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  • Nico Rosberg mit seinem Pagoden-SL. Foto: Paul Ripke.
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    Nico Rosberg: „Das pure Glück.“

    Nico Rosberg fuhr mit elf Jahren erste Kartrennen. 2016 beendete er seine Karriere mit der Formel-1-WM. Er ist nach Damon Hill der zweite Sohn eines Weltmeisters, der den Erfolg des Vaters wiederholen konnte.

    Interview: Jochen Fischer | Foto: Paul Ripke

„Mit Tränen in den Augen.“

Nico Rosberg, ist für Sie nach dem Rückzug aus der Formel 1 das Thema Motorsport für alle Zeiten erledigt?

Als aktiver Fahrer schon. So sieht es zumindest momentan aus. Ich habe nullkommanull andere Pläne. Aber ich bin auch ein Mensch, der niemals nie sagt. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich möchte meinem Sport irgendwie erhalten bleiben. In welcher Rolle das sein könnte – da ist noch nichts konkret.

Sie sind zwar erst 32 Jahre alt, blicken dennoch auf über 20 Jahre Motorsportkarriere zurück. Was überwiegt mit einem Jahr Abstand: der Schmerz, sich von so einem langen Lebensabschnitt zu lösen? Die Erleichterung, den Druck des Siegenmüssens abgestreift zu haben?

Vor allem das pure Glück. Viele Rennsiege, drei davon in Monaco. Am Ende der Weltmeistertitel gegen Lewis im eigenen Team. Ich hatte eine wahnsinnig tolle Karriere, habe das Gleiche erreicht wie mein Vater und bin dabei gesund geblieben. Das ist ein sehr, sehr schönes Gefühl. Von einigen Momenten werde ich noch meinen Enkelkindern mit Tränen in den Augen erzählen.

Nico Rosberg zu Besuch im Mercedes-Benz Museum.
Nico Rosberg zu Besuch im Mercedes-Benz Museum.

„Die Mercedes Historie hat mich immer fasziniert.“

Haben Sie während Ihrer aktiven Jahre auch einmal weiter zurückgeblickt, sich für die Motorsportgeschichte vor Ihrer Zeit interessiert?

Oh ja, sehr. Ich habe viele schöne Bücher geschenkt bekommen und gern gelesen. Besonders die Mercedes Historie hat mich immer fasziniert, die Marke hat eine solch grandiose Tradition. Was mich besonders stolz macht, ist, dass ich jetzt in einer Reihe mit großen Namen wie Juan Manuel Fangio stehe.

Als Werksfahrer von Mercedes-Benz hatten Sie auch Gelegenheit, historische Silberpfeile zu steuern. Welcher hat auf Sie den stärksten Eindruck gemacht?

Ganz klar Fangios Weltmeister-Auto von 1954. Das durfte ich am Hockenheimring und auf der Nürburgring-Nordschleife mit Michael Schumacher fahren. Das war echt sehr, sehr beeindruckend. Die Fahrer dieser Ära haben jedes Wochenende ihr Leben riskiert. Was für eine Leidenschaft das gewesen sein muss.

„Die Fahrer damals waren in einem positiven Sinn verrückt.“

Stellen wir uns vor, Sie hätten die Gelegenheit zu einer Zeitreise im Motorsport. Welches Jahrzehnt, welchen Ort würden Sie ansteuern? Mit wem oder gegen wen wären Sie gern einmal ein Autorennen gefahren?

Ich glaube, die 80er. Gegen Prost und Senna. Die beiden sind absolute Legenden für mich.

Lassen sich die körperlichen und mentalen Anforderungen an einen Formel-1-Piloten des Jahres 2016 in irgendeiner Weise mit den Anforderungen der Silberpfeil-Epochen der 1930er- und 1950er-Jahre vergleichen?

Ich glaube nein. Ich habe viel darüber gelesen und auch Videos gesehen. Wie schon gesagt, die Fahrer damals waren in einem positiven Sinn verrückt. Ich denke da an die Szene beim Großen Preis von Deutschland 1938, als sich beim Nachtanken Treibstoff entzündete und Manfred von Brauchitsch heftige Brandwunden davontrug. Aber das hat keinen interessiert, weiter ging’s. Das Adrenalin im Körper hat den Schmerz betäubt. Unfassbar. Also, ich hätte das ehrlich gesagt nicht lange mitgemacht.

Nico Rosberg zu Besuch im Mercedes-Benz Museum.
Nico Rosberg zu Besuch im Mercedes-Benz Museum.

„Caracciola ist eine Legende, die mich sehr beeindruckt.“

Könnten Sie sich vorstellen, in die Rolle eines Rudolf Caracciola zu schlüpfen, der beispielsweise beim Großen Preis von Deutschland 1937 im W 125 eine Renndistanz von über 500 Kilometern in einer Siegerzeit von annähernd vier Stunden absolvierte?

Auch Caracciola ist eine Legende, die mich sehr beeindruckt. Wahnsinnsleistungen! Ein Neffe von ihm hat mich einmal bei einem Rennen in Spa besucht und wir haben uns über die Geschichten von früher unterhalten. Wie gesagt: Die Charaktere von damals finde ich extrem interessant.

Hatten Sie als Junge im Kart oder als Nachwuchsfahrer in der Formel 3 sportliche Vorbilder?

Das war eigentlich immer Mika Häkkinen. Mein Vater managte ihn, deshalb war da eine Nähe. Ich habe mitgefiebert in seinen Kämpfen gegen Michael Schumacher.

„Es gibt wenig Besseres.“

Gibt es rückblickend für Sie in der Mercedes-Benz Motorsportgeschichte herausragende Persönlichkeiten?

Den legendären Rennleiter Alfred Neubauer. Die Fahrer Fangio, Caracciola, Moss, Häkkinen. Und das Duo Rosberg/Hamilton. Die haben sich auch einen tollen Kampf geliefert (lacht), wenn ich recht informiert bin …

Sie besitzen unter anderem einen Pagoden-SL. Bedeutet für Sie das Fahren eines klassischen Autos einen Kontrapunkt zum Motorsport, ist Ihre Pagode eine Maschine zur Entschleunigung?

Es bietet ein tolles Fahrgefühl. In diesem Auto nehme ich die Welt tatsächlich ganz anders wahr. Meine Frau und ich kleiden uns für eine Pagoden-Tour auch standesgemäß und fahren dann am Wochenende zu einem schönen Restaurant an der Küste Südfrankreichs. Es gibt wenig Besseres.