1955: Silberpfeile auf Sieg gebucht.

Die bisher erfolgreichste Motorsport-Saison für Mercedes-Benz.
  • Glorioses Jahr 1955: Silberpfeile siegen in Serie.

  • Glorioses Jahr 1955: Silberpfeile siegen in Serie.

    Vor 60 Jahren sind die Mercedes-Benz Silberpfeile über die komplette Rennsaison hinweg nahezu unschlagbar, und das in allen wichtigen Klassen des internationalen Motorsports: 1955 gewinnt die Stuttgarter Rennmannschaft mit Juan Manuel Fangio auf W 196 R zum zweiten Mal in Folge die Formel 1-Weltmeisterschaft, sie triumphiert in der Sportwagen-Weltmeisterschaft mit dem 300 SLR (W 196 S), und Werner Engel wird auf dem Seriensportwagen 300 SL (W 198) Tourenwagen-Europameister. Dazu kommen wichtige nationale Titel, wie etwa der Gewinn der US-Sportwagenmeisterschaft der Klasse D.

    Paul O'Shea wird 1955 in den USA auf dem Mercedes-Benz Typ 300 SL (W 198 I) Sportwagenmeister des SCCA Class D (Sports Car Club of America).
    Großer Preis von Kristianstad, 1. August 1955: Der Mercedes-Benz Renntransporter mit dem Siegerwagen 300 SLR (W 196 S) auf der Ladefläche.

    Publikum und Fachwelt feiern Mercedes-Benz für diese einzigartige Saison.

    Denn so überwältigend hat bisher noch kein Hersteller das internationale Renngeschehen eines Jahres beherrscht. Es ist das Ergebnis einer Verbindung aus innovativer Technik, einem hoch motivierten Team und einer minutiösen Planung und Organisation. Ein Beispiel bringt diese Haltung des Mercedes-Benz Rennteams anschaulich auf den Punkt:

    Das legendäre „Blaue Wunder“, ein 160 km/h schneller Rennwagen-Schnelltransporter, entwickelt Mercedes-Benz für besonders eilige Transporte der Rennfahrzeuge zwischen Werk, Rennstrecke und Training 1955 als Einzelstück.

    Erfolgreichstes Fahrzeug der Saison 1954 und 1955: Mercedes-Benz Formel-1-Rennwagen W 196 R, hier mit Stromlinienkarosserie.

    1955: Höhepunkt einer glanzvollen Entwicklung.

    Die Vorarbeit für die Silberpfeil-Siege von vor 60 Jahren beginnt schon 1952, als Mercedes-Benz mit dem 300 SL Rennsportwagen (W 194) wieder in den internationalen Motorsport einsteigt und zahlreiche Siege erringt. Dramatisch steigert sich die Spannung dann 1954, als Juan Manuel Fangio – gleich nach dem Wiedereinsteig von Mercedes-Benz in den Grand-Prix-Rennsport – am Steuer des neuen Silberpfeils W 196 überragend Weltmeister wird. In der Saison 1955 schließlich führt Mercedes-Benz diese Entwicklung zur Vollendung. Neben Fangio glänzt vor allem Stirling Moss auf dem neuen Rennsportwagen 300 SLR.

    1955: Höhepunkt einer glanzvollen Entwicklung.

    Die Vorarbeit für die Silberpfeil-Siege von vor 60 Jahren beginnt schon 1952, als Mercedes-Benz mit dem 300 SL Rennsportwagen (W 194) wieder in den internationalen Motorsport einsteigt und zahlreiche Siege erringt. Dramatisch steigert sich die Spannung dann 1954, als Juan Manuel Fangio – gleich nach dem Wiedereinsteig von Mercedes-Benz in den Grand-Prix-Rennsport – am Steuer des neuen Silberpfeils W 196 überragend Weltmeister wird. In der Saison 1955 schließlich führt Mercedes-Benz diese Entwicklung zur Vollendung. Neben Fangio glänzt vor allem Stirling Moss auf dem neuen Rennsportwagen 300 SLR.

    Erfolgreichstes Fahrzeug der Saison 1954 und 1955: Mercedes-Benz Formel-1-Rennwagen W 196 R, hier mit Stromlinienkarosserie.

    Diese exzellente Leistung schürt bereits große Erwartungen für die Rennsaison 1956.

    Doch der Vorstand der damaligen Daimler-Benz AG entscheidet schon vor dem Abschluss des Rennjahres 1955, dass Mercedes-Benz nach dieser Saison bis auf Weiteres aus dem Rennsport aussteigen wird. Grund dafür ist die vom Unternehmen forcierte Entwicklung neuer Personenwagen- und Nutzfahrzeug-Baureihen.

    Juan Manuel Fangio (Startnummer 658) kurz vor dem Start zur Mille Miglia 1955 im Mercedes-Benz Typ 300 SLR Rennsportwagen.

    Dafür werden auch die durch das Rennsport-Engagement gebundenen Kräfte dringend benötigt. Immerhin beschäftigt die Rennabteilung auf dem Höhepunkt der Saison 1955 mehr als 200 Mitarbeiter und kann bei Bedarf auf weitere Experten des Unternehmens zurückgreifen.

    Targa Florio in Italien, 16. Oktober 1955. Sieger Stirling Moss (Startnummer 104) mit Mercedes-Benz Typ 300 SLR-Sport-Rennwagen beim Reifenwechsel an den Boxen.

    Die Botschaft ist eindeutig:

    Kreativität, Innovationskraft und Kompetenz jener Ingenieure und Techniker, die die Mercedes-Benz Rennwagen zum Sieg geführt haben, fließen nun in die Serienentwicklung ein. Für die Silberpfeile, für ihre Fahrer und die gesamte Rennabteilung heißt es Abschied zu nehmen von der Bühne des internationalen Rennsports – auf der Höhe des Erfolgs und mit tosendem Beifall gefeiert.

    Ein geheimnisvoller Motor für den neuen Silberpfeil.

    Dass die Motorsportsaison 1955 ein besonders gutes Jahr für die Stuttgarter zu werden verspricht, zeigt Mercedes-Benz schon Mitte Januar: Der gegenüber der Saison 1954 noch einmal verbesserte W 196 R startet beim Großen Preis von Argentinien in Buenos Aires, mit dem 1955 der Kalender der Formel 1 eröffnet wird. Juan Manuel Fangio, Weltmeister des Vorjahres auf dem Mercedes-Benz Silberpfeil, gewinnt nach übermenschlichen Anstrengungen das Hitzerennen in seinem Heimatland.

    Großer Preis von Argentinien in Buenos Aires, 16. Januar 1955. Sieger Juan Manuel Fangio im Mercedes-Benz Rennwagen W 196 R.

    Doch Mercedes-Benz hat noch einen zweiten Termin in Argentinien: Am 30. Januar starten die Silberpfeile beim formelfreien Rennen um den Großen Preis von Buenos Aires. Fangio gewinnt vor Stirling Moss, Karl Kling kommt auf den 4. Platz.

    Sport-Rennwagen: Der Mercedes-Benz 300 SLR (W 196 S) dominiert die Straßenrennen im Jahr 1955.

    Neuer Dreiliter-Motor.

    Angetrieben werden die Silberpfeile in diesem Rennen von einem neuen Dreiliter-Motor, den die Ingenieure aus dem 2,5-Liter-Achtzylinderaggregat des Formel 1-Rennwagens entwickelt haben. Es ist der Motor, der im neuen Rennsportwagen 300 SLR (W 196 S) zum Einsatz kommen wird.

    Doch dieses Fahrzeug mit muskulöser Stromlinienkarosserie, von Mercedes-Benz für den Kampf um die Sportwagen-Weltmeisterschaft entwickelt, hat erst ein Vierteljahr später in Italien bei der Mille Miglia seine offizielle Rennpremiere.

    Weltmeisterliche Siegserie in der Formel 1.

    In der Formel 1 setzt Mercedes-Benz derweil – wie im Vorjahr – vor allem auf klassische Rennwagen mit frei stehenden Rädern. Insgesamt entstehen drei verschiedene Varianten dieser Karosserieform des W 196 R (das „R“ im Namen steht für „Rennwagen“ und dient der Unterscheidung vom Sportwagen, der das „S“ in der Bezeichnung trägt) für das Jahr 1955. Sie unterscheiden sich vor allem durch unterschiedliche Radstände. Ein vollverkleideter Rennwagen – ähnlich der Stromlinienvariante, mit welcher Mercedes-Benz die Rennsaison 1954 in Reims eröffnet hat – wird erst beim Großen Preis von Italien zum Einsatz kommen, dem letzten Formel 1-Rennen des Jahres 1955.

    Großer Preis von Italien in Monza, 11. September 1955. Juan Manuel Fangio (Startnummer 18) auf Mercedes-Benz Formel-1-Rennwagen W 196 R mit Stromlinienkarosserie fährt als Sieger durchs Ziel.
    Start frei zum Grand Prix von England 1955, der mit einem grandiosen Vierfachsieg der Silberpfeile aus Stuttgart enden wird.

    Drei Mercedes-Benz Doppelsiege.

    Nach einem glücklosen Einsatz beim Großen Preis von Monte Carlo in Monaco (zugleich der Große Preis von Europa) beginnt mit dem Großen Preis von Belgien eine atemberaubende Serie aus drei Mercedes-Benz Doppelsiegen (jeweils mit Fangio auf dem 1. Platz) sowie dem Vierfachsieg der Silberpfeile beim Großen Preis von Großbritannien in Aintree, Lancashire, (in der Reihenfolge Moss, Fangio, Kling und Piero Taruffi). Damit gewinnt Mercedes-Benz nach dem Misserfolg in Monaco alle weiteren Formel 1-Rennen des Jahres 1955.

    Denn nach dem Unglück beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Juni werden die Großen Preise von Deutschland, Frankreich, Spanien und der Schweiz abgesagt. Fangio gewinnt die Fahrerwertung der Formel 1 mit 40 Punkten vor Stirling Moss (23 Punkte). Es ist der zweite Weltmeistertitel des Mercedes-Benz Rennfahrers in Folge auf dem W 196 R und seine insgesamt dritte Meisterschaft.

    Mille Miglia (Brescia/Italien), 1. Mai 1955. Die späteren Sieger Stirling Moss/Denis Jenkinson auf Mercedes-Benz Rennsportwagen Typ 300 SLR nach 303 Kilometer Fahrstrecke in Ravenna.

    Mercedes-Benz 300 SLR: Der Star des Rennjahres 1955.

    Die Marke Mercedes-Benz selbst erhält 1955 in der Formel 1 trotz ihrer überragenden Leistungen (in sieben Rennen insgesamt fünf Siege, vier 2. Plätze und ein 3. Platz) keinen Titel. Denn während die Fahrer-Weltmeisterschaft der Formel 1 seit dem Start im Jahr 1950 vergeben wird, folgt die Konstrukteurswertung erst von 1958 an. Umso wichtiger ist das Engagement in der Sportwagen-Weltmeisterschaft mit dem 300 SLR, wo der erfolgreichste Konstrukteur den Titel erhält.

    Mercedes-Benz 300 SLR: Der Star des Rennjahres 1955.

    Die Marke Mercedes-Benz selbst erhält 1955 in der Formel 1 trotz ihrer überragenden Leistungen (in sieben Rennen insgesamt fünf Siege, vier 2. Plätze und ein 3. Platz) keinen Titel. Denn während die Fahrer-Weltmeisterschaft der Formel 1 seit dem Start im Jahr 1950 vergeben wird, folgt die Konstrukteurswertung erst von 1958 an. Umso wichtiger ist das Engagement in der Sportwagen-Weltmeisterschaft mit dem 300 SLR, wo der erfolgreichste Konstrukteur den Titel erhält.

    Mille Miglia (Brescia/Italien), 1. Mai 1955. Die späteren Sieger Stirling Moss/Denis Jenkinson auf Mercedes-Benz Rennsportwagen Typ 300 SLR nach 303 Kilometer Fahrstrecke in Ravenna.

    Typ 300 SLR (W 196 S).

    Der neue Rennsportwagen, dessen Technik sich eng am Formel 1-Fahrzeug orientiert, hat bei der Mille Miglia Premiere. Stirling Moss gewinnt dieses wohl härteste Straßenrennen der Epoche mit seinem Beifahrer Denis Jenkinson in der besten Zeit, die je bei einer Mille Miglia aufgestellt wird. 10 Stunden, 7 Minuten und 48 Sekunden benötigen die beiden für die rund 1.600 Kilometer. Das entspricht einem Durchschnittstempo von 157,62 km/h. Fangio, der ohne Kopilot fährt, kommt nur 31 Minuten und 45 Sekunden nach dem Sieger auf den 2. Platz – ebenfalls eine grandiose Leistung. Bei dem 1.000-Meilen-Rennen von Brescia nach Rom und zurück demonstriert die Stuttgarter Marke auch, dass sich die sportliche Exzellenz der Mercedes-Benz Fahrzeuge vom reinrassigen Rennwagen bis zur serienmäßigen Limousine erstreckt: Zusätzlich zu dem Gesamtsieg des 300 SLR gewinnen die Serienfahrzeuge 300 SL (W 198) und 180 D (W 120) ihre jeweilige Klasse.

    Nach dem Doppelsieg (Fangio vor Moss) beim Internationalen Eifelrennen auf dem Nürburgring starten die 300 SLR im Juni bei den 24 Stunden von Le Mans. Hier wird das Fahrzeug von Mercedes-Benz Fahrer Pierre Levegh unverschuldet in den bis dahin schlimmsten Unfall der Motorsportgeschichte verwickelt. Rennleiter Alfred Neubauer entscheidet in Absprache mit der Unternehmensleitung, aus Respekt gegenüber den Opfern die führenden 300 SLR aus dem Rennen zu nehmen. Nun wächst der Druck, bei den verbliebenen Wettbewerben zu siegen.

    Entscheidung im letzten Rennen.

    Bei der International Tourist Trophy in Dundrod, Nordirland, dem vorletzten Rennen der Sportwagen-Weltmeisterschaft, erringen die 300 SLR tatsächlich die ersten 3 Plätze. Noch aber fehlen zum Titelgewinn die Punkte des sizilianischen Klassikers, der Targa Florio. Es ist ein Herzschlagfinale, nachdem Mercedes-Benz nur an drei der fünf bislang ausgetragenen Rennen teilgenommen hat und Ferrari mit knappem Vorsprung in Führung liegt. Für den Titelgewinn benötigen die Stuttgarter einen Sieg und müssen zudem sicherstellen, dass die Wettbewerber Ferrari und Jaguar bestenfalls einen 3. Platz belegen. Mercedes-Benz kann auch unter diesem Erfolgsdruck die Siegesserie fortsetzen und entscheidet das Rennen mit einem Sieg von Moss und Peter Collins, einem 2. Platz von Fangio und Kling sowie einem 4. Platz von Desmond Titterington und John Cooper Fitch für sich. Dieser finale Erfolg macht den Titel perfekt und lässt den Mercedes-Stern der Rennabteilung heller strahlen als je zuvor.

    Targa Florio 1955: Der von Juan Manuel Fangio und Karl Kling pilotierte 300 SLR.

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