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  • Traumfabrik.
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    Traumfabrik.

    Reportage Mercedes-Benz Classic Center Fellbach.

Grandiose Historie.

S-Klasse, SL oder GLC sind bei Mercedes-Benz nur die eine Seite der glänzenden Sternen-Medaille. Wie kein anderer Autohersteller leben die Schwaben von ihrer grandiosen Historie. Sie wird im Classic Center Fellbach geradezu zelebriert.


Mercedes-Benz Originalität.

Das Classic Center in Fellbach ist seit 1993 das weltweite Zentrum der automobilen Mercedes-Benz Originalität. Wer einen spektakulären 600er besitzt oder seine Pagode auf Vordermann bringen lassen möchte, ist in der Werkstatt genau richtig. „Die Kunden haben sich im Laufe der Jahre durchaus geändert“ erklärt Klaus Reichert, Leiter Mercedes-Benz Classic Center, als er durch die Eingangshalle seiner Traumfabrik schreitet, „Originalität geht heute über alles. Das war nicht immer so.“


Ein spektakulär erhaltener Mercedes-Benz 600.

In dem verglasten Bereich vor der Tür zur eigentlichen Werkstatt stehen Modelle, bei denen nicht nur jedem Mercedes-Fan das Wasser im Munde zusammenläuft. Schnell fällt der Blick auf einen spektakulär erhaltenen Mercedes-Benz 600 der legendären Baureihe W 100 – die Staatslimousine schlechthin. Der schwarze 600er aus dem Museumsbestand wurde 1979 für Mercedes-Benz gebaut. In den ersten zwei Jahren nutzte Mercedes-Benz diesen 600 als Chauffeurlimousine für Veranstaltungen. 1981 verkaufte das Unternehmen das Fahrzeug an einen seiner besten Kunden, einen Autohändler in der Nähe von Stuttgart.


Das Fahrzeug wurde nie bewegt.

Der Eigentümer des Autohauses kaufte das Fahrzeug mit 54.500 km und lagerte es fachgerecht in einem eigenen Showroom. Das Fahrzeug wurde seither nie bewegt. Doch es glänzen auch der Traumsportwagen 300 SL – offen wie geschlossen - oder die Luxuscabrios der Baureihe W 111, deren Preise in den vergangenen Jahren längst in überirdische Höhen entschwunden sind.


„Die Pagoden sind stark im Kommen.“

„Die Pagoden sind ebenfalls sehr beliebt“, legt Klaus Reichert nach, „hier gibt es mittlerweile auch eine größere Nachfrage nach Werksrestaurierungen wie allgemein bei den SL‘s. Viele kaufen auf dem freien Markt vermeintlich gut erhaltene Modelle und erschrecken sich hinterher, wenn sie von uns eine ehrliche Meinung bekommen.“ Wer – bei welchem Auto auch immer – eine rechte Werksrestaurierung will, muss viel Zeit und Geld mitbringen.


Andreas Häberle, Projektleiter.

Wenn es perfekt sein soll, braucht es Zeit.

„Eine komplette Werksrestaurierung dauert zwei Jahre.“, erklärt Projektleiter Andreas Häberle in tiefstem Schwäbisch, „man könnte das auch in etwas mehr als einem Jahr durchboxen, aber wenn es perfekt sein soll, braucht es mit Rohkarosse und allem Drum und Dran eben einfach seine Zeit.“


„Das ist ein eher ungewöhnliches Projekt.“

Die haben die Eigentümer des ungewöhnlichen Mercedes-Benz 450 SEL in auffallend kräftigen Mittelblaumetallic scheinbar. Der Wagen aus dem diplomatischen Dienst in Frankreich, der auf dem Markt kaum mehr als 15.000 Euro bringen dürfte, wird in den nächsten zwei Jahren in Fellbach auf Neuzustand gebracht. „Das ist ein eher ungewöhnliches Projekt“, räumt Klaus Reichert an, „aber seine Eigentümer haben oft Fahrzeuge bei uns und wollen ihren W 116 eben wieder wie neu haben.“


Das Gros machen nach wie vor Luxusmodelle.

Auch wenn „Pagoden-SL“ der Baureihe W 113 oder der klassische 107er mittlerweile in Wert und Arbeitsnachfrage im Fellbacher Classic Center steigen; das Gros machen nach wie vor Luxusmodelle wie der „Flügeltürer“ oder die W 100-Staatslimousine aus. „Ein Mercedes-Benz 600 ist technisch durchaus kompliziert“, sagt sein Experte Andreas Häberle, „das Auto ist komplex und das ist bekannt. Die meisten kommen daher gleich zu uns. Genau wie beim 300 SL.“ Wie nebenbei verweist er darauf, dass die Staatslimousine, bis 1991 auch Repräsentationsfahrzeug der deutschen Bundesregierung, seiner Meinung nach auf dem freien Markt nach wie vor eigentlich zu günstig sei – gemessen an Technik und Exklusivität. Der schwarze 600er wird aktuell vom Fahrzeughandel ALL TIME STARS zum Verkauf angeboten. „Der ist durchaus wertvoller als manche andere Exemplare, die deutlich mehr kosten“, sagt Häberle.

Die Auftragsbücher sind voller denn je.

Dass die Auftragsbücher voller denn je sind, davon kann man sich bei einem Rundgang durch die Werkstatt überzeugen. Kaum ein Quadratmeter an Fläche ist ungenutzt. Stehen hier oder da keine Fahrzeuge oder Ersatzteile, wird der Platz für Werkzeuge aller Art oder zum Abstellen von Rohkarossen genutzt. Jeder der insgesamt 14 Mechaniker ist dabei ein Spezialist auf seinem Gebiet. Die meisten waren schon vor ihrer Zeit im Classic Center im Unternehmen und wechselten dann aus Leidenschaft in die Fellbacher Classic-Abteilung.


Klaus Reichert, Leiter Mercedes-Benz Classic Center.

Bis heute eine absolute Rarität.

Doch selbst den klassisch versierten Daimler-Schraubern gehen dann und wann noch einmal die Augen über. So geschehen wie aktuell beim Mercedes von 1912, der vor kurzem aus dem Museumsbestand in die Werkstatt gebracht wurde. Der erhabene Oldtimer war zu seiner Zeit ein wahres Luxusmodell. Die Kotflügel sind mit Leder bespannt und damit die erlauchten Passagiere in der Fondkabine nicht frieren, wurde der Daimler seinerzeit mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Die Abgase erwärmten ein Rohrsystem im Unterboden – bis heute eine absolute Rarität. Doch der Chef des Classic Centers Klaus Reichert bestätigt einen Trend, der auch bei den weltweiten Auktionshäusern zu beobachten ist: „Die Nachfrage nach Vorkriegsmodellen geht gegenüber den Nachkriegsfahrzeugen eindeutig zurück. Das merken auch wir.“


Das Thema Teileversorgung ist essentiell.

Das Thema Teileversorgung ist essentiell für die perfekte Wartung und Restauration der Oldtimer. „In unserem Teilecenter in Germersheim gibt es 52.000 Ersatzteile für Klassiker“, so Andreas Häberle. Teile, die nicht mehr verfügbar sind, können in Originalqualität nachproduziert werden. Schwerpunkt bei Nachfertigungen und Wiederauflagen sind zumeist sicherheits- und fahrrelevante Teile. Wenn möglich, übernimmt der ursprüngliche Serienlieferant die erneute Produktion, alternativ stehen jedoch mehr als 150 zertifizierte Zulieferer bereit.


Nicht nur Komplett- oder Teil-Restaurierungen.

Aber nicht nur Komplett- oder Teil-Restaurierungen, sondern auch Einzel-Instandsetzungen oder Neuaufbau von Motoren, Getrieben, Achsen, Lenkungen und sonstigen Aggregaten obliegen der Center-Werkstatt, sofern sie aus dem Mercedes-Benz Ersatzteilbestand nicht mehr zu beziehen sind. Bei Expertisen – Untersuchungen zur Originalität mit entsprechender Zustandsbeschreibung und Dokumentation zu besonders hochwertigen Klassikern aus der einzigartigen Geschichte von Mercedes-Benz – deckt das Classic Center die technische Seite ab, während die Recherche, die korrekte Zuordnung der Untersuchungsergebnisse und die Erstellung der Dokumentation durch die Archive und Sammlung von Mercedes-Benz Classic erfolgen.