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„Form follows function.“

Es gab größere, es gab stärkere und auch imageträchtigere Limousinen aus dem Hause Mercedes-Benz. Aber keine war amerikanischer als die Baureihe W 110, die viele auch als „Heckflosse“ kennen. An sich passt die „Heckflosse“ mit dem Stern nicht so recht ins europäische oder gar deutsche Straßenbild. Opulente Fahrzeuge mit Heckflossen kennt man bestens aus der amerikanischen Historie. Prächtige Luxusmodelle wie Chevrolet Impala, Cadillac Eldorado, Buick LeSabre oder Plymouth Belvedere trugen in den 50er- und 60er-Jahren als visuellen Höhepunkt ihrer ausladenden Formen ihre gigantischen Heckflossen zur Schau. Das ein oder andere Modell von Cadillac, Ford oder Chevrolet glich eher einem Raumschiff oder einem Flugzeug, denn einem Gefährt, das sich ausschließlich auf asphaltierten Bahnen bewegte. Das spektakulärste Autodesign der Nachkriegszeit kam aus den USA. In Italien und England hatte man mit den Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges zu kämpfen und in Deutschland herrschte bei Fahrzeugen abseits der Sportwagenklasse zumeist das Motto „form follows function“.

Auf der legendären Route 66 ging es für tausende von Amerikanern Richtung Westen ins gelobte Land.

Auf der legendären Route 66 ging es für tausende von Amerikanern Richtung Westen ins gelobte Land.

Der Mercedes-Benz 230 im Coachella Valley nahe Indian Wells.

Der Mercedes-Benz 230 im Coachella Valley nahe Indian Wells.

Gemessen an US-Maßstäben ein Heckflösschen.

Mit dem Mercedes-Benz der Baureihe W 110 als Nachfolger des erfolgreichen „Ponton-Mercedes“ änderte sich dies über Nacht. Auf einmal trug auch eine deutsche Oberklasselimousine sehenswerte Formen zur Schau; auch wenn diese nicht derart opulent wie die der amerikanischen Vorbilder waren. So gehört der „Heckflossen-Mercedes“ gerade als Topmodell 230 ins Land der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. Kein Auto brachte die USA und Deutschland besser unter einen automobilen Hut als der 230er der Baureihe W 110 – Codename Heckflosse. Gemessen an US-Maßstäben eher ein Heckflösschen.

In kaum mehr als elf Sekunden auf Tempo 100.

Kein Wunder, dass der dunkelgrüne Beau mit dem Farbcode 291, erstmals in Boston / Massachusetts zugelassen am 15. November 1966, den Namen Minnie Finnie (übersetzt auch der kleine von zwei Brüdern) trägt. Waren die meisten Modelle in Deutschland mit Vierzylindern – Diesel oder Benziner – unterwegs, trägt der damals über 4.500 Dollar teure Kalifornier lässig seine Topmotorisierung zur Schau. Der 230 steht mit seinem M 180-Motor für sechs Zylinder in Reihe, 88 kW / 120 PS bei 5.400 U/min und stattliche 175 km/h Spitzengeschwindigkeit. Wer will, kann den Viertürer noch heute in kaum mehr als elf Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 scheuchen.

Der tiefdunkelgrüne Lack des 230ers ist eine echte Schau.

Der tiefdunkelgrüne Lack des 230ers ist eine echte Schau.

In der kalifornischen Wüste wird nach wie vor Salz gefördert. Viele der großen Anlagen sind jedoch seit Jahren verlassen.

In der kalifornischen Wüste wird nach wie vor Salz gefördert. Viele der großen Anlagen sind jedoch seit Jahren verlassen.

Qualitäten eines Oberklassemodells.

Von den Qualitäten eines solchen Oberklassemodells überzeugt man sich am besten auf langer Strecke. So geht es heraus aus dem Städte-Wirr-Warr des Großraums Los Angeles Richtung Palm Springs. Die 4,73 Meter lange Limousine wird mit ihren Gängen manuell geschaltet und das tut ihr beim Beschleunigen sichtlich gut. Selbst an Anstiegen auf Highways und Interstates kann man sich das Herunterschalten in den dritten Gang sparen. Mit 178 Nm maximalem Drehmoment klettert das Vorzeigemodell aus deutschen Landen munter alle Berge und Anstiege hoch – und dank serienmäßigen Scheibenbremsen an der Vorderachse auch wieder sicher runter.

Der Schwabe zieht munter seine Bahnen.

Es ist Spätherbst und so freut man sich über die kühlen Temperaturen, die eine Klimaanlage entbehrlich sein lassen. Je weiter es Richtung Wüstenparadies geht, umso mehr fühlt sich der 1,3 Tonnen schwere Mercedes-Benz 230 zu Hause und zieht an gigantischen Lastwagen und Pick-ups vorbei als wäre es nichts. Bisweilen scheppert ein schwächlich tönender Musiksender in englischer oder spanischer Sprache aus der Mono-Box im Armaturenbrett. Die Erstbesitzerin Constance E. Fuller hatte die Oberklasselimousine mit einem 125 Dollar teuren Blaupunkt AM-Radio geordert, das noch heute anstandslos, aber klangschwach seinen akustischen Dienst verrichtet.

Die düsteren Wolken bringen ihn kaum in Wallung und auch, als kurz hinter Corona starker Regen einsetzt, zieht der Schwabe munter seine Bahnen.

Ungemütlicher wird es, als es auf der Interstate 10 Richtung Indio geht. Die Fahrspuren sind mit einer Längsfräsung überzogen und die verträgt sich mit den dünnen Diagonalreifen und den immer größer werdenden Wassermengen nicht so recht. Nach einer viertel Stunde geht es rechts raus Richtung Palm Springs und der schunkelnde Eiertanz hat sein Ende. Bevor es ins Hotel geht, steht ein Abstecher bei einem der zahlreichen Autohändler an, die besonders gerne europäische Modelle anbieten. Ein älteres Ehepaar hält neben dem dunkelgrünen Mercedes-Benz 230 und ist begeistert. Die New Yorker verbringen ihre Winter jedes Jahr hier im Coachella Valley und suchen genauso einen Schwaben wie Minnie Finnie.

In Twentynine Palms an der Nordgrenze des Yoshua Tree National Park gibt es längst mehr als 29 Palmen.

In Twentynine Palms an der Nordgrenze des Joshua-Tree-Nationalpark gibt es längst mehr als 29 Palmen.

Twentynine Palms.

Am nächsten Tag ist das Wetter besser und es geht sonnenumsäumt weiter in die Wüste. Der kurze Schlenker durch die Box Canyon Road, um von Mecca in den Joshua-Tree-Nationalpark zu kommen, muss entfallen. Die starken Regengüsse haben die schmale Straße unpassierbar gemacht und so geht es durch den malerischen Wüstenpark Richtung Norden nach Twentynine Palms. Selbst im Dezember sind die Campingplätze hier im Park noch ausgebucht und zahlreiche Wanderer genießen die angenehmen Sonnentemperaturen von rund 20 Grad Celsius. Der 230er frisst derweil weiter munter seine Kilometer und fühlt sich auf der Route 66 scheinbar ähnlich wohl wie im Winterparadies Palm Springs. Der Tankstopp in Twentynine Palms und ein angenehmer Realverbrauch von knapp elf Litern Superkraftstoff auf 100 Kilometern ersparen einem das teure Nachfüllen an der wohl bekanntesten Tankstelle der USA, wenn nicht der Welt.

Erinnerungen an eine glorreiche Ära.

In Amboy scheint die Zeit stehen geblieben und man sieht im Geiste die amerikanischen Heckflossen auf dem Weg in den goldenen Westen vorbeirauschen. Die Unterkünfte von einst sind längst verlassen und so erinnert nur die Tankstelle und das pittoreske Roy’s Motel Schild an eine glorreiche Ära, in der sich gerade in den USA beinahe alles um das Thema Auto drehte. Gerade blubbert eine Horde Harley-Fahrer auf ihren Maschinen vorbei, die beim Anblick des Mercedes-Benz 230 anerkennend den Daumen nach oben recken.

Auf dem sandigen Weg in den Joshua-Tree-Nationalpark Richtung Twentynine Palms.

Auf dem sandigen Weg in den Joshua-Tree-Nationalpark Richtung Twentynine Palms.

Die alte Poststation von Kelso in der kalifornischen Steppe ist seit 1985 verlassen.

Die alte Poststation von Kelso in der kalifornischen Steppe ist seit 1985 verlassen.

Nicht mehr viel zu sehen.

Ein Bild, das sich bei der Weiterfahrt nach Las Vegas wiederholt. Wieder werden die Highways gemieden und im immer gelblicher werdenden Nachmittagslicht geht es Richtung Kelso, das seine Hochzeit als Eisenbahnknotenpunkt während des Zweiten Weltkriegs erlebte, weil Truppen und Armeegüter von hier aus in alle Richtungen verteilt werden konnten. Nachdem die Union Pacific Bahnlinie dort ihr lokales Depot 1985 schloss, ist außer einer alten Poststation und einem Touristencenter nicht mehr viel zu sehen. So geht es weiter nach Nordosten Richtung Las Vegas. Als die Sonne langsam untergeht, rollt der W 110 kurz vor Primm seit langem wieder einmal auf einen Highway und zeigt auf der Interstate 15, dass ihm höhere Autobahntempi perfekt liegen. Der Spiraltacho zeigt mehr als 70 Meilen an, als es im flotten Galopp ins gewohnt prächtig illuminierte Las Vegas geht.

Heimatland der kleinen Heckflosse.

Trotz der wild blinkenden LED-Wände sorgt die deutsche Oberklasselimousine aus dem Jahre 1966 auch in Vegas für Aufsehen. Auf Parkplätzen, vor Hotels, an Ampeln und selbst auf dem gleißend hellen Las Vegas Strip werden Mobiltelefone gezückt und man fragt immer wieder nach Baujahr und Fahrzeugtyp. Vegas zeigt nach Palm Springs mehr denn je, dass die USA das eigentliche Heimatland der kleinen Heckflosse sind. Zwei Tage später geht es nach frühmorgendlichem Start zurück nach Irvine, rund eine Stunde südlich von Los Angeles. Diesmal bleiben die kleinen charmanten Straßen außen vor und der Mercedes-Benz 230 rollt auf dem direkten Weg per Interstate 15 zurück ins San Bernardino Valley.

Ein kurzer Tankstopp in Baker, einem Örtchen am Fuß des Death Valley, das seit den 1960er-Jahren kaum mehr zu bieten hat als ein paar Tankstellen, Imbisse und heruntergekommene Motels, in denen seit Jahren niemand mehr gewohnt hat. Hinter Victorville nimmt der W 110 Abschied von der scheinbar endlosen Wüste, seichten Hügelketten und einem nur mäßig befahrenen Highway. Von Riverside bis Irvine sind es die letzten 50 Meilen auf dem Roadtrip, auf dem der Mercedes-Benz 230 tief in seine Geburtsjahre eintauchen konnte. Ein echtes Heimspiel – natürlich in den USA.

Kraftstoffverbrauch kombiniert CO₂-Emissionen kombiniert Stromverbrauch im kombinierten Testzyklus

Nach Redaktionsschluss, 04.02.2019, können sich Änderungen am Produkt ergeben haben.

1 Die angegebenen Werte wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren ermittelt. Es handelt sich um die „NEFZ-CO₂-Werte“ i. S. v. Art. 2 Nr. 1 Durchführungsverordnung (EU) 2017/1153. Die Kraftstoffverbrauchswerte wurden auf Basis dieser Werte errechnet. Der Stromverbrauch wurde auf der Grundlage der VO 692/2008/EG ermittelt. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch aller neuen Personenkraftwagenmodelle“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

2 Die angegebenen Werte sind die „gemessenen NEFZ-CO₂-Werte“ i. S. v. Art. 2 Nr. 2 Durchführungsverordnung (EU) 2017/1153, die im Einklang mit Anhang XII der Verordnung (EG) Nr. 692/2008 ermittelt wurden. Die Kraftstoffverbrauchswerte wurden auf Basis dieser Werte errechnet. Der Stromverbrauch wurde auf der Grundlage der VO 692/2008/EG ermittelt. Aufgrund gesetzlicher Änderungen der maßgeblichen Prüfverfahren können in der für die Fahrzeugzulassung und ggf. Kfz-Steuer maßgeblichen Übereinstimmungsbescheinigung des Fahrzeugs höhere Werte eingetragen sein. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

4 Angaben zu Kraftstoffverbrauch, Stromverbrauch und CO₂-Emissionen sind vorläufig und wurden vom Technischen Dienst für das Zertifizierungsverfahren nach Maßgabe des WLTP-Prüfverfahrens ermittelt und in NEFZ-Werte korreliert. Eine EG-Typgenehmigung und Konformitätsbescheinigung mit amtlichen Werten liegen noch nicht vor. Abweichungen zwischen den Angaben und den amtlichen Werten sind möglich.