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Juwelen Indiens.

Eine Arztfamilie aus Bangalore hat eine gemeinsame Leidenschaft: klassische Mercedes-Benz Fahrzeuge.

Text und Fotos: Helge Bendl

Herzchirurg und Auto-Begeisterter.

Dass Leidenschaft ansteckend sein kann, ist bekannt. Dass ein Familienvater Ehefrau und Töchter für eine sehr männliche Passion, für klassische Automobile, begeistert, ist schon ungewöhnlicher. Dr. Ravi Prakash hat als Herzchirurg im südindischen Bangalore gearbeitet, dann Kliniken gemanagt und ist heute Inhaber einer Firma für Sicherheitstechnik. „Ich bin ein Mercedes-Typ, durch und durch“, sagt er über sich selbst. „Der Glamour und das Image der Marke haben mich zum Fan gemacht.“ Außerdem liebt er Fahrzeuge aller Art, die seine Heimat Indien geprägt haben. Und er hat sie gern um sich: Über Jahrzehnte hat er an die 400 Zweiräder, Kutschen und Autos zusammengetragen, darunter etwa zwei Dutzend Mercedes-Benz Modelle.

Vater und Tochter im klassischen Automobil.
Die Tochter hat die Automobil-Klassiker zu ihrem Beruf gemacht.

Klassiker sind cool und trendy.

Tochter Rupali Prakash ist 27 Jahre alt und hat den Umgang mit Automobil-Klassikern zu ihrem Beruf gemacht. Sie entwirft Accessoires wie Tassen, Laptoptaschen, T-Shirts od­­er Kissen mit Oldtimer-Motiven. Vom Nachbau des Benz Patent-Motorwagens aus der väterlichen Sammlung hat sie sich für eine ihrer Kollektionen inspirieren lassen. Sie vertreibt sie unter der Marke Classic Chase und verbindet damit eine Mission: „Wenn junge Menschen klassische Automobile als cool und trendy begreifen, dann werden auch künftige Generationen dieses Kulturgut lieben und erhalten.“

Im Sonntags-Staat.

Sonntags sind die Straßen der Millionenmetropole Bangalore, der drittgrößten Stadt Indiens, am wenigsten befahren. Dann holt Familie Prakash ihre Mercedes-Benz Juwelen aus den Garagen, kleidet sich stilgemäß in traditionelle Gewänder: Der offene Tourenwagen vom Typ 320 war einst das bevorzugte Reisegefährt des Maharadscha von Darbhanga und seiner Entourage. Seit die jüngere Tochter Shefali nach London gezogen ist, sind die Prakashs meist zu dritt unterwegs.

Sonntags holt die Familie die Mercedes-Benz Juwelen aus der Garage.

„Ein bisschen Filmstar.“

Ehefrau und Mutter Sabena Prakash lebt Mercedes-Benz Klassiker nicht nur auf dem Beifahrersitz. Sie ist mit den beiden Töchtern auch schon als Ladies Team bei Oldtimer-Rallyes gestartet. „Unsere Limousine, Typ Nürburg, ist tough und wuchtig, erfordert Kraft beim Lenken“, sagt sie. Doch das ist nicht der Grund, wieso sie am liebsten den offenen Tourenwagen des kompakteren Typs 170 V steuert: „Man spürt hier den Fahrtwind so schön und fühlt sich ein bisschen, als sei man ein berühmter Filmstar.“

„Ein bisschen Filmstar.“

Ehefrau und Mutter Sabena Prakash lebt Mercedes-Benz Klassiker nicht nur auf dem Beifahrersitz. Sie ist mit den beiden Töchtern auch schon als Ladies Team bei Oldtimer-Rallyes gestartet. „Unsere Limousine, Typ Nürburg, ist tough und wuchtig, erfordert Kraft beim Lenken“, sagt sie. Doch das ist nicht der Grund, wieso sie am liebsten den offenen Tourenwagen des kompakteren Typs 170 V steuert: „Man spürt hier den Fahrtwind so schön und fühlt sich ein bisschen, als sei man ein berühmter Filmstar.“

Jagdwagen eines Maharadscha.

Die Limousine vom Typ Nürburg orderte 1929 der Maharadscha von Rajkot für Jagdausflüge. Er schätzte das Sicherheitsgefühl und den Komfort des deutschen Fabrikats und zog es den in Indien weit verbreiteten englischen Marken vor. „Als Passagier im Fond fühlt man sich wirklich wie im siebten Himmel“, bestätigt Sabena Prakash. Und ihr Mann Ravi ergänzt: „Wenn ein so altes Fahrzeug nach der Restaurierung wieder so rund läuft wie bei seiner ersten Zulassung, freue ich mich wie ein Kind.“ Hinter dem Nürburg steht ein Landaulet vom Typ 290, dessen Restaurierung nahezu abgeschlossen ist.

Sicherheitsgefühl und Komfort bietet die Limousine vom Typ Nürburg.
Die jüngsten Mercedes-Benz Modelle der Familie stammen aus den 1950er-Jahren.

„Ponton-Mercedes“, in Indien eine Rarität.

Die jüngsten Mercedes-Benz Modelle von Ravi Prakash stammen aus den 1950er-Jahren. Der Sechszylinder Typ 219 (links) und der Vierzylinder Typ 190 sind nie in großen Stückzahlen nach Indien gelangt. Beide top-restaurierten Limousinen würden auch in europäischen Sammlungen eine gute Figur machen. Die Auto-Kollektion von Ravi Prakash soll allerdings nie ein Fahrzeug verlassen: Er, der auch Indien-Repräsentant der Klassiker-Weltorganisation FIVA ist, hat den Plan, ein Museum zu bauen und seine Fahrzeuge der Öffentlichkeit als ein Stück der Kulturgeschichte Indiens zu präsentieren.

„Ponton-Mercedes“, in Indien eine Rarität.

Die jüngsten Mercedes-Benz Modelle von Ravi Prakash stammen aus den 1950er-Jahren. Der Sechszylinder Typ 219 (links) und der Vierzylinder Typ 190 sind nie in großen Stückzahlen nach Indien gelangt. Beide top-restaurierten Limousinen würden auch in europäischen Sammlungen eine gute Figur machen. Die Auto-Kollektion von Ravi Prakash soll allerdings nie ein Fahrzeug verlassen: Er, der auch Indien-Repräsentant der Klassiker-Weltorganisation FIVA ist, hat den Plan, ein Museum zu bauen und seine Fahrzeuge der Öffentlichkeit als ein Stück der Kulturgeschichte Indiens zu präsentieren.

Die jüngsten Mercedes-Benz Modelle der Familie stammen aus den 1950er-Jahren.

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