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  • Meilenstein der Mobilitätsgeschichte: Bertha Benz wagt 1888 mit ihren Söhnen Eugen und Richard die erste Automobilfernfahrt der Welt.
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    Spirit of 1888.

    Daimler und Benz beflügeln vor 130 Jahren mit Start-up-Geist die Mobilität.

130 Jahre Erfolgsgeschichte.

Sie sprühen nur so vor Ideen, die jungen Unternehmen. Und ihre kleinen, agilen Teams probieren alles Mögliche aus, um für ihre Hightech-Erfindungen neue Anwendungen zu erschließen.

Das klingt nach modernen Start-up-Unternehmen aus Berlin oder dem Silicon Valley? Tatsächlich ist hier die Rede von einer mehr als 130 Jahre alten Erfolgsgeschichte. Denn genau jener Pioniergeist, der heute als Start-up-Spirit junge Tech-Unternehmen beflügelt, treibt Ende des 19. Jahrhunderts die hoch innovativen Firmen zweier Automobil-Pioniere an: Carl Benz in Mannheim und Gottlieb Daimler in Cannstatt bei Stuttgart.

Start-up-Gründer aus den 1880er-Jahren: Die Automobilpioniere Carl Benz und Gottlieb Daimler.

Start-up-Gründer aus den 1880er-Jahren: Die Automobilpioniere Carl Benz und Gottlieb Daimler.

Die ersten Automobile der Welt, hier im Mercedes-Benz Museum: Der Patent-Motorwagen von Carl Benz aus dem Jahr 1886 (rechts) und die Motorkutsche von Gottlieb Daimler.

Die ersten Automobile der Welt, hier im Mercedes-Benz Museum: Der Patent-Motorwagen von Carl Benz aus dem Jahr 1886 (rechts) und die Motorkutsche von Gottlieb Daimler.


Kurzer Blick zurück.

Kurzer Blick zurück: Benz stellt 1886 das erste Automobil der Welt vor, den Patent-Motorwagen. Daimler erhält im gleichen Jahr eine Fahrgenehmigung für seine motorisierte Kutsche. Ihr Einzylindermotor wird wegen seiner charakteristischen Form „Standuhr“ genannt.

Die beiden Erfinder kennen sich nicht, sie entwickeln ihre wegweisenden Fahrzeuge ganz unabhängig voneinander. Dafür ist ihre Epoche mit dem von industriellem Aufbruch und Innovationen geprägten Klima eine große, verbindende Klammer: Die 1880er-Jahre gehören zur zweiten Phase der sogenannten Gründerzeit.


Der mutige Start-up-Spirit springt über.

Der mutige Start-up-Spirit springt über – auch auf die Familien. Die erste Fernfahrt eines Automobils in der Weltgeschichte unternimmt nämlich keiner der beiden Erfinder, sondern Bertha Benz, die Ehefrau von Carl.

Am Steuer des weiter entwickelten Patent-Motorwagens, der auch als Modell 3 bezeichneten Serienausführung, startet sie im August 1888 zu einer rund 110 Kilometer langen Fahrt von Mannheim nach Pforzheim. Mit dabei sind ihre Söhne Eugen und Richard. Die Weltpremiere mit 1,8 kW (2,5 PS) unter realistischen Bedingungen zeigt das gewaltige Potenzial des Automobils. So ist die Fernfahrt von 1888 ähnlich wichtig wie heutige Erprobungen autonomer und elektrischer Fahrzeuge.

Tankstellen gibt es 1888 noch nicht. Bertha Benz und ihre Söhne müssen ihren Benzinnachschub deshalb in der Apotheke decken.

Tankstellen gibt es 1888 noch nicht. Bertha Benz und ihre Söhne müssen ihren Benzinnachschub deshalb in der Apotheke decken (das Foto von 1988 zeigt die erste Ausführung des Patent-Motorwagens von 1886, tatsächlich aber findet die Fahrt mit der Serienversion von 1888 statt).

Prospekt für den „Benz Patent-Motorwagen“ mit Extras: abnehmbares Halbverdeck und Spritzleder. Auf der Grafik ist rechts Carl Benz persönlich zu sehen.

Prospekt für den „Benz Patent-Motorwagen“ mit Extras: abnehmbares Halbverdeck und Spritzleder. Auf der Grafik ist rechts Carl Benz persönlich zu sehen.


Das neuartige Verkehrsmittel Automobil.

Aber warum sollen das neuartige Verkehrsmittel Automobil und der innovative Benzinmotor eigentlich nur dem Personenverkehr auf der Straße dienen? Gottlieb Daimler in Cannstatt hat schon 1886 die ersten mit seinem Motor ausgerüsteten Boote erprobt. 1888 denkt er noch weiter und in viele verschiedene Richtungen gleichzeitig. Unter anderem arbeitet er an der Motorisierung eines Feuerwehr-Löschfahrzeugs, an einer Straßenbahn mit Verbrennungsmotor, und sogar die Luftschifffahrt erobert er 1888 mit seiner Kraftmaschine.


Der Reihe nach.

Der Reihe nach: Daimler und Wilhelm Maybach liefern eine systematische Reihe wichtiger Innovationen. 1883 ist ihr erster schnelllaufender Gasmotor fertig – die Initialzündung. 1885 dann der erste schnelllaufende Benzinmotor, der im gleichen Jahr im „Reitwagen“ beweist, dass er als Fahrzeugantrieb dienen kann. 1886 wird der Motor mit dem Spitznamen „Standuhr“ in der Motorkutsche erprobt.

Warum der Hinweis auf einen schnellen Lauf? Dieser ist von fundamentaler Bedeutung. Denn die ersten Verbrennungsmotoren haben eine extrem geringe Drehzahl und damit Leistung.


Erst als höhere Drehzahlen gelingen, reicht die Leistung für ein breites Anwendungsspektrum aus – und der Durchbruch kommt.

Am 29. Juli 1888 meldet Gottlieb Daimler dann ein Patent für eine Feuerspritze mit Motorbetrieb an. Dabei ist der Motor nicht etwa zum Antrieb des schweren Fahrzeugs gedacht, sondern als Kraftquelle für die Löschpumpe.


Daimler-Feuerspritze aus dem Jahr 1890. Das Patent für diese Technik meldet Daimler am 29. Juli 1888 an.

Daimler-Feuerspritze aus dem Jahr 1890. Das Patent für diese Technik meldet Daimler am 29. Juli 1888 an.


Perfekte Alternative.

Damit löst Daimler auf einen Schlag das Problem der bisher zur Verfügung stehenden Pumpen: Die mit Kohlensäure betriebenen Gasspritzen sind zu schnell erschöpft, und Dampfpumpen starten viel zu langsam. Der schnelllaufende Verbrennungsmotor ist die perfekte Alternative. Mit einem kleinen Zusatzgetriebe läuft die 0,74 kW (1 PS) starke Kraftmaschine in einem für die Feuerlöschpumpe optimalen Drehzahlbereich. Noch im selben Jahr entwickelt Daimler die Technik weiter und stellt auf dem XIII. deutschen Feuerwehrtag im Juli 1888 eine stärkere Variante mit Zweizylindermotor vor.


Öffentlichkeitswirksame Plattform.

Nicht nur Gottlieb Daimler präsentiert seine Erzeugnisse erfolgreich auf großen Messen und Ausstellungen. Auch Benz räumt für seine Produkte wichtige Preise ab. Zum Beispiel bei der ersten Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung für das Deutsche Reich. Die Messe findet vom 1. August bis zum 15. Oktober 1888 in München auf dem Isartorplatz statt. Für das weltweit erste in Serie gebaute Automobil mit Verbrennungsmotor erhält Benz eine Goldene Medaille. Er nutzt die öffentlichkeitswirksame Plattform klug aus und führt sein Automobil in der bayerischen Residenzstadt auch öffentlich vor.


Werbeblatt für die Serienausführung des Benz Patent-Motorwagens (Modell 3) auf der Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung in München 1888.

Werbeblatt für die Serienausführung des Benz Patent-Motorwagens (Modell 3) auf der Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung in München 1888.


Authentische Rekonstruktion der Gondel des Wölfertschen Motor-Luftschiffs mit originalem Daimler-Motor im Ausstellungsbereich „Mythos 1“ des Mercedes-Benz Museums.

Authentische Rekonstruktion der Gondel des Wölfertschen Motor-Luftschiffs mit originalem Daimler-Motor im Ausstellungsbereich „Mythos 1“ des Mercedes-Benz Museums.


Neue Einsatzgebiete.

Gottlieb Daimler erschließt unterdessen seinem Motor weiter neue Einsatzgebiete. Besonders spektakulär ist der erste Motorflug des Luftschiff-Pioniers Dr. Friedrich Hermann Wölfert am 10. August 1888. An diesem Tag legt sein von einem Daimler-Einzylindermotor angetriebener Lenkballon vier Kilometer zurück: von Cannstatt zum Aldinger Exerzierplatz bei Kornwestheim. Das als hoch innovative Garagenfirma in Daimlers Gartenhaus gegründete Unternehmen zeigt mit dem Experiment großen Weitblick.

Das liefert eine Parallele zur heutigen Aufbruchstimmung in der Mobilitätsbranche: Die Daimler AG ist an Volocopter beteiligt. Das Luftfahrt-Start-up aus Bruchsal will in wenigen Jahren autonome, elektrische Lufttaxis (eVTOL) auf den Markt bringen.


Leidenschaft für Innovation.

Auch ein neues Schienenfahrzeug treibt der Daimler-Motor an: Nach der Premiere einer Miniatur-Straßenbahn mit Motorbetrieb zum Cannstatter Volksfest 1887 folgt ein Jahr später ein vollwertiger Straßenbahnwagen mit 2,9 kW (4 PS) starkem Einzylindermotor. Er kann bis zu 20 Personen befördern.


Leidenschaft für Innovation, Einsatz für neue Möglichkeiten der Mobilität: Dafür stehen die Unternehmensgründer Gottlieb Daimler und Carl Benz. Und dafür steht heute die Daimler AG mit ihrer Strategie CASE für die intuitive Mobilität der Zukunft: vernetzt, autonom, geteilt und elektrisch.