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  • Im April 1958 übernimmt Daimler-Benz rückwirkend zum Jahresanfang rund 88 Prozent der Auto Union.
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    Der Stern und die vier Ringe.

    Vor 60 Jahren übernimmt die Daimler-Benz AG die Mehrheit der Auto Union.

Die Übernahme der Auto Union.

Wie bitte, die Automarke mit den vier Ringen gehört zur Daimler-Benz AG? Zwischen April 1958 und Dezember 1964 ist genau das der Fall. Die Übernahme der Auto Union sorgt damals für Schlagzeilen. Schließlich haben beide Firmen in den 1930er-Jahren in Markt und Motorsport um Verkaufszahlen und Rennsiege konkurriert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Wiederbeginn unter ganz neuen Vorzeichen für beide Unternehmen nicht leicht. Daimler-Benz arbeitet weiterhin von Stuttgart aus. Die Auto Union hat ihre Zentrale von Chemnitz nach Ingolstadt umgesiedelt. Als sich die Verhältnisse gegen Ende der 1950er-Jahre normalisieren, wird Großaktionär Friedrich Flick mit einer Idee aktiv: Weil sich das Modellprogramm ergänze, solle Daimler-Benz doch die Auto Union mehrheitlich übernehmen.

In den 1930er-Jahren waren Mercedes-Benz und Auto Union zwei starke Kontrahenten im Motorsport.

In den 1930er-Jahren waren Mercedes-Benz und Auto Union zwei starke Kontrahenten im Motorsport – hier beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring am 25. Juli 1937.

Außenaufnahme aus dem Jahr 1951 des damaligen Werks Düsseldorf der Auto Union.

Außenaufnahme aus dem Jahr 1951 des damaligen Werks Düsseldorf der Auto Union. Seit 1962 ist Düsseldorf der wichtigste Mercedes-Benz Transporter-Standort.


Bis weit über 1964 hinaus spürbar.

Der finanzstarke Industrielle Flick ist damals als Hauptgesellschafter an beiden Unternehmen mit jeweils rund 40 Prozent beteiligt. Sein Wort hat erhebliches Gewicht. Und so übernimmt Daimler-Benz im April 1958 rückwirkend zum Jahresanfang rund 88 Prozent der Auto Union. Der Rest folgt ein gutes Jahr später.

Die Zusammenarbeit umfasst zwar mit sechs Jahren nur eine relativ geringe Zeitspanne. Doch die Folgen bleiben bis weit über 1964 hinaus spürbar. Die Kurzfassung: Auto Union erhält Technik und Know-how für neue Fahrzeuge. Daimler-Benz bekommt ein Werk in Düsseldorf – heute im Konzernverbund das Leitwerk für die Produktion des Sprinters.


Einer der fähigsten Ingenieure der Daimler-Benz AG.

Der Technologietransfer von Stuttgart nach Ingolstadt erfolgt nicht allein über Dokumente und Berichte, sondern auch über Personen. Eine Hauptfigur dabei ist Ludwig Kraus, einer der fähigsten Ingenieure der Daimler-Benz AG und damit einer der technischen Köpfe hinter zahlreichen Entwicklungen der Sternen-Marke. Kraus arbeitet ab Oktober 1963 in Ingolstadt, wird technischer Direktor und soll dort die Dinge vorantreiben.


Er bringt dazu nicht nur eine Mannschaft hoch engagierter, junger Techniker mit, sondern auch den neuen und fast fertig entwickelten Vierzylindermotor M 118, der vibrationsarm arbeitet und einen vergleichsweise geringen Treibstoffverbrauch hat. Diese Mercedes-Benz Konstruktion feiert dann 1965 als sogenannter „Mitteldruckmotor“ im ersten Audi der Nachkriegszeit Premiere.


Im Mercedes-Benz Designstil der 1960er-Jahre: Prototyp eines kompakten Mercedes-Benz Personenwagens.

Im Mercedes-Benz Designstil der 1960er-Jahre: Prototyp eines kompakten Mercedes-Benz Personenwagens. Der 1968 erscheinende erste Audi 100 zeigt Ähnlichkeiten.


Der „Mitteldruckmotor“ erzeugt Nachhall.

Zu diesem Zeitpunkt hat Daimler-Benz seine Anteile zwar bereits wieder verkauft, doch der „Mitteldruckmotor“ erzeugt Nachhall: Mit ihm beendet die Auto Union die Ära ihrer Personenwagen mit Zweitaktmotor und kann so Produkte auf Augenhöhe mit der Konkurrenz anbieten.

Ein anderes Echo ist der Audi 100. Er erscheint 1968 und katapultiert Audi endgültig in die Neuzeit. Er ist zwar keine Mercedes-Benz Entwicklung, doch als die Daimler-Benz AG zum 1. Januar 1965 ihre Aktienmehrheit an Volkswagen verkauft, bleiben Kraus und andere frühere Ingenieure von Mercedes-Benz in Ingolstadt. Mit den in Stuttgart ab 1953 entwickelten Prototypen für die Mittelklasse-Baureihen W 122 und W 119 sind sie bestens vertraut. Und so lässt die Karosserie des bei Auto Union entwickelten Audi 100 Züge des W 119 erkennen: modern gezeichnet, niedrige Gürtellinie, dynamisches Heck. Unter der Haube arbeitet der „Mitteldruckmotor“. Auch die Typen Audi 80 (1972) und Audi 50 (1974) entstehen noch unter der Leitung von Kraus.


Beide kamen aufs Siegertreppchen.

Übrigens traten beide Unternehmen während der Fusionszeit auch im Motorsport wieder gegeneinander an. Etwa bei der VIII. Internationalen Rallye Akropolis vom 19. bis 22. Mai 1960. Mercedes-Benz beteiligte sich mit dem 220 SE Tourenwagen, der damals viele Langstreckenrennen sehr erfolgreich bestritt. Die Auto Union schickte ein 1000 S Coupé.

Beide kamen aufs Siegertreppchen: Das Team Walter Schock/Rolf Moll holte im Zeichen des Sterns den Gesamtsieg. Wolfgang Levy mit Beifahrer Heinz Walter belegte für Auto Union den dritten Platz und gewann zugleich seine Klasse.

Erfolgreich bei der Rallye Akropolis 1960: Walter Schock und Rolf Moll auf Mercedes-Benz 220 SE Tourenwagen und Wolfgang Levy und Heinz Walter auf Auto Union 1000 S Coupé.

Erfolgreich bei der Rallye Akropolis 1960: Walter Schock und Rolf Moll auf Mercedes-Benz 220 SE Tourenwagen und Wolfgang Levy und Heinz Walter auf Auto Union 1000 S Coupé.

März 2018: Bandanlauf des neuen Mercedes-Benz Sprinter im Werk Düsseldorf.

März 2018: Bandanlauf des neuen Mercedes-Benz Sprinter im Werk Düsseldorf. Der Standort geht 1962 von der Auto Union in den Produktionsverbund der damaligen Daimler-Benz AG über.


Ein Kernprodukt der Nutzfahrzeugsparte.

Sechs Jahre Unternehmensgeschichte: Das ist nur ein Wimpernschlag in der Historie der Daimler AG. Doch aus dieser Zeit verbleibt das frühere Auto-Union-Werk Düsseldorf beim Unternehmen. Schon 1958 hat die Auto Union ein neues Werk in Ingolstadt errichtet. Der Stuttgarter Konzern übernimmt die frei gewordene Produktionskapazität im Rheinland gern.

Sie wird bis heute, vielfach ausgebaut, genutzt: Der in Düsseldorf gebaute Sprinter ist ein Kernprodukt der Nutzfahrzeugsparte von Mercedes-Benz. Die jüngste Generation ist gerade vorgestellt worden, und der Variantenreichtum des Transporters ist größer als je zuvor. Der Sprinter wird die Erfolgsgeschichte fortschreiben.