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  • Der „Kamerad“ des Barons: Im Mercedes-Benz Museum ist ein Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 ausgestellt, das detailliert dem Rekordflieger des Barons nachempfunden ist.
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    Weltumrundung 1928: Mit 20 PS rund um den Globus.

    Wie ein 22-jähriger Pilot vor 90 Jahren seinen Traum erfüllte.

Erste Etappe: von Berlin nach Moskau.

Den Rumpf des Eindeckers mit Paraffin beschichtet, den Tank gefüllt, eine Thermoskanne mit heißem Tee sowie Bananen als Proviant in eine Tasche gepackt: Mehr Startvorbereitungen braucht Friedrich Karl Freiherr Koenig von und zu Warthausen nicht. In den frühen Morgenstunden des 11. August 1928 hebt der gerade einmal 22 Jahre alte Pilot nach einem Spontanentschluss in Berlin-Tempelhof ab, um nach Moskau zu fliegen. Er will den Streckenrekord für Leichtflugzeuge brechen und den Hindenburg-Pokal gewinnen.

Der „Kamerad“ des Barons: Im Mercedes-Benz Museum ist ein Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 ausgestellt, das detailliert dem Rekordflieger des Barons nachempfunden ist.

Der „Kamerad“ des Barons: Im Mercedes-Benz Museum ist ein Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 ausgestellt, das detailliert dem Rekordflieger des Barons nachempfunden ist.

Zuverlässiges Leichtgewicht: Der 15 kW (20 PS) starke Mercedes-Benz Flugmotor F 7502 trägt das Flugzeug des Freiherrn von Koenig-Warthausen einmal um die Erde.

Zuverlässiges Leichtgewicht: Der 15 kW (20 PS) starke Mercedes-Benz Flugmotor F 7502 trägt das Flugzeug des Freiherrn von Koenig-Warthausen einmal um die Erde.


Die sportliche Leistung vor Augen.

Die Strecke ist lang und die Sonne im Tagesverlauf heiß. Der Pilot erinnert sich später: „In diesen drückenden Mittagsstunden rief ich mir immer wieder das Ziel meines Fluges ins Gedächtnis. Ich musste nach Moskau! Wenn ich ohne Unterbrechung dorthin gelangte, so war das ein Weltrekord. Noch nie war jemand mit einem Leichtmotor eine solche Strecke geflogen. Wenn ich nach Moskau gelangte, so konnte es weiterhin sein, dass ich mit meinem Flug den Hindenburgpreis gewann, der für die beste deutsche Amateurleistung mit Sportflugzeugen ausgesetzt worden war.“


Leichtflugzeuge erfüllen Fliegereiwünsche.

Unterwegs ist er auf seinem privaten Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20, das er „Kamerad“ getauft hat. Die Maschine, angetrieben vom 15 kW (20 PS) starken Mercedes-Benz Flugmotor F 7502, ist als „Volksflugzeug“ entwickelt und soll die Fliegereiwünsche vieler Menschen erfüllen – Sehnsüchte in einer Epoche, die von der Begeisterung der Transkontinentalflüge des Charles Lindbergh und seiner Nachfolger getragen wird. Leichtflugzeuge wie die L 20 des Luftfahrtpioniers Hanns Klemm mit ihrem robusten und zuverlässigen Mercedes-Benz Motor gelten dafür als Schlüssel.


„Das Flugzeug für Schule, Reise und Sport“: Werbeanzeige für das Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 mit Verweis auf die eigene Fliegerschule.

„Das Flugzeug für Schule, Reise und Sport“: Werbeanzeige für das Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 mit Verweis auf die eigene Fliegerschule.

Flug über Sindelfingen: Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 über dem Standort der Klemm-Werke.

Flug über Sindelfingen: Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 über dem Standort der Klemm-Werke.


Nach sechzehn Stunden in Moskau.

Der Rekordversuch des Freiherrn von Koenig-Warthausen verläuft zunächst nach Plan. Am Nachmittag verschlechtert sich allerdings das Wetter. 20 Minuten vor der russischen Hauptstadt muss er die L 20 in einem Feld landen. „In sechzehn Stunden hatte ich eintausendsiebenhundert Kilometer zurückgelegt“, freut sich Koenig-Warthausen in seinen Aufzeichnungen. „Durch meinen Flug war der bisherige Streckenweltrekord für Leichtflugzeuge weit überboten.“ Anerkannt wird der Rekord aus formalen Gründen allerdings nicht.


Spontanentschluss: einmal um die Welt.

So fasst der Freiherr binnen weniger Tage den zweiten Spontanentschluss: Nach den vorzüglichen Erfahrungen mit seinem „Kamerad“ startet er zu einer Weltumrundung. Damit beginnt endgültig eines der größten Abenteuer in der Geschichte der Leichtflugzeuge von Hanns Klemm. Von Moskau aus geht es in Richtung Orient. Der Baron fliegt über alte Festungsstädte und die Weiten des Kaukasus, über Kamelkarawanen und riesige Ölfelder mit einem ganzen Wald aus Bohrtürmen. In Teheran endlich der Triumph: Der Pilot hat den Hindenburg-Pokal 1928 gewonnen – sein persönliches Ziel ist erreicht.

Der „Kamerad“ des Barons: Im Mercedes-Benz Museum ist ein Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 ausgestellt, das detailliert dem Rekordflieger des Barons nachempfunden ist.

Zeitreise mit Propeller: Friedrich Karl Freiherr Koenig von und zu Warthausen vor dem Leichtflugzeug L 20.

Schwebt über den Museumsgästen: Das Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 im Mercedes-Benz Museum.

Schwebt über den Museumsgästen: das Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 (Nachbau) im Mercedes-Benz Museum.

Nach knapp 15 Monaten ist New York erreicht.

Der weitere Flug nach Hause führt quer durch Asien. Märchenhafte Ortsnamen sammeln sich im Bordbuch: unter anderem Isfahan, Karachi, Jodhpur, Agra, Bangkok und Singapur. Per Schiff geht es nach Japan und nach wenigen Flugetappen weiter nach Nordamerika. Von San Francisco fliegt die L 20 durch die Vereinigten Staaten, mit einem Abstecher nach Kanada. Immer wieder wird der deutsche Flieger unterwegs für seine Leistung gefeiert. Am 3. November 1929 kommt von Koenig-Warthausen in New York an – und verpasst den zweiten Gewinn des „Hindenburg-Pokals“ in Folge ganz knapp, weil er zwei Tage zu spät ist. Doch den Triumph für diese außerordentliche Weltumfliegung mit 15 kW (20 PS) ist ihm nicht zu nehmen. Per Schiff geht es nach Deutschland zurück. Dort endet am 22. November das Abenteuer.

Das Rekordflugzeug im Mercedes-Benz Museum.

Wer das Klemm-Daimler-Leichtflugzeug L 20 „Kamerad“ sehen möchte: Das Mercedes-Benz Museum zeigt es als Teil der Dauerausstellung. Weil das originale Flugzeug des Freiherrn von Koenig-Warthausen nicht erhalten ist, ist in den 1980er-Jahren eigens für das Museum eine originalgetreue Rekonstruktion auf Basis einer L 20 entstanden.


Der Baron selbst hat dafür zahlreiche Unterlagen aus dem privaten Archiv der Familie Koenig-Warthausen zur Verfügung gestellt. Heute gehört die L 20 zum Mythosraum 3: Umbrüche – Diesel und Kompressor – und schwebt dort über den Besuchern.


Bildergalerie.