom Transporter abgeladen. Hier windet und schlängelt sich eine staubige Straße entlang an Kakteen und Felsen durch Bergkuppen und Bodensenken und entschwindet ebenso schnell wieder. Das nicht gerade verhaltene Röhren des Auspuffs ist den Kameraleuten sehr hilfreich beim Orten des nahenden Fahrzeugs – lange bevor es zu sehen ist. Der Auspuffsound, der von den umgebenden Felsformationen widerhallt, kreiert die schönste Begleitmusik des Tages – Jerry Butler möge uns verzeihen.

    Der Auspuffsound, der von den umgebenden Felsformationen widerhallt, kreiert die schönste Begleitmusik des Tages.
    Da der R107 sich gleichermaßen für die Straße und das Gelände eignet, wird er an unserem vierten Schauplatz, einem Asphaltband durch die Wüste, zum Einsatz kommen.

    Die Wüste bebt.

    Der R107 eignet sich gleichermaßen für die Straße und das Gelände. Deshalb wird er wieder auf den Transporter geladen, um an unserem vierten Schauplatz, einem Asphaltband durch die Wüste, zu seinem nächsten Einsatz zu kommen. Da man hier höhere Geschwindigkeiten mit dem R107 fahren kann, müssen die Fotografen nun ihre Geschicklichkeit in Highspeed-Schwenks beweisen, um mithalten zu können. Hierbei erweist sich die stimmgewaltige Auspuffanlage des Rallyefahrzeugs erneut als Hilfe bei der Ortung: Tatsächlich ist der R107 ist an diesem ansonsten stillen Nachmittag in der Wüste bereits aus einer Entfernung von fast zwei Meilen zu hören.

    Der R107 – ein geradliniger Kraftprotz.

    Am Abend kehren wir an den ersten Schauplatz des Tages zurück, um das Shooting abzuschließen. Der R107 war nun 14 Stunden lang kontinuierlich auf anspruchsvollen Strecken im Einsatz ohne einen einzigen technischen Defekt. Das Dämmerlicht auf dem mit Staub und Schmutz überzogenen 500 SL Rallye inszeniert das Fahrzeug für eindrucksvolle Bilder, denn der R107 ist eben nicht dafür bestimmt, nur als eine auf Hochglanz polierte Schönheit für Ausstellungen vom Anhänger zu rollen. Er ist ein brachialer, aber geradliniger Kraftprotz, der auch beim Äußersten, was die kalifornische Wüste zu bieten hat, nicht an seine Grenzen gerät.

    Der R107 war nun 14 Stunden lang kontinuierlich auf anspruchsvollen Strecken im Einsatz, ohne dass er auch nur ein einziges Mal Anlass zur Klage gegeben hätte.

    Der 500 SL Rallye hat seine Stärke eindrucksvoll bewiesen. Nun wird er wieder auf den Transporter geladen – unter den bewundernden Blicken und Kommentaren der Zuschauer, die das Glück hatten, ein Teil dieses einzigartigen Wüstenspektakels zu sein.

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