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  • Mercedes-Benz Classic beim 90-jährigen Nürburgring-Jubiläum 2017.
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    Mercedes-Benz Classic beim 90-jährigen Nürburgring-Jubiläum 2017.

    Grüne Hölle, weiße Elefanten, silberne Pfeile, goldene Zeiten.

Pioniergeist.

Pioniergeist hatte Konjunktur im Frühsommer 1927: Gerade hatte die Welt noch über den Atlantikflug von Charles Lindbergh gejubelt, da feierte man in der Eifel schon die nächste Premiere – einen Meilenstein für die Motorsport-Annalen: die Eröffnung des Nürburgrings!

Heute blickt die Rennstrecke mit ihrer berühmt-berüchtigten Nordschleife, der „Grünen Hölle“, auf 90 sportliche Jahre zurück. Neun Dekaden, die reich an legendären Fahrern, Fahrzeugen und Veranstaltungen sind. Eine Geschichte, zu der Mercedes-Benz viele unvergessliche Kapitel beigesteuert hat. Ehrensache also, dass die Stuttgarter Marke auch zur offiziellen Geburtstagsfeier des Nürburgrings große Präsenz zeigte.


Ein 'weißer Elefant' im roten Gewand:: der Mercedes-Benz Typ SS (W 06, 1930) mit Kompressormotor im Renneinsatz auf dem Nürburgring.


Legendär & Ludwig: Der Mercedes-AMG C-Klasse Rennsport-Tourenwagen von Klaus Ludwig aus dem Jahr 1994.

Großer Auftritt.

Am vergangenen Wochenende war es so weit: Beim Motorsport-Meeting Nürburgring Classic wurde drei Tage lang „Geschichte in den Asphalt des Nürburgrings geschrieben“. Mit über einem Dutzend sportlicher Automobile und Rennwagen schlug Mercedes-Benz Classic die Brücke von den Kompressor-Rennsport-Tourenwagen der späten 1920er-Jahre bis zu den DTM-Erfolgen der jüngeren Vergangenheit. Die Ausstellung im Paddock-Bereich gehörte an allen Event-Tagen zu den umlagerten Besuchermagneten. Auch Mitmachen war dabei gefragt: Beim Boxenstopp-Wettbewerb durften sich die Fans als Rennsport-Crew versuchen und Hand an die Räder eines original DTM-Fahrzeugs legen. Stets gut besucht waren auch die Plätze in der Mercedes-AMG Motorsport VIP-Lounge auf dem Boxendach sowie im „Keyholders Club“, zu dem alle Besitzer eines Mercedes-Benz Autoschlüssels freien Zutritt hatten und der optimale Sicht auf den Start-Ziel-Bereich bot.

Prominente Gratulanten.

Insgesamt sorgten rund 17.000 Automobil-Enthusiasten bei guten Wetterbedingungen für einen rundum gelungenen Geburtstag. In die Schar der prominenten Nürburgring-Gratulanten reihten sich auch Roland Asch, Maximilian Götz, Ellen Lohr, Klaus Ludwig und Jochen Mass ein. Die Rennfahrer und Mercedes-Benz Markenbotschafter standen während des Wochenendes immer wieder gemeinsam auf der Bühne und erfüllten zahlreiche Selfie- und Autogrammwünsche. Klar, dass dabei auch so manches Benzingespräch geführt wurde: vom Durchsetzungsvermögen einer Ellen Lohr, der nach wie vor einzigen weiblichen DTM-Siegerin, bis hin zu den Träumen von Maximilian Götz, einmal einem Silberpfeil zu lenken. Oder wie man – wie Klaus Ludwig und Jochen Mass – zum Seriensieger in der Eifel wird. Und Roland Asch verriet noch, warum er gerne mal in der letzten Rennrunde seinen Kopf aus dem Fenster hält: „Damit ich auf dem Podium nicht so verschwitzt aussehe!“

Auch als Mechaniker auf Zack: Klaus Ludwig, Maximilian Götz und Roland Asch beim Boxenstopp-Wettbewerb (v.l.n.r.).

Benzingespäche unter Rennfahrern und Mercedes-Benz Markenbotschaftern: Klaus Ludwig, Ellen Lohr, Roland Asch, Maximilian Götz und Jochen Mass (v.l.n.r.).

Generationen auf der Rennstrecke.

Am Sonntag sah es dann tatsächlich auch so aus, als könnte es ein „frisches“ Podiumsbild von Roland Asch geben. Die DTM-Legende trat mit dem Werksrennwagen 190 E 2.5-16 Evolution II (W 201) in der Deutschen Tourenwagen Classics an, einer von über einem Dutzend Serien, die bei dem Jubiläums-Meeting auf die Rennstrecke gingen. Während des 40-minütigen Laufs etablierte Asch seinen „Evo II“ in der Spitzengruppe und befand sich dabei in Gesellschaft von zwei privat eingesetzten Sternen: Kurz vor Schluss rangierten damit drei Generationen erfolgreicher Mercedes-Benz Rennsport-Tourenwagen aus den Jahren 1991, 1994, 1995 und 1996 auf den Plätzen 1, 2 und 3. Pech jedoch in der letzten Runde: Ein technischer Defekt stoppte die Podiumsfahrt von Asch.

Eyecatcher und Hommage.

Begeisterung ernteten die Fahrzeuge aus Stuttgart bei den weiteren Rennen, die zum Teil auf der Grand-Prix-Strecke, zum Teil über die Nordschleife ausgetragen wurden. Zu den Eyecatchern zählten dabei unter anderem die Duelle der Rudolf-Uhlenhaut-Trophy, bei der ausschließlich 300 SL (W 198) auf die Strecke gingen. Eine krönende Hommage war schließlich das dreistündige ADAC Eifelrennen für Old- und Youngtimer auf der Kombination aus Grand-Prix-Kurs und Nordschleife: Fast auf den Tag genau vor 90 Jahren fiel – ebenfalls unter dem Namen Eifelrennen – der Startschuss für die neue Rennstrecke.


Und schon diese Premiere stand unter einem guten Stern: Damals siegte Rudolf Caracciola mit der schnellsten Zeit aller Klassen vor seinem Mannschaftskollegen Adolf Rosenberger. Beide starteten auf Mercedes-Benz Typ S (S für „Sport“), dem aus dem Modell K weiterentwickelten Rennsport-Tourenwagen mit Kompressormotor und zugleich dem ersten der berühmten „weißen Elefanten“.


Zu Ehren von Rudolf Caracciola.

Nicht zuletzt durch diesen Sieg wurde Caracciola zur Rennfahrer-Ikone und dem erfolgreichsten Rennfahrer der Vorkriegsgeschichte, nach dem sogar eine Kurve benannt werden sollte – das Caracciola-Karussell. Als Erster fuhr er durch diese Stelle an der Innenseite auf der eigentlichen Entwässerungsrinne. Daraufhin wurde die Kurve befestigt und zur Steilkurve umgebaut. Im Beisein von Thomas Caracciola, den Großneffen Rudolf Caracciolas, wurde im Rahmen des 90-jährigen Jubiläums eine Büste eingeweiht, die an den ersten Sieg erinnert. Das Denkmal von Rudolf Caracciola begrüßt nun fortan die Nürburgring-Besucher, die vom historischen Fahrerlager aus auf das Gelände kommen.


Neun Jahrzehnte, unzählige Geschichten.

In der gemeinsamen Historie von Nürburgring und Mercedes-Benz ließen sich noch unzählige Höhepunkt finden. So gilt die Eifelstrecke auch als Geburtsort der „Silberpfeile“: 1934 ließ der damalige Mercedes-Benz Rennleiter Alfred Neubauer in einer Nacht- und Nebelaktion die weiße Farbe von den Rennfahrzeugen schleifen, um das vom Reglement vorgeschriebene Gewichtslimit von 750 Kilogramm zu erfüllen. Aber auch Juan Manuel Fangio legte Anfang August 1954 mit einem Sieg auf dem Nürburgring den Grundstein für seine Formel-1-Doppelweltmeisterschaft für Mercedes-Benz im W 196 R.


Mit Anekdoten wie diesen machte die Jubiläumsfeier des Nürburgrings einmal mehr deutlich: Neben einer besonderen Strecke, legendären Fahrzeugen und prägenden Persönlichkeiten sind es vor allem jene unsterblichen Geschichten, die für die Faszination des Motorsports sorgen. In diesem Sinne: Keep on racing, Nürburgring!