Gottlieb Daimler.

Die frühen Jahre.

Der Werdegang Gottlieb Daimlers

Gottlieb Daimler wird am 17. März 1834 in Schorndorf geboren. Neben der Lateinschule besucht er sonntags auch die Zeichenschule. 1848 tritt Gottlieb Daimler in Schorndorf eine Lehre als Büchsenmacher an. 1852 schließt er diese mit seinem Gesellenstück ab, einer doppelläufigen Pistole. Nach einem Aufenthalt in Frankreich, bei dem Daimler praktische Erfahrungen im Maschinenbau erwirbt, besucht er von 1857 bis 1859 die Polytechnische Schule in Stuttgart. Nach verschiedenen technischen Tätigkeiten in Frankreich und England tritt er 1862 eine Stelle als Zeichner in Geislingen an. Ende 1863 wird er Werkstätteninspektor in einer Maschinenfabrik in Reutlingen, wo er 1865 auch Wilhelm Maybach kennen lernt.

Am 9. November 1867 heiratet er Emma Kurtz aus Maulbronn. 1869 verlässt er Reutlingen und wird Werkstättenvorsteher der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe. Drei Jahre später wechselt er zu Otto und Langen als Technischer Leiter der Gasmotorenfabrik Deutz, wo er das Ottosche Viertaktprinzip kennenlernt. Nach Differenzen mit der Geschäftsleitung verlässt er die Gasmotorenfabrik Mitte 1882.

Die Versuchswerkstatt.

Der Antrieb des Erfolgs

1882 erwirbt Daimler eine Villa in der Cannstatter Taubenheimstraße für 75.000 Goldmark. Im großen Garten der Villa befindet sich ein Gewächshaus, das er umgehend durch einen Backsteinbau vergrößern lässt, um dort eine Versuchswerkstatt einzurichten. Der grundlegende Ansatz Gottlieb Daimlers ist, Benzin als ausschließlichen Brennstoff für die Motoren zu verwenden und diese in alle nur denkbaren Fahrzeuge – zu Lande, zu Wasser und in der Luft – einzubauen. Als Arbeitsverfahren für die Motoren denkt er selbstverständlich an das Ottosche Viertaktverfahren, das jedoch aufgrund des komplizierten Zündmechanismus keine hohen Drehzahlen gestattet. Daimler lässt sich nach intensiven Versuchen einen ungekühlten, wärmeisolierten Motor mit ungesteuerter Glührohrzündung patentieren. Dieses Patent mit der Nummer DRP 28022 ist ein Meisterwerk an Formulierkunst, da es streng genommen dem Ottoschen Viertaktprinzip entspricht. Es wird daher zum Anlass erbitterter Patentprozesse, die die Deutzer Firma anstrengt, nachdem ihr Daimler ein kostenloses Nutzungsrecht der ungesteuerten Glührohrzündung nicht gestattet. Das Reichsgericht aber, nicht zuletzt aufgrund Daimlers persönlichem Auftreten, folgt dessen Argumentation und so bleibt sein Anspruch bestehen. Ende des Jahres 1883 läuft schließlich der erste Versuchsmotor, der bei der Glockengießerei Kurz gegossen und in deren Büchern als der „kleine Modellmotor“ geführt wird. Dank Glühzündung und mittels Kurvennuten gesteuertem Anlassventil erreicht er 600 Umdrehungen pro Minute und übertrifft damit die bisherigen Motoren, deren Drehzahllimit bei 120 bis 180 Umdrehungen liegt bei weitem.

Der nächste Versuchsmotor wird seines Aussehens wegen als „Standuhr“ bezeichnet. Seine Leistung beträgt in der ersten Ausführung von 1884 etwa 1 PS (0,8 kW) bei 600 Umdrehungen. Mit dieser Konstruktion, die auf Gewichtsersparnis und kompakte Bauweise ausgerichtet ist, schaffen Daimler und Maybach die Grundlage für den Einbau in ein Fahrzeug. Als erster Versuchsträger fungiert ein Motorrad mit hölzernem Rahmen, oft als „Reitrad“ oder „Reitwagen“ bezeichnet. Der nochmals verkleinerte 1-Zylinder-Motor nach dem Vorbild der „Standuhr“ wird stehend unter dem Sitz des Fahrers eingebaut. Auf dieses „Fahrzeug mit Gas- bzw. Petroleum-Kraftmaschine“, wie der Patentanspruch lautet, erhält Daimler am 28. August 1885 das DRP 36423. Im Frühjahr 1886 bestellt Daimler bei der Firma W. Wimpff & Sohn eine Kutsche, Typ „American“. Angefertigt in Hamburg, montiert in Stuttgart, wird der Wagen am 28. August geliefert und in der Nacht heimlich auf das Daimlersche Anwesen gebracht, angeblich als Geburtstagsgeschenk für Emma Daimler. Der Motor, den man samt Drehschemellenkung unter Maybachs Anleitung in der Maschinenfabrik Esslingen einbaut, hat 1,5 PS (1 kW) und ist nach dem Vorbild der „Standuhr“ gebaut. Die Kraftübertragung erfolgt über die Riemen. Mit dieser Daimler „Motorkutsche“ entsteht das erste Vierrad-Automobil der Welt.

Der Fortschritt.

Die Daimler-Motoren-Gesellschaft

Der nächste Versuchsträger ist ein Boot. Das DRP 39367 lautet auf „Einrichtung zum Betrieb der Schraubwelle eines Schiffes mittels Gas- oder Petroleum-Kraftmaschine“. Im Juni 1887 werden neue Fabrikationsräume auf dem Cannstatter Seelberg bezogen. Gottlieb Daimler stellt 23 handverlesene Arbeiter ein. Für einen reinen Versuchsbetrieb war diese Mitarbeiterzahl viel zu hoch und so zehren die Unkosten Daimlers Privatvermögen zum Großteil auf, obwohl das zur damaligen Zeit gut laufende Geschäft mit den Bootsmotoren gute Gewinne erbringt. Die gespannte Kapitallage bewegt Daimler letztlich dazu, Verbündete zu suchen. Er findet diese im General-Direktor der Pulverfabrik Köln-Rottweil Max Duttenhofer und dessen Freund Wilhelm Lorenz. Am 28. November 1890 konstituiert sich die Aktiengesellschaft unter dem Namen Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) mit dem Ziel, die Aktivitäten auf dem Seelberg fortzuführen. Zwar ist Maybach im Syndikatsvertrag als technischer Direktor der Daimler-Motoren-Gesellschaft vorgesehen, die Vertragsmodalitäten sind jedoch für eine Fachgröße, wie Maybach, unannehmbar. So scheidet er am 11. Februar 1891 aus dem Unternehmen aus. Zentraler Punkt der Kontroverse, die sich zwischen Duttenhofer und Daimler abspielt, sind die Produkte. Als sich in diesem Punkt keine Einigkeit erzielen lässt, greift Daimler zu einer List. Unabhängig von der Daimler-Motoren-Gesellschaft soll die Entwicklung unter Maybachs Mitwirkung weiter vorangetrieben werden. Damit schlägt Daimler zwei Fliegen mit einer Klappe, denn er hätte bei Auflösung seines Vertrages mit Maybach eine nicht unerhebliche Summe an diesen zahlen müssen. Zum zweiten Mal muss nun Maybachs privates Domizil als Konstruktionsbüro herhalten.

Im Herbst 1892 mietet Maybach im Auftrag Daimlers den Gartensaal des ehemaligen Hotels Hermann an. Die Patente für die hier erdachten Konstruktionen laufen, aus Gründen der Tarnung, auf den Namen Maybachs. Daimler sorgt lediglich für den finanziellen Rahmen, konstruktiv hatte Maybach freie Hand. Eine der wichtigsten Erfindungen Maybachs aus dieser Zeit ist der Spritzdüsenvergaser. Wirtschaftlicher Erfolg ist der DMG nach Maybachs Weggang nicht beschieden. Bezeichnenderweise werden die Erfindungen von Daimler und Maybach zunächst im Ausland, vor allem in Frankreich, kommerziell genutzt. Die beiden Automobilpioniere Panhard und Levassor erwerben von Daimler im Jahre 1889 die Lizenzrechte und bauen ab 1890 nur noch die von Maybach entwickelten Zweizylinder-V-Motoren in ihre Fahrzeuge ein.

Der Durchbruch.

Der Aufstieg an die Weltspitze

Gottlieb Daimler leidet seit längerem unter Herzbeschwerden. Im Winter 1892/93 erkrankt er erneut und wird im Frühjahr nach Florenz zur Kur geschickt. Dort trifft Daimler Lina Hartmann, wieder, die er früher schon bei Cannstatter Freunden kennengelernt hat. Seine erste Frau Emma war am 28. Juli 1889 verstorben, und die 22 Jahre jüngere und weltgewandte Lina Hartmann beeindruckt ihn nachhaltig: Daimler beschließt erneut zu heiraten. Die Eheschließung mit Lina Hartmann findet am 8. Juli 1893 in Schwäbisch Hall statt. Durch sein Herzleiden gezeichnet, macht Daimler Fehler gegenüber der Daimler-Motoren-Gesellschaft. So lehnt er es beispielsweise ab, die Aktien an der DMG zu erwerben, die ihm die Mehrheit garantiert hätten, wohl auch, weil er selbst Zweifel hat, ob sich die Geschicke der DMG noch zum Besten wenden. Das immer gespannter werdende Verhältnis Daimlers zu Lorenz und Duttenhofer führt letztendlich dazu, dass beide ihn als Aktionär ausschalten, indem sie auf Rückzahlung der 400.000 Mark drängen, die die Daimler-Motoren-Gesellschaft der Bank schuldet. Andernfalls drohen sie mit Konkurs, eröffnen aber Daimler die Möglichkeit, sein Aktienpaket und die Rechte an seinen Erfindungen zum Preis von 66.666 Mark zu verkaufen. Um nicht als Bankrotteur dazustehen, stimmt Daimler zu. Daimler ist damit abgehängt. Doch bringt es der Firma kein Glück. Es gibt keine technischen Fortschritte mehr, und die Bilanzen werden zusehends schlechter.

Ein 1895 an Maybach ergangenes Angebot der Daimler-Motoren-Gesellschaft weist dieser mit dem Hinweis, dass er ohne Daimler nicht zurückkommt, zurück. Duttenhofer hätte dieser Forderung nie entsprochen, wäre nicht ein anderer Umstand hinzugekommen, der einen Sinneswandel auslöst: Durch den von Maybach konstruierten „Phönix-Motor“ ist der Begriff des Daimler-Motors im Ausland in aller Munde. Eine Gruppe englischer Industrieller wünscht die Lizenzrechte dieses Motors für England zu erwerben – zum Preis von 350.000 Mark. Allerdings mit der Bedingung, dass Daimler wieder in die Gesellschaft aufgenommen wird. Die Rückkehr Daimlers und Maybachs bringt der DMG einen ungeahnten Aufschwung. Daimler erhält seinen Aktienanteil zurück. Seine Stellung im Aufsichtsrat ist die eines sachverständigen Beirats und Generalinspektors. Maybach wird am 8. November 1895 zum Technischen Direktor der Daimler-Motoren-Gesellschaft ernannt und erhält ebenfalls Aktien. Für Maybach geht es nun zuallererst darum, mit technisch fortschrittlichen und zuverlässigen Produkten die Konkurrenzfähigkeit der DMG wiederherzustellen. Eine wichtige Grundlage bilden die im Hotel Hermann entwickelten Konstruktionen. Fünf Jahre später, am 6. März 1900, stirbt Gottlieb Daimler.

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