Back
Back
  • Das blaue Wunder 2 – Making-of.
    1

    Das blaue Wunder 2 – Making-of.

    Vom Vorbild zum Modell: der Mercedes-Benz Renntransporter der 1930er-Jahre im Maßstab 1:18.

Taxi für die Silberpfeile.

„Die Silberpfeile gehören zum Faszinierendsten, das es im Motorsport je gegeben hat.“ Albrecht Würschum, Sales Manager bei CMC Modelcars, könnte diese Feststellung mit Verkaufsstatistiken des Modellsortiments belegen. Ist aber eigentlich nicht notwendig, denn wer die Originale oder die 1:18-Modelle der Mercedes-Benz Formelrennwagen aus den 1930er- und 1950er-Jahren sieht, kommt vermutlich zum selben Ergebnis.

„Der Renntransporter ‚Blaues Wunder‘ aus den 1950er-Jahren ist ein Topseller unseres Sortiments“, ergänzt Würschum. „Deshalb haben wir jetzt sein Pendant aus der ersten großen Epoche der Silberpfeile auf die Räder gestellt.“ Damit Sammler auch dem W 25, W 125 und W 154 die rollende Garage zur Seite stellen können, die in den 1930er-Jahren den Transport der siegreichen Fracht zu den Grand-Prix-Strecken und zurück übernahm.

Kein Originalfahrzeug erhalten.

CMC Modelcars mit Sitz in Fellbach, unweit des Mercedes-Benz Classic Centers, zählt zu den weltweit renommiertesten Marken für Präzisionsmodelle historischer Fahrzeuge im Maßstab 1:18. Ein adäquater Partner also, für die Realisierung von Mercedes-Benz Modellen. Die Mercedes-Benz Classic Archive unterstützen CMC dabei häufig und lassen die Modellbauer Maß an Originalfahrzeugen nehmen.

Die besondere Herausforderung beim Renntransporter, Typ Lo 2750, den die Mercedes-Benz Rennabteilung von 1934 bis 1938 eingesetzt hat, war allerdings: Es gibt kein Original mehr und auch keine Konstruktionszeichnung. „Da half nur die Rekonstruktion mit Hilfe von historischen Bildern und vergleichbaren Fahrzeugen“, sagt Werner Junginger, der seit 2001 als Produktentwickler für CMC-Modelcars arbeitet.

Die Rekonstruktion.

Ein Renntransporter, der auf Basis eines originalen Lo 2750 nachempfunden wurde, ist in der Fahrzeugsammlung von Mercedes-Benz Classic immerhin vorhanden. „Dieses Fahrzeug hat zwar einen Benzinmotor und eine kürzere Pritsche als der Renntransporter der 1930er-Jahre, war für uns aber ein entscheidender Anhaltspunkt“, erzählt Werner Junginger. Einen originalen Lkw-Dieselmotor aus dieser Zeit konnten die CMC-Experten im Mercedes-Benz Museum vermessen.

Die Maße der Ladepritsche, die Position der Ersatzräder, der Werkzeugkisten und des großen Treibstofftanks für lange Nonstop-Fahrten ließen sich aus der Analyse von Archivbildern ableiten. „Die Transporter waren mit den Silberpfeiltypen W 25, W 125 und W 154 im Einsatz, wie die Fotos zeigen“, berichtet Junginger – „die Ladefläche muss folglich so dimensioniert gewesen sein, dass sie mit allen diesen Typen beladen werden konnte.“


Gemessen, gescannt, ausgedruckt.

Von Hand oder mit einem Scanner vermessen, teils durch rekonstruierte Maße ergänzt – der schnellste und beste Weg zum fertigen Modell führt heute über die Datenautobahn. Statt wie früher von Hand ein Urmodell zu bauen, rechnen die Konstrukteure ihre Maße in so genannte STL-Daten um: An einen 3D-Drucker geschickt, ergeben sie einen ersten Eindruck des Gesamtmodells in weißem Kunststoff. Nach Abgleich mit den Originalmaßen werden anschließend Schritt für Schritt die CAD-Daten nahezu jedes Bauteils – beim Renntransporter, Typ Lo 2750, sind es 2365 Einzelteile, davon annähernd 2000 aus Metall – an die Produktion übermittelt. Diesen Entwicklungsaufwand bis zur Produktion gibt Sales Manager Albrecht Würschum mit mehr als 300.000 Euro an.


Etwa 15 Stunden Handarbeit.

CMC Modelcars betreibt eine eigene Fertigungsstätte in China. Anders als in der Konstruktion bleibt es hier größtenteils bei Handarbeit: In der Fabrik werden Bauteile produziert und die Modelle montiert: geschraubt, gesteckt, genietet, gelötet und geklebt. Vor der Montage werden die Komponenten lackiert und bedruckt. Für den Zusammenbau der 2365 Einzelteile zum fertigen Renntransporter vergehen etwa 15 Stunden Montagezeit.


Faszination in jedem Detail.

Streng genommen ist das „Blaue Wunder 2“, der Typ Lo 2750, eigentlich das „Blaue Wunder 1“. Denn es ist gut 20 Jahre vor dem Schnelltransporter von 1955 entstanden. Letzterer war mit einem 300 SL-Motor ausgestattet und blieb ein Einzelstück. Die Renntransporter aus den 1930er-Jahren hingegen waren oft im Konvoi unterwegs; insgesamt hat Mercedes-Benz mindestens sieben Fahrzeuge des Typs Lo 2750 aus dem Werk Gaggenau zum Renntransporter aufgebaut. Das CMC-Modell mit der Bestellnummer M-144 ist auch im Mercedes-Benz Classic Store erhältlich; Preis 719 Euro.

Classic Store