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Episode 5: Digitale Sicherheit.

Ohne Elektronik ist ein Auto heute fast undenkbar. Sichtbar und unsichtbar steht sie zur Verfügung und erfüllt bedeutsame Aufgaben. Zu den wichtigsten Komponenten dabei gehören Assistenzsysteme, die den Fahrer unterstützen und das Fahren sicherer machen. Die Geschichte der Elektronik im Automobil begann in den 1960er Jahren, und das erste Assistenzsystem war das ABS.

Es ist noch in den 1950er Jahren der Traum vieler Ingenieure: die Erfindung einer Fahrzeugbremse, die in Notsituationen selbst bei voll durchgetretenem Pedal nicht blockiert.

Denn dann ist ein Fahrzeug nicht mehr lenkbar: Zwar verzögert es, doch zugleich rutscht es einfach geradeaus weiter. Bremsen und gleichzeitig lenken – das wäre ein großer Schritt zu mehr Sicherheit.

Nur rollende Räder können Lenkkräfte übertragen. Deshalb liegt die Lösung in einer automatischen Variante der Stotterbremse, die früher in der Fahrschule noch gelehrt wurde: Abwechselnd bremsen und lenken, in möglichst dichter Folge. Genau das sollte die Technik leisten – und zwar besser und zuverlässiger als der Mensch. Ein echtes aktives Sicherheitssystem.

Erste Versuche gibt es schon in den 1920er Jahren in der Luftfahrt. Sie sollen ermöglichen, dass ein Flugzeug nach der Landung in der Spur bleibt. Hydraulik und Mechanik kommen zum Einsatz. Auch im Auto experimentiert man damit, aber die Systeme reagieren zu unpräzise oder zu träge.

Pionier der Sicherheit: der Mercedes-Benz Entwicklungsvorstand Professor Hans Scherenberg. Das Experimental-Sicherheits-Fahrzeug ESF 22 war 1973 ein großer Meilenstein.

Das elektronische Anti-Blockier-System.

Bei Mercedes-Benz passieren die Schritte unter dem Entwicklungsvorstand Hans Scherenberg, der selbst bereits 1953 ein erstes Patent für eine „Anlage zum Verhindern des Blockierens von Fahrzeugrädern beim Bremsen“ eingereicht hatte. In den 1960er Jahren ist die Zeit dann reif für den großen Aufbruch. Die Forscher und Entwickler erkennen die Möglichkeiten der Elektronik auch für dieses Problem: Der Mensch betätigt das Bremspedal – und die Technik sorgt fürs kontrollierte Stotterbremsen. Mercedes-Benz verfolgt mit großem Einsatz das Ziel, über ein Anti-Blockier-System (ABS) den Kunden der Marke das nächste große Sicherheits-Plus zu bieten. Mit großem Aufwand wird die Entwicklung vorangetrieben, die in der Tradition wegweisender Sicherheitsinnovationen wie etwa den Knautschzonen steht.

1970 scheint das Ziel erreicht zu sein.

In Untertürkheim präsentiert Mercedes-Benz der Weltöffentlichkeit das erste funktionsfähige elektronisch gesteuerte ABS. Es basiert noch auf analoger Elektronik. Der Beifall ist groß, die Resonanz überaus positiv.

Doch dann bietet sich die Chance, das System noch besser zu machen. Denn zwischenzeitlich ist die Digitalelektronik aufgekommen. Integrierte Schaltkreise ermöglichen bessere Steuergeräte mit noch kürzeren Reaktionszeiten und insgesamt eine zuverlässigere Funktion. Mercedes-Benz entscheidet, darauf umzustellen, um höchste Sicherheit zu bieten. 1978 ist es endlich so weit: In der S-Klasse geht das weltweit erste zuverlässig funktionierende, auf digitaler Elektronik basierende ABS an den Start. Der lange Atem von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt hat sich gelohnt. Ein Traum wird Wirklichkeit.

Elektronik für mehr Sicherheit: die Steuereinheit des 1978 eingeführten Anti-Blockier-Systems.

Schon lange ein Branchenstandard.

Das Anti-Blockier-System hat die Branche verändert. Personenwagen, Busse, Nutzfahrzeuge: ABS gibt es für alle – glücklicherweise. Denn ABS erledigt seine Aufgabe in vielen Standardsituationen besser als der Mensch. Er tritt aufs Bremspedal – und das System steuert die Bremse in idealer Weise. Ob auf trockener oder glatter Straße und selbst bei einseitig rutschiger Fahrbahn. Das Auto bleibt zuverlässig in der Lenkspur – es folgt der Fahrbahn oder rollt um ein Hindernis herum.

Neben dem Sicherheitssprung bringt das Anti-Blockier-System einen großen Vertrauenssprung ins Auto. In Sekunden größter Anspannung, wenn eine fordernde Verkehrssituation auftritt, wird der Mensch entlastet und bleibt handlungsfähig. Der Fahrer kann weiterhin lenken.

Eine umfassende Familie von Assistenzsystemen.

Mercedes-Benz entwickelt daraufhin eine umfassende Familie von Assistenzsystemen. Sie nutzen alle die Sensorsignale des ABS und bringen weitere wichtige Vorteile. Etwa die Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR) oder der Allradantrieb 4MATIC. Alle sind sie wichtig. Einen riesigen nächsten Sprung bringt das 1995 präsentierte Elektronische Stabilitäts-Programm ESP®: Es unterbindet wirksam ein Schleudern des Fahrzeugs. Und wieder wird der Mensch in kniffeligen Momenten erheblich entlastet. Auch ESP® ist heute ein Branchenstandard.

Statistiken belegen es: Die genannten und weitere Assistenzsysteme verhindern Unfälle, mindern Unfallfolgen, retten Leben. Ohne Sensoren und Digitalelektronik wären sie nicht denkbar.

Vernetzte Systeme für ein Sicherheits-Plus.

Und die Entwicklung geht weiter: Beispiele für weitere Systeme von Mercedes-Benz sind der Aktive Abstands-Assistent DISTRONIC PLUS, die PRE-SAFE® Bremse oder der aktive Brems-Assistent mit Kreuzungsfunktion. Sie arbeiten eng zusammen mit Lösungen wie PRE-SAFE®, die schon vor einem Unfall aktiv werden und dessen Auswirkungen auf die Passagiere präventiv reduzieren.

Unsichtbar, aber wichtig: Radarsensor hinter dem Kühlergrill.

Bildergalerie.

Ein langer Weg voller Sicherheitsinnovationen.

Heutige Fahrzeuge haben einen umfassenden Sicherheitsgürtel. Manche sind zusätzlich sogar schon miteinander vernetzt und melden sich gegenseitig sicherheitsrelevante Informationen weiter. Ein Hindernis hinter der Kurve? Ein kurzes Stück glatte Fahrbahn mitten im Wald? Eine ausgefallene Verkehrsampel? Das Auto erfährt es frühzeitig und kann warnen oder selbsttätig reagieren. Technologie-Entwicklung bringt einmal mehr wichtige Fortschritte. Und Mercedes-Benz kommt einem großen Ziel der Marke wieder ein Stück näher: vollkommen unfallfrei unterwegs zu sein.

Vom ersten Fahrzeug mit Knautschzone, der Mercedes-Benz Baureihe 111, bis zu den umfangreichen unfallvermeidenden Systeme, wie sie etwa das Experimental-Sicherheits-Fahrzeug 2009 präsentiert.