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  • Mercedes-Benz W 115.
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    Faszination Mercedes-Benz „Strich-Acht“.

    Elegante Schlichtheit.

Durchbruch in der oberen Mittelklasse.

Die Ober- und Luxusklasse von Mercedes-Benz war schon immer etwas ganz Besonderes; doch der Durchbruch in der oberen Mittelklasse kam erst 1968 mit dem „Strich-Acht“. Der ist in Europa und in den USA ein echter Klassiker; auf dem afrikanischen Kontinent ist er eine rollende Legende.

Die Modellreihe aus der Ahnenreihe der E-Klasse überzeugt mit klarer Formensprache sowie einem gegenüber der Oberklasse eigenständigen Design. Der Erfolg des „Strich-Acht“, wie Fans diese Fahrzeuggeneration nach dem Zusatz „/8“ in der Typenbezeichnung später nennen, ist überwältigend: Erstmals werden mehr als eine Million Exemplare einer Mercedes-Benz Fahrzeugfamilie verkauft. Zu ihr gehören neben den Limousinen auch Coupés, Limousinen mit langem Radstand und Fahrgestelle für Sonderaufbauten.


Keine Überraschung, dass der 2.000.000ste Mercedes-Benz Pkw der Nachkriegszeit ein „Strich-Achter“ war.

Keine Überraschung, dass der 2.000.000ste Mercedes-Benz Pkw der Nachkriegszeit ein „Strich-Achter“ war.


Das klassische Design des Mercedes-Benz W 114 ist bis heute eine Schau. Ende der 1960er-Jahre waren die Zeiten der opulenten amerikanischen Einflüsse vorbei.

Das klassische Design des Mercedes-Benz W 114 ist bis heute eine Schau. Ende der 1960er-Jahre waren die Zeiten der opulenten amerikanischen Einflüsse vorbei.


Der Inbegriff des unkaputtbaren Taxis.

In unseren Breiten wurde der Mercedes-Benz der Baureihe W 114/W 115 zum Inbegriff des unkaputtbaren Taxis. Viel Platz, jede Menge Komfort und eine, vorsichtig ausgedrückt, zurückhaltende Motorisierung machten den „Strich-Acht“ Ende der 60er-Jahre nicht nur in Elfenbeinlackierung zum Dauerläufer. Bis heute ist kein Taxi mehr Taxi als der Strich-Achter. Doch geht es eben auch anders und nicht jeder W 115 war mit einem 60-PS-Vorkammerdiesel unterwegs. In den USA rollte er bevorzugt in Luxusausstattung über Highways und ist als Coupé bis heute eine Augenweide.


Eine echte Rarität.

Denn auch wenn die meisten „Strich-Acht“ als schwächlich motorisierte Taxis erst den europäischen und dann den afrikanischen Kontinent mit ihrer unverwüstlichen Langlebigkeit eroberten, war der als Vorläufer der E-Klasse nicht nur als bodenständig motorisierter 200 D, kaum stärkerer 220 D oder als kraftvollerer 240 D – nach der Modellpflege im Jahre 1973 auch mit drei Litern Hubraum und fünf Zylindern – unterwegs. Gerade in den USA machten die leistungsstärkeren Versionen 250, 280 und speziell 280 E von sich reden. Das Topmodell des Mercedes-Benz 280 E ist bis heute eine echte Rarität und schlicht die perfekte Möglichkeit, einen „Strich-Acht“ zu genießen. Die beiden 1972 eingeführten Topmodelle verfügen über eine Doppelstoßstange vorn und eine bis zum Radausschnitt vorgezogene Heckstoßstange.


In Deutschland waren die meisten „Strich-Acht“ die Modelle 200, 200 D und 220 D, doch es gab eben auch das Topmodell des Mercedes-Benz 280 E mit 136 kW/185 PS.

In Deutschland waren die meisten „Strich-Acht“ die Modelle 200, 200 D und 220 D, doch es gab eben auch das Topmodell des Mercedes-Benz 280 E mit 136 kW/185 PS.


Bei der Entwicklung des „Strich-Acht“ ging es nicht nur um Komfort und Effizienz, sondern auch um das Thema Sicherheit. Hier setzte der Vorläufer der heutigen Mercedes-Benz E-Klasse seinerzeit Maßstäbe.

Bei der Entwicklung des „Strich-Acht“ ging es nicht nur um Komfort und Effizienz, sondern auch um das Thema Sicherheit. Hier setzte der Vorläufer der heutigen Mercedes-Benz E-Klasse seinerzeit Maßstäbe.


Den „Strich-Achter“ ins Herz geschlossen.

Man muss kein Pädagoge sein, der sich mit endlosen Taxi-Nachtschichten ebenso mühsam wie schlafarm sein Studium finanzierte, um den „Strich-Achter“ ins Herz geschlossen zu haben. Die meisten hockten beinahe rund um die Uhr auf heruntergerockten Kilometerfressern in wenig charismatischer Elfenbeinlackierung, technisch durch nichts aus der Ruhe zu bringen und vergleichsweise kostengünstig zu reparieren. Beim „Strich-Acht“ kommen viele Taxifahrer noch heute ins Schwelgen, lassen ihre Studienzeit Revue passieren oder erinnern sich an erste Knutschereien im väterlichen Familienfahrzeug. Die Mercedes-Benz Baureihe W 114 (Sechszylinder) und W 115 (Vier- und Fünfzylinder), von 1968 bis 1976 produziert, war das erste Volumenmodell von Mercedes-Benz.


Eine echte Revolution.

Mit knapp zwei Millionen produzierten Fahrzeugen verkaufte der Stuttgarter Autobauer so viele „Strich-Achter“ wie vorher von allen Mercedes-Benz Fahrzeugen zusammen. Das Fahrzeug mit der größten nachgewiesenen Laufleistung ist ein griechisches Taxi vom Typ 240 D, das von 1976 bis 2004 unglaubliche 4,6 Millionen Kilometer zurücklegte und es damit spielend ins Mercedes-Benz Museum schaffte. Keine Überraschung: Der zweimillionste Mercedes-Benz Personenwagen seit 1946 war ein 220 D der Baureihe W 115, der am 9. Mai 1968 im Werk Sindelfingen vom Band lief. Das Design war bei der Premiere im Januar 1968 eine echte Revolution.


Vorbei waren die exaltierten Anlehnungen an amerikanische Straßenkreuzer, wie sie zuletzt auch der Vorgänger der „Heckflossen-Mercedes“ zeigte. Die Linienführung des „Strich-Acht“, gemeinsam erstellt von Paul Bracq und Friedrich Geiger, war unspektakulär, betont praktisch und bei weitem nicht so filigran wie die der Baureihen W 100, W 108 oder W 111. Der 4,68 Meter lange „Strich-Achter“ war ein zu seiner Zeit großzügig dimensioniertes Modell der Oberklasse mit Platz für fünf Personen, jede Menge Gepäck und einer zumeist recht trägen Motorisierung.


Die 1970er-Jahre präsentierten sich farbenprächtiger als die heutige Zeit; die Farbpalette der Baureihen W 114/W 115 war entsprechend.

Die 1970er-Jahre präsentierten sich farbenprächtiger als die heutige Zeit; die Farbpalette der Baureihen W 114/W 115 war entsprechend.


Echte Fahrfreude insbesondere am Steuer.

Egal ob die taxigeneigten Selbstzünder mit Leistungen zwischen 55 und gerade einmal 65 PS oder die Benziner vom Typ 230.4, 230.6 oder 250, die immerhin bis zu 130 PS leisteten – echte Fahrfreude gab es insbesondere am Steuer des Topmodells 280 E, der dank der Benzineinspritzung von Bosch und zwei obenliegenden Nockenwellen muntere 136 kW/185 PS leistete. Besonders dynamisch präsentiert sich das mit der seltenen handgeschalteten Version. Anders als man es von den meisten Modellen der Baureihe W 114/115 kennt, befindet sich die Viergangschaltung dann auf der Mittelkonsole zwischen Fahrer und Beifahrer. Die meisten „Strich-Acht“ in unseren Breiten waren mit einer Getriebeautomatik unterwegs, deren Schaltstufen am Lenkrad eingelegt wurden.


Die Liste der Sonderausstattungen.

Angespornt von der 185 PS starken Topmotorisierung bedienten sich die meisten Kunden üppig in der Liste der Sonderausstattungen. Viele staffierten den Mercedes-Benz 280 E mit Details wie Servolenkung, Blaupunkt-Radio nebst elektrischer Antenne, Colorglas oder gar elektrischen Fensterhebern, Klimaanlage, Zentralverriegelung, Kopfstützen rundum und Ledersitzen aus. So ließ sich der Preis eines Mercedes-Benz 280 E Mitte der 70er-Jahre bis weit über 30.000 D-Mark bringen. Das karge Basismodell des Mercedes-Benz 200 kostete dabei kaum mehr als 13.000 D-Mark.


Die großen Fensterflächen boten Ausblick und guten Einblick für Insassen und Zuschauer.

Die großen Fensterflächen boten Ausblick und guten Einblick für Insassen und Zuschauer.


Die Höchstgeschwindigkeit des Topmodells Mercedes-Benz 280 E der Baureihe W 114 lag bei 200 km/h.

Die Höchstgeschwindigkeit des Topmodells Mercedes-Benz 280 E der Baureihe W 114 lag bei 200 km/h.

Eine echte Wucht.

Selbst nach heutigen Maßstäben ist der Sechszylinder-Reihenmotor mit seinen 2,8 Litern Hubraum eine echte Wucht. Der Einspritzer ist drehfreudig, kraftvoll und, wenn man es will, sehr schaltfaul zu bewegen. Die Höchstgeschwindigkeit: eindrucksvolle 200 km/h. Ebenfalls überzeugend: die Effizienz, denn 12,5 Liter Superkraftstoff auf 100 km waren in den frühen 70er-Jahren ein Klassewert. Dabei hat die 1,5 Tonnen schwere Limousine durch seine Einspritzanlage vom Typ Bosch D-Jetronic gerade beim Ausdrehen der einzelnen Gänge einen charismatischen Klang, wie ihn nur Luxusmodelle aus dem Hause Mercedes-Benz hatten. Schließlich wurde der 2,8-Liter-Motor auch im coolen „Strich-Acht“ Coupé sowie den Luxusmodellen der S-Klasse, SL und SLC verbaut. Auf den blauen Kunstlederstühlen ist Seitenhalt ein Wort aus einer fernen Autozukunft. Immerhin sichern einen vorne Sicherheitsgurte, doch Kopfstützen waren damals vorne wie hinten nur als Sonderausstattung zu bekommen.

Ebenso sanft wie engagiert.

Wie eine Fregatte legt sich der Mercedes-Benz 280 E ebenso sanft wie engagiert in die Kurven und durchschneidet diese mit der gleichen Ruhe, wie er als 60-PS-Diesel im Taxialltag mit stoischer Ruhe Millionen von Alltagskilometern zurücklegte. Vorne bietet das Fahrwerk die zu ihrer Zeit erstmals wartungsfreien Doppel-Querlenker, während hinten eine komfortablere Schräglenkerachse für Wohlfühlatmosphäre sorgt. Wer an einen „Strich-Acht“ denkt, dem muss nicht immer ein elfenbeinfarbener 220 D in den Sinn kommen. Perfekter denn je ist das Topmodell des Mercedes-Benz 280 E. Und wer es noch edler will: den „Millionseller“ gab es auch mit einem um 65 Zentimeter verlängerten Radstand; beliebt bei Botschaftsdiensten und Regierungen als Begleitfahrzeug zur gepanzerten Flotte von Mercedes-Benz 600 oder der S-Klasse.


Und wer es gerne noch etwas eleganter möchte, der träumt beim Anblick des im Oktober 1968 vorgestellten Coupés wohl kaum an Taxitouren. Der elegante Zweitürer hat den gleichen Radstand wie die Limousinen, ist allerdings 45 Millimeter niedriger. Die durch Unterdruck verriegelten Rückenlehnen der Vordersitze werden bei geöffneten Türen automatisch entriegelt und gewähren so einen bequemen Zugang zur Sitzbank im Fond.