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  • Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.
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    Wo ein G ist, ist auch ein Weg.

    Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.

Geländegängiges Allzweckfahrzeug.

Als geländegängiges Allzweckfahrzeug Mitte der 1970er Jahre ersonnen, wurde die Mercedes-Benz G-Klasse im Laufe der Jahre ganz nebenbei zum Luxusgefährt für Gelände und City. Das aktuelle Modell geht zum Jahresende in den Ruhestand – fast.


Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.
Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.

Allradurgestein.

Selbst in den USA heißt er schlicht und etwas hölzern ausgesprochen „Geländewagen“ oder einfach nur der G. Knapp 40 Jahre nach seiner Premiere läuft er gerade in einer spektakulären Sonderserie eines 630 PS starken Mercedes-AMG G 65 in seine letzten Wochen. Die neue Mercedes-Benz G-Klasse, die ihre Weltpremiere auf der Detroit Motor Show Mitte Januar feiert, wird das charismatische Design des Allradurgesteins aus Graz behalten und die kantige Karosserie mit neuer, modernster Technik füllen. Für den harten Einsatz bei Behörden und Armeen wird das bisherige Modell mit unverwüstlichem Leiterrahmen und schmaler Taille weitergebaut.


Kantig-kernig seit Mitte der 70er.

Ikonen mit dem Stern gibt es einige, Klassiker viele, doch ein Modell wie die kantig-kernige Mercedes-Benz G-Klasse ist in der Automobilindustrie ebenso einzigartig wie in der Stuttgarter Firmengeschichte. Die Nutzfahrzeug-Abteilung von Mercedes-Benz entwickelt den Geländewagen Mitte der 1970er Jahre gemeinsam mit Steyr-Daimler-Puch für den Einsatz in Armee und Forst. 1975 wird die Serienproduktion beschlossen, nachdem erste Testfahrten zum Jahre zuvor überaus erfolgreich verlaufen sind.

Faszination Mercedes-Benz G-Klasse: schon seit den 70er Jahren ein Erfolg.
Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.

Naturbursche.

Seit ihrer Geburt ist die G-Klasse kein Schönling, sondern ein wahrer Naturbursche. An ihrem Blechkleid hat sich über mehr als drei Jahrzehnte fast nichts geändert.

Noch immer steht die Mercedes-Benz G-Klasse da wie ein unüberwindliches Bergmassiv. Aerodynamikfeinheiten oder größere äußerlich wahrnehmbare Modellpflegen hat es über die knapp 40 Jahre nicht gegeben – wieso auch? Gerade im Gebirge zeigt der Kletterkünstler seine wahren Qualitäten. Er kommt problemlos über Stock sowie Stein üppigster Größe und begeistert so selbst im härtesten Geländeeinsatz mit jedem Meter mehr.

Luxuscabrio mit elektrischem Stoffdach.

Ein notwendiger Tribut an den Fahrkomfort: Der Wagen hat statt nutzfahrzeugtypischen Blattfedern eine Schraubenfedern sowie Längs- und Querlenker an seinen Starrachsen. Grundpreis anno 1979: 32.600 D-Mark, gerade einmal 5.000 D-Mark weniger als das Basismodell der damaligen Mercedes-Benz S-Klasse Baureihe W 116. Der über 2,5 Tonnen schwere G wird seit je her im österreichischen Graz produziert. Nach wie vor gehen rund ein Drittel der Fahrzeuge in den Behörden- und Militäreinsatz – nicht wenige in lebensrettenden Panzerungen.


Genau das Gegenteil stellt das Cabrio dar, das 1996 in einer besonders luxuriösen Variante mit elektrischem Stoffdach debütiert. Nachdem die Serienproduktion 2013 eingestellt wurde, erzielt die Rarität bis heute Spitzenwerte auf den weltweiten Sammlermärkten. Weltweit sind unzählige Geländewagens mit Sonderaufbauten für Feuerwehren, Spezialeinsatzkräfte oder den Mineneinsatz unterwegs.


Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.

Prominente Besitzer.

Erst 22 Jahre nach Produktionsstart, im Jahre 2001, kommt die Allradikone in den USA auf den damals wichtigsten Automarkt der Welt. Mit mächtigem Erfolg, denn die Jahre 2002 und 2003 werden sofort die erfolgreichsten in der gesamten G-Geschichte. Besonders bei Promis wird der Dinosaurier zumeist in den Farben Schwarz, Weiß oder Silber zum Kultobjekt, auf das sie allzu lange warten mussten. Einer der ersten prominenten G-Klasse Nutzer wird im November 1980 Papst Johannes Paul II., der bei seinem Deutschlandbesuch ein strahlend weißes G-Modell als „Papamobil“ erhält. Ebenso sein Nachfolger Papst Benedikt hatte neben einer M-Klasse auch eine weiße G-Klasse zur Verfügung.


Stolzer Besitzer.

Weltenbummler Gunther Holtorf hat mit der G-Klasse derweil seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Von 1988 bis 2014 war der stolze Besitzer eines im Laufe der Jahre verblichen blauen 300 GD mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Christine auf Weltreise. Immer dabei: sein unverwüstlicher Mercedes-Benz Geländewagen, liebevoll auf den Namen „Otto“ getauft. Erst nach 897.000 Kilometern war nach über 400 außereuropäischen Grenzübertritten Schluss mit der Weltreise.


Weltenbummler Gunther Holtorf hat mit der G-Klasse "Otto".
Weltenbummler Gunther Holtorfs G-Klasse "Otto".

Weltenbummler im Mercedes-Benz Museum.

41 Mal im Container verschifft und 113 Mal mit Hochseefähren unterwegs, steht der Dauer-G nun im Mercedes-Benz Museum. Ein Blick auf die Weltkarte der umtriebigen Holtorfs zeigt: größere Lücken gibt es hier nicht. Der taubenblaue 300 GD mit dem 88-PS-Diesel war nicht kleinzukriegen und hat beinahe die ganze Welt bereist. „Bislang bin ich noch nie liegen geblieben“, erzählt Holtorf, „nur Verschleißteile wie Bremsen, Reifen oder Stoßdämpfer wurden ausgetauscht.“ Alle fünf Kontinente hat der gebürtige Göttinger mit dem kantigen Klettermaxen schon bereist.


AMG-Versionen.

Die Geschichte der Mercedes-Benz G-Klasse beginnt mit einer nutzfahrzeugtypisch kargen Ausstattung und einem vergleichsweise bescheidenen Motorenangebot, denn die Diesel- und Benzinvarianten leisten zunächst zwischen 72 und 150 PS. Es gibt sie mit kurzem und langem Radstand als Station-Wagen, als Kastenwagen und als Offenen Wagen (wie das Cabriolet ursprünglich heißt). Über die Jahre entwickelt sich die Palette in völlig andere Dimensionen. Drehmomentstarke Commonrail-Diesel halten unter der aufgesetzten Motorhaube ebenso Einzug wie potente AMG-Triebwerke, die die G-Klasse zu einem einzigartigen Kraftpaket werden lassen.


Ein Blick in die Verkaufsstatistik zeigt: keine Modellreihe von Mercedes-Benz hat einen höheren Anteil an AMG-Versionen, der bisweilen deutlich über 50 Prozent liegt. Nach der ersten AMG-Modell, dem 1999 eingeführten G 55 AMG mit 260 kW / 354 PS folgt schon 2004 die Variante mit einem 350 kW / 476 PS starken Kompressormotor. Kaum eines dieser Luxusfahrzeuge dürfte wohl jemals die maximale Wattiefe von 60 Zentimetern ausprobiert oder die Böschungswinkel von 36 Grad vorn und 27 Grad im harten Geländeeinsatz getestet haben.


Faszination Mercedes-Benz G-Klasse: Mercedes-Benz G 63 AMG 6x6.

Wüstentauglich dank Geländepneus.

2013 debütiert der spektakuläre Mercedes-Benz G 63 AMG 6x6, der ursprünglich für die australische Armee entwickelt wurde und über Nacht zum Lieblingsspielmobil von Scheichs wird. Wenn der Dreiachser mit seinen 400 kW / 544 PS und 760 Nm Dünenkämme heraufpeitscht, stockt selbst ausgewiesenen Offroadhasen der Atem. Gigantische Portalachsen (Kraftverteilung 30-40-30) und 37 Zoll große Geländepneus scheinen bis 160 km/h die Grenzen der Physik zu pulverisieren. Statt der normalen 21 Zentimeter Bodenfreiheit bietet die 6x6-Version 46 Zentimeter Luft zum Boden.


In den Dünen.

Die Watttiefe: ein Meter. Schon die Trittbretter zum Einsteigen liegen in 70 Zentimetern Höhe. Um den Sand nach Belieben bezwingen zu können, kann die Luft in den Reifen wie bei einem Dakar-Rennwagen während der Fahrt ab- und wieder eingelassen werden. So haben die gigantischen Pneus die im Wüstenmekka unverzichtbare Aufstandsfläche. „Wenn man in die Dünen fährt, sollte der Reifendruck auf 0,5 bar reduziert werden“, erklärt G-Klasse Cheftechniker Erwin Monisch, als er die vier Knöpfe drückt, „wenn der Untergrund härter wird, sollten es 1,8 bar sein.“ Die Druckluft kommt aus einem 20 Liter großen, über Kompressor befüllten Vorratsbehälter.


Faszination Mercedes-Benz G-Klasse: Mercedes-Benz G 63 AMG 6x6.

Alleskönner auch im Urwald.

Kaum weniger spektakulär sind Modelle wie der G 500 4x42. Dank 45 Zentimeter Bodenfreiheit, einem Meter Wattiefe, Portalachsen und der bekannten Differentialsperrenkombination sind kilometerlange Wasserdurchfahrten und Trips durch den Urwald nie wieder ein Problem. Der doppelt aufgeladene Vierliter-V8 sorgt, 310 kW / 422 PS und 610 Nm stark, zusammen mit der um 30 Zentimeter verbreiterten Spur und einem zweiten 22-Zoll-Rennradsatz dafür, dass sich der G 500 4x42 auch einem Jagdgeschwader anschließen könnte. „Bei einem Unimog kann man mit den Portalachsen maximal 85 km/h schnell fahren“, erläutert Erwin Monisch, „hier sind durch die breitere Spur und die doppelten Federbeine 210 km/h drin.“


Mercedes-Maybach G 650 Landaulet.

Nicht spektakulär genug? Dann gibt es in einer Sonderauflage von 99 Fahrzeugen noch die ultimative G-Klasse – das Maß aller G-Dinge. Der Mercedes-Maybach G 650 Landaulet scheint mit seiner Technik, dem grenzenlosen Komfort und dem einzigartigen Design nicht von dieser Welt zu stammen. Der Radstand der normalen G-Klasse wurde um 60 Zentimeter verlängert, die Bodenfreiheit mit Portalachsen auf nahezu einen halben erhöht und die Spur um mächtige 25 Zentimeter verbreitert. „Wir haben mit dem Fahrzeug etwas Einzigartiges erschaffen“ erklärt G-Klasse-Marktingmanager Ian James, „indem wir einen Offroader wie die G-Klasse und ein Landaulet kombiniert haben.“


Über elektrisch ausfahrbare Trittbretter in den Open-Air-Salon hinaufgeklettert, fehlen einem mit dem kompletten Maybach-Interieur die Superlativen. Zwei klimatisierte Luxussessel mit Massagefunktion werden auf Knopfdruck zu Liegenflächen, wenn es durch die Wüste oder auf Fotosafari durch die Steppe geht. Unter der Motorhaube geht der Zauber weiter: Das AMG-Triebwerk


Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.

Über 38 Produktionsjahre.

Im Laufe seiner mehr als 38 Produktionsjahre hat der G viel erlebt; gewinnt unzählige Titel und Meisterschaften, 1983 sogar die legendäre Martertour der Rallye Paris-Dakar. Ein Jahr zuvor belegt er Platz zwei – als Begleitfahrzeug des siegreichen Porsche-Teams. Mit der Mercedes-Benz G-Klasse kommt man dank ihrer unverwüstlichen Konstruktion, Geländeuntersetzung und drei 100-Prozent-Sperren überall hin. 54 Grad Schräglage, 80 Prozent Steigung und mittlerweile modernste Technik mit ESP, Bremsassistent, diversen Airbags und einer Luxus-Ausstattung – das bietet sonst keiner.


Eine senkrechte Wand hinauffahren.

Bei den ersten Modellen wurden die Differenzialsperren noch mit Zughebeln im Cockpit betätigt, seit vielen Jahren geschieht das alles per Knopfdruck. Wird das Gelände schwierig, aktiviert man zuerst die zentrale Sperre. Wenn man richtig in die Bredouille gerät, kann man auch die beiden Räder von Vorder- und Hinterachse starr miteinander verbinden. Wenn es dann immer noch nicht weitergeht, hat man entweder die falschen Reifen aufgezogen oder versucht gerade, eine senkrechte Wand hinaufzufahren.


Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.
Faszination Mercedes-Benz G-Klasse.

Stets souverän.

Durch den hohen Aufbau des G kann bei starken Verschränkungen und Schrägen die Kippgefahr subjektiv ziemlich hoch erscheinen, doch im Ernstfall verträgt der Wagen deutlich mehr als man glaubt. Auf der Straße fährt sich der G stets souverän, und die Sicherheits- und Komfortausstattung wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder auf den aktuellen Stand der Mercedes-Benz Technik gebracht.